Neidlingen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Neidlingen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Neidlingen
Neidlingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Neidlingen hervorgehoben
48.5791666666679.565456Koordinaten: 48° 35′ N, 9° 34′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Esslingen
Höhe: 456 m ü. NHN
Fläche: 12,62 km²
Einwohner: 1807 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 143 Einwohner je km²
Postleitzahl: 73272
Vorwahl: 07023
Kfz-Kennzeichen: ES, NT
Gemeindeschlüssel: 08 1 16 043
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kelterstraße 1
73272 Neidlingen
Webpräsenz: www.neidlingen.de
Bürgermeister: Klaus Däschler
Lage der Gemeinde Neidlingen im Landkreis Esslingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Böblingen Landkreis Göppingen Landkreis Ludwigsburg Landkreis Reutlingen Landkreis Tübingen Rems-Murr-Kreis Stuttgart Aichtal Aichwald Altbach Altdorf (Landkreis Esslingen) Altenriet Altenriet Baltmannsweiler Bempflingen Beuren (bei Nürtingen) Bissingen an der Teck Deizisau Denkendorf (Württemberg) Dettingen unter Teck Erkenbrechtsweiler Esslingen am Neckar Filderstadt Frickenhausen (Württemberg) Großbettlingen Hochdorf (bei Plochingen) Holzmaden Kirchheim unter Teck Köngen Kohlberg (Württemberg) Kohlberg (Württemberg) Leinfelden-Echterdingen Lenningen Lichtenwald Neckartailfingen Neckartenzlingen Neidlingen Neuffen Neuhausen auf den Fildern Notzingen Nürtingen Oberboihingen Ohmden Ostfildern Owen Plochingen Reichenbach an der Fils Schlaitdorf Unterensingen Weilheim an der Teck Wendlingen am Neckar Wernau (Neckar) WolfschlugenKarte
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Neidlingen ist eine Gemeinde im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Neidlingen liegt im mittleren nördlichen Vorland der Schwäbischen Alb im oberen Tal der Lindach, östlich des Randecker Maars. Die nächstgrößere Stadt ist Weilheim an der Teck. Neidlingen ist mit seiner ganzen Markung Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Neidlingen gehören außer dem Dorf Neidlingen keine weiteren Orte. Im Gebiet der Gemeinde liegen die abgegangenen Burgen Erkenberg, Burg Windeck, Ruine Heimenstein, Reußenstein, Burgstall an der Lindach und Burgstall Im Hof[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind im Süden und im Norden Weilheim an der Teck (Landkreis Esslingen), im Osten Gruibingen und Wiesensteig, beide Landkreis Göppingen, im Südwesten Lenningen (Ortsteil Schopfloch) und im Westen Bissingen an der Teck (Ortsteil Ochsenwang) (beide Kreis Esslingen).

Geschichte[Bearbeiten]

Neidlingen 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch

Der Ortsname geht auf den Personennamen Nidilo zurück, die Siedlung wurde um 400 von den Alamannen begründet. Früher als die Mehrzahl der übrigen Kreisgemeinden taucht Neidlingen als Nitlinga in der schriftlichen Überlieferung auf: Im Jahre 797 wurde der Ort erstmals in einer Urkunde des Lorscher Codex erwähnt. Die hohe Obrigkeit wechselte mehrmals, 1564 wurde den damaligen Besitzern, den Herren von Freyberg vom Kaiser die hohe Gerichtsbarkeit verliehen, damit hatte Neidlingen die volle Reichsunmittelbarkeit erreicht. 1596 fiel Neidlingen durch Erbschaft endgültig an Württemberg. Aus der reichsunmittelbaren Herrschaft wurde nunmehr ein besonderes württembergisches Amt, die Vogtei Neidlingen. Neben dem Amt Kirchheim führte sie bis ins 19. Jahrhundert ihr eigenes Leben.

Das Lindachtal wurde bereits sehr früh besiedelt, dies zeigen Funde aus der Jungsteinzeit. Auf dem Butzenberg, der auch Lichtenstein genannt wird, wird eine Befestigung aus der Hügelgräberbronzezeit vermutet, auf dem Erkenberg eine aus der Hallstattzeit; zudem wurde in der Heimensteinhöhle eine kleine keltische Statuette gefunden. Die Straße durch das Tal stammt aus römischer Zeit.

Zwei Wasserburgen aus dem 13. Jahrhundert lagen im Ort, sind aber längst abgegangen. Nachdem die jüngere 1517 zerstört wurde, entstand wenige Meter nördlich bis 1536 ein vierflügeliges Wasserschloss (auf der Zeichnung von Andreas Kieser gut zu erkennen).

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Rathaus in Neidlingen

Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes (nur Hauptwohnsitze).

