Neil LaBute

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Neil LaBute (* 19. März 1963 in Detroit, Michigan) ist ein US-amerikanischer Regisseur, Autor und Dramatiker.

Leben[Bearbeiten]

LaBute wurde in Detroit, Michigan, geboren und ist in Spokane, Washington, aufgewachsen. Er studierte Theater an der Brigham Young University (BYU), wo er der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beitrat. An der BYU traf er den Schauspieler Aaron Eckhart, der dann viele Hauptrollen in seinen Filmen spielte. An der BYU produzierte er auch eine Anzahl Stücke die bis an die Grenze dessen gingen, was an der sittenstrengen Mormonen-Universität erlaubt war, einige dieser Stücke wurden unmittelbar nach der Premiere abgesetzt. LaBute machte seine Abschlussarbeit an der University of Kansas, New York University und der Royal Academy of Arts in London.

1993 kehrte er zurück zur Brigham Young University, um sein Stück In the Company of Men uraufzuführen, wofür er eine Auszeichnung von der Association for Mormon Letters bekam. Anschließend lehrte er in den frühen 1990ern Drama und Film an der IPFW in Fort Wayne (Indiana), wo er das Stück adaptierte und verfilmte, womit seine Karriere als Regisseur begann. Der Film gewann die Filmmakers Trophy beim Sundance Film Festival, und bedeutende Preise oder Nominierungen beim Deauville Film Festival, den Independent Spirit Awards, dem Thessaloniki Film Festival und auch bei den Society of Texas Film Critics Awards und dem New York Film Critics Circle. Dies führte auch zur Beendigung der Mitgliedschaft (Vorstufe der Exkommunikation) in der Mormonen-Kirche durch Missbilligung durch lokale kirchliche Oberhäupter. (Seitdem hat er formell die Kirche verlassen. [1])

LaBute hat großes Lob von Kritikern für seine beunruhigenden Darstellungen von menschlichen Beziehungen erhalten. In the Company of Men porträtierte er zwei frauenfeindliche Geschäftsleute (einer gespielt von Eckhart), die in grausamer Verschwörung eine taube Frau aufreizen und dann emotional zerstören. Sein nächster Film, Your Friends & Neighbors (1998), unter anderem besetzt mit Eckhart und Ben Stiller, war ein schockierendes Porträt des Liebeslebens dreier befreundeter Vorstadtpaare.

Im Jahr 2000 schrieb und inszenierte er ein Off-Broadway-Stück mit dem Titel bash: stücke der letzten tage, eine Zusammenstellung von drei kurzen Stücken die im Wesentlichen gute Leute (die Mormonen sind) beschreiben, die beunruhigende und gewalttätige Dinge tun. In einem der Stücke kam es zu einem viel zitierten Auftritt von Calista Flockhart in der Rolle eines Mannes..

In dem Stück The Shape of Things gewinnt er dem Pygmalion-Stoff neue Seiten ab: Frau formt Mann, Mann verliebt sich in Frau, aber am Ende kommen sie doch nicht zusammen. Das Stück geht der Frage nach, wie weit Menschen bereit sind, sich manipulieren zu lassen. Was der Mensch bereit ist zu geben, für eine perfekt dosierte Handvoll Liebe. Und was ist besser: eine hübsche Illusion oder die grausame Wahrheit.

Das Theaterstück The Mercy Seat aus dem Jahre 2002, war einer der ersten wichtigen theatralischen Reaktionen auf die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA. Datiert auf den 12. September, befasst sich das Stück mit einem Mann, der im World Trade Center gearbeitet hat, aber am Tag des Anschlages seinem Büro fernblieb — mit seiner Geliebten. (Wie berichtet wurde das Stück inspiriert durch eine Moderne Sage.) Wissend, dass seine Familie glauben wird, dass er bei dem Zusammensturz der Türme ums Leben gekommen ist, erwägt er die Möglichkeit, die Tragödie zu benutzen, um von seiner Frau und seinen Kindern wegzulaufen und ein neues Leben mit seiner Geliebten zu beginnen. Die Hauptrollen am Broadway spielten Liev Schreiber und Sigourney Weaver. Das Stück war ein erheblicher kommerzieller Erfolg.

Filmografie[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

  • Lepers
  • Rounder
  • Ravages
  • Sanguinarians & Sycophants
  • Dracula
  • Woyzeck
  • Filthy Talk For Troubled Times (1989)
  • In the Company of Men (1992)
  • Trilogie Bash: Latter-Day Plays (dt. Bash: Stücke der letzten Tage) (1999)
  • The Shape of Things (dt. Das Maß der Dinge) (Uraufführung: 24. Mai 2001, Almeida Theatre, London, R: Neil LaBute)
  • The Mercy Seat (dt. Tag der Gnade) (2002)
  • The Distance From Here (dt. Weit von hier) (2002)
  • Land of the Dead (dt. Land der Toten, 2002, Uraufführung am 11. September 2002 in New York im Rahmen des Brave New World Event) [1]
  • Merge (2003)
  • Autobahn (2003)
  • Fat Pig (dt. Fettes Schwein) (2004)
  • Some Girl(s) (2005)
  • This Is How It Goes (dt. Wie es so läuft, 2005, österreichische Erstaufführung am 6. Dezember 2007 im Theater in der Josefstadt)
  • Wrecks (2006)
  • In a Dark Dark House (dt. In einem finsteren Haus, dt. Uraufführung 30. April 2010, Stadttheater Konstanz, Inszenierung: Wulf Twiehaus) (2007)
  • Der große Krieg (2008)
  • Reasons to be Pretty (2008) (dt. Lieber schön); europäische UA: 17. September 2010 im Burgtheater im Kasino, Wien[2]
  • The Break of Noon (2010) (dt. Zur Mittagsstunde, dt. Uraufführung : 8. Oktober 2011 im Residenztheater München)
  • In a Forest, Dark and Deep (2011) (dt. In einem tiefen, dunklen Wald, 2012 im Theater Bonn, Hauptrolle: Birte Schrein (Betty), Regie: Michael Lippold[3])

Literatur[Bearbeiten]

  • Christopher W. E. Bigsby: Neil LaBute : stage and cinema, Cambridge [u.a.] : Cambridge University Press, 2007, ISBN 978-0-521-88254-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. KulturSPIEGEL 9/2002: Ich bin Hass gewöhnt (abgerufen am 30. Juni 2014)
  2. FAZ vom 23. September 2010, Seite 34: Bruchland Amerika
  3. birte-schrein.de: Rollenauswahl (Schauspiel Bonn) (abgerufen am 30. Juni 2014)

Weblinks[Bearbeiten]