Nernstlampe

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Glühkörper (inkl. Heizung) einer Nernstlampe von 1903
(Westinghouse Nernst Lamp Company)
Nernstlampe 95 Volt, 0,5 A
(im Bestand des Technoseum)

Die Nernstlampe (auch Nernst-Lampe) wurde vom Physikochemiker Professor Walther Nernst in Göttingen im Jahre 1897 zum Patent angemeldet.[1] Diese Glühlampe war effizienter als die damals gebräuchliche Kohlenfadenlampe und lieferte zudem ein natürlicheres, dem Tageslicht ähnlicheres Licht. Für den Glühkörper (Nernststift) wurden Mischungen von Zirkoniumdioxid und Yttriumoxid verwendet.[2]

Im Gegensatz zur Kohlenfadenlampe benötigte die Nernstlampe kein Vakuum (oder Schutzgas wie bei der späteren Metallfadenlampe), sondern konnte (bzw. musste sogar) in Luft betrieben werden. Die elektrische Leitfähigkeit beruht nicht auf Elektronen wie bei Metallen, sondern auf Ionenleitung von zweifach negativ geladenen Sauerstoff-Ionen.
Allerdings setzt diese Leitfähigkeit erst bei hohen Temperaturen ein, sodass der Glühkörper der Nernstlampe zunächst vorgeheizt werden musste, bei einfachen Ausführungen mit einem Streichholz oder einem Spiritusbrenner, bei komfortableren Modellen mit einem elektrischen Heizkörper (Heizspirale aus Platin). Es dauerte etwa eine halbe Minute, bis der Glühkörper genügend leitfähig war, um durch den Stromfluss von selbst auf hoher Temperatur gehalten zu werden. Die Betriebstemperatur der Lampe beträgt etwa 1600 °C. Die Lebensdauer des Glühstabes wurde mit etwa 700 Stunden, die des Heizdrahtes mit ca. 2000 Stunden angegeben.

Nernst verkaufte sein Patent an die AEG (Direktor Emil Rathenau). Die Nernstlampe wurde von der AEG in Berlin und von Westinghouse (Nernst Lamp Company) in Pittsburgh hergestellt. Sie wurde mit großem Erfolg auf der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 präsentiert. Die Stückzahl an produzierten Nernstlampen wird mit etwa vier Millionen angegeben.[3] Ab etwa 1910 wurde sie durch Metallfadenlampen nach dem Prinzip heutiger Glühlampen abgelöst, hatte aber zunächst noch Vorteile beim Betrieb mit hohen Spannungen (220 V), da zuerst noch keine hinreichend dünnen Metalldrähte (z. B. aus Wolfram) hergestellt werden konnten.

Für spezielle Anwendungen, insbesondere als Strahlungsquelle in der Infrarotspektroskopie, wurden Nernststifte noch bis in die 1990er Jahre standardmäßig eingesetzt. Er zeigt wegen seiner hohen Betriebstemperatur von 1900 K im mittleren IR-Bereich eine sehr günstige spektrale Energieverteilung.

Trivia[Bearbeiten]

Studenten dichteten angesichts der Ausstattung ihres Hörsaals mit Nernstlampen folgenden Schüttelreim: „Ob du auch sitzt beim Schein des Nernstlichts, es hilft dir nicht, mein Sohn, du lernst nichts.“

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nernst lamps – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Dr. Walther Nernst: Patentschrift Nr. 104872 Verfahren zur Erzeugung von elektrischem Glühlicht. In: Walther Nernst 1864 - 1941 Memorial website. Dr. Ulrich Schmitt, Physicochemical institute, University of Göttingen, 13. Oktober 2010, abgerufen am 20. April 2015 (Deutsches Reichspatent (D.R.P.) Ausgegeben den 8. Juli 1899. Patentirt im Deutschen Reiche vom 6. Juli 1897 ab.).
  2. Dieses Material wird heute als YSZ (yttria stabilized zirconia) in der Lambdasonde und für Hochtemperaturbrennstoffzellen vom SOFC-Typ (solid oxide fuel cell) verwendet.
  3.  Alexander Kraft: Chemie in Berlin. Geschichte, Spuren, Persönlichkeiten. 1. Auflage. Berlin Story Verlag, Berlin September 2012, ISBN 978-3-86368-060-2, Walther Nernst (1864-1941), S. 252-254, DNB 1021436259 (online auf den Seiten des Berlin Story Verlags, abgerufen am 20. April 2015).