Nepi

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Nepi
Wappen
Nepi (Italien)
Nepi
Staat: Italien
Region: Latium
Provinz: Viterbo (VT)
Koordinaten: 42° 15′ N, 12° 21′ O42.24361111111112.346388888889227Koordinaten: 42° 14′ 37″ N, 12° 20′ 47″ O
Höhe: 227 m s.l.m.
Fläche: 84,2 km²
Einwohner: 9.698 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 115 Einw./km²
Postleitzahl: 01036
Vorwahl: 0761
ISTAT-Nummer: 056039
Volksbezeichnung: Nepesiner
Schutzpatron: Romanus und Ptolemäus
Website: Nepi

Nepi ist eine Gemeinde mit 9698 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) in der italienischen Region Latium, Provinz Viterbo, 37 km südöstlich der Provinzhauptstadt und 45 km nördlich von Rom.

Kastell der Borgia

Geografie[Bearbeiten]

Wasserfall in die Tuffschlucht von Nepi

Nepi ist auf steilem, von mehreren Schluchten durchschnittenen Tuffplateau an den Ausläufern der Monti Cimini (Höhenzug bis 1000 m) erbaut. Es liegt am Zusammenfluss zweier Bäche (Rio Puzzolo und Rio Falisco); dieser Wasserlauf stürzt als Kaskade von der Felsplatte, auf der das Kastell der Borgia liegt, in die Tiefe. Die Umgebung ist in den höheren Lagen und rund um das Naturreservat am Lago di Vico reich an Buchen- und Eichenwäldern.

Nepi ist eine Station auf der Via Francigena.

Geschichte[Bearbeiten]

Kastell der Borgia und Verstärkung durch die Farnese

Wie die meisten Orte der Umgebung war auch Nepi eine etruskische Gründung (Nepet), die zum Zwölfstädtebund-Stadtstaat Veji gehörte. 396 v. Chr. wurde Veji von den Römern erobert; damit wurde Nepi gemeinsam mit Sutri zu einem strategisch bedeutsamen Vorposten zur Sicherung des Territoriums in unmittelbarer Nähe zur Hauptstadt. Nach dem Bundesgenossenkrieg 91-88 v. Chr. erhielt Nepi das römische Bürgerrecht und wurde municipium; diesen Status behielt es bis in die Spätantike.

Bei der Invasion der Langobarden ins Römische Reich 568 wurde Nepi durch König Alboin zerstört.

Früheste Hinweise auf eine Wiederbesiedlung sind im 11. Jahrhundert dokumentiert. Das Land gehörte seit der Pippinschen Schenkung zum Kirchenstaat, wurde de facto jedoch von wechselnden Feudalherrschaften kontrolliert, ehe die Päpste es im 15. Jahrhundert selbst in Besitz nahmen. Neben den Borgia nahmen die Farnese maßgeblich Einfluss auf die architektonische Gestaltung.

Die Invasionstruppen Napoleons in Mittelitalien verursachten 1798 einen Stadtbrand und die Zerstörung der Kathedrale. Durch Wiederaufbauten im 19. Jahrhundert erklärt sich ein erheblicher Teil an Veränderungen in der Bausubstanz.

Seit 1870 gehört Nepi wie der gesamte ehemalige Kirchenstaat zum italienischen Staat.

Stadtbild und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Stadtbild ist im Kern mittelalterlich mit nachfolgenden Einflüssen der Renaissance. Viele Gebäude sind sanierungsbedürftig. Für 2007 sind Restaurierungsarbeiten in größerem Umfang angekündigt, für die die finanziellen Mittel allerdings noch erhoben werden.

Profanbauten[Bearbeiten]

Aquädukt von Nepi
  • Das Kastell der Borgia (15./16. Jh.), ist ein von Alexander VI. 1479 maßgeblich gestalteter Bau auf den Relikten eines Feudalsitzes mit vier quadratischen Ecktürmen unterschiedlicher Größe sowie zwei Rundtürmen (einer davon ist zur Begehung freigegeben). Im Inneren, das noch restauriert wird, liegt ein geräumiger rechteckiger Saal sowie zwei kleinere Nebenräume. Unter dem Kastell wurde der Abschnitt einer römischen Straße mit drei Toren aus unterschiedlichen Epochen gefunden; die älteste Bausubstanz wird dem 3./2. vorchristlichen Jahrhundert zugerechnet. Eine Verstärkung erfuhr die Anlage unter Antonio da Sangallo dem Jüngeren im Auftrag von Herzog Pier Luigi II. Farnese (Sohn des Farnese-Papstes Paul III.) im Jahre 1537.
  • Papst Paul III. und Antonio da Sangallo der Jüngere zeichnen verantwortlich für den Renaissancebau des Palazzo Comunale, der 1542 begonnen, allerdings erst um 1700 vollendet wurde. Der Brunnen unter der Mittelarkade stammt von Filippo Barigioni (1727). Ein Museum zur Stadtgeschichte befand sich 2007 noch im Aufbau.

