Nennig

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49.5302226.383228156Koordinaten: 49° 31′ 49″ N, 6° 23′ 0″ O

Nennig
Gemeinde Perl
Ehemaliges Gemeindewappen von Nennig
Höhe: 156 m
Fläche: 9,73 km²
Einwohner: 1149 (31. Dez. 2010)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Postleitzahl: 66706
Vorwahl: 06866
Nennig (Saarland)
Nennig

Lage von Nennig im Saarland

Schloss bei Nennig (April 2006)

Schloss bei Nennig (April 2006)

Nennig ist ein Ortsteil (Gemeindebezirk) der Gemeinde Perl im Landkreis Merzig-Wadern (Saarland) und einer der drei Moselorte des Saarlandes.

Geographie[Bearbeiten]

Geologische Einordnung, Bodenarten und Nutzung[Bearbeiten]

Schemazeichnung der Bodengesellschaft in der Nenniger Moselaue
Mauerbogen, Ortsansicht (April 2006)
Römisches Mosaik von Nennig (Ausschnitt)
Karte von Nennig
Schloss Berg
Römische Villa

Nennig liegt raumgeologisch gesehen am Rande des Pariser Beckens und des lothringischen Schichtstufengebirges. Landschaftlich gehört es zum Gebiet der Trierer-Luxemburger Triasbucht, die als Gutland bezeichnet wird.

Die Gesteinsgrundlage stellt in Nennig fast überall der Hauptmuschelkalk dar. Von den Höhen des Saar-Mosel-Gaues (Saargau) fällt die Landschaft terrassenartig zur Mosel hin ab. Zahlreiche der Mosel zulaufende Tälchen bauen flache Schwemmkegel in die Moseltalniederung vor, die hier auf einer Länge von 9 km auf rund 1,8 km verbreitert ist.

Die Talaue ist verfüllt mit holozänen Auenablagerungen. Als Bodenarten herrschen schluffige Lehme vor. Es finden sich die typischen Auenböden, die eine Gründigkeit zwischen 0,5 und 3 Metern aufweisen und extrem fruchtbar sind. Hier werden die für das Saarland höchsten Bodenzahlen von 60 bis 95 Punkten erreicht. Die gesamte Aue wird regelmäßig überschwemmt.

Gemäß der Bodenübersichtskarte des Saarlandes dominieren im Gebiet in den häufiger überschwemmten Abschnitten die allochthonen braunen Auenböden und in den weniger häufig überschwemmten Bereichen zur Verbraunung neigende rezente Auenböden, die bereits überleiten zu den Auenbraunerden (autochthone Vega). In grundwassernahen Senken und Flutmulden stellen sich Auengleye oder Übergangsformen zu den Vegen ein. Am Hangfuß finden sich Kolluvisole aus vorwiegend lehmigen Abschwemmmassen. Auf den zur Mosel abfallenden Hängen findet sich größtenteils Kalkbraunerde, Braunerde sowie Pelosol-Braunerde.

Soweit die Böden landwirtschaftlich nutzbar sind, werden sie als Wein-, Acker- und Grünland genutzt. Die Verteilung von Grünland zu Ackerland wird von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt. Neben der Ertragsfähigkeit und der Hängigkeit sowie der Bearbeitbarkeit spielen auch historische Entwicklungen eine Rolle. So sind die Grünlandflächen in der Talaue historisch bedingt, da hier in früheren Zeiten eine Nutzung als Bewässerungswiesen möglich war. Hiervon zeugen heute noch zahlreiche, die Flächen durchschneidende Bewässerungsgräben. Zudem schränken die jährlich wiederkommenden Überschwemmungen sowie der zum Teil hohe Grundwasserstand die Ackernutzung ein. Trotzdem sind in der Vergangenheit größere Grünlandflächen in der Talaue in die ackerbauliche Nutzung genommen worden. Daher lässt sich sagen, dass die Bodenarten und die damit verbundene landwirtschaftliche Ertragsfähigkeit ein Hauptauswahlkriterium für die Flächennutzung darstellt. Weinbau wird auf den zur Mosel abfallenden Hängen betrieben. Auf dem mächtigen Kalksteinuntergrund haben sich dort Kalkbraunerden gebildet mit einem hohen Ton- und Steinanteil. Dieser Boden ist an den Süd- und Südwestlagen in Nennig die ideale Bedingung für fruchtige Weiß- und Rotweine.

