Nekrophilie

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Klassifikation nach ICD-10
F65.8 Sonstige Störungen der Sexualpräferenz
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Pietro Pajetta: Der Hass (1896)

Nekrophilie bezeichnet eine Sexualpräferenz, die auf Leichen gerichtet ist. Nekrophilie ist im ICD-10-Verzeichnis der psychischen Störungen unter „Sonstige Störungen der Sexualpräferenz“ (F65.8) als Paraphilie klassifiziert.

Nekrophilie ist ein neuzeitliches Kunstwort, das sich aus den altgriechischen Wörtern νεκρός nekrós ‚Toter‘, ‚Leiche‘ und φιλία philía ‚Zuneigung‘ ableitet. Die Bezeichnung entstammt dem 1886 verfassten Werk Psychopathia Sexualis von Richard von Krafft-Ebing.[1]

Nekrophilie in den Medien

Mit der Nekrophilie beschäftigen sich auch diverse Medien. So ist die Liebe zu Leichen beispielsweise Thema in den Filmen Nekromantik (1987) und Nekromantik 2 (1991) des deutschen Underground-Regisseurs Jörg Buttgereit sowie in Kissed (1996) von Lynne Stopkewich. In H. P. Lovecrafts Erzählung Die geliebten Toten (1924) wird ein Bestatter zum Serienmörder, um die Auftragslage aufzubessern und seiner unstillbaren Nekrophilie zu frönen.[2] Eine bekannte filmische Umsetzung der Nekrophilie-Thematik ist Alfred Hitchcocks Vertigo – Aus dem Reich der Toten (1958), wenn auch den Konventionen der Zeit und Hitchcocks komplexem Regiestil gemäß allenfalls kunstvoll verschlüsselte Hinweise und Andeutungen erfolgen. Eine weitere cineastische Annäherung an die Liebe zu Toten bis hin zur Besessenheit ist François Truffauts La chambre verte (Das grüne Zimmer) von 1978. Das Werk ist reich an interfilmischen Anspielungen, so auch auf Vertigo. In dem Thriller Der Vogelmann (The Birdman) von Mo Hayder wird die Geschichte eines Nekrophilen erzählt, der Prostituierte zu sich einlädt, sie tötet, um sich dann an ihnen zu befriedigen.

Darüber hinaus handeln Texte einzelner Bands insbesondere aus dem Black- und Death-Metal-Bereich von Nekrophilie, wobei einige Alben in Deutschland indiziert wurden. Die Rock-Band Rammstein behandelt die Thematik in dem Song Heirate mich; sie wird ebenfalls von den Böhsen Onkelz mit dem Lied Nekrophil und von der Dark-Metal-Band Eisregen mit dem Lied Blass-Blaue Lippen, welches indiziert wurde, besungen.

Nekrophilie nach Erich Fromm

In der analytischen Sozialpsychologie von Erich Fromm ist unter Nekrophilie eine Charakterorientierung zu verstehen, die in Verkehrung der biophilen Kräfte des Menschen (Biophilie) im modernen Sozialcharakter eine zunehmende Tendenz zur Zerstörung zeigt. Nekrophilie und Destruktivität sind nach Fromm die „Folge ungelebten Lebens“ (und – im Gegensatz zu Freud – nicht Ausdruck eines biologisch fixierten Destruktions- oder Todestriebes). Fromm wendet diesen Begriff sowohl auf die Charaktere einzelner Personen an als auch auf Züge der westlichen Zivilisation.

Auffällig an nekrophilen Menschen ist nach Fromm zum Beispiel eine Vorliebe für schlechte Gerüche – ursprünglich für den Geruch von verfaulendem oder verwesendem Fleisch. Die nekrophile Sprache benutzt vorwiegend Worte, die sich auf Zerstörung, auf Exkremente und Toiletten beziehen. Auf Grundlage solcher Beobachtungen haben Fromm und M. Maccoby einen interpretativen Fragebogen entwickelt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass biophile und nekrophile Tendenzen messbar seien und stark mit politischen und sozialen Einstellungen korrelierten.

Kennzeichen der Nekrophilie im sozialen Sinne ist nach Fromm eine Vergötterung der Technik. Symbole des Nekrophilen sind Fassaden aus Beton und Stahl, die Megamaschine (Technophilie), die Vergeudung von Ressourcen im Konsumismus und die Art, wie der Bürokratismus Menschen als Dinge behandelt.

In seinem Werk Anatomie der menschlichen Destruktivität lieferte Fromm eine Analyse der Nekrophilie und porträtierte Adolf Hitler als klinischen Fall von Nekrophilie.

Siehe auch

Literatur

  • Harald Neumann: Beiträge zur Nekrophilie, 2., erw. Aufl., Herchen, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-89184-037-3.
  • Mark Benecke: Necrophilia: Legal, Yet Still A Problem. (2008) Anil Aggrawal's Internet Journal of Forensic Medicine and Toxicology 2008; Volume 9, Number 2 (July - December 2008)

Fußnoten

  1. Krafft-Ebing, Richard von (1886). Psychopathia Sexualis.
  2. H. P. Lovecraft und C. M. Eddy jr.: Die geliebten Toten, in: H. P. Lovecraft et al.: Azathoth, Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1989, S. 41 ff.
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