Nebenmilz

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Klassifikation nach ICD-10
Q89.0 Angeborene Fehlbildungen der Milz
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Eine Nebenmilz (Splen accessorius, Lien accessorius, Splenunculus) ist das Resultat einer häufigen embryologischen Fehlentwicklung, bei der ein oder mehrere kleine Knötchen von Milzgewebe unabhängig von der Milz, meist im Bereich des Milzhilus, im Bauchraum vorliegen. Diese Abnormalität muss von der Splenose unterschieden werden, die das Resultat einer Versprengung von Milzgewebe im Rahmen einer Milzverletzung ist.[1]

Epidemiologie[Bearbeiten]

Nebenmilzen werden in Autopsiestudien in 10–30 % der Fälle gefunden.[2][3]

Ätiologie[Bearbeiten]

Nebenmilzen entstehen infolge einer Fehlentwicklung während der Embryonalperiode. Die zugrundeliegenden Ursachen sind dabei weitgehend unbekannt. Eine gehäuftes Auftreten von intrapankreatischen Nebenmilzen sowie weitere Entwicklungsanomalien der Milz werden bei der Trisomie 13 (Patau-Syndrom) beschrieben.[4]

Pathologie[Bearbeiten]

Nebenmilz (14 mm) im Ultraschallbild.

Makroskopisch imponieren Nebenmilzen als rundliche, üblicherweise etwa kirschgroße, 1–1,5 cm (maximal etwa 4 cm) messende, meist von einer dünnen Kapsel begrenzte Raumforderungen von dunkelrötlicher Farbe. Sie sind ganz überwiegend im Bereich des Milzhilus (75 % der Fälle) lokalisiert, werden aber auch längs der Milzgefäße, in den gastrosplenischen oder splenorenalen Ligamenten, der Wandung von Magen und Darm, im Pankreasschwanz, dem Mesenterium sowie selten auch im Bereich des Beckens oder Skrotums gefunden. Wenige Einzelfallberichte beschreiben das Vorhandensein von Milzgewebe innerhalb des Leberparenchyms. Nebenmilzen kommen einzeln oder multipel vor, wobei ihre Zahl jedoch nur selten sechs überschreitet. Feingeweblich entspricht der Aufbau einer Nebenmilz dem der Milz, das heißt die Herde setzen sich aus einer roten und weißen Pulpa zusammen.[1]

Klinik[Bearbeiten]

Bei den meisten Patienten ist die Diagnose einer oder mehrerer Nebenmilzen ein symptomloser Zufallsbefund ohne Notwendigkeit eines therapeutischen Eingreifens. Grundsätzlich besteht wie auch bei der Splenose die Gefahr, dass Nebenmilzen in der diagnostischen Bildgebung als Tumorerkrankung oder Lymphknotenschwellung fehlgedeutet werden.[1] Nach einer Milzentfernung (Splenektomie), etwa zur Therapie eines Hypersplenismus (Überfunktion der Milz mit abnorm gesteigerter Blutzellsequestration), können Nebenmilzen die Funktion der Milz ganz oder teilweise übernehmen und somit den beabsichtigten Therapieeffekt aufheben.[5] Eine seltene akute Komplikation im Zusammenhang mit Nebenmilzen ist ein akutes Abdomen infolge eines Nebenmilzinfarktes mit oder ohne Torsion der Blutgefäßversorgung.[6][7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Varga I, Galfiova P, Adamkov M, Danisovic L, Polak S, Kubikova E, Galbavy S. Congenital anomalies of the spleen from an embryological point of view. Med Sci Monit. 2009 Dec;15(12):RA269-76. PMID 19946246
  2. Dodds WJ, Taylor AJ, Erickson SJ. Radiologic imaging of splenic anomalies. Am J Radiol. 1990:155;805–10.
  3. Freeman JL, Jafri SZH, Roberts JL et al. CT of congenital and acquired abnormalities of the spleen. RadioGraphics. 1993;13:597–610. PMID 8316667
  4. Gomi K, Sato Y, Tanaka M et al. Specificity of splenopancreatic field anomaly in trisomy 13 syndrome: Macroscopic and histological analysis in 21 autopsy cases. Pathol Internat. 2009;59:147–51. PMID 19261091
  5. Moore, Keith L. Clinically Oriented Anatomy, 3rd ed. Baltimore: Williams & Wilkins, 1992. S. 187. ISBN 068306133X.
  6. Babcock TL, Coker DD, Haynes JL, Conklin HB. Infarction of an accessory spleen causing an acute abdomen. Am J Surg. 1974 Mar;127(3):336-7. PMID 4812242
  7. Impellizzeri P, Montalto AS, Borruto FA, Antonuccio P, Scalfari G, Arena F, Romeo C. Accessory spleen torsion: rare cause of acute abdomen in children and review of literature. J Pediatr Surg. 2009 Sep;44(9):e15-8. PMID 19735802
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