Kirchen[Bearbeiten]

Barockisierter Innenraum der Kathedrale
  • Die Kathedrale Mariä Himmelfahrt wurde im 12. Jahrhundert möglicherweise auf den Resten eines Tempels errichtet. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde sie sukzessive verändert und nach dem Stadtbrand von 1798 im Jahre 1831 rekonstruiert. Zum Vorgängerbau gehört die 9-schiffige, durch 27 kleine Säulen mit reich geschmückten unterschiedlichen Kapitellen unterteilte Krypta, die einen antiken Altartisch beherbergt. Zur Ausstattung der fünfschiffigen Kirche gehören der Sarkophag des Schutzpatrons Romanus (Schule von Bernini) sowie ein Triptychon, das Paolo Romano zugeschrieben wird. In der Sakristei wird eine Altartafel aufbewahrt, die Romanus neben dem zweiten Lokalheiligen, dem Märtyrer Ptolemäus, darstellt (Ende 15. Jh.).
  • San Biagio geht auf ein Vorgänger-Konvent (Santa Maria delle Grazie) aus dem 10. Jahrhundert zurück, dem auch griechische Mönche angehörten. Der einschiffige Innenraum, der im Laufe der Jahrhunderte diverse Veränderungen erfuhr, ist reich mit Fresken ausgestattet.
  • San Pietro wurde 1465 geweiht, existierte möglicherweise aber schon im 13. Jahrhundert. Die Kirche wurde von Augustinern 1755 umgebaut und barockisiert.
  • In San Vito (1467 erwähnt) befinden sich Freskenreste, die älter eingeschätzt werden (14. Jh.).
Fresko des heiligen Rochus in San Rocco
  • San Rocco wurde nach lokalen Quellen höchstwahrscheinlich 1467 im Anschluss an eine Pestepidemie erbaut. Ein Fest zu Ehren des Pestheiligen findet alljährlich im August statt (1563 erstmals dokumentiert). Die Kirche enthält Fresken des 15. Jahrhunderts.
  • San Tolomeo ist ein Renaissancebau mit Kuppel nahe dem Gemeindefriedhof, aus der Ära Paul III./Pier Luigi Farnese / Antonio da Sangallo der Jüngere. Von der Kirche gelangt man in die Santa Savinilla-Katakomben (4.-5. Jh.). In den drei Hauptgängen mit mehreren Verzweigungen befinden sich mehr als 1000 Gräber.

Außerhalb der Stadt[Bearbeiten]

  • Die Via Amerina (3. Jh. v. Chr.) ist eine Römerstraße, die von Nepi nach Gubbio verlief, wo sie in die Via Flaminia mündete. Ihren Namen erhielt sie von der römischen Stadt Ameria, die dem heutigen Amelia entspricht. Im Mittelalter war diese Straße sehr bedeutsam, da sie die einzige Verbindung zwischen Rom und dem Exarchat von Ravenna war. Ein gepflasterter Abschnitt ist bei Tre Ponti erhalten, einer zerklüfteten Felslandschaft, wo sich eine von ehedem drei Römerbrücken über zwei Wasserläufe sowie eine Reihe von Felsengräbern befinden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Ort und seine Umgebung sind agrarisch geprägt. Im Ortszentrum dominieren kleine Dienstleistungsbetriebe (mehrheitlich Einzelhandelsgeschäfte). Zur Kommunalverwaltung gehören Baubehörden, Rechnungswesen, Sozialwesen, die örtliche Polizei sowie eine Bibliothek.

Nepi ist in Italien bekannt für sein Mineralwasser, das unter dem folgenden Motto vermarktet wird: "Nepe civitas, nobilis atque potens, in cuius fertilissimis agris balnea scaturiunt salutifera" ("Die Stadt Nepi, edel und mächtig, in deren fruchtbaren Landen heilsame Wasser fließen"). Die 3 km von der Stadt entfernten Mineralquellen waren schon in der Antike bekannt und haben möglicherweise den Gracchen gehört. Das Wasser wird heute als Acqua di Nepi vor allem in Mittelitalien vermarktet. Abgefüllt und vertrieben wird das Wasser allerdings nicht vor Ort, sondern von der Firmengruppe San Benedetto in Scorzè (Venetien).

Das größte ansässige Unternehmen ist die Firma Great Lengths, die in Nepi ihren Hauptsitz hat und 60 % des Weltmarktanteils an Echthaarverlängerung hält. Hierfür wird hauptsächlich sogenanntes Tempelhaar, das in indischen Tempeln (z.B. Tirupati) geopfert wird, verwendet.[2]

Feste[Bearbeiten]

  • Heiliger Antonius am 17. Januar
  • Karneval
  • Palio del Saracino (mittelalterliches Spektakel mit Umzügen und kleinem Pferderennen nach Palio-Prinzip) am letzten Wochenende im Mai sowie an den ersten beiden Wochenenden im Juni; in dieser Zeit auch diverse Marienfeste
  • Patronatsfest der beiden Lokalheiligen am 25./26. August mit Prozession, sportlichen und kulturellen Darbietungen
  • Bauernmärkte/Erntedank Mitte September
  • Madonna della Vittoria am ersten Sonntag im Oktober
  • Heiliger Stephanus am 26. Dezember

Literatur[Bearbeiten]

  • Anna Ferrari-Bravo (Hrsg.): Lazio. Roma e il Vaticano, le città etrusche e medievali dalla Tuscia al Circeo (= Guide d'Italia). Touring Club Italiano, Mailand 2004, ISBN 88-365-2917-8.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2013.
  2. Stern - Das Rapunzel-Prinzip

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nepi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien