Nespresso
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Nespresso ist ein von dem Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé lanciertes Kaffeesystem. Dabei wird der Kaffee in Aluminiumkapseln portioniert und in speziellen Kaffeemaschinen zubereitet.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Vertriebskonzept
Der Fachhandel und Handelsketten verkaufen nur die Kaffeemaschinen; die Kapseln dagegen werden ausschließlich von Nespresso vertrieben. Um den Absatz der Maschinen zu fördern, kooperiert Nespresso mit Unternehmen, deren Marken für gehobene Qualität bürgen sollen. Dabei variieren diese Vertriebsmarkenpartner von Land zu Land, denn nicht jede Marke ist auch in jedem Land bekannt. So werden alle Geräte, die in Deutschland als Krups-Geräte verkauft werden, in Österreich und der Schweiz unter dem Namen Turmix an die Kundschaft gebracht. Weitere bekannte Partner im deutschsprachigen Bereich sind Alessi, Saeco, DeLonghi, Jura, Miele, Siemens und, speziell in der Schweiz, Koenig.
Alle Geräte werden beim weltweit größten Produzenten von Kaffeemaschinen gefertigt, dem Schweizer Unternehmen Eugster/Frismag AG in Romanshorn.[1] Die Kaffeemaschinen funktionieren nur mit Nespresso-Kapseln. Es gibt auch umgekehrt keine Maschinen für Pulverkaffee, die zusätzlich mit Nespresso-Kapseln funktionieren. Dadurch entsteht für den Kunden ein Lock-in. Der Kaffee ist über den Nespresso-Club-Versandhandel bestellbar, weltweit existieren zusätzlich sogenannte Nespresso-Boutiquen, in denen man die Kapseln direkt erwerben kann.
[Bearbeiten] Geschichte
Das vom Ingenieur Eric Favre erfundene Nespresso-System wurde 1986 in der französischsprachigen Schweiz eingeführt. Nespresso war zuerst ein Flop. Erst 1991, nachdem der Marketing-Fachmann Jean-Paul Gaillard die Führung von Nespresso übernommen hatte, wurde das System zu einem Erfolg.
Laut Firmenwebsite wurde das System 1970 von Nestlés Forschungs- und Entwicklungsabteilung erfunden und 1976 patentiert. Die Markteinführung erfolgte erst 10 Jahre später (1986) und seit 1991 wird es mit dem Maschinenpartner Krups international angeboten.
Das Unternehmen „Nestlé Nespresso AG“ mit Sitz in Paudex gehört zwar zum Nestlé-Konzern, kann jedoch selbstständig am Markt agieren. Das Unternehmen wird derzeit von Richard Girardot geführt. Es ist in 38 Ländern tätig und erhöhte 2006 den Umsatz im Vergleich zu 2005 um 42% auf 1,16 Milliarden Schweizer Franken. Im Jahr 2006 verkaufte Nespresso etwa 3 Milliarden Kaffeekapseln.
Die Zahl der im Einzelhandel verkauften Kaffeemaschinen stieg von 2005 auf 2006 um 32% auf über 1 Million. Damit konnte Nespresso den Marktanteil auf dem Espressomaschinenmarkt von 17,9% auf 22,7% erhöhen.
Gemäß einer Studie von Evalueserve (2005) ist Nespresso mit einem weltweiten Marktanteil von 11% der drittgrößte Kapselverkäufer. Marktführer ist Sara Lee (40%), gefolgt von Lavazza (12%). Unbedeutende Marktanteile haben Kraft Foods (4%), Melitta (3%) und Illy (2%). Alle anderen Anbieter haben zusammen einen Marktanteil von 27%.
[Bearbeiten] Kaffee
[Bearbeiten] Sorten
Nespresso bietet derzeit insgesamt sechzehn verschiedene Kaffeesorten an, sie unterscheiden sich in den verwendeten Kaffeebohnensorten sowie dem Röstungs- und Mahlgrad. Neun sind für die Zubereitung von Espresso (Menge etwa 25-40 ml) gedacht, seit Mai 2004 werden zusätzlich drei Sorten speziell für größere Kaffeetassen (etwa 110 ml - als „Lungo“) angeboten. Seit März 2009 gibt es zusätzlich auch drei Kaffees der Serie "Pure Origin" (geröstet mit Kaffee aus jeweils nur einem Anbauland: Indien, Kolumbien bzw. Brasilien), des weiteren wurde die Lungo-Serie um einen Kaffee erweitert, der Lungo "Finezzo" wurde geschmacklich verändert. Drei Sorten sind entkoffeiniert.
Zweimal jährlich werden für einen befristeten Zeitraum Sondersorten herausgebracht, im Frühjahr die Limited Edition (jedes Jahr in einer anderen Kapselfarbe) sowie im Herbst der Special Club (Kapselfarbe dunkelblau).
- Die Limited Edition ist eine Kaffeesorte reinen Ursprungs aus einer außergewöhnlich guten Ernte, die eine Herkunftsbezeichnung trägt.
- Der Special Club wird in Verbindung mit einer Reisebeschreibung in die Herkunftsregion der jeweiligen Sorte herausgebracht.
Von November bis Dezember werden drei aromatisierte Sorten auf der Basis von Livanto angeboten (unter dem Namen „Variations“). 2006 waren das Vanille, Anis und Apfel-Zimt. 2007: Schokolade-Orange, Mandel und Kardamom. 2008: Mandarine, Karamell und kristallisierter Ingwer.
[Bearbeiten] Entsorgung
Die Kaffee-Kapseln bestehen zum Großteil aus Aluminium, der zur Wiederverwertung geeignet ist. In der Schweiz wurde für die Kapseln ein eigenes Sammel- und Recyclingsystem eingeführt.[2] Alternativ empfiehlt Nespresso die gebrauchten Kapseln bei einer Aluminiumsammelstelle zu entsorgen. In Österreich gilt das ARA-Sammelsystem. Die Kapsel kann so, wie sie aus der Nespresso-Maschine kommt, zum Altmetall geworfen werden. In Deutschland können die gebrauchten Kapseln in der Gelben Tonne / im Gelben Sack entsorgt werden.[3]
[Bearbeiten] Professionelle Benutzer
Für professionelle Benutzer mit entsprechend höherem Kaffeedurchsatz gibt es das Nespresso Professional-System. Dieses arbeitet mit anderen, flachen Nespresso-Kapseln. Die Systeme sind nicht kompatibel.
Außerdem gibt es das Nespresso Aviation System, das speziell für die Luftfahrtbranche entwickelt wurde.
[Bearbeiten] Kritik
In der Kritik steht Nespresso, wie andere Hersteller von portioniertem Kaffee-Padsystemen, für die am Markt keine Alternativangebote verfügbar sind, aufgrund des so genannten Lock-in. Das bedeutet, dass die Anschaffungskosten für die jeweiligen Kaffeemaschinen (meistens) niedrig sind, die Folgekosten für die Kaffeepads dafür – zum Teil um ein Mehrfaches – über dem von herkömmlichem Kaffee liegen.
Ein weiterer Nachteil ist die Menge an Müll, der durch die Kaffeekapseln anfällt. Werden diese nicht fachgerecht entsorgt, so landet das Aluminium der Kapseln im Restmüll und kann nicht wiederverwertet werden. Der hohe Energieaufwand für die Produktion der Aluminium-Kapseln geht somit verloren. Aber auch das Recycling des Aluminiums ist gegenüber losem Kaffee energieaufwendig. Weiters umgeht Nespresso in Österreich den vorgeschriebenen Entsorgungsbeitrag dadurch, dass die Kapseln der Marke „Nespresso“ als Bestandteil der Maschine und nicht als Verpackung deklariert werden.[4]
In der Schweiz wurde mit dem Outpresso ein Recycling-Gerät für die Kaffeekapseln von Nespresso geschaffen, der das Aluminium vom Kaffeesatz trennt. Dadurch kann das Aluminium besser recycelt werden. [5].
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Wirtschaftsmagazin Bilanz, Ausgabe 01/2005 - Die Perle vom Bodensee
- ↑ Pressemitteilung vom 4. November 2004: Partnerschaft zwischen IGORA-Genossenschaft für Aluminium-Recycling und NESPRESSO
- ↑ Broschüre „Begrüßungsangebot und Anmeldung im NESPRESSO Club“ (Stand Oktober 2007)
- ↑ Parlamentarische Anfrage vom 9. Dezember 2008 (Österreich) betreffend Aluminiumkapseln für "Nespresso"-Kaffee und ihre Entsorgung
- ↑ http://www.outpresso.com


