Nennius

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Nennius oder Nemniuus ist ein nicht sicher bezeugter frühmittelalterlicher Mönch, Gelehrter und Geschichtsschreiber in Wales im Übergang vom 8. zum 9. Jahrhundert.

Nennius gilt gemeinhin als Verfasser der Historia Brittonum, einer mit Sagen und Legenden durchsetzten Kompilation zu Zeitrechnung, Geschichte und Landeskunde Britanniens, die in ca. 35 Konkordanzen überliefert ist. Ein dem Geschichtswerk zugrunde liegender Text wird durch Beda für das frühe 8. Jahrhundert bezeugt; als sichere Quelle kann man Gildas' De Excidio et Conquestu Britanniae ansehen, deren Formulierungen in geographischen Belangen wiederaufgegriffen werden.

Eine der älteren Fassungen der Historia Brittonum entstand in Wales ca. 829/830 (Harleian MS 3859). Der Verfasser erwähnt sich in einem Prolog, der in mehreren Konkordanzen des 12. Jahrhunderts überliefert ist, mit Namen. Neuere Untersuchungen haben jedoch versucht nachzuweisen, dass die Manuskripte, die diesen Prolog enthalten, von einem Exemplar abstammen, das – so David N. Dumville – erst auf das späte 11. Jahrhundert zu datieren ist. Die Authentizität des Prologs ist umstritten; die Ursache, ihn eingefügt zu haben, kann möglicherweise darin gesucht werden, dass eine Zuordnung zu Nennius eine höhere Glaubhaftigkeit erzielen sollte.

Nennius war nach eigener Aussage im Prolog der Historia Brittonum ein Schüler Elvodugus'. Elvodugus wird mit dem Bischof von Bangor, Elfoddw von Gwynedd, identifiziert, der 768 den waliser Teil der keltischen Christen dazu brachte, Ostern zeitgleich zu den übrigen Christen in Britannien zu feiern. Bischof Elvodugus' Todesjahr ist in den Annales Cambriae mit 809 verzeichnet.

In einem lateinischen Manuskript des frühen 9. Jahrhunderts (Liber Commonei, auch Oxoniensis Prior, Bodleian Library MS Auct. F.4.32, Oxford) wird ebenfalls ein Nemniuus erwähnt. Als Antwort auf die (unzutreffende) Behauptung eines angelsächsischen Gelehrten, die kymrischen Briten hätten kein Alphabet, habe Nennius ein walisisches Spott-Alphabet erfunden, dass laut Nora Chadwick auf der angelsächsischen Runenschrift (Jüngeres Futhork) beruhte. Chadwick weist aber darauf hin, dass das Alphabet selbst nicht in die Schilderung integriert ist und wahrscheinlich erst nach vorheriger Recherche angefügt wurde.

Dieser Geschichtsschreiber Nennius darf nicht mit dem britannischen Prinzen Nennius verwechselt werden.

Übersetzung[Bearbeiten]

  • Nennius: Historia Brittonum. Zweisprachige Ausgabe Lateinisch-Deutsch. Übersetzt, eingeleitet und erläutert von Günter Klawes. Marix, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-86539-289-3

Literatur[Bearbeiten]

  • Nora K. Chadwick (Hrsg.): Studies in the Early British Church. – Hamden, Conn. : Shoe String Pr., 1973 <Repr. d. Ausg. Cambridge 1958> – ISBN 0-208-01315-6
  • David N. Dumville: Nennius and the „Historia Brittonum“. In: Studia Celtica 10/11 (1975/76), S. 78–95
  • David N. Dumville: Histories and Pseudo-histories of the Insular Middle Ages. 1990.
  • M. Lapidge / R. Sharpe: A Bibliography of Celtic-Latin Literature 400–1200. 1985, S. 42–45 (Bibliographie)
  • John Morris (Hrsg.): Arthurian Sources, Vol. 8, Nennius, British History and The Welsh Annals. London 1980.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Nennius – Quellen und Volltexte (Latein)