Netiquette

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Unter der Netiquette (auch Netikette geschrieben; ein Kofferwort aus dem englischen net für das „Netz“ und dem französischen etiquette für die „Verhaltensregeln“) versteht man das gute oder angemessene und achtende (respektvolle) Benehmen in der technischen (elektronischen) Kommunikation. Der Begriff beschrieb ursprünglich Verhaltensempfehlungen im Usenet, er wird aber mittlerweile für alle Bereiche in Datennetzen verwendet. Wenn auch von vielen Netzteilnehmern als sinnvoll erachtet, hat die Netiquette meist keinerlei rechtliche Relevanz. Teilaspekte der Netiquette werden häufig kontrovers diskutiert. Was im Netz als guter Umgang miteinander (noch) akzeptiert wird, ist sehr unterschiedlich und hängt von den Teilnehmern innerhalb des Kommunikationssystems ab, wobei es in der Hand des jeweiligen Betreibers/Verantwortlichen liegt, Art und Ausmaß der Netiquette vorzugeben, deren Einhaltung zu kontrollieren und Verstöße ggf. durch Ausschluss von Teilnehmern negativ zu sanktionieren. Es gibt keinen einheitlichen Netiquettetext, sondern eine Vielzahl von Texten und Vorgaben.

Themen

Ziel der Netiquette ist eine möglichst für alle Teilnehmer angenehme Art der Kommunikation. Ein im Netz weitgehend anerkanntes Dokument hierzu ist etwa RFC 1855. Einige Beispiele für weit verbreitete Regeln:

Zwischenmenschliches
Formulierung und Inhalt sollten dem Zielpublikum gegenüber angemessen sein (wird nur eine Person angesprochen oder eine Gruppe, wie gut kennt man sich bereits usw.). Insbesondere sollten Unhöflichkeit, Doppeldeutigkeit oder gar Beleidigungen nicht die Kommunikation per Text, der die Sinngebung durch nonverbale Signale fehlt, erschweren. So gehört es in Singleforen zum guten Ton, anzugeben, ob man gebunden oder Single ist. So schützt man sich und andere vor unliebsamen Überraschungen.
Technik
Die Standards zur Übermittlung von Nachrichten sollten eingehalten werden, damit sie nicht auf dem Weg durch zahlreiche unterschiedliche Systeme hindurch verstümmelt oder verfälscht werden und möglichst vielen Lesern in der Form erscheinen, wie es ursprünglich vorgesehen war. Dazu zählt bei der Übertragung von E-Mails etwa die korrekte Deklaration des Zeichensatzes oder die Einhaltung einer maximalen Zeilenlänge von 78 Zeichen (siehe RFC 2822).
Lesbarkeit
Damit sich Nachrichten möglichst gut lesen lassen, sollten sie gewissen Gepflogenheiten genügen. Dazu gehören korrekter Satzbau und Rechtschreibung (inklusive Groß-/Kleinschreibung), Zitieren durch Einrücken (mit "> " vor jeder Zeile – und ohne Veränderung des Wortlautes) und Weglassen überflüssiger Informationen (Nicht immer alles zitieren!). Auch sollte auf unnötige Formatierungen (HTML-Nachrichten) und den übermäßigen Gebrauch von Farben verzichtet werden. Eine maximale Zeilenlänge von etwa 65 Zeichen ist angeraten, sonst würde bei mehrfach eingerückten Zitaten (nach einem längeren Schriftwechsel) die übliche Zeilenlänge von 80 Zeichen überschritten und die Darstellung auf Text-Bildschirmen (bzw. in Konsolenfenstern) unübersichtlich. Das andauernde Schreiben in GROSSBUCHSTABEN oder andauernde Fettschrift gilt nicht nur als unschön, sondern wird in der Regel als aggressives Schreien interpretiert und sollte daher unterbleiben.
Sicherheit
Je nach Medium können Personen, für die der Inhalt eigentlich nicht bestimmt ist, eine Nachricht einsehen. Entsprechend sollte man verschweigen, was nicht für Dritte bestimmt ist.
Rechtliches
Es existieren unterschiedliche Gesetze zur Nutzung fremden Materials wie Bilder oder Texte. Im deutschen Sprachraum sind das Urheberrecht und das Zitatrecht zu beachten.

Foren, Usenet

Die erste und grundlegende Empfehlung der Usenet-Netiquette ist:

„Vergiss niemals, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt!“

Einzelne Empfehlungen der Netiquette werden manchmal kritisiert, etwa die Forderung nach einem Realnamen, nach der es im deutschsprachigen Usenet als unhöflich gilt, unter einem falschen Namen (Codename beziehungsweise Pseudonym) zu posten. In vielen Foren und zum Teil auch im Usenet hat diese Empfehlung seit etwa Anfang 2000 an Bedeutung verloren. Seither ist die anonyme Teilnahme an einem Forum allgemein akzeptiert und daher unkritisch, ganz besonders dann, wenn sie aufgrund des Themas oder der Art der Diskussion wünschenswert oder notwendig erscheint.

Vorsicht ist bei der Verwendung von Crosspostings angeraten. Gänzlich verpönt sind Multipostings.

Personen, die sich – manchmal im übertriebenen Maße – freiwillig der Kontrolle der Netiquette-Einhaltung widmen, heißen oft abwertend Netcops.

In den meisten deutschsprachigen Foren hat sich außerdem das Duzen als Form der Ansprache durchgesetzt. Siezt man, kann das als Ausdruck von Distanz verstanden werden. Zum Vergleich: In Frankreich etwa wird durchgehend gesiezt. In manchen anderen Sprachen, wie zum Beispiel dem Englischen, existiert dieses Problem nicht oder nur bedingt. Mit der Anrede „you“ wird zwar nicht direkt zwischen „du“ und „Sie“ unterschieden, sehr wohl aber durch eine Anrede per Vor- oder Nachnamen bzw. Mr./Mrs. usw.

Chat

Im Chat wird Netiquette zu Chatiquette. Die Anonymität eines Chats verleitet immer wieder Teilnehmer zu Äußerungen, die sie in nichtelektronischen Kommunikationsformen unterlassen würden. Diese reichen von penetranten Flirtversuchen und Unfreundlichkeiten über Pöbeleien bis zu Beleidigungen. Um Chattern Anhaltspunkte für das angemessene Verhalten in einem Chat zu geben, wurden viele verschiedene Chatiquetten geschrieben, die sich in den wichtigsten Punkten jedoch alle ähneln: Beleidigungen, rassistische Äußerungen und ständige Pöbeleien gelten beispielsweise als unerwünscht. Ebenfalls nicht gerne gesehen ist in Großbuchstaben oder auffällig vergrößerter Schrift zu schreiben, da dies als Schreien verstanden wird.

Chatbetreiber achten meist auf diese Punkte und ahnden Verstöße auch, zum Beispiel mit der Sperrung des Teilnehmers.

Soziale Medien

Im Jahr 2010 veröffentlichte der Deutsche Knigge-Rat Höflichkeitsregeln für soziale Netzwerke.[1]

Telefonnetiquette

Im Knigge findet man auch Anweisung bezüglich des richtigen Telefonierens, denn auch hier sollte die so genannte Telefonnetiquette eingehalten werden. Neben einer zügigen Beantwortung des Telefons zählt vor allem auch eine freundliche Stimme[2] [3].

Für ein gutes Telefongespräch werden folgende Stufen empfohlen:

  • Stufe 1: Begrüßungsformel („Guten Tag!“)
  • Stufe 2: Firma („Hier ist die Mustermann GmbH“)
  • Stufe 3: Name („Sie sprechen mit Max Mustermann!“)
  • Stufe 4: Hilfe anbieten („Was kann ich für Sie tun?“)
  • Stufe 5: Fortgang des Telefonates („Ich werde sie jetzt direkt mit meinem Kollegen aus dem Kundenservice verbinden.“)

Bandwurm-Meldungen sind hierbei unerwünscht, man sollte so kurz und prägnant wie möglich bleiben [4].

Weblinks

 Wiktionary: Netiquette – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur

  • Thor Alexander: Elektronischer Knigge. Netiquette und Verhaltensregeln für die berufliche und private Tele- und Onlinekommunikation. Rhombos, Berlin 2006, ISBN 978-3-937231-54-9.
  • Katja Cronauer: Kommunizieren, organisieren und mobilisieren über E-Mail-Listen, Mail-Aktionen für AktivistInnen. Edition AV'88, Lich 2009, ISBN 978-3-86841-010-5 (Enthält einen ausführlichen Teil über Umgangsformen, Tipps für E-Mail-Versender und zum Lösen von Problemen, die bei Online-Kommunikation auftauchen können).
  • Martina Dressel: E-Mail-Knigge. Das Original. 3., vollständig überarbeitete Auflage, Web Gold Akademie, Freital / Dresden, Luzern, Calgary 2008, ISBN 978-3-00-026059-9.
  • Gundolf S. Freyermuth: Kommunikette 2.0. Heise, Hannover 2002, ISBN 3-88229-191-5.
  • Alfred Walze: Zum Thema E-Mail. «Die Netiquette». In: Bürowirtschaft, Lehre und Praxis. KMI Bürowirtschaft, Bonn 2001, ISSN 0178-594X.

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Social-Media-Knigge 2010, knigge-rat.de
  2. Bonneau E (2008) Der große Knigge.
  3. Quittschau A & Tabernig C (2007)Business-Knigge: Die 100 wichtigsten Benimmregeln
  4. Wolff I (2006) Knigge im Job.