Neesen

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52.2644444444448.928888888888947Koordinaten: 52° 15′ 52″ N, 8° 55′ 44″ O

Neesen
Höhe: 47 m ü. NN
Fläche: 3,35 km²
Einwohner: 2293 (31. Dez. 2005)
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 32457
Vorwahl: 0571
Karte

Lage von Neesen in Porta Westfalica

Blick von Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf Neesen am rechten Weserufer

Neesen ist ein Ortsteil der Stadt Porta Westfalica im Kreis Minden-Lübbecke im ostwestfälischen Teil Nordrhein-Westfalens. Es hat ca. 2300 Einwohner und liegt am rechten Ufer der Weser zwischen der Porta Westfalica und der Kreisstadt Minden.

Geschichte[Bearbeiten]

Neesen war ein kleines Bauerndorf, das früher Nisinun hieß, was so viel wie „nass“ oder „Wasser“ bedeutet. Es lag an der einzigen Straße am rechten Weserufer zwischen Minden und dem Wesergebirge. In dieser sumpfigen Gegend lief diese Straße direkt am Ufer und bot dort auch die Möglichkeit neben einem Floßplatz eine Schiffmühle anzulegen.

1818 wurden 278 Einwohner gezählt, danach blühte das Dorf durch Anschluss an die Strecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft, dem damit verbundenen Bodenverkauf und den Steinbrüchen im Wesergebirge auf. 1911 war die Bevölkerung schon auf 2.074 gestiegen. Es entstanden repräsentative Herrenhäuser, von denen heute acht unter Denkmalschutz stehen. [1]

Konzentrationslager[Bearbeiten]

In der Gemeinde Neesen gab es zwischen September 1944 und April 1945 ein Konzentrationslager, das dem KZ Neuengamme unterstand. Das Lager war auf der Fläche des heutigen Betonwerks Weber errichtet worden. Dort war die wegen der bedrohlichen Frontlage aus Holland evakuierte Firma Klöckner Flugmotorenbau GmbH unter dem Decknamen Firma Bense & Co. BMW-Flugzeugmotoren (Typ BMW 801) untergekommen, die diese von KZ-Häftlingen reparieren ließ. Die etwa 500 Häftlinge stammten aus der Sowjetunion, Polen, der Tschechoslowakei, Frankreich, Belgien, Holland, Griechenland, Jugoslawien und Dänemark. Etwa 300 von ihnen waren im Dezember 1944 aus Auschwitz gekommen. Am 1. April 1945 wurde das Konzentrationslager wegen der unmittelbaren Nähe der Alliierten evakuiert und die Häftlinge in Güterwaggons in andere Lager transportiert.

Siehe hierzu auch: Jakobsberg (Porta Westfalica)

Eingemeindung[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1973 wurde Neesen mit 2613 Einwohnern, die auf einer Fläche von 3,35 km2 lebten, in die neue Stadt Porta Westfalica eingegliedert. Eine unbewohnte Fläche von 1,73 km2 wechselte nach Minden.[2] Zunächst hatte die Stadt Minden am 27./29. September 1971 einen Gebietsveränderungsvertrag geschlossen, dem zufolge ein größerer Teil der Gemeinde nach Minden eingemeindet werden sollte. Dieser Vertrag fand dann beim Gesetzgeber keine Berücksichtigung mehr.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

In Neesen ist die Müllerei und der damit traditionell verbundene Mühlenbau vertreten. So findet sich an der alten Windmühle die aus derselben entstandene Firma CHRISTIAN VAHRENHORST Porta Mühle. Und im Dorf gibt es noch die Mühlenbauanstalt Baumgarten beziehungsweise deren Nachfolger.

Eines der bekanntesten mittelständischen Unternehmen in Neesen ist die Bernstein AG. Die Firma siedelte dort Anfang der 50er Jahre an, baute dann aber in der Region weitere Standorte auf. Die Verwaltung der Bernstein AG hat ihren Sitz heute in Porta Westfalica Hausberge. In Neesen am ehemaligen Gründungsstandort befindet sich die Fertigung der mechanischen End- und Sicherheitsschalter mit etwa 120 Mitarbeitern.

Vereine[Bearbeiten]

Sportplatz Neesen, 1967

Sportvereine[Bearbeiten]

  • Die Mannschaft des SV Porta Neesen spielte von 1967 in der 1969 in der Verbandsliga Westfalen, die damals höchste Amateurliga Westfalens.[4] 1976 fusionierte der Verein mit dem TuS Nammen zum TuS Porta Westfalica.
  • Sportschützenverein Neesen e.V.
  • Tennis-Sport-Club e.V.
  • TV Jahn Neesen von 1892 e.V.

Weitere Vereine[Bearbeiten]

  • Aquarius Motorbootverein Neesen/Lerbeck e.V.
  • Bürgerbatallion Neesen
  • Freiwillige Feuerwehr Neesen
  • Gemischter Chor Edelweiß Neesen
  • Harmonia-Club "Melodia"
  • Haus und Grund Neesen
  • Landwirtschaftlicher Ortsverein Neesen
  • Männergesangverein Neesen-Lerbeck e.V.
  • Reitverein Neesen
  • Verein der Gartenfreunde Neesen

Verkehr[Bearbeiten]

Neesen wurde durch die Chaussee von Minden über Lerbeck nach Hausberge erschlossen, die heute noch am Ufersaum mit Bäumen von einem der Naturgegebenheiten (Höhenprofil, Baumbewuchs) angepassten Straßenbau zeugt. Hier verkehrten die ersten Öffentlichen Verkehrsmittel und stellten eine Verbindung am rechten Weserufer zwischen der Norddeutschen Tiefebene mit der Weserfurt Minden und dem Weserbergland durch den Engpass Porta Westfalica dar. Die Köln Mindener Eisenbahn durchschneidet das Dorf ohne Haltepunkt, es finden sich aber einige Rangiergleise und Stellwerke um den alten Abzweigenden Verkehr über die Grüne Brücke Neesen, eine Eisenbahnbrücke nach Dützen zur Eisenerzgrube zu organisieren. Die Stichstrecke der Eisenbahn wird heute nicht mehr genutzt. Die Eisenbahnbrücke über die Weser verfällt. Es werden immer wieder Überlegungen angestellt hier einen Fahrradweg anzulegen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadt Porta Westfalica, Neesen
  2.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 118.
  3. Stadt Minden (Hrsg.): Minden, Zeugen und Zeugnisse seiner städtebaulichen Entwicklung. 1979, S. 117
  4. Karl Brandt: Neesen in Geschichten und Bildern 2003, Röbke Druck, Minden, 2003

Literatur[Bearbeiten]

  •  Karl Brandt: Neesen in Geschichten und Bildern 2003. Röbke Druck, Minden 2003.
  • Rainer Fröbe: Vernichtung durch Arbeit? KZ-Häftlinge in Rüstungsbetrieben an der Porta Westfalica in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs In: Meynert, Joachim/Klönne, Arno: Verdrängte Geschichte. Verfolgung und Vernichtung in Ostwestfalen 1933-1945. Bielefeld 1986. ss. 251-264
  • Reinhold Blanke-Bohne: Die unterirdische Verlagerung von Rüstungsbetrieben und die Außenlager des KZ Neuengamme in Porta Westfalica bei Minden, Diplomarbeit, Universität Bremen, 1984. ss. 67-70, 162-169