Stichtag Einwohnerzahl
3. Dezember 1834 ¹ 891
1. Dezember 1871 ¹ 878
1. Dezember 1900 ¹ 856
17. Mai 1939 ¹ 894
13. September 1950 ¹ 1.211
6. Juni 1961 ¹ 1.151
27. Mai 1970 ¹ 1.387
25. Mai 1987 ¹ 1.602
31. Dezember 1995 1.882
31. Dezember 2000 1.909
31. Dezember 2005 1.908
31. Dezember 2010 1.818

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1998–2014 Rolf Kammerlander
  • seit 2014 Klaus Däschler[3]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Neidlingen hat 10 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem vorläufigen Ergebnis[4]. Das amtliche Endergebnis wird vom Statistischen Landesamt gegen Ende des Jahres bekannt gegeben. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
60
50
40
30
20
10
0
53,82 %
46,18 %
Gewinne/Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
+2,72 %p
-2,72 %p
WUB Wählervereinigung unabhängiger Bürger für Neidlingen 53,82 5 51,1 5
NWV Neidlinger Wählervereinigung 46,18 5 48,9 5
gesamt 100,0 10 100,0 10
Wahlbeteiligung 61,15 % 62,1 %

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt in geteiltem Schild oben in Silber einen grünen Eichenzweig mit 3 Eicheln, unten in Grün ein silbernes N (für Neidlingen). Das Wappen ist bereits seit 1669 in Gebrauch. Zwischen 1807 und 1952 führte die Gemeinde ein anderes Wappen. 1952 wurde wieder das Wappen von 1669 angenommen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Neidlingen verfügt über eine eigene kleine Grundschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kugelmühle in Betrieb
  • Die Kirschblüte im Neidlinger Tal ist in der ganzen Region bekannt: Mehr als 20.000 Kirschbäume wachsen an den fruchtbaren und klimatisch günstigen Hängen zur Alb.
  • Hinten im Tal liegt der Bannwald Pfannenberg, der seit über 100 Jahren sich selbst überlassen ist.
  • Am Seebach in Neidlingen liegt eine der letzten (laut Auskunft auf ihrer Homepage die letzte produzierende) Kugelmühlen Deutschlands. Hier werden Kugeln aus den Gesteinen der Umgebung hergestellt.[5]

Bauwerke[Bearbeiten]

Historische Pfarrscheuer
  • Wahrzeichen Neidlingens ist die einen das Tal beherrschenden Fels krönende Burgruine Reußenstein. Die Burg, die Ende des 13. Jahrhunderts erbaut wurde und deren Besitzer mehrfach wechselten, war bis ins 16. Jahrhundert bewohnt und zerfiel dann.
  • Die historische Pfarrscheuer im Ort wurde in den 1970er Jahren vor dem Abriss bewahrt und dient heute als Gemeindehaus.
  • Die evangelische Pfarrkirche wurde 1746 im Schlossgarten neu erbaut.


Naturdenkmäler[Bearbeiten]

  • In der Heimensteinhöhle soll nach der Sage von Wilhelm Hauff der Riese Heim von Heimenstein gewohnt haben, ehe er sich die Burg Reußenstein bauen ließ.

Sport[Bearbeiten]

Unter Drachen- und Gleitschirmfliegern ist Neidlingen auch als Fluggebiet bekannt. Der Startplatz liegt an einem Westhang östlich oberhalb von Neidlingen (270 Meter Höhendifferenz).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Johannes Hepperle (* 10. März 1882 in Neidlingen, † 28. Februar 1976 in Kirchheim unter Teck), Schreiner und Harmoniumbauer, Inhaber der Firma Teck-Harmonium in Kirchheim unter Teck

Persönlichkeiten, die in Neidlingen gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Heinrich Seufferheld (1866–1940), Maler, Professor an der Universität Tübingen, lebte im Sommer in Neidlingen
  • Konrad Widerholt (* 1598 in Ziegenhain bei Treysa; † 1667 in Kirchheim unter Teck), württembergischer Kommandant, erhielt 1650 die Herrschaft über Neidlingen

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Schwenkel: Heimatbuch des Kreises Nürtingen. Band 2. Würzburg 1953, S. 668–691.
  • Der Landkreis Esslingen – Hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg i.V. mit dem Landkreis Esslingen, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0842-1, Band 2, Seiten 214–225.
  • Christoph J. Drüppel: Neidlingen : Geschichte der Herrschaft, Vogtei undGemeinde unter dem Reußenstein [Hrsg.: Gemeinde Neidlingen]. – Neidlingen : Gemeinde Neidlingen, 1997. ISBN 3-925589-16-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neidlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 251–252.
  3. Ulrich Stolte: Kommissar stürzt Bürgermeister. Stuttgarter Zeitung, 1. Dezember 2013, abgerufen am 5. Juni 2014.
  4. Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
  5. http://www.kugelmuehle-neidlingen.de/39994.html