Neroth

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Neroth
Neroth
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Neroth hervorgehoben
50.196036.74571470Koordinaten: 50° 12′ N, 6° 45′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Vulkaneifel
Verbandsgemeinde: Gerolstein
Höhe: 470 m ü. NHN
Fläche: 7,24 km²
Einwohner: 856 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 118 Einwohner je km²
Postleitzahl: 54570
Vorwahl: 06591
Kfz-Kennzeichen: DAU
Gemeindeschlüssel: 07 2 33 050
Adresse der Verbandsverwaltung: Kyllweg 1
54568 Gerolstein
Webpräsenz: www.neroth.de
Ortsbürgermeister: Egon Schommers
Lage der Ortsgemeinde Neroth im Landkreis Vulkaneifel
Scheid Hallschlag Ormont Kerschenbach Reuth Stadtkyll Jünkerath Schüller Gönnersdorf Esch Feusdorf Lissendorf Birgel Steffeln Wiesbaum Berndorf Hillesheim (Eifel) Oberbettingen Basberg Kerpen (Eifel) Üxheim Nohn Oberehe-Stroheich Walsdorf Dohm-Lammersdorf Duppach Kalenborn-Scheuern Rockeskyll Pelm Berlingen Hohenfels-Essingen Gerolstein Neroth Birresborn Kopp (Vulkaneifel) Mürlenbach Densborn Salm Dreis-Brück Betteldorf Daun Dockweiler Hinterweiler Kirchweiler Kradenbach Nerdlen Sarmersbach Gefell Hörscheid Darscheid Utzerath Schönbach Steiningen Steineberg Demerath Winkel (Eifel) Immerath Strotzbüsch Mückeln Strohn Gillenfeld Ellscheid Saxler Udler Mehren Schalkenmehren Üdersdorf Brockscheid Bleckhausen Oberstadtfeld Wallenborn Niederstadtfeld Weidenbach Schutz Meisburg Deudesfeld Borler Bongard Boxberg Neichen Beinhausen Katzwinkel Hörschhausen Berenbach Kötterichen Höchstberg Kaperich Lirstal Oberelz Arbach Retterath Uersfeld Mannebach Bereborn Kolverath Sassen Gunderath Horperath Ueß Mosbruch Kelberg Gelenberg Bodenbach Reimerath Welcherath Brücktal Kirsbach Drees Nitz Landkreis Mayen-Koblenz Landkreis Cochem-Zell Landkreis Bernkastel-Wittlich Eifelkreis Bitburg-Prüm Nordrhein-Westfalen Landkreis Ahrweiler BelgienKarte
Über dieses Bild
Die Ortschaft, genau in der Bildmitte, überragt vom Nerother Kopf, an einem Sommernachmittag aus Westen;
die Ruine Freudenkoppe bleibt unter Buchen verborgen.
Der fast gleiche Blickwinkel im tiefen Winter.

Neroth ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Gerolstein an. Neroth ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort.[2]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Neroth liegt am Fuß des Nerother Kopfes (651,7 m) zwischen Daun und Gerolstein im Naturpark Vulkaneifel. Es ist mit diesen Orten über Gemeindestraßen verbunden. Zudem hat Neroth Anteil an den Landschaftsschutzgebieten „Zwischen Ueß und Kyll“ (östlicher Gemeindeteil) und „Gerolstein und Umgebung“ (westlicher Gemeindeteil).

Geschichte[Bearbeiten]

Neroth gehört, auch aufgrund seines Namens, zur mittelalterlichen Rodungsperiode, die um 1200 abgeschlossen war. Es wurde 1388 erstmals als Niederroth urkundlich erwähnt. Die dazugehörigen Siedlungsplätze Oberroth und Hundswinkel wurden wohl in der darauf folgenden Spätmittelalterliche Wüstungsperiode aufgegeben. Neroth war einst recht bedeutend, es hatte ein Hochgericht, an dem die Herren von Daun und von Ulmen Recht sprachen. Und die Nerother Burg war eine Anlage der Grafen von Luxemburg später der Kurfürsten von Trier.

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Neroth, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2]

Jahr Einwohner
1815 347
1835 527
1871 586
1905 610
1939 758
Jahr Einwohner
1950 766
1961 716
1970 874
1987 912
2005 925

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Neroth besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden. Die zwölf Sitze im Gemeinderat verteilen sich auf zwei Wählergruppen.[3]

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: „Zwischen einem durch Zinnenschnitt von Gold und Rot geteilten Schildhaupt und einem grünen Fünfberg, darin eine silberne Mausefalle, in Gold eine rote Waage“, als Reminiszenz an das Nerother Hochgericht.

Öffentliches Leben[Bearbeiten]

Bereits seit 1910 gibt es in Neroth eine Freiwillige Feuerwehr, die – wie oftmals im ländlichen Raum in Deutschland – durch die Einbindung der Bevölkerung einen wichtigen Bestandteil des öffentlichen Lebens einnimmt. Erst in viel späteren Jahren wurden die verschiedenen in Neroth existierenden Sportvereine gegründet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Auf dem nahe gelegenen Berg Nerother Kopf befindet sich die Freudenkoppe, eine Burgruine mit in der Nähe liegender Mühlsteinhöhle. In dieser wurde in der Silvesternacht 1919/20 der Nerother Wandervogel gegründet.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Neroth

Mausefallen[Bearbeiten]

Die Eifel war im 19. Jahrhundert eine Landschaft großer Armut, auch verursacht durch die Realerbteilung, die die landwirtschaftliche Erwerbsgrundlage zusehends verkleinerte. Die Landwirtschaft war äußerst karg. Gewerbliche und handwerkliche Verdienstmöglichkeiten waren gering. Neroth war unter den Dörfern der Eifel insofern keine Ausnahme. Ein Teil der eingesessenen Dorfbevölkerung betrieb daher Nebengewerbe wie den Hausierhandel mit geschnitzten Löffeln oder Korbwaren. Bei einem weiteren, kleinen Teil handelte es sich um zugezogene und ortsfest werdende jenische Hausierhändler und Flickhandwerker. So waren die Voraussetzungen für den Einstieg in die handwerkliche Produktion und in den Vertrieb eines viel verlangten Gegenstands, der Mause- und Rattenfalle, gegeben, den ein damaliger Lehrer aus Neroth für die Menschen seines Dorfes als Ausweg aus der Existenznot um die Mitte des Jahrhunderts konzipierte.

Viele der ärmeren Bewohner – jenische und nichtjenische – betrieben in der Folge einen Hausierhandel mit Drahterzeugnissen, darunter Mausefallen. Im Ergebnis verbesserte sich die Lebenssituation vieler Familien deutlich. Hergestellt wurden die Drahtwaren hauptsächlich von Frauen in Heimarbeit. Die Männer verkauften die Fallen als fahrende Händler. Dabei gelangten die „Musfallskrämer“ bis weit über die Grenzen der heutigen Bundesrepublik bis nach Polen und in die tschechischen Republik. Die Hausierer benutzten zur Verständigung untereinander eine Geheimsprache, das Jenisch. Die zunehmende Industrialisierung erschwerte das Geschäft ab Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch zusehends, bis es 1970 ganz zum Erliegen kam. Die hergestellten Drahtwaren konnten sich zu jeder Zeit mit industriellen Fertigprodukten messen oder waren sogar von höherer Qualität. Kennzeichen war der „aufgebundene Draht“. Das heißt, die Drähte wurden an Kreuzungspunkten mit einem feineren Draht umwickelt. Heute befindet sich in Neroth das Mausefallenmuseum[4] und dokumentiert die Arbeit und das einfache Leben der Mausefallenmacher.[5] Weiterhin existiert ein Buch und ein Dokumantarfilm zu diesem Thema.

Tourismus[Bearbeiten]

Seit den 1960er Jahren befindet sich in Neroth ein mittelgroßer Hotelbetrieb. Durch Kontakte des Nerother Musikvereins gehören dort niederländische Touristen zu den regelmäßigen Gästen.

Seit 2009 führen etliche Kilometer der 10. Etappe des neuen Eifelsteigs von Gerolstein nach Daun durch den Ort, wobei dieser ziemlich genau die Mitte der Etappe bildet. In der Folge wurde ein örtliches Restaurant mit wenigen Gästezimmern ebenfalls zu einem Hotel erweitert.

Kuriosum: Ein Luxemburger als Lehrer in Neroth im Kriegsjahre 1942[Bearbeiten]

Der ehemalige Direktor des Luxemburger Nationalarchivs Paul Spang hat im Jahre 1942 eine kurze Zeit lang als Vertretungslehrer an der Volksschule in Neroth unterrichtet. Spang hatte im Juli 1941 das Abitur in seiner Heimatstadt Echternach im damals von Nazi-Deutschland besetzten Großherzogtum Luxemburg bestanden. Der Zugang zum Universitätsstudium blieb ihm aber versperrt, da hierzu ein eindeutiges Bekenntnis zum Deutschtum und eine freiwillige Meldung zum "freiwilligen" Arbeitsdienst verlangt waren, zwei Voraussetzungen, die Spang nicht erfüllte. Der Besuch der Volksschullehrerbildungsanstalt in Ettelbrück wurde ihm allerdings nicht verwehrt, und so entschloss er sich Volksschullehrer zu werden, ein Studienweg, der ihn schließlich nach Neroth führen sollte, aber nicht verhindern konnte, dass er im Oktober 1942 in den Reichsarbeitsdienst eingezogen und danach als Zwangsrekrutierter in der deutschen Wehrmacht an die Ostfront kam. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Spang dann sein Universitätsstudium doch antreten können, wurde Professor am Echternacher Gymnasium und später Direktor des Nationalarchivs.[6]

Mit Neroth, wo er bei der Familie Felix Klaus einquartiert war, hat er positive Erinnerungen verknüpft: “In Neroth, auf historisch luxemburgischem Territorium, gab es nur eine Hakenkreuzfahne, und die lag auf dem Speicher der Schule. Hier waren alle freundlich mit mir und ich durfte sogar mit Pfarrer Schelian spazieren gehen, trotzdem dieser auf Geheiß der Gestapo das Ortsgebiet nicht verlassen durfte.”[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Willi Steffens: Der Nerother Kopf. Heimatjahrbuch 1974. Weiss-Verlag, Daun 1974, S.40-41 (http://www.jahrbuch-daun.de)
  • Siegfried Stahnke: Nerother Burg – Vergessene Burg? Heimatjahrbuch 1983. Weiss-Verlag, Daun 1983, S.47–53 (http://www.jahrbuch-daun.de)
  • Siegfried Stahnke: Mausefallen aus Neroth. Heimatjahrbuch 1985. Weiss-Verlag, Daun 1985, S.145–147 (http://www.jahrbuch-daun.de)
  • Werner Grasediek: Vom Steffelberg rollt das Feuerrad. Heimatjahrbuch 2003. Weiss-Verlag, Daun 2003, S.113–115 (http://www.jahrbuch-daun.de)
  • Hildegard Ginzler: Die „Musfallskrämer“ aus der Eifel: Entwicklung des Drahtwarengewerbes in Neroth als Beispiel für Selbsthilfe in einer Mittelgebirgsregion. Gesellschaft für Volkskunde Rheinland-Pfalz, Mainz 1986, ISBN 3-926052-00-7.
  • Hildegard Ginzler: Die Mausefallenmacher. Rheinland-Verlag, Köln 1989, ISBN 3-7927-1111-7 ISBN 3-7927-1111-0 (formal falsche ISBN)
  •  Peter Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. Eine Dokumentation der Rotwelschdialekte in Bell, Breyell, Kofferen, Neroth, Speicher und Stotzheim. In: Rheinische Mundarten. 2 Auflage. Bd. 10, Rheinland-Verlag, Köln 2000, ISBN 3-7927-1728-X, VI. Neroth, S. 156–174 (Mit einer CD).
  • Wolfram Windolph: Nerother Jenisch: Schriftliche Quellen und Glossar. Harrassowitz, Wiesbaden 1998, ISBN 3-447-04044-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neroth – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  4. Mausefallen-Museum
  5. Museen in der Eifel bringen sich neu in Position, Artikel der Landesregierung vom 8. April 2009
  6. a b Spang, Paul, 2012. Die ausgeklammerten Jahre : 10. Mai 1940 – 17. Mai 1945. Aus dem Tagebuch eines zwangsrekrutierten Luxemburgers. Éditions Saint-Paul, Luxembourg, S. 29-38 (posthum erschienen).