Nerik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lage von Nerik

Nerik war eine hethitische Stadt im nördlichen Zentralanatolien in der heutigen Provinz Samsun.

Bedeutung[Bearbeiten]

Nach den Paragraphen §§ 50ff. des althethtitischen Gesetzes war Nerik neben Arinna und Ziplanda eine der drei heiligen Städte (šiunan URU „Götterstadt“ ), zu denen früh noch die Hauptstadt Ḫattuša als Ort der Götterversammlung trat.[1] Der Kult galt dem Wettergott von Nerik, der nach lokaler Überlieferung Sohn des hattischen Gottes Šulinkatte und der Sonnengöttin der Erde war. Als seine Frau nennen die Texte Zašḫapuna und als Geliebte Tešimi. Weitere in Nerik verehrte Gottheiten waren Zababa von Nerik, Telipinu und der Fluss Maraššanta (der heutige Kızılırmak) sowie diverse Gottheiten des Ortes Kaštama.

Lage[Bearbeiten]

Hans Gustav Güterbock lokalisierte sie am unteren Kızılırmak in der Nähe von Kargı, in der Nähe der Mündung des Devez in den Kizilirmak.[2] Die Ruinen der Stadt befinden sich jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit unter dem Siedlungshügel Oymaağaç Höyük, etwa 7 km nordwestlich von Vezirköprü, rund 50 km südwestlich von Bafra. Für eine Identifikation mit dem Ruinenhügel von Oymaağaç in unmittelbarer Nähe des Kızılrmak haben sich u. a. J. Yakar, A. Dinçol sowie M. Forlanini, einer der besten Kenner der historischen Geographie, ausgesprochen. Während eines Surveys der Freien Universität Berlin in den Jahren 2005 und 2006 wurden 5 hethitische Keilschrifttextfragmente sowie Siegelabdrücke des Schreibers Sarini, der auch aus Hattuša und Tarsus bekannt ist, gefunden. Seit 2007 wird am Oymaağaç Höyük unter der Leitung von Jörg Klinger und Rainer Czichon vom Institut für Altorientalistik der Freien Universität Berlin mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgegraben. Im Herbst 2009 wurden weitere Keilschrifttexte geborgen, die an einer Identifizierung des Oymaağaç Höyük mit der Stadt des hethitischen Königtums „Nerik“ kaum mehr Zweifel aufkommen lassen.

Geschichte[Bearbeiten]

Nerik ging 1450 v. Chr. unter Hantili II. an die Kaskäer verloren. Das Gebet des Arnuwanda I. (Mittleres Reich) beschreibt den Verlust von Nerik an die räuberischen Kaška, die den Dienst der Götter vernachlässigen. Arnuwanda und seine Königin Ašmunikal verlegen daraufhin den Gottesdienst nach Hakpiš, das weiterhin im hethitischen Territorium liegt. Erst unter Hattušili III., dem rebellischen Bruder des Muwatalli, wurde Nerik zurückerobert (CTH 81).

Texte, die Nerik erwähnen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Volkert Haas: Der Kult von Nerik. In: Studia Pohl. 4, Rom 1970.
  • Maciej Popko: Zippalanda and Ankuwa once more. In: Journal of the American Oriental Society. 120, 2000, S. 445–448.
  • Rainer Czichon, Matthias Flender, Jörg Klinger: Interdisziplinäre Geländebegehung im Gebiet von Oymaağaç-Vezirköprü/Provinz Samsun. In: Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft. 138, 2006, S. 157–197.
  • Rainer Czichon: Die hethitische Kultur im mittleren Schwarzmeergebiet unter besonderer Berücksichtigung der Umgebung von Vezirköprü. In: Colloquien der Deutschen Orient-Gesellschaft. 6, 2008, S. 265–277.
  • Jörg Klinger: Zalpa, Nerik und Hakmis. Die Bedeutung der nördlichen Peripherie Zentralanatoliens in hethitischer Zeit. In: Colloquien der Deutschen Orient-Gesellschaft. 6, 2008, S. 277–291.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Maciej Popko: Arinna. Eine heilige Stadt der Hethiter. (Studien zu den Boğazköy-Texten, Bd. 50). Harrassowitz, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-447-05867-4, S. 4.
  2. Kaspar K. Riemschneider: Hethitische Fragmente historischen Inhalts aus der Zeit Hattušilis III. In: Journal of Cuneiform Studies. 16, 1962, S. 118.

Weblinks[Bearbeiten]