Nersingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Nersingen
Nersingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Nersingen hervorgehoben
48.42888888888910.121944444444465Koordinaten: 48° 26′ N, 10° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Neu-Ulm
Höhe: 465 m ü. NHN
Fläche: 24,27 km²
Einwohner: 9278 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 382 Einwohner je km²
Postleitzahl: 89278
Vorwahl: 07308
Kfz-Kennzeichen: NU, ILL
Gemeindeschlüssel: 09 7 75 134
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
89278 Nersingen
Webpräsenz: www.nersingen.de
Bürgermeister: Erich Winkler
Lage der Gemeinde Nersingen im Landkreis Neu-Ulm
Baden-Württemberg Landkreis Dillingen an der Donau Landkreis Günzburg Landkreis Unterallgäu Auwald (gemeindefreies Gebiet) Oberroggenburger Wald Stoffenrieder Forst Unterroggenburger Wald Altenstadt (Iller) Bellenberg Buch (Schwaben) Elchingen Holzheim (bei Neu-Ulm) Illertissen Kellmünz an der Iller Nersingen Neu-Ulm Oberroth Osterberg Pfaffenhofen an der Roth Roggenburg (Bayern) Senden (Bayern) Unterroth Vöhringen (Iller) WeißenhornKarte
Über dieses Bild

Nersingen ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Neu-Ulm in Mittelschwaben, Bayern.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Durch das Nersinger Gemeindegebiet fließen drei Flüsse: Die Donau im nördlichen Teil der Gemeinde und deren beiden Zuflüsse Roth und Leibi, welche Nersingen von Süd nach Nord durchqueren. Auch befinden sich in Nersingen einige Wassergräben und mehrere Baggerseen, die durch den Kiesabbau entstanden sind.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Gemeinde grenzt an die Gemeinden Elchingen, Leipheim, Bibertal, Pfaffenhofen an der Roth und Neu-Ulm.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Nersingen besteht aus dem Hauptort Nersingen sowie den Teilorten Straß, Leibi, Unterfahlheim und Oberfahlheim.

Geschichte[Bearbeiten]

Altertum[Bearbeiten]

Frühe Funde um Nersingen wurden vielfach in verlandeten Altarmen der Donau gemacht. Die dort geborgenen Gegenstände sind im Laufe der Jahrtausende aus unterschiedlichen Gründen in den Fluss gekommen. So wurde ein spätbronzezeitliches Vollgriffschwert vom Typ Rixheim bei Nersingen-Leibi geborgen, weitere, aus derselben Fundregion stammende Schwerter gehören zu den urnenfelderzeitlichen Griffzungenschwertern.[2] Zahlreiche Hügelgräber und ein elitäres Wagengrab mit zwei Pferden aus der Hallstattzeit belegen die Besiedelung und weisen auf die Existenz einer Oberschicht hin.

Um 40 n. Chr. erbauten die Römer im Zuge der tiberisch-claudischen Donaugrenzsicherung ein Kleinkastell westlich von Nersingen an einer alten Donaufurt. Gleichzeitig wurde entlang der Donau die wetterfeste weiträumige Donausüdstraße bis zum Donaudurchbruch Weltenburger Enge gebaut. Der Name des Ortsteils Straß ist - wie die Bezeichnung Straße - dem lateinischen strata entlehnt. Mit dem Vorverlegen der römischen Reichsgrenze über die Donau nach Norden wurde das Kastell um 80 n. Chr. wieder aufgegeben. Grabbeigaben aus den Römischen Friedhöfen in den Ortsteilen Unterfahlheim und Straß werden in Neu-Ulm bei den Archäologiefreunden Neu-Ulm ausgestellt. Der Unterfahlheimer Friedhof deutet durch seine Größe, die Existenz eines Grabmonuments und die gefundenen Grabbeigaben u.a. vier silberne Schreibstifte sog. stili auf eine örtliche rätische Oberschicht hin. In Straß stand ein gallo-römischer Umgangstempel.

