Net Stable Funding Ratio

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Die Net Stable Funding Ratio (NSFR, dt. auch strukturelle Liquiditätsquote) ist eine im Zuge von Basel III etablierte Kennzahl, die der Optimierung der strukturellen Liquidität von Kreditinstituten dienen soll, wobei ein Zeithorizont von einem Jahr betrachtet wird. Die NSFR ist definiert als das Verhältnis zwischen dem verfügbaren stabil refinanzierten Betrag und dem Betrag, für den eine stabile Refinanzierung erforderlich ist:

NSFR = \frac{ \text{Verfügbarer Betrag stabiler Refinanzierung}}{\text{Erforderlicher Betrag stabiler Refinanzierung}} > 100%

Dabei soll der verfügbare den erforderlichen Betrag übersteigen, der Zähler des obigen Bruchs also größer als der Nenner sein. Die verfügbare stabile Refinanzierung ist der Teil von Eigen- und Fremdmitteln, von dem zu erwarten ist, dass er über den Zeithorizont von einem Jahr unter anhaltenden Stressbedingungen eine zuverlässige Mittelquelle darstellt. Der erforderliche Betrag wird ermittelt, indem der Wert der gehaltenen Aktiva und außerbilanziellen Eventualverpflichtungen unter Gewichtung eines die Liquiditätsmerkmale widerspiegelnden Faktors aggregiert wird.

Für diesen Standard hat die sogenannte „Beobachtungsphase“ im Jahr 2011 begonnen. Während dieser Phase sind gegebenenfalls Änderungen des Verfahrens möglich.

Ziel dieses Standard ist, eine mittel- und langfristige Refinanzierung von Aktiva und anderen Geschäftstätigkeiten von Banken zu fördern. Dieser Standard dient als Ergänzung der Liquidity Coverage Ratio (LCR, auch „Mindestliquiditätsquote“), die sich auf die kurzfristige Liquidität mit Zeithorizont von 30 Tagen bezieht.

Verfügbare stabile Refinanzierung[Bearbeiten]

Die verfügbare stabile Refinanzierung (englisch Available Stable Funding, ASF) wird ermittelt, indem der Gesamtbetrag verschiedener Kategorien liquider Mittel der Bank aggregiert wird. Dabei wird der Betrag mancher Kategorien nur anteilig angerechnet, für diese wird ein sogenannter ASF-Faktor festgelegt, der den maximal anrechenbaren Anteil definiert.

Folgende Mittel werden als stabile Refinanzierung angerechnet:

  • Eigenkapital
  • Vorzugsaktien mit einer Restlaufzeit von mindestens einem Jahr
  • Verbindlichkeiten mit einer effektiven Restlaufzeit von mindestens einem Jahr
  • Einlagen ohne Fälligkeit oder Termineinlagen mit einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr, von denen erwartet werden kann, dass sie über längere Zeit bei der Bank verbleiben. Für stabile Einlagen darf dabei ein ASF-Faktor von maximal 90 % angesetzt werden, für weniger stabile nur 80 %
  • Von Großkunden bereitgestellte Mittel mit einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr, von denen erwartet werden kann, dass sie über längere Zeit bei der Bank verbleiben. Hiefür darf ein ASF-Faktor von maximal 50 % angesetzt werden

Bei dieser Ermittlung ist eine erweiterte Kreditaufnahme durch Inanspruchnahme von Kreditfazilitäten bei der Zentralbank außerhalb der üblichen Offenmarktgeschäfte nicht zu berücksichtigen, um eine Abhängigkeit von der Zentralbank als Refinanzierungsquelle zu vermeiden. Eine stabile Refinanzierung soll auch unter außergewöhnlichen Bedingungen gegeben sein, insofern fordert der Standard die Berücksichtigung eines Stressszenarios, bei dem ein Kreditinstitut mit einem oder mehreren der folgenden Probleme konfrontiert ist, wobei dies den Kunden bekannt ist:

  • erheblicher Rückgang der Rentabilität oder Solvenz
  • potenzielle Herabstufung des Schuldner-, Kredit- oder Einlagenratings
  • wesentliches Ereignis, dass die Bonität des Kreditinstituts in Frage stellt

Erforderliche stabile Refinanzierung[Bearbeiten]

Zur Berechnung des Betrags der erforderlichen stabilen Refinanzierung (englisch required stable funding, RSF) werden alle Aktiva eines Kreditinstituts bewertet, zudem auch außerbilanzielle Positionen sowie andere Geschäftsfelder. Dabei werden Kategorien gebildet und diesen sogenannte RSF-Faktoren zugeordnet, die ausdrücken, mit welchem Anteil die Beträge dieser Kategorie zu berücksichtigen sind. Die RSF-Faktoren, die den verschiedenen Kategorien der Aktiva zugeordnet werden, entsprechen dabei näherungsweise dem Anteil eines bestimmten Vermögenswerts, der nicht durch den Verkauf oder Einsatz als Sicherheit bei einer besicherten Kreditaufnahme auf erweiterter Basis innerhalb eines Jahres flüssig gemacht werden kann. Da auch außerbilanzielle Positionen in Krisenzeiten erhebliche Liquiditätsabflüsse auslösen können, werden auch für verschiedene außerbilanzielle Geschäfte RSF-Faktoren festgelegt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Basler Ausschuss für Bankenaufsicht: Basel III: Internationale Rahmenvereinbarung über Messung, Standards und Überwachung in Bezug auf das Liquiditätsrisiko. Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Dezember 2010, ISBN 92-9197-331-9 (online; PDF-Datei; 349 kB)