Nervus laryngeus recurrens

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Vagusgruppe

Der Nervus laryngeus recurrens (rückläufiger Kehlkopfnerv, Stimmnerv) ist ein Ast des zehnten Hirnnervs, Nervus vagus.

Beschreibung[Bearbeiten]

Er trennt sich in Höhe der oberen Thoraxapertur (Brusteingang) vom Vagus, beschreibt links eine Schlinge um den Aortenbogen und rechts um die Arteria subclavia und zieht an der Luftröhre zurück zum Kehlkopf, wo er einige Äste zur Versorgung von Speise- und Luftröhre abgibt. Der restliche kehlkopfnahe Abschnitt wird nun als Nervus laryngeus inferior (bei Tieren Nervus laryngeus caudalis) bezeichnet. Er versorgt alle Kehlkopfmuskeln mit Ausnahme des Musculus cricothyroideus, welcher vom oberen Kehlkopfnerv innerviert wird.

Der auffällige Verlauf des Nervus laryngeus recurrens ergibt sich aus komplexen ontogenetischen Prozessen und ist unmittelbar durch den sogenannten Abstieg (Deszensus) des Herzens beim Embryo bedingt. Phylogenetisch interpretiert gilt der Nervus laryngeus recurrens als ursprünglich sechster Kiemenbogennerv. Sein seltsam wirkender Verlauf wird historisch mit Verweis auf die Topologie von als homolog gewerteten Strukturen interpretiert und soll sich durch die Umbildung der sogenannten Kiemenbogen ergeben haben.

Schädigung des Nerven[Bearbeiten]

Der linke N. laryngeus recurrens, dargestellt während einer Strumaresektion.

Einseitige Schädigungen des Nervus laryngeus recurrens – z. B. durch mechanische Schädigung bei Halsoperationen (Schilddrüsenentfernung), Entzündungen in seiner Umgebung oder des Nerven selbst – führen zu einer Lähmung oder Parese der Stimmbänder (Rekurrensparese) und damit zu einer heiseren Stimme. Beidseitige Schädigungen führen zudem zu starker Atemnot da durch die nicht weit genug geöffnete Stimmritze die Atmung behindert wird.

Veterinärmedizinische Aspekte

Bei Tieren (v. a. beim Pferd) sind Lähmungen des linken Nervus laryngeus recurrens relativ häufig und ein Gewährsmangel. Sie führen zu einer halbseitigen Kehlkopflähmung, die auch als Kehlkopfpfeifen bezeichnet wird.

Varietät[Bearbeiten]

Selten ist ein abweichender Verlauf dieses Nerven ohne Schlinge um den Aortenbogen, bei dem der Nerv einen weitgehend geraden Verlauf nimmt. Bei dieser Varietät besteht im Rahmen von Schilddrüsenoperationen und besonders bei operativer Entfernung der Nebenschilddrüsen eine erhöhte Verletzungsgefahr. Sie ist in der Regel mit der Varietät einer Arteria lusoria assoziiert, die in einer dreidimensionalen Dünnschicht-Computertomographie zur Verhinderung einer Nervenverletzung vor einer Nebenschildrüsenoperation detektiert werden kann[1].

Beweis für die Evolution[Bearbeiten]

Der extrem lange Umweg, den der Nerv durch den Körper macht (bei der Giraffe beträgt die Länge fast 5 Meter)[2] wird von Evolutionsbiologen als Beweis für die Evolution bzw. als Gegenbeweis für das intelligente Design aufgeführt. Bei einem konstruierten Lebewesen wäre es unsinnig gewesen, einen solch langen Verlauf zu wählen. Der Nerv hat diese Länge dadurch erreicht, dass im Laufe der Evolution der Hals länger wurde und das Herz tiefer in den Körper gewandert ist[3].

Verlauf des Nerven-, Gefäß- und Lymphsystems um die großen herznahen Gefäße

Quellen[Bearbeiten]

  1. Jacopo D’Agostino, Michelle Diana, Michel Vix, Luc Soler, Jacques Marescaux: Three-Dimensional Virtual Neck Exploration before Parathyroidectomy. New England Journal of Medicine 2012; Band 367, Ausgabe 11 vom 13. September 2ß012, S. 1072–1073
  2. Mammal Anatomy: An Illustrated Guide. Marshall Cavendish Corporation, 2010, ISBN 0-7614-7882-5, S. 74–75.
  3. Richard Dawkins: 11. History written all over us. In: The greatest show on Earth. Free Press, New York 2009, ISBN 978-1-4165-9478-9, S. 360–362 (Zugriff am 21. November 2009).