Nazar-Amulett

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Nazar-Amulette in einem türkischen Basar
Ein im Fußgängerweg eingebautes Nazar-Amulett in Bodrum

Nazar-Amulette sind in einigen orientalischen Ländern verbreitete blaue, augenförmige Amulette, die gemäß dem Volksglauben den Bösen Blick abwenden sollen.[1] Der Begriff kommt ursprünglich vom arabischen Ausdruck Nazar / ‏نظر‎ / Naẓar, was u. a. für Sehen, Blick, Einsicht steht. Im Türkischen bezeichnet nazar boncuğu das Nazar-Amulett bzw. wörtlich die Blick-Perle, ebenfalls gebraucht werden die Begriffe mavi boncuk (Blaue Perle), wovon sich auch der englische Begriff mojo ableitet[2] oder göz boncuğu (Augen-Perle).[3]

Im Volksglauben besitzen Menschen mit hellblauen Augen den unheilvollen Blick. Ein ebenfalls „Blaues Auge“ soll demnach als Gegenzauber diesen Blick bannen und abwenden.

Gern werden Nazar-Perlen gegen den Bösen Blick kleinen Kindern an der Kleidung befestigt, hängen als Amulett allgegenwärtig am Innenrückspiegel von vielen Taxen und Lastwagen oder dienen als Verzierung am Schlüsselanhänger. Jedoch findet man sie ebenso an der Eingangstür zu Viehställen. Geht ein „Auge“ kaputt, so hat es offensichtlich seinen Dienst getan und einen Bösen Blick abgewendet – und wird schnell durch ein neues ersetzt.

Ein Nazar-Amulett wird meistens aus farbigem Glas hergestellt. Es hat oft eine Tropfenform. Kleinere Exemplare sehen eher aus wie Perlen und größere wie flache Scheiben. Das Charakteristische am Nazar-Amulett sind seine Farben: Von innen nach außen konzentrische Kreise ähnlich wie bei der Regenbogenhaut eines Auges in den Farben dunkelblau, hellblau, weiß und dunkelblau. Es wird deshalb auch oft das „Blaue Auge“ genannt. Eine andere Bezeichnung ist auch „Auge der Fatima“, benannt nach der jüngsten Tochter des Propheten Mohammed. Im Nahen Osten und Nordafrika wird das Abwehrzeichen Hand der Fatima häufig mit einem Nazar kombiniert.

Nazar-Perlen gibt es in allen Größen und Ausführungen von Stecknadelkopf- bis zu Tellergrößen in den Basaren und Souvenirläden zu kaufen. Es wird üblicherweise in der kleinen Form als Schmuck am Körper getragen oder in der größeren Fassung gut sichtbar an eine Wand (bevorzugt gegenüber einem Eingang oder einer Tür) gehängt, um dem „Bösen“ deutlich entgegenzutreten. Sein Gegenstück – das „Böse Auge“ – dagegen, ist käuflich nicht zu erwerben.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. etwa C. B. M. Hoffer: The practice of islamic healing. In: W. A. R. Shadid, P. S. van Koningsveld (Hgg.): Islam in Dutch Society: Current Developments and Future Prospects, Kok Pharos, Kampen, NL 1992, S. 40-55, hier 42 (einsehbar bei Google Books), mit weiterführender Literatur.
  2. Vgl. Jane Hathaway: A Tale of Two Factions. Myth, Memory and Identity in Ottoman Egypt and Yemen, SUNY Press, Albany 2003, 116 (einsehbar bei Google Books).
  3. Vgl. Ronald T. Marchese: The fabric of life. Cultural transformation in Turkish society, Binghamton University, New York 2004, 103ff (einsehbar bei Google Books).

Weblinks[Bearbeiten]