Necip Fazıl Kısakürek

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Necip Fāzıl Kısakürek (* 26. Mai 1904 in Istanbul; † 25. Mai 1983 in Istanbul) war ein türkischer Schriftsteller, Dichter und Philosoph.

Leben[Bearbeiten]

Seine Familie kam ursprünglich aus Kahramanmaraş und er wuchs in Çemberlitaş, im Istanbuler Stadtteil Sultanahmet, in der Villa seines Großvaters, eines ehemaligen Vorsitzenden Richters eines Appellationsgerichts auf. Kısakürek besuchte eine amerikanische und eine französische Schule sowie bis 1922 die Flottenakademie, bevor er 1924 nach einem angefangenen, aber nicht beendeten Studium der Philosophie an der Darülfünun nach Paris an die Sorbonne wechselte und sich dort ebenfalls bis 1925 in die philosophische Fakultät einschrieb. Nachdem er in die Türkei zurückkehrte, arbeitete Kısakürek elf Jahre als Bankangestellter, bevor er bis 1943 an der Mimar Sinan Üniversitesi, der Staatlichen Musikhochschule Ankara sowie am Fachbereich für Sprache, Geschichte und Geographie an der Universität Ankara und am Staatlichen Konservatorium lehrte.

Politischer Einfluss[Bearbeiten]

Kısakürek entwickelte, beeinflusst durch Abdülhakim Arvâsi (1865–1943), in den 40er Jahren die Idee des „Islamischen Großen Ostens“ (İslami Büyük Doğu), wobei mehrere Staaten zu einer großen islamischen Einheit zusammengefasst werden sollen. Der spätere Gründer der İBDA-C, Salih Mirzabeyoğlu, lernte als 18-jähriger Kısakürek kennen und wurde von ihm und seinen Ideen stark beeinflusst. [1] Die İBDA-C orientierte sich infolgedessen stark an Mirzabeyoğlus Interpretationen von Kısaküreks Texten.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan lobte Kısakürek in einer Rede zum Gedenken an seinen Todestag auf einer parlamentarischen Fraktionssitzung der AKP, in der er feststellte, daß er einer der wichtigsten Denker und Aktionsmenschen sei, die das Land im 20. Jahrhundert hervorgebracht habe. Weiter bezeichnete er Kisakürek als Vorbild für seine eigene und alle folgenden Generationen. Die türkische Tageszeitung Yurt kommentierte dazu, dass die Rede Erdoğans beschämend sei, weil Kisakürek in seinem Buch Doğu Yolun Sapık Kolları(dt: Die Perversen Arme des östlichen Weges) dazu aufrief, Aleviten, Drusen und Jesiden wie Unkraut auszureißen und wegzuwerfen. Außerdem habe er mit seinem Buch Yahudilik-Masonluk-Dönmelik antisemitische Thesen verbreitet.[2]

Werke[Bearbeiten]

Kısakürek schrieb eine große Anzahl von Büchern, Zeitungsartikeln, Theaterstücken und Gedichten, die ihm neben zahlreichen Preisen auch einige Jahre Gefängnis wegen "starker Opposition" zu İsmet Paşa und der Republikanischen Volkspartei einbrachten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Suzan Stutz: Islam und Moderne. Ein Abriss über die innermuslimische Diskussion im 20. Jahrhundert. KIT Scientific Publ., Karlsruhe 2013 (zugl. Diss. phil. KIT, Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften 2012) ISBN 386644995X S. 194 - 236[3]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsches Orient-Institut: Exilopposition als politischer Akteur (I): Oppositionsgruppen aus der Türkei 4. Oktober 2002
  2. Internetseite der türkischen Tageszeitung Yurt: Erdoğan'ın Büyük Üstadı! (de: Der große Meister Erdoğans) 29. Mai 2013, (türkisch)
  3. partiell lesbar im Online-Buchhandel. Vollständig lesbar auf dem Server des KIT als .pdf, erreichbar auch über den Server der DNB