Navia (Gattung)

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Navia
Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Bromeliengewächse (Bromeliaceae)
Unterfamilie: Navioideae
Gattung: Navia
Wissenschaftlicher Name
Navia
Mart. ex Schult.f.

Navia ist eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Navioideae innerhalb der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Früher wurden sie in die Unterfamilie Pitcairnioideae eingeordnet. Der Gattungsname Navia ehrt den Naturwissenschaftler Bernard Sebastian von Nau († 1845) [1]. Heute rechnet man etwa 93 Arten zu dieser Gattung. Verbreitungsgebiet ist das nordöstliche Südamerika (Kolumbien, Venezuela, Brasilien, Guyana und Suriname) mit dem Guayana-Hochland als Entwicklungszentrum.

Beschreibung[Bearbeiten]

Bei Navia-Arten handelt sich um terrestrische, meist xerophytische, ausdauernde krautige Pflanzen, die manchmal durch vegetative Vermehrung Bestände bilden. Einige Arten bilden im Verlauf von vielen Jahren kleine, nicht verholzende Stämme, die manchmal auch verzweigt sein können.

In grundständigen oder endständigen Rosetten stehen die derben Laubblätter zusammen. Die flachen, nach innen oder zurück gebogenen Blattränder sind glatt oder stachelig gesägt. Mindestens die Blattunterseite ist beschuppt. Die Stomata besitzen schmale und breite Nebenzellen. Die Saugschuppen überlappen sich ein wenig, sind unregelmäßig und bei manchen Arten relativ dicht angeordnet. Es ist kein sternförmiges Chlorenchym und kein Hypodermalsklerenchym vorhanden.

Nur wenige Navia-Arten bilden einen mehr oder weniger langen Blütenstandsschaft; meist ist die endständige Blütenstandsachse gestaucht und so sitzt der Blütenstand nestartig in der Blattrosette. Die einfachen oder verzweigten, kopfigen Blütenstände besitzen manchmal auffällige Hochblätter. Es können Blütenstiele vorhanden sein. Die je nach Art kleinen bis großen, zwittrigen Blüten sind dreizählig. Von den drei löffelförmigen Kelchblätter überdecken die zwei oberen das untere. Die drei freien Kronblätter sind winzig. Es sind zwei Kreise mit je drei freien Staubblättern vorhanden. Drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen oder halb bis vollkommen unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Der Griffel ist schlank. Die Bestäubung erfolgt meist durch Wind (Anemophilie); dies kommt bei keiner weiteren Gattung der Bromeliaceae vor.

Die Blütenformel lautet: \star\; K_3 \;  C_3 \; A_{3+3} oder G_{\underline{(3)}}

Es werden Kapselfrüchte gebildet. Die Samen besitzen eine netzartige Oberfläche und keine Anhängsel.

Systematik[Bearbeiten]

Die Gattung Navia wurde 1830 von Mart. ex Schult. f. in J. J. Roemer & J. A. Schultes: Systema Vegetabilium, 7 (2): lxv, 1195 mit zwei Arten beschrieben. Typusart ist Navia caulescens Mart. ex Schult.. Die meisten Navia-Arten wurden von Lyman B. Smith, manchmal in Zusammenarbeit mit Julian Alfred Steyermark und Harold E. Robinson beschrieben.

Da molekulargenetische Untersuchungen ergaben, dass die Unterfamilie Pitcairnioideae in ihrem ursprünglichen Umfang nicht monophyletisch war wurde sie in mehrere Unterfamilien aufgeteilt. Dabei wurde die Unterfamilie Navioideae reaktiviert mit den Gattungen Brewcaria, Cottendorfia, Sequencia, Steyerbromelia und Navia. Aus der Gattung Navia wurden von Holst 1997 die Arten mit ährigen oder rispigen Blütenständen in die Gattung Brewcaria und die Arten mit Anhängseln am Samen in die Gattung Steyerbromelia ausgegliedert.

Es gibt etwa 93 Navia-Arten:

Nicht mehr zu Gattung gehören:

  • Navia brevifolia Griseb. → Deuterocohnia brevifolia (Griseb.) M.A.Spencer & L.B.Sm.
  • Navia brocchinioides L.B.Sm. → Brewcaria brocchinioides (L.B.Sm.) B.Holst
  • Navia cataractarum Sandwith → Brocchinia cataractarum (Sandwith) B.Holst
  • Navia diffusa L.B.Sm. → Steyerbromelia neblinae B.Holst
  • Navia fluviatilis L.B.Sm. → Brocchinia rupestris (Gleason) B.Holst
  • Navia gracilis L.B.Sm. → Brewcaria reflexa (L.B.Sm.) B.Holst
  • Navia hechtioides L.B.Sm. → Brewcaria hechtioides (L.B.Sm.) B.Holst
  • Navia hohenbergioides L.B.Sm. → Brewcaria hohenbergioides (L.B.Sm.) B.Holst
  • Navia platyphylla L.B.Sm. & Steyerm. → Steyerbromelia ramosa (L.B.Sm.) B.Holst
  • Navia plowmanii L.B.Sm., Steyerm. & H.Rob. → Steyerbromelia neblinae B.Holst
  • Navia ramosa L.B.Sm. → Steyerbromelia ramosa (L.B.Sm.) B.Holst
  • Navia reflexa L.B.Sm. → Brewcaria reflexa (L.B.Sm.) B.Holst
  • Navia rupestris (Gleason) Sandwith → Brocchinia rupestris (Gleason) B.Holst
  • Navia thomasii L.B.Sm., Steyerm. & H.Rob. → Steyerbromelia thomasii (L.B.Sm., Steyerm. & H.Rob.) B.Holst

Navia lopezii L.B.Sm. wurde oft zitiert als einzige Art, die keine sonst für die Familie typischen Saugschuppen besitzt. Julian Alfred Steyermark & Berry stellten 1984 in Ann. Missouri Bot. Gard., 71: 297 diese Art als Aratitiyopea lopezii in eine neue Gattung Aratitiyopea in die Familie der Xyridaceae. So besitzen jetzt alle Bromelienarten Saugschuppen.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zu den Namen der Bromeliengattungen.
  2. Illustration von Navia albiflora.
  3. Illustration von Navia geaster.
  4. Illustration von Navia lactea.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • T. J. Givnish, J. C. Pires, S. W. Graham, M. A. McPherson, L. M. Prince & T. B. Patterson: Phylogeny, biogeography, and ecological evolution in Bromeliaceae: Insights from ndhF sequences. in J. T. Columbus, E. A. Friar, J. M. Porter, L. M. Prince, & M. G. Simpson: Monocots: Comparative Biology and Evolution. Poales, Rancho Santa Ana Botanical Garden, Claremont, 2006, 23, Seite 3-26.
  • B. K. Holst: Bromeliaceae, S. 548-676, in P. E. Berry, B. K. Holst & K. Yatskievych (Herausgeber): Flora of the Venezuelan Guayana, Volume 2, Missouri Botanical Garden, St. Louis, USA, 1997.
  • Lyman B. Smith & Robert Jack Downs: Flora Neotropica, No. 14, 1: Pitcairnioideae (Bromeliaceae), 1974, Hafner Press, New York, USA. ISBN 0-89327-303-1
  • Jason R. Grant: An annotated catalogue of the generic names of the Bromeliaceae, 1998: Online - Über die Namen der Gattungen der Bromeliaceae. (Abschnitt Systematik)

Weblinks[Bearbeiten]