Bodenschätze[Bearbeiten]

An Kies und Sand gibt es reiche Vorkommen, die in großem Umfang in der Talaue abgebaut werden. Daneben existieren geringere Vorkommen älterer Entstehung auf einigen zur Mosel abfallenden Hängen. In großem Umfang ist Muschelkalk und Dolomit festzustellen. Die Vorkommen sind von besonderer, überregionaler Qualität. Ein Abbau ist bis in die Römerzeit nachzuweisen. Seit etwa 1995 findet kein Abbau mehr statt. Verwendung fanden die Gesteine als Platten und Pflastersteine sowie zur Herstellung von Brandkalk.

Klima[Bearbeiten]

Die klimatischen Verhältnisse erlauben den Weinanbau an den Moselhängen bei Nennig. Am 8. August 2003 wurden in Nennig 40,8 °C gemessen. Dieser Wert wurde später auf 40,3 °C korrigiert [2]. Der Wert wird vom DWD nicht offiziell anerkannt. Der DWD gibt weiter an, dass der alte und neue deutsche Temperaturrekord aus dem Jahre 1983 stammt, als im bayerischen Gärmersdorf 40,2 °C registriert wurden.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Nennig wird urkundlich erstmals 924 erwähnt, jedoch bezeugen zahlreiche Funde eine Besiedlung schon vor dieser Zeit..

Römische Zeit[Bearbeiten]

Mit dem Mosaik von Nennig gehört Nennig zu den wichtigen römischen Ausgrabungsstätten im Saarland. Das bedeutendste Baudenkmal aus römischer Zeit im Saarland ist die Villa zu Nennig. 1852 zufällig entdeckt, wurden wesentliche Teile des Anwesens bis 1864 durch N. von Wilmowsky,[4] 1866 durch H. Schaeffer und 1869-1872 durch E. Aus'm Weerth ausgegraben. Dabei ereignete sich ein auch in der breiten Öffentlichkeit thematisierter Fälschungsskandal.[5] Neue systematische Grabungen fanden von 1987 bis 1999 durch F. Bertemes, R. Echt, K.-P. Henz und B. Bienert statt.

Hatte man lange geglaubt, die Villa von Nennig sei ein reiner Luxus- und Repräsentationsbau, so belegen die neuen Ausgrabungen die Zugehörigkeit der Nenniger Anlage zum Typ der Axialhofvilla. Das Gebäudeensemble gliedert sich in einen repräsentativen Wohnbereich (Pars urbana) und einen Ökonomiebereich (Pars rustica). Letzterer besteht aus einem langgestreckten Hof, durch den breite, gepflasterte Fahrstraßen von der knapp 2 km entfernten Mosel auf das Herrenhaus zuführen. An beiden Längsseiten des Hofes standen Nutz- und Wohnbauten. Drei sind durch Grabung nachgewiesen, weitere dürften noch unerkannt im Boden stecken. Ein Teil des Hofareals ist seit 1999 modern überbaut.

Zur Pars urbana der Villa gehören ein herrschaftliches Wohngebäude von 120 m Breite mit einer Portikusfassade zwischen Eckrisaliten, zwei damit durch Portiken verbundene Seitentrakte, die als Gästewohnungen interpretiert werden, ein abseits gelegenes, fast 500 m² großes Badehaus vom Blocktypus, und eine fast 260 m lange Gartenportikus zwischen Haupthaus und Bad. Moselwärts vor dem Badegebäude erhebt sich auf der Domäne ein Grabhügel (Tumulus oder Mahlknopf, mundartlich Mohknapp) (Lage49.5258455656.3788455725). Ausgrabungen durch A. Kolling 1986-87 erbrachten am Hügelfuß eine mannshohe Ringmauer von 44,5 m Durchmesser und den Nachweis, dass das Grabmal von einem 94 x 100 m messenden Mauergeviert umgeben war. Nach Abschluss der Grabungen wurde der Hügel wieder aufgeschüttet und ein Teil der Ringmauer rekonstruiert. Ein zweiter Hügel nördlich des Mahlknopfs ist heute völlig eingeebnet.

Berühmt ist die Villa von Nennig vor allem wegen des hervorragenden Mosaikteppichs aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. im Empfangssaal des Herrenhauses. Von ursprünglich acht Medaillons mit figürlichen Darstellungen aus dem Amphitheater sind sieben erhalten. Das 15,65 x 10,30 m große Mosaik ist an Ort und Stelle erhalten. Ein Schutzbau aus dem 19. Jahrhundert macht es Besuchern zugänglich. Rechts und links des Schutzbaus sind die Grundmauern von Teilen des Herrenhauses zu besichtigen, u.a. die Säulenstümpfe eines Peristyls nördlich des Mosaiksaals.

Nach Ausweis datierender Kleinfunde (Münzen, Fibeln, Keramik) war die Villa von Nennig eine Gründung des 1. Jahrhunderts n. Chr. Die jüngsten Funde stammen aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts.

