Nesslau

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Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Nesslau im Kanton St. Gallen; weitere Bedeutungen siehe Nesslau (Begriffsklärung).
Nesslau
Wappen von Nesslau
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: Toggenburg
BFS-Nr.: 3360i1f3f4
Postleitzahl: 9643 Krummenau

9650 Dicken (Nesslau)
9650 Nesslau
9651 Ennetbühl
9651 Rietbad
9652 Neu St. Johann
9655 Stein

UN/LOCODE: CH NES (Nesslau)
Koordinaten: 733391 / 23194947.2259.200004759Koordinaten: 47° 13′ 30″ N, 9° 12′ 0″ O; CH1903: 733391 / 231949
Höhe: 759 m ü. M.
Fläche: 98.87 km²
Einwohner: 3665 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 37 Einw. pro km²
Website: www.nesslau.ch
Karte
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Nesslau ist eine politische Gemeinde im Kanton St. Gallen in der Schweiz. Die Gemeinde befindet sich im Wahlkreis Toggenburg. Die neue Gemeinde entstand auf den 1. Januar 2013 aus den bestehenden Gemeinden Nesslau-Krummenau und Stein. Bis zum 31. Dezember 2004 gab es schon mal eine Gemeinde Nesslau ohne Krummenau und Stein.

Geographie[Bearbeiten]

Die Dörfer Nesslau-Neu St. Johann, Krummenau und Stein (SG) liegen im oberen Thurtal und Ennetbühl im Luterental an der Schwägalp-Passstrasse. Zur Gemeinde gehört ein Teil des höchsten Nagelfluh-Bergs Europas, des Speers (1950 m), sowie ein Teil des Alpsteins. Das Gemeindegebiet erstreckt sich östlich bis zur Passhöhe der Schwägalp, die die Grenze zum Kanton Appenzell Ausserrhoden bildet. Höchster Berg ganz auf Gemeindegebiet ist mit 2158 m die Silberplatten im Alpstein nahe dem Säntis. Durch das Gemeindegebiet fliessen die Thur und die Luteren. Die beiden Flüsse sind im Wappen als zwei silberne Wellenbalken dargestellt. Durch das ehemalige Gemeindegebiet von Stein fliesst ausserdem die Wissthur. In der Nähe des Dorfes Krummenau liegt die Talstation der Wolzenalp-Bahnen, die auf die in Nesslau gelegene Wolzenalp führen und das gleichnamige Ski- und Wandergebiet erschliessen. Die Gemeinde wird von der Bahnlinie der Südostbahn von Wattwil her mit den Bahnhöfen in Krummenau und Nesslau-Neu St. Johann erschlossen. Von Nesslau führen die Postautolinien nach Stein – WildhausBuchs SG einerseits und über die Schwägalp nach Urnäsch andererseits.

Geschichte[Bearbeiten]

Ab dem 12. Jahrhundert wurde das Gebiet von den Grafen von Toggenburg und von der Fürstabtei St. Gallen kolonisiert. Aus dem 13. Jahrhundert stammen die ersten urkundlichen Erwähnungen von einem Hof Nesselove und einem Gut Crummenouve. Im 16. Jahrhundert begann sich der Marktflecken Sidwald als bedeutender Vieh- und Warenmarkt zu entwickeln. Nach Feuersbrünsten im Kloster St. Johann im heutigen Alt St. Johann, wurde 1626 mit dem Bau einer neuen Klosteranlage bei Sidwald begonnen, das so zum neuen Namen Neu St. Johann kam. Im Zuge der Säkularisation der Fürstabtei St. Gallen wurde das Kloster zur Pfarrei und in Teilen der Anlage wurde später das heilpädagogische Zentrum Johanneum[2] eingerichtet, das heute den grössten Arbeitgeber der Gemeinde darstellt.

1524 wurde in Krummenau, 1528 in Nesslau die Reformation eingeführt und die Gemeinden blieben bis 1806 paritätisch. Dann wurde durch die Gründung der katholischen Pfarrei Neu St. Johann die katholische und reformierte Kirchgemeinde getrennt. Nach der Gründung des Kantons St. Gallen wurden 1803 die politischen Gemeinden Krummenau, Nesslau und Stein gegründet. Nesslau war 1831–2002 Hauptort des Bezirks Obertoggenburg.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden auf Grund des Gesetzes zur Bekämpfung der Heimatlosigkeit in Neu St. Johann jenische Familien eingebürgert.

