Vitalismus

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Vitalismus (lat.: vita - Leben) ist jene Lehre, die als Grundlage alles Lebendigen eine Lebenskraft (vis vitalis) als eigenständiges Prinzip annimmt, um das Besondere des Lebens zu betonen. Es wird ein Wesensunterschied zwischen Organischem und Anorganischem behauptet. Der Vitalismus lehnt die Rückführung auf bloße chemische und physikalische Grundprinzipien ab und stellt sich somit in Gegensatz zum Mechanismus beziehungsweise Materialismus.

Die Vertreter des Vitalismus werden als Vitalisten bezeichnet. Als ein Vorläufer des Vitalismus kann Aristoteles gelten, der das Lebendige als durch ein Lebensprinzip ermöglicht betrachtete, welches er Entelechie nannte. Bedeutende Vertreter des Vitalismus im engeren Sinne waren Jan Baptist van Helmont (1577-1644), Georg Ernst Stahl (1660-1734), Albrecht von Haller (1708-1777) und Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840). Im 19. und frühen 20. Jahrhundert vertraten auch die Denker der Lebensphilosophie Positionen des Vitalismus. Der letzte bedeutende Biologe, der eine vitalistische Position vertrat (Neovitalismus), war Hans Driesch (1867-1941). Er griff dabei den aristotelischen Begriff der Entelechie auf.

Seither, besonders seit der Synthese von Harnstoff durch Friedrich Wöhler, gilt der vitalistische Ansatz in der Biologie als überholt. Er wird derzeit, in einer abgewandelten Form, hauptsächlich nur noch von Rupert Sheldrake vertreten (siehe auch: Morphogenetisches Feld).

Aus o.a. Synthese des Harnstoffs wird geschlossen, dass Lebenskraft bzw. Lebensenergien zur Herstellung organischer Substanzen nicht notwendig sind. Weit verbreitet wird angenommen, dass solche Energien, wie Qi oder Energie (Esoterik), überhaupt nicht existieren.

In neuerer Zeit griffen allerdings einige renommierte Zellbiologen diese Bezeichnung in einem übertragenen Sinn wieder auf als „molekularen «Vitalismus»“. Sie bezeichnen damit ein Forschungsprogramm für die Biologie des 21. Jahrhunderts, das über die Analyse des Genoms, welche bald der Vergangenheit angehören werde, hinausgehen und die Selbstorganisation biologischer Systeme auf molekularer, zellulärer und organismischer Ebene untersuchen soll.[1]

[Bearbeiten] Quellen

  1. "At the turn of the twenty-first century, we take one last wistful look at vitalism, only to underscore our need ultimately to move beyond the genomic analysis of protein and RNA components of the cell (which will soon become a thing of the past) and to turn to an investigation of the “vitalistic” properties of molecular, cellular, and organismal function. Such an opportunity is now possible because of the great advances in genetics and in molecular and cell biology during the past century. As it is now clear that gene products function in multiple pathways and the pathways themselves are interconnected in networks, it is obvious that there are many more possible outcomes than there are genes. The genotype, however deeply we analyze it, cannot be predictive of the actual phenotype, but can only provide knowledge of the universe of possible phenotypes. Biological systems have evolved to restrict these phenotypes, and in self-organizing systems the phenotype might depend as much on external conditions and random events as the genome-encoded structure of the molecular components. Yet out of such a potentially nondeterminist world, the organism has fashioned a very stable physiology and embryology. It is this robustness that suggested “vital forces”, and it is this robustness that we wish ultimately to understand in terms of chemistry."
    Marc Kirschner et al., Molecular „Vitalism“, Cell 100 (2000), S. 79-88.

[Bearbeiten] Siehe auch

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