Der Volksmund berichtet von einigen unterirdischen Gängen zum Mohknapp, was von zahlreichen Augenzeugenaussagen älterer Bürger immer wieder bestätigt wird. So soll noch vor 30 Jahren im Bereich der römischen Villa ein Eingang zu einem solchen Gang frei zugänglich gewesen sein, in dem man mehrere Hundert Meter fast aufrecht gehen konnte. Auch soll beim Ausbau der Kanalisation in der Dorfstraße Richtung Besch in den 50er Jahren ein solcher Gang angeschnitten worden sein. Ungeklärt ist, ob es zur römischen Geschichte einen Bezug gibt.

Mittelalter[Bearbeiten]

Auf die Römer folgten die Franken in Nennig. Diese bewohnten einige Zeit die römischen Bauwerke, unterhielten sie aber nicht mehr, so dass sie verfielen. Die römische Villa wurde endgültig während der Plünderungszüge der Normannen in der Schlacht bei Remich im Jahre 882 zerstört. Wohl kurz darauf, evtl. auch schon früher entstanden mehrere fränkische Herrenhöfe, aus denen die Schlösser Berg, Bübingen und Thorn (letzteres heute zu Palzem gehörend) hervorgingen. Von diesen dreien, die früher zu Nennig gezählt wurden, liegt Schloss Thorn heute außerhalb des Saarlandes im benachbarten Rheinland-Pfalz.

Die territoriale Zugehörigkeit Nennigs war dabei geteilt. So übten bis 1769 der Kurfürst von Trier, der Herzog von Lothringen und der Herzog von Luxemburg gemeinschaftlich die Landeshoheit in Nennig und den seinerzeit dazugehörenden Orten Berg und Wies aus. Dabei war Schloss Bübingen Sitz einer luxemburgischen Herrschaft und Schloss Berg Sitz einer lothringischen Herrschaft. Die Einwohner von Nennig, das damals aus den Ortsteilen Nennig, Wies, Berg und Bübingen bestand, waren demnach Untertanen von verschiedenen Herren. Dabei bildeten die vier Orte jedoch eine ungeteilte territoriale Einheit (Kondominium). Die einzelnen Haushalte waren jedoch unterschiedlichen Staaten steuerpflichtig. Eine Karte aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigt diese für unsere heutigen Verhältnisse verworrenen Zustände.

Neuzeit[Bearbeiten]

Nach dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen fiel Nennig an die Republik Frankreich, bis es 1815 nach dem Sieg über Napoleon dem Königreich Preußen (Rheinprovinz, Regierungsbezirk Trier, Kreis Saarburg) zugeschlagen wurde. Seit dieser Zeit bildet die Mosel als Kondominium die Grenze zwischen Preußen (später Deutschland) und dem Großherzogtum Luxemburg. Das Kondominium wirkt sich in diesem Fall so aus, dass die Grenze Luxemburgs das deutsche Ufer ist und die Grenze Deutschlands das luxemburgische Ufer, die Mosel also beiden Staaten gehört.

Seit 1945 gehört Nennig zum Saarland und wurde mit weiteren Ortsteilen, die vorher zum Kreis Saarburg gehörten, dem Kreis Merzig-Wadern und darin dem Amt Perl zugeteilt. Bis Ende 1973 war Nennig eine eigenständige Gemeinde. Am 1. Januar 1974 wurde sie durch das Verwaltungsreformgesetz aufgelöst und in die Gemeinde Perl eingegliedert.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Nennig, die Werte von 1939 bis 1974 beruhen auf Volkszählungen:[1]

Jahr Einwohner
1939 936
1950 786
1961 913
1970 944
1974 976
2004 979
2010 1149

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • International bekannt ist Schloss Berg. Es beherbergt ein Spielcasino sowie ein Hotel mit einem Drei-Michelin-Sterne-Restaurant unter der Leitung von Christian Bau.
  • Die 1805 neu erbaute Kirche St. Martin wurde nach Zerstörungen des 2. Weltkrieges 1947 wieder aufgebaut.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nennig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistische Übersicht Gemeinde Perl auf www.perl-mosel.de
  2. Hinweise zu Extremtemperaturen für Deutschland
  3. Wetterrekorde - Lufttemperatur
  4. Google Books: Die römische Villa zu Nennig - Johann Nikolaus von Wilmowsky, Gesellschaft für Nützliche Forschungen (Trier) - Google Books
  5. Google Books: Die fälschung der Nenniger inschriften - Ernst Aus'm Weerth - Google Books
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 804.