Neben der bis heute bedeutenden Landwirtschaft war schon im Mittelalter die Schwefelquelle Rietbad bei Ennetbühl bekannt und es entstand ein bescheidener Kurtourismus. 1857 gründeten die Brüder Emil und Gustav Gnipper in Neu St. Johann ein Textilunternehmen, das später von der Familie Meyer-Mayor übernommen wurde und bis heute existiert. Daneben blühte bis zum Ersten Weltkrieg das Stickereigewerbe. Heute ist die Altherr Nutzfahrzeuge AG einer der grösseren Arbeitgeber der Gemeinde.

Im Jahr 1912 stellte die Bodensee-Toggenburg-Bahn die Bahnlinie von Ebnat Kappel nach Krummenau und Nesslau-Neu St. Johann fertig. 1919 wurde die Pferdepost von Nesslau nach Wildhaus durch Postautos ersetzt. Der Endbahnhof Nesslau-Neu St. Johann wurde so zu einem bedeutenden Waren- und Personenumschlagplatz und der Tourismus im Obertoggenburg erlebte einen Aufschwung. Verschiedene Projekte, die Bahn über Wildhaus nach Buchs oder als Zahnradbahn über Unterwasser auf den Säntisgipfel fortzusetzen, scheiterten.

Nachdem die Bevölkerung beider Gemeinden klar zugestimmt hatte, wurden die politischen Gemeinden Nesslau und Krummenau am 1. Januar 2005 zur Gemeinde Nesslau-Krummenau vereinigt. Nach einer weiteren beidseitig unumstrittenen Abstimmung wurden Nesslau-Krummenau und Stein per 1. Januar 2013 zur Gemeinde Nesslau umgewandelt.

Dorfbrand in Stein[Bearbeiten]

Am 29. März 1947, etwa um 13.15 Uhr, entdeckte man, wie aus dem Restaurant Ochsen in Stein Rauch aufstieg. Da schon die ganze Woche ein Föhnsturm geblasen und es lange nicht mehr geregnet hatte, konnte das Feuer nach kurzer Zeit auf andere Gebäude übergreifen, zuerst auf die Bäckerei Anker. Mit Handspritzpumpe und Wasserkübeln konnte man das Feuer nicht stoppen, es verbreitete sich in Richtung vordere Laad. Die Laad ist ein hauptsächlich mit Bauernhöfen besiedeltes Gebiet oberhalb von Stein.

In Stein gab es damals weder eine motorisierte Wasserpumpe, noch Hydranten. Die Feuerwehr musste also noch Schläuche verlegen, bevor sie mit ihrer Handspritzpumpe zu löschen beginnen konnte. Nach einiger Zeit eilte die Feuerwehr Nesslau mit einer Motorspritze herbei, die aber auch nichts ausrichten konnte. Schon bald trafen auch Feuerwehren aus Ebnat, Kappel, Wattwil, St.Gallen, Buchs und Rapperswil ein. Das "Gasthaus Speer" und die neue Milchzentrale konnten gerettet werden, zwei Höfe in der Nähe brannten jedoch nieder. Menschen kamen keine zu Schaden, allerdings konnten nicht alle Tiere aus den Ställen gerettet werden. Bei dem Brand wurden auch Häuser auf dem Gebiet der Gemeinde Nesslau zerstört.

Am folgenden Palmsonntag wurde ein Hilfskomitee gegründet, das schon gleichentags einen namhaften Betrag und Naturalien sammelte. Die landesweite Sammelaktion brachte insgesamt 930'000 Franken ein, wovon etwa 670'000 Franken für Häuser und Stallbau und der Rest für eine neue Wasserversorgung verwendet wurde.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch das ehemalige Gemeindegebiet verläuft der 60 Kilometer lange Thurweg, ein Wanderweg, der entlang der Thur von Wil nach Wildhaus führt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Büchler, Das Toggenburg in alten Ansichten vom 17. bis 19. Jh., 1975
  • W. Vogler, Das Kloster St. Johann im Thurtal, 1985

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nesslau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Heilpädagogisches Zentrum Johanneum