Neu-Anspach

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Neu-Anspach in Hessen; für das Dorf Neu Anspach (polnisch: Niegoslaw) in Polen siehe Drezdenko.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Neu-Anspach
Neu-Anspach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Neu-Anspach hervorgehoben
50.3002777777788.5072222222222342Koordinaten: 50° 18′ N, 8° 30′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Hochtaunuskreis
Höhe: 342 m ü. NHN
Fläche: 36,14 km²
Einwohner: 14.642 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 405 Einwohner je km²
Postleitzahl: 61267
Vorwahl: 06081
Kfz-Kennzeichen: HG, USI
Gemeindeschlüssel: 06 4 34 007
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Bahnhofstraße 26–28
61267 Neu-Anspach
Webpräsenz: www.neu-anspach.de
Bürgermeister: Klaus Hoffmann (CDU)
Lage der Stadt Neu-Anspach im Hochtaunuskreis
Frankfurt am Main Lahn-Dill-Kreis Landkreis Limburg-Weilburg Main-Taunus-Kreis Rheingau-Taunus-Kreis Wetteraukreis Wiesbaden Bad Homburg vor der Höhe Friedrichsdorf Glashütten (Taunus) Grävenwiesbach Königstein im Taunus Kronberg im Taunus Neu-Anspach Oberursel (Taunus) Schmitten (Hochtaunus) Steinbach (Taunus) Usingen Weilrod WehrheimKarte
Über dieses Bild

Neu-Anspach ist eine Stadt im Hochtaunuskreis in Hessen. Am 30. Oktober 2007 erhielt die Gemeinde die Stadtrechte.

Geographie[Bearbeiten]

Neu-Anspach von Nordwesten

Geographische Lage[Bearbeiten]

Neu-Anspach liegt in 300 bis 400 Meter Höhe nördlich des östlichen Taunuskamms in einer weiträumigen Senke des Usatals. Auf dem Gebiet von Neu-Anspach verlaufen folgende Bäche, die alle in die Usa fließen: Ansbach, Heisterbach, Arnsbach, Forstbach, Röderbach, Häuserbach und Eisenbach.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Neu-Anspach grenzt im Nordwesten und Norden an die Stadt Usingen, im Osten an die Gemeinde Wehrheim, im Süden an die Stadt Bad Homburg vor der Höhe sowie im Westen an die Gemeinde Schmitten.

Aus der Luft
… und von Süden, im Hintergrund rechts Ortsteil Rod am Berg
Südlicher Teil des alten Ortskerns

Geschichte[Bearbeiten]

Urkundlich wird der namensgebende Stadtteil Anspach im Jahre 1274 zum ersten Mal als Langenansbach erwähnt. Ursprünglich zog sich die Bebauung vom heutigen Waldschwimmbad bis zum alten Ortskern hin. Der benachbarte Ort Stahlnhain wurde Ende des 14. Jahrhunderts zur Wüstung und Teil der Gemarkung Langenansbachs.

Anekdotisch: „Während des 30-jährigen Krieges wurde Anspach von feindlichen Truppen belagert, wodurch sich die Bevölkerung in die umgebenden Wälder flüchtete. Nach einiger Zeit schlich sich der damalige Schultheiss Johannes Paul Löw aufgrund eines Traumes in das Dorf zurück, um zu überprüfen, ob seine verborgenen Schätze entdeckt worden seien. Als er feststellte, dass keine feindlichen Truppen mehr zugegen waren, begann er die Kirchenglocken zu läuten um die Bevölkerung zu informieren. Angeblich passierte dies um zehn Uhr, so dass die Glocken der evangelische Kirche täglich um zehn Uhr (heute um elf Uhr) zum Angedenken läuteten. In Erinnerung an diese Tat wurden die Glocken in das neue Wappen des Ortsteils Anspach aufgenommen.“

Im Norden der Gemarkung Anspach nördlich der Usa und in Höhe des Bahnhofs der Taunusbahn entstand sodann zwischen den vier Ortsteilen auf freier Fläche ein ausgedehntes Neubaugebiet mit einer neuen Ortsmitte. Um einen Marktplatz gruppieren sich das Einkaufszentrum Feldberg-Center, das Bürgerzentrum und die Katholische Kirche St. Marien mit Gemeindezentrum.

Der größte politische Skandal der Stadt war die Verhaftung des Bürgermeisters Heinz Born (SPD) am Buß- und Bettag 1991 wegen Korruptions-Verdachts im Zusammenhang eines Bauvergabekartells auf Kreisebene.[2] Bei der folgenden Kommunalwahl wurde die langjährig dominierende SPD-Fraktion halbiert.

Im August 2007 legte Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU) der Gemeindevertretung den Plan vor, Stadtrechte zu beantragen. Am 3. September 2007 stimmte die Gemeindevertretung einstimmig diesem Plan zu. Nach einem Beschluss der Hessischen Landesregierung wurde der Gemeinde schließlich am 30. Oktober 2007 das Recht verliehen, die Bezeichnung Stadt zu führen.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Neu-Anspach entstand im Zuge der Gebietsreform in Hessen am 1. Dezember 1970 als freiwilliger Zusammenschluss der vorher selbständigen Gemeinden Anspach, Rod am Berg und Hausen-Arnsbach. Westerfeld kam als vierter Ortsteil am 31. Dezember 1971 hinzu.[4] Ortsbezirke wurden in Neu-Anspach nicht gebildet.

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
43,7 %
22,7 %
19,5 %
10,1 %
3,9 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-3,2 %p
-5,1 %p
+7,8 %p
+2,7 %p
-2,3 %p
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 43,7 16 46,9 18
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 22,7 8 27,8 10
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 19,5 7 11,7 4
FWG-UBN Freie Wählergemeinschaft der unabhängigen Bürger in Neu-Anspach 10,1 4 7,4 3
FDP Freie Demokratische Partei 3,9 2 6,2 2
Gesamt 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 53,3 42,1

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Anspach, ab 1970 der Gesamtgemeinde Neu-Anspach und ab 2007 der Stadt Neu-Anspach:

Da Anspach zwei unterschiedlichen Landesherren unterstand, hatte es teilweise auch zwei Schultheiße.

  • Cuntz Keller (um 1560)
  • Johann Keller
  • Johannes Paul Löw
  • Sebastian Keller (?–1640)
  • Hanß Ernst (1640–?)
  • Johann Keller
  • Henrici (um 1800)
  • Wörner (um 1800)
  • Johann Weill Föller (etwa 1830 bis etwa 1850)
  • Christian Jakob Henrici (etwa 1850 bis etwa 1880)
  • Friedrich Jakob Henrici (etwa 1880–1911)
  • Fritz Jäger (1911–1918)
  • Emil Becker (1918–1933)
  • Rudolf Henrici (1933–1946)
  • Heinrich Schneider (1946–1960)
  • Rudolf Selzer (1960–1984)
  • Heinz Born (1984–1991)
  • Rudi Rübsamen (kommissarisch) (1991–1993)
  • Gerd Hillen (1993–2005)
  • Klaus Hoffmann (2005–heute)[5]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Stadt zeigt einen geviertelten Schild, der die vier Elemente der Wappen der ehemals eigenständigen Gemeinden Anspach (goldene Glocke auf blauem Grund, 1817 bis 1953 fünf grüne, nach oben oval geschlossene Rundhöcker zweizeilig übereinandermontiert), Hausen-Arnsbach (Rose mit grünen Butzen auf goldenem Grund), Rod am Berg (rote Hirschstange auf goldenem Grund) und Westerfeld (goldene Ähre auf grünem Grund) zeigt. In die Mitte ist ein mit verwechselten Farben gestaltener Ring gelegt. Die Genehmigung zur Führung dieses von Heinz Ritt entworfenen Wappens erhielt die Gemeinde am 13. Februar 1974 vom hessischen Innenminister.[6]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Kirche und alte Schule Hausen-Arnsbach

Kaufkraft[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 lag der Kaufkraftindex bei 118,3 Prozent (Bundesrepublik Deutschland = 100 Prozent). Im Jahr 2009 lag die Kaufkraft des Hochtaunuskreises wieder an erster Stelle aller deutschen Stadt- und Landkreise.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Wirtschaft der zusammengehenden ehemaligen Dörfer war landwirtschaftlich geprägt und eher kleingewerblich ausgerichtet. Es war Ziel des Zusammenschlusses von 1970/72, auf neu ausgewiesenen Bauflächen vor allem die Ansiedlung von Bürgern voranzutreiben, die ihre Arbeitsstätten überwiegend im Raum Frankfurt am Main haben. Dennoch hat sich neben zahlreichen Handels- und Dienstleistungsbetrieben eine Reihe von mittelständischen Betrieben angesiedelt:

  • Vergärungsanlage für nachwachsende Rohstoffe (seit 2007) am Standort Deponie Brandholz, Bauherr Rhein-Main Deponie GmbH, Betreiber AGROGAS SERVICE GmbH & Co KG (i.G.) und der landw. Erzeugergemeinschaft „NawaRo“ Hochtaunus
  • Möbelfabrik Schlapp Möbel GmbH & Co. KG, Internationale Objekteinrichtungen
  • Fa. Greentop, Rußpartikelfilter
  • Adam Hall GmbH, Großhandel für Flightcase Hardware und Audiozubehör (Palmer)
  • ICS International AG, IT-Systemhaus und Anbieter industrieller Kennzeichnung
  • Pferdesport Wintermühle GmbH (Reitsport, Pferdehandel)
  • Landwirtschaftliches Lohnunternehmen Staehr, Dienstleistungen für die Landwirtschaft

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof der Taunusbahn
Viadukt kurz vor dem Bahnhof

Der nächste Anschluss an die Bundesautobahn 661 ist etwa 13 Kilometer vom Ortszentrum entfernt. Der Anschluss zur Bundesautobahn 5 ist etwa 15 Kilometer entfernt, nach Bad Homburg sind es etwa 12 Kilometer und zum Flughafen Frankfurt am Main etwa 35 Kilometer.

Im öffentlichen Nahverkehr auf der Schiene gibt es direkte Verbindungen nach Bad Homburg (teilweise bis nach Frankfurt am Main), Grävenwiesbach (von dort Busanschluss nach Weilburg) und Brandoberndorf mit der vom Verkehrsverband Hochtaunus (VHT) betriebenen RMV-Linie 15 (Taunusbahn). Außerdem gibt es Buslinien nach Usingen, Schmitten und Königstein im Taunus.

In Neu-Anspach liegt der Flugplatz Anspach.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Blick von Osten über alle Stadtteile, rechts im Bild: Teile von Usingen und Wehrheim

Neu-Anspach war bis 2011 der Sitz des kommunalen Zweckverbandes Naturpark Taunus. Dieser zog 2011 von seinem Gebäude auf der ehemaligen Mülldeponie Brandholz in das neue Taunus-Informationszentrum in Oberursel.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Grundschulen[Bearbeiten]

Grundschule am Hasenberg

In Neu-Anspach gibt es die Grundschule am Hasenberg und die Grundschule an der Wiesenau.

Die Grundschule in der Wiesenau wurde 1995 direkt neben der Adolf-Reichwein-Schule erbaut. 20 Lehrer unterrichten 280 Kinder in 14 Klassen. Seit 2