Neetzow

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum Landrat des Kreises Anklam siehe Adolph Friedrich von Neetzow.

53.88061613.40816312Koordinaten: 53° 52′ 50″ N, 13° 24′ 29″ O

Neetzow
Höhe: 12 m ü. NHN
Eingemeindung: 1. Januar 2014
Postleitzahl: 17391
Vorwahl: 039723
Neetzow (Mecklenburg-Vorpommern)
Neetzow

Lage von Neetzow in Mecklenburg-Vorpommern

BW

Neetzow ist ein Ortsteil der am 1. Januar 2014 gebildeten Gemeinde Neetzow-Liepen in der Nähe von Anklam, südlich der Peene gelegen. Neetzow-Liepen wird vom Amt Anklam-Land mit Sitz in der Gemeinde Spantekow verwaltet.

Geografie und Verkehr[Bearbeiten]

Neetzow liegt ca. 2 km südlich der Peene an der Bundesstraße 110. Die Autobahn 20 ist über die Anschlussstelle Jarmen (etwa fünf Kilometer) erreichbar. Die Stadt Anklam liegt etwa 20 Kilometer östlich des Ortes.

Ortsteile der ehemaligen Gemeinde Neetzow[Bearbeiten]

Geschichte Neetzow[Bearbeiten]

Neetzow wurde 1454 als Netzow urkundlich genannt. Ein gut erhaltener Turmhügel im alten Park westlich des Ortes deutet auf eine frühdeutsche Besiedlung um 1230 hin.

Im 15. Jahrhundert war das Gut im Besitz des Geschlechts von Heydebreck, es folgte 1517 Drews Budde, bis dahin auf Rügen ansässig. Er erhielt 1518 das Lehen von Herzog Bogislaw X. 1671 ging der Besitz an die Familie des schwedischen Generalmajors Burchard Müller von der Lühne. Gegen 1719 wurde Neetzow an den Obrist-Lieutenant Jakob Friedrich von Bomin veräußert. Durch Heirat mit einer Tochter der Bomins ging das Gut 1794 an P. F. von Luck.

1803 oder 1805 ging der Besitz dann an die ursprünglich aus Holstein stammenden Familie Kruse. Seit 1842 war Wilhelm von Kruse (1824-?) Gutsherr, er heiratete Fräulein von Essen und wurde im gleichen Jahr in den Adelsstand erhoben. Ihm gehörten neben Neetzow als Stammsitz noch Klein-Below (ab 1848), das Gut und Kirchdorf Gramzow (ab 1803) mit dem Vorwerk Krusenfelde, Kagenow (ab 1852), Priemen (ab 1848) und Steinmocker (ab 1851).

Wilhelm von Kruse ließ von 1848 bis 1851 östlich des bisherigen Gutshofes ein neues Herrenhaus nach einem Entwurf Friedrich Hitzigs errichten. Die Klinker kamen aus der eigenen Ziegelei der Kruses zwischen Neetzow und Kagenow. Schloss Neetzow befindet sich innerhalb eines englischen Landschaftsparks nach einem Entwurf von Peter Joseph Lenné. Der östliche Teil hat einen barocken Zuschnitt. Die Anlage ist in den Landschaftsparkteilen mit vielen Gestaltungselementen versehen. In den Turmhügel im alten Park ließen die von Kruse eine Gruft ausbauen.

Neben dem von Heinrich Berghaus als „Prachtschloss“ bezeichneten Herrenhaus hatte Neetzow 1865: 1 Schule, 12 Wohnhäuser, 15 Ställe und Scheunen, sowie 1 Windmühle und 1 Krug.[3]

Ein neuer Wirtschaftshof mit einem architektonisch aufwändigen Marstall mit Reithalle wurde südlich des Landschaftsparks mit Stallscheunen und Stallspeichern angelegt. An der Parkmauer südöstlich des Parks befand sich die gutseigene Gärtnerei mit Treibhäusern. An der Dorfstraße entstanden ansehnliche, mit Fachwerk verzierte Landarbeiterhäuser nebst einer Schule.

Der letzte Besitzer, Wolf-Eginhard von Kruse (1887–1950), wurde im September 1945 enteignet. Das Herrenhaus war im gleichen Jahr geplündert worden, wobei das Mobiliar zerstört oder entwendet wurde.[4] Ebenfalls geplündert wurde die Gruft im alten Park.

Nördlich und östlich des Landschaftsparks wurden nach dem dem Zweiten Weltkrieg Krieg zahlreiche neue Häuser gebaut. Nach der Bodenreform richteten sich Neubauern dort ihre Höfe ein.

Zu DDR-Zeiten diente das Herrenhaus von 1952 bis 1964 als Sitz des Staatlichen Dorfensembles der DDR und nach der Erweiterung mit einem Tanzsaal als Heimstatt eines großen Volkstanzensembles, das Auftritte in der ganzen Welt hatte. Trotz dieser kulturellen Bedeutung war der Ort hauptsächlich landwirtschaftlich geprägt. Nach dem Umzug des Ensembles nach Neustrelitz befand sich von 1964 bis 1991 das Institut für Agrarökonomie der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR im Schloss. Das Institut entwickelte im Auftrag des Zentralkomitees der SED Prognosen für die Landwirtschaft der DDR. Dort entstanden die Pläne für die Großraumwirtschaften der kleinen dörflichen LPGen zwecks Zusammenschluss zu Kooperativen und später zu den großen LPG (P) und LPG (T) in den 1970er Jahren.

Im Jahr 2001 gelangte das Herrenhaus wieder in Privatbesitz. Nach dreijähriger Renovierung wurde 2004 im Schloss ein Hotel eröffnet. Der Park wurde durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zum Teil wieder gesäubert und hergerichtet. Leider ist in den letzten Jahren die Pflege durch die Gemeinde nicht mehr gewährleistet.

Die alten großen Ställe und Scheunen im Nordwestteil des Landschaftsparks sind mittlerweile Ruinen. In einem ruinösen Leerstand befindet sich das noch erhaltene frühere Gutshaus mit angebauter Gutskapelle.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Schloss Neetzow, in Tudorgotik Neugotik vom Schinkel-Schüler Friedrich Hitzig 1848 erbaut. Von 1903 bis zur Vertreibung 1945 besaß es die Familie von Kruse. Das Schloss wurde 2004 als Hotel eröffnet.
  • Schlosspark Neetzow mit Teich und Grotten, östlich vom Schloss als Barockpark gestaltet
  • Turmhügel im alten Park Neetzow

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Niemeyer: Ostvorpommern. Quellen- und Literatursammlung zu den Ortsnamen. Bd. 2: Festland. (=Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde. Bd. 2), Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Slawistik, Greifswald 2001, ISBN 3-86006-149-6. Seiten 88, 93, 100, 127
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil II, Band 1, Anklam 1865 (Online)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neetzow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  3. Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil II, Band 1, Anklam 1865, S. 314/315 (Online)
  4. Hubertus Neuschäffer: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft 1993, S. 138, ISBN 3-88042-636-8