Neuzeit[Bearbeiten]

Modell des Kleinkastells Nersingen, Keltenmuseum Manching

1525 kam es an der Grenze zwischen dem heutigen Ortsteil Fahlheim zur Stadt Leipheim am Biberhaken zur Schlacht bei Leipheim. Das Heer des Schwäbischen Bundes unter von Waldburg-Zeil rückte entlang der heutigen B10 gegen rund 5000 aufständische Bauern des Leipheimer Haufens - darunter auch aufständische Bauern der Nersinger Gemeinden - vor und schlug diese vernichtend.[3]

Im dreißigjährigen Krieg litt die Nersinger Bevölkerung unter Einquartierungen, Requirierungen, Plünderungen, Brandschatzung und Gewalttaten durch die Landsknechte ganz besonders, da im protestantischen Ulm eine schwedische Garnison lag, die wiederholt von kaiserlichen katholischen Truppen belagert wurde. Hinzu kam noch die Pest. 1635 lebten in den vier Dörfern Oberfahlheim, Unterfahlheim, Nersingen und Straß nur noch 10 Einwohner, alle anderen waren nach Österreich geflohen, verschleppt worden oder umgekommen. Die Fluren waren verödet.

Zum Auftakt der Schlacht bei Elchingen stürmten und reparierten die Napoleonischen Truppen 1805 die beschädigte Donaubrücke von Nersingen nach Elchingen und schlugen so das Österreichische Korps unter Riesch.


Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Leibi eingegliedert.[4] Am 1. Mai 1978 kamen Straß, Oberfahlheim und Unterfahlheim hinzu.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1961[5] 5016
1970[5] 6068
1987 7910
2001 9070
2003 9124
2005 9233
2007 9240
2010 9162
2011 9175

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[6]
Wahlbeteiligung: 43,4 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
51,4 %
26,7 %
21,9 %

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 20 Mitglieder zuzüglich des Bürgermeisters.

CSU SPD Freie Wähler Umweltliste Gesamt
2002 9 6 4 1 20 Sitze
2008 11 5 4 20 Sitze
2014 10 5 5 20 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014)

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: Unter silbernem Wellenschildhaupt durch einen gestürzten goldenen Flachsparren geteilt; oben in Blau ein von fünf goldenen Scheiben beseitetes schwarzes Mühlrad; unten durch einen goldenen Pfahl gespalten von Schwarz und Rot, vorne ein schräger goldener Rautenkranz, hinten zwei silberne Schräglinksbalken.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 2009 hat die Gemeinde Nersingen mit der Gemeinde Reichenau (Kärnten) eine Partnerschaft die durch ein Partnerschaftsfest im Sommer 2009 vertieft wurde.

Partnerschaft mit dem Gebirgsfernmeldebattalion 210[Bearbeiten]

Die Gemeinde Nersingen unterhält eine Partnerschaft mit dem in Ulm stationierten Gebirgsfernmeldebataillon 210.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museum für bildende Kunst
Brunnen beim Rathaus in Nersingen
Bräuhaus Seybold in Nersingen

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Nersingen liegt direkt an der Bundesautobahn 7 und durch die Gemeindeteile Unterfahlheim, Oberfahlheim und Nersingen führt die Bundesstraße 10. Durch die Gemeinde verläuft die Bahnstrecke Augsburg–Ulm, an der im Gemeindegebiet ehemals zwei Bahnhöfe existieren. Der dreigleisige Bahnhof Nersingen wird jeweils im Stundentakt durch die Regional-Express-Linie Fugger-Express zwischen Ulm und München sowie durch die Züge der agilis zwischen Ulm und Ingolstadt oder Regensburg bedient. Am Wochenende verkehren die Züge der agilis nur im Zweistundentakt. Der im Ortsteil Unterfahlheim liegende Bahnhof wird nicht mehr bedient. Buslinien verbinden Nersingen mit Ulm, Neu-Ulm, Günzburg und Ichenhausen.

Bildung[Bearbeiten]

In Nersingen gibt es zwei Grundschulen sowie eine Grund- und Mittelschule im Ortsteil Straß.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nersingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hans-Peter Kuhnen (Hrsg.): Abgetaucht, aufgetaucht – Flußfundstücke. Aus der Geschichte. Mit ihrer Geschichte. Ausstellungskatalog. Rheinisches Landesmuseum Trier, Trier 2001, ISBN 3-923319-48-7. S. 56; Abb. 57.
  3. Anton Aubele: Straß Zur Geschichte eines Dorfes im Ulmer Winkel, Weißenhorn 1982, ISBN 3-8743-7200-6.
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 540.
  5. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 790.
  6. http://wahl.nersingen.de/gw2014.html