Neal Stephenson

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Neal Stephenson

Neal Town Stephenson (* 31. Oktober 1959 in Fort Meade, Maryland, USA) ist ein in Seattle lebender Schriftsteller. In seinen Science-Fiction-Romanen spiegeln sich seine Experimente mit neuen Medien wie virtueller Realität und dem World Wide Web wider. Er gilt deshalb als einer der Hauptvertreter des Cyberpunk. Auf sein Werk Snow Crash geht der Begriff Avatar, in der Bedeutung für animierte Profile, zurück.

Leben[Bearbeiten]

Neal Stephenson stammt aus einer Familie von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern: Seine Mutter arbeitete als Biochemikerin in einem Labor, sein Vater lehrte Elektrotechnik, die Großväter waren Professoren für Physik und Biochemie. 1960 zog die Familie mit ihm nach Champaign-Urbana, wo er bis 1966 aufwuchs. Danach lebte er in Ames und schloss dort 1977 die High School ab. Er studierte zuerst Physik, dann bis 1981 Geografie an der Boston University.

Er war zeitweise als Berater für das von Jeff Bezos gegründete private Raumfahrtunternehmen Blue Origin tätig und ist Mitbegründer der Softwarefirma Subutai Corporation.

Werke[Bearbeiten]

Oft mischen sich in seinen Büchern historische Elemente mit futuristischen Technikfantasien; so porträtiert er beispielsweise in The Diamond Age eine Gesellschaft, die sich hochentwickelter Nanotechnologie bedient, aber gesellschaftlich einem viktorianisch-puritanischen Rollenmodell huldigt. Seit Ende der 1990er Jahre widmet sich Stephenson historischen Stoffen, jedoch mit der Sensibilität eines Science-Fiction-Autors. Wie viele Autoren hält Stephenson wenig von strengen Genre-Abgrenzungen. Vordergründig sind Cryptonomicon und der Barock-Zyklus dem Genre des historischen Romans zuzuordnen, beide Werke sind jedoch gesättigt mit typischen SF-Motiven.

Sein Roman Snow Crash spielt in einem Amerika, das in unzählige Mininationen zersplittert ist, die als Franchiseunternehmen großer Konzerne betrieben werden, und das bis hin zu Polizei und Strafvollzug vollständig privatisiert wurde. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein fortgeschrittenes System der virtuellen Realität, das mit einer florierenden Hacker-Kultur einher geht. Weitere Bezüge bestehen zu der sumerischen Mythologie mit ihrem Gott Enki.

1995/96 ging er im Auftrag des Wired auf Weltreise und erkundete als Hacker tourist die technischen, wirtschaftlichen und historischen Seiten der Verlegung von Seekabeln, anhand des Projektes Fiber-Optic Link Around the Globe. Sein Essay erschien im Dezember 1996 unter dem Titel Mother Earth - Mother Board.[1] Einige der auf der Reise gemachten Erfahrungen brachte er in sein nächstes Buch ein.

Sein Cryptonomicon befasst sich in zwei Zeitsträngen (1940er und 1990er Jahre) mit dem Thema Kryptographie. Stephenson verwebt hier die Lebensgeschichte von Lawrence Pritchard Waterhouse, eines fiktiven, an der Entschlüsselung der Enigma beteiligten Mathematikers während des Zweiten Weltkriegs mit der Geschichte seines Enkels Randy Waterhouse, der in Südostasien einen Datenhafen errichten will. Eine zentrale Rolle im Roman spielt der von Bruce Schneier entworfene Verschlüsselungsalgorithmus Solitaire.

Die acht Romane des Barock-Zyklus wurden in den drei Bänden Quicksilver, Confusion und Principia veröffentlicht und spielen Mitte des 17. bis Anfang des 18. Jahrhunderts. Sie erzählen in mehreren Handlungssträngen die Geschichten des Mitglieds der Royal Society Daniel Waterhouse, der mehr durch Zufall in den Adelsstand aufsteigenden Ränkeschmiedin Eliza und des Vagabunden Jack Shaftoe und bieten eine umfangreiche Vorgeschichte der Familien, die auch in Cryptonomicon auftreten. Die Epoche von 1655 bis 1714 wird von Stephenson mit sehr vielschichtig und detailliert recherchiertem Hintergrundwissen mit ihren religiösen, politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen, wissenschaftlichen und technischen Umwälzungen auf insgesamt über 3000 Seiten in mehreren parallelen, miteinander verwobenen Handlungssträngen pointiert, unterhaltsam und spannend dargestellt. Insbesondere die Darstellung der Entstehung des modernen Finanzsystems (globaler Handel, Banken- und Börsenwesen) sind mehr als nur ein Romanhintergrund und erläutern noch immer aktuelle Mechanismen und Zusammenhänge.

Stephensons im Internet veröffentlichtes In the Beginning… Was the Command Line (auf Deutsch Die Diktatur des schönen Scheins. Wie grafische Oberflächen die Computernutzer entmündigen) ist im Gegensatz zu seinen anderen Werken kein Roman, sondern ein Aufsatz über freie Software. Insbesondere werden die Betriebssysteme Mac OS, Linux, Microsoft Windows und BeOS metaphorisch dargestellt.

Neal Stephensons Roman Anathem ist von den Ideen der Long Now Foundation beeinflusst.

Reamde (dt. Error) ist ein Action-Roman, der ähnlich wie Cory Doctorows Roman For the Win vor dem Hintergrund eines fiktiven MMORPGs spielt. In Reamde dienen Computerspiele und -equipment allerdings lediglich als loser Rahmen für eine von detailreich beschriebenen Actionszenen geprägten Handlung. Der Text enthält anders als seine Romane wie Snow Crash oder Diamond Age kaum visionäre bzw. Science-Fiction-Elemente. [2][3]

Bibliografie[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

Kurzgeschichten[Bearbeiten]

  • Spew (1994)
  • The Great Simoleon Caper (1995)
  • Jipi and the Paranoid Chip (1997)
  • Crunch (1998)

Essays und Sachbücher[Bearbeiten]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1996 Hugo Award und Locus Award für den Roman The Diamond Age
  • 2000 Prix Ars Electronica für In the Beginning… was the Command Line
  • 2000 Locus Award für den Roman Cryptonomicon
  • 2004 Arthur C. Clarke Award für den Roman Quicksilver
  • 2005 Locus Awards für die Romane The Confusion und The System of the World
  • 2005 Prometheus Award für den Roman The System of the World
  • 2009 Locus Award für den Roman Anathem

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neal Stephenson: Mother Earth Mother Board. In: Wired, Dezember 1996
  2. Michael Brake: Neal Stephensons Buch „Error“, Der Nerd mit dem Röntgenblick, die tageszeitung, 16. Oktober 2012, aufgerufen am 6. November 2012.
  3. Kolja Mensing: Gamer und Geldwäsche, Deutschlandradio, 1. November 2012, aufgerufen am 6. November 2012.
  4. Neal Stephenson: Mother Earth Mother Board. In: Wired, Dezember 1996

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neal Stephenson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien