Nemeter

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Kartenausschnitt Östliches Gallien mit Angabe des Stammesgebietes der Nemeter am Rhein, aus Samuel Butler: The Atlas of Ancient and Classical Geography. London 1907

Die Nemeter waren ein wohl germanischer Stamm im Gebiet am Rhein zwischen Pfalz und Bodensee.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Stammesgöttin der Nemeter

Als Stammesgöttin der Nemeter wird Nemetona genannt, keltisch-gallische Schutzgöttin der Heiligtümer, ihr wird als Gefährte der Gott Mars Leucetius (der Strahlende) zugeordnet.

[Bearbeiten] Erste Nennung bei Caesar

Die Nemeter werden erstmals von dem römischen Feldherrn und Autor Julius Caesar in De Bello Gallico genannt, seinem Bericht über seine Kriege in Gallien. Um das Jahr 70 v. Chr. waren auf der Suche nach neuem Siedlungsgebiet unter Führung des germanischen Fürst Ariovist verschiedene Volksstämme ins Gebiet der Gallier eingedrungen. Die unter dem Protektorat des Römischen Reichs stehenden Gallier baten, so Caesar, Rom um Hilfe. Caesar nennt die Nemeter dann unter den sieben Stämmen, die er in einer Schlacht am Rhein im Jahr 51 v. Chr. besiegte.[1] Nochmals nennt er den Namen der Nemeter, als er ein Waldgebiet beschreibt, das sich beginnend im Gebiet der Helvetier, Nemeter und Rauraker weiter erstreckt in gerader Richtung auf die Donau zu bis zum Gebiet der Daker und Anartier).[2]

[Bearbeiten] Germanen oder Kelten

Auch wenn Caesar die sieben Volksstämme der Schlacht am Rhein als Germanen bezeichnet (lateinisch Germani suas copias constituerunt), so nennt er unter ihnen auch die Triboci, einen heute als keltisch bekannten Stamm. Eventuell waren die Nemeter ebenfalls Kelten, was den keltischen Namen ihrer Stammesgöttin erklären könnte.

[Bearbeiten] Berichte bei Tacitus

Der römische Historiker und Senator Tacitus greift im 1. Jahrhundert n. Chr. auf den von ihm hoher Gewährsmann genannten Caesar zurück und nennt in seinem historischen Bericht Germania die Nemeter, die auch nach seinen Angaben unmittelbar am linken Rheinufer wohnen und unzweifelhaft ein germanisches Volk seien.[3] Jedoch betonte er zuvor, dass es am Ufer des Rheins ein Hin und Her von Galliern und Germanen gegeben hatte und einige Stämme wohl nur nach ihren eigenen Angaben und ihrem Selbstverständnis germanischen Ursprungs waren. Tacitus zählt dann in einem anderen seiner historischen Berichte, den Annalen, die Nemeter zu den Hilfsvölkern der Römer.[4]

[Bearbeiten] Berichte bei Ammianus

Der römische Historiker Ammianus Marcellinus erwähnt ebenfalls um 300 n. Chr. das Volk der Nemeter. Er rekapituliert in seiner Römischen Geschichte, den Res gestae, die Geschichte Galliens unter der Diktatur des Caesar. Er beruft sich ebenfalls auf Caesar und erwähnt das Volk der Nemeter und den Namen einer Stadt der Nemeter.[5] Ammianus bezeichnet das linke Ufer des Rheins ab dem heutigen Basel als Germanien.

[Bearbeiten] Siedlungsgebiet der Nemeter bei Speyer

Die Nemeter sollen sich, so wird allgemein angenommen, wohl unter der Führung von Ariovist als ein germanisches Volk bereits um 70 v. Chr. in der Gegend der heute pfälzischen Stadt Speyer an Rhein niedergelassen haben, was sich im lateinischen Namen der Stadt Noviomagus Nemetum widerspiegele. Noviomagus ist ein Wort keltischen Ursprungs.

Die Vorstellung einer germanischen Besiedlung Speyers bereits zur Zeit Ariovists können allerdings die bisherigen archäologischen Funde nicht belegen, nach denen sich eine germanische Besiedlung der Gegend um Speyer erst für das 1. Jahrhundert n. Chr. belegen lässt.

[Bearbeiten] Niemcy

In Slawischen Sprachen wie Polnisch werden Deutsche beispielsweise als Niemcy bezeichnet. Ob diese Bezeichnung der Deutschen in slawischen Sprachen wie oft angenommen von dem Volksstamm der Nemeter abstammen kann[6] ist umstritten und andere Deutungen werden vorgeschlagen, da eine solche etymologisch bedeutende Berührung der Nemeter mit slawischen Völkern eher unwahrscheinlich ist.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Primärliteratur

  • C. Iulii Caesaris Commentarii de bello Gallico. 20. Auflage von Heinrich Meusel. Berlin 1960–1965
  • Tacitus. Germania. Lateinisch / Deutsch. Übersetzt, erläutert und mit einem Nachwort herausgegeben von Manfred Fuhrmann. Stuttgart 1972.
  • P. Cornelii Taciti libri qui supersunt. Ed. Iosephus Delz. Stuttgart 1983.

[Bearbeiten] Sekundärliteratur

  • Christoph Heinrich Friedrich Bialloblotzky: "German reading lessons. Selected from Wolfgang Menzel: Geschichte der Deutschen, London 1838 (google books)
  • Heinrich Kohlrausch: "History of Germany. From the Earliest Period to the Present Time". New York 1880. (google books)
  • Heinz Cüppers: Nemetes. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 4, Stuttgart 1972, Sp. 50.

[Bearbeiten] Landkarten

  • Samuel Butler: The Atlas of Ancient and Classical Geography. London 1907

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Caesar, De bello Gallico, Buch 1, 51–54
  2. Caesar, De bello Gallico, Buch 6, 55
  3. Tacitus, Germania 28
  4. Tacitus, Annalen, Buch XII 27
  5. Ammianus Marcellinus: Res gestae, 15,11,8
  6. Akademie der Wissenschaften in Wien: Denkschriften, Band 15 Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-Historische Klasse, Wien 1867

[Bearbeiten] Weblinks

  • Caesar, De bello Gallico 1, 51–54; Lateinischer Originaltext bei The Latin Library
  • Caesar, De bello Gallico 6, 55; Lateinischer Originaltext bei The Latin Library
  • Tacitus, Annales 12, 27; Lateinischer Originaltext bei The Latin Library
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