Nasīmī

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Briefmarke der Sowjetunion, die ʿImād ad-Dīn Nasīmī gewidmet ist, 1973 (Michel 4161, Scott 4118)

Sayyid ʿImād ad-Dīn Nasīmī (persisch ‏سید عماد الدین نسیمی‎; * um 1369[1]; † 1417/18 in Aleppo, gehäutet[2]) war nach derzeitigem Kenntnisstand der früheste aserbaidschanische Dichter und Philosoph. Da die aserbaidschanische Literatur zur Zeit Nasīmīs noch Teil der altosmanischen war,[3] ordnet Babinger (1995) Nasīmī dem Osmanischen zu, Doerfer (1988) jedoch auf Grund der nichtanatolischen Herkunft des Dichters dem Aserbaidschanischen.

Leben[Bearbeiten]

Über Nasīmīs Leben ist wenig bekannt, sein Geburtsort ist unklar. Er war aber turkmenischer Abstammung, obwohl der Titel Sayyid arabische Wurzeln impliziert. Um 1401 wandte er sich in Täbris unter der Leitung des Fazlallāh Astarābādī dem Hurufismus zu, deren Lehren er aktiv und unter Einsatz seines Lebens verbreitete. Nach einer Fatwa des fanatischen Muftis von Aleppo wurde Nasīmī dort 1417/18 bei lebendigem Leibe gehäutet.[4]

Werk[Bearbeiten]

Von Nasīmī sind zwei Divane in persischer und türkischer Sprache erhalten. Außerdem werden ihm einige Verse auf Arabisch zugeschrieben. Der türkische Divan enthält 250–300 Ghasele und etwa 150 Vierzeiler. Seine Gedichte waren, vor allem durch die Vermittlung wandernder Kalendar-Derwische, schon früh allgemein bekannt.[5]

Eines der berühmten Ghasele, welches durch das Reichtum seiner Sprache bei den Turkvölkern hervorgehoben wird, ist das Ghasel Sighmazam (Aserbaidschanisch Sığmazam).

Ein kleiner Ausschnitt aus dem Ghasel Sighmazam;

Sığmazam
Məndə sığar iki cahan, mən bu cahâna sığmazam
Gövhər-i lâ-məkân mənəm, kövn-ü məkâna sığmazam.
"Unpassender"
Zwei Welten hätten Platz in meiner Seele, aber ich passe nicht in diese Welt.
Ich bin der Ursprung des Göttlichen, aber ich passe nicht in dieses Universum.

Die meisten seiner Ghasele und Gedichte werden in musikalischer Form gesungen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Doerfer, 1988
  2. Babinger, 1995
  3. Doerfer, 1988
  4. Babinger, 1995
  5. Babinger, 1995

Literatur[Bearbeiten]

  •  Franz Babinger: Nesīmī. In: C. E. Bosworth u. a. (Hrsg.): The Encyclopaedia of Islam. 2. Auflage. Brill, Leiden [u. a.] 1995, ISBN 90-04-09834-8, S. VIII:8a.
  •  Gerhard Doerfer: AZERBAIJAN viii. Azeri Turkish. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica. 1988 ([1], abgerufen am 18. August 2011).
  •  Michael Reinhard Heß: Die Sprache des Menschengottes. Untersuchungen zu Imad äd-Din Näsimis (fl. ca. 1400) türkischem Divan. Shaker, Aachen 2009, ISBN 978-3-8322-8402-2.