Nemeter
Die Nemeter waren vermutlich ein germanischer Stamm im Gebiet des Rheins zwischen Pfalz und Bodensee.
Inhaltsverzeichnis |
Erste Nennung bei Caesar [Bearbeiten]
Die Nemeter werden erstmals in De Bello Gallico vom römischen Feldherrn und Autor Julius Caesar über die Kriege in Gallien genannt. Demzufolge waren die Nemeter um das Jahr 70 v. Chr. mit anderen Volksstämmen unter Führung des germanischen Fürsten Ariovist auf der Suche nach neuem Siedlungsgebiet ins Gebiet der Gallier eingedrungen. Die unter dem Protektorat des Römischen Reichs stehenden Gallier baten, so Caesar, Rom um Hilfe. Caesar nennt die Nemeter dann unter den sieben Stämmen, die er in einer Schlacht am Rhein im Jahr 58 v. Chr. besiegte.[1] Nochmals nennt er den Namen der Nemeter, als er ein Waldgebiet beschreibt, das sich beginnend im Gebiet der Helvetier, Nemeter und Rauraker weiter erstreckt in gerader Richtung auf die Donau zu bis zum Gebiet der Daker und Anartier.[2]
Germanen oder Kelten [Bearbeiten]
Auch wenn Caesar die sieben Volksstämme der Schlacht am Rhein als Germanen bezeichnet (lateinisch Germani suas copias constituerunt), so stehen die Nemeter durch die gemeinsame Stammesgöttin den Treverern nahe, einem heute als keltisch bekannten Stamm. Eventuell waren die Nemeter also ebenfalls Kelten.
Berichte bei Tacitus [Bearbeiten]
Der römische Historiker und Senator Tacitus greift im 1. Jahrhundert n. Chr. auf den von ihm hoher Gewährsmann genannten Caesar zurück und nennt in seinem historischen Bericht Germania die Nemeter, die auch nach seinen Angaben unmittelbar am linken Rheinufer wohnen und unzweifelhaft ein germanisches Volk seien.[3] Jedoch betonte er zuvor, dass es am Ufer des Rheins ein Hin und Her von Galliern und Germanen gegeben hatte und einige Stämme wohl nur nach ihren eigenen Angaben und ihrem Selbstverständnis germanischen Ursprungs waren. Tacitus zählt dann in einem anderen seiner historischen Berichte, den Annalen, die Nemeter zu den Hilfsvölkern der Römer.[4] Tacitus berichtet, dass die Nementer zusammen mit Vangiones als Hilfstruppen gegen eingefallene räuberische Chatten eingesetzt wurden und bei einer Aktion dabei diese Räuber im Schlaf überraschen und besiegen konnten. Dabei befreiten sie Römische Soldaten und Veteranen der Varusschlacht aus ihrer vierzigjährigen Kriegsgefangenschaft.
Siedlungsgebiet der Nemeter bei Speyer [Bearbeiten]
Die Nemeter sollen sich, so wird allgemein angenommen, wohl unter der Führung von Ariovist als ein germanisches Volk bereits um 70 v. Chr. in der Gegend der heute pfälzischen Stadt Speyer an Rhein niedergelassen haben, was sich im lateinischen Namen der Stadt Noviomagus Nemetum widerspiegele. Noviomagus ist ein Wort keltischen Ursprungs. Der römische Historiker Ammianus Marcellinus erwähnte dann die Stadt um 300 n. Chr. als Nemetae.[5]
Die Vorstellung einer germanischen Besiedlung Speyers bereits zur Zeit Ariovists können allerdings die bisherigen archäologischen Funde nicht belegen, nach denen sich eine germanische Besiedlung der Gegend um Speyer erst für das 1. Jahrhundert n. Chr. belegen lässt.
Stammesgöttin der Nemeter [Bearbeiten]
Als Stammesgöttin der Nemeter wird Nemetona genannt, keltisch-gallische Schutzgöttin der Heiligtümer, ihr wird als Gefährte der Gott Mars Leucetius (der Strahlende) zugeordnet.
Niemcy [Bearbeiten]
In slawischen Sprachen wie im Polnischen beispielsweise werden Deutsche als Niemcy bezeichnet. Ob diese Bezeichnung der Deutschen in slawischen Sprachen wie oft angenommen von dem Volksstamm der Nemeter abstammen kann ist umstritten und andere Deutungen werden vorgeschlagen, da eine solche etymologisch bedeutende Berührung der Nemeter mit slawischen Völkern eher unwahrscheinlich ist[6].
Német [Bearbeiten]
In der ungarischen Sprache bedeutet "német" ebenfalls "deutsch". Deutschland heißt dort "Németország". Ungarn heißt in der eigenen Landessprache zum Vergleich "Magyarország".
Literatur [Bearbeiten]
Primärliteratur [Bearbeiten]
- C. Iulii Caesaris Commentarii de bello Gallico. 20. Auflage von Heinrich Meusel. Berlin 1960–1965
- Tacitus. Germania. Lateinisch / Deutsch. Übersetzt, erläutert und mit einem Nachwort herausgegeben von Manfred Fuhrmann. Stuttgart 1972.
- P. Cornelii Taciti libri qui supersunt. Ed. Iosephus Delz. Stuttgart 1983.
Sekundärliteratur [Bearbeiten]
- Christoph Heinrich Friedrich Bialloblotzky: "German reading lessons. Selected from Wolfgang Menzel: Geschichte der Deutschen, London 1838 (google books)
- Heinrich Kohlrausch: "History of Germany. From the Earliest Period to the Present Time". New York 1880. (google books)
- Heinz Cüppers: Nemetes. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 4, Stuttgart 1972, Sp. 50.
Landkarten [Bearbeiten]
- Samuel Butler: The Atlas of Ancient and Classical Geography. London 1907
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Caesar, De bello Gallico, Buch 1, 51–54
- ↑ Caesar, De bello Gallico, Buch 6, 55
- ↑ Tacitus, Germania 28
- ↑ Tacitus, Annalen, Buch XII 27
- ↑ Ammianus Marcellinus: Res gestae, 15,11,8
- ↑ vgl. Akademie der Wissenschaften in Wien: Denkschriften, Band 15 Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-Historische Klasse, Wien 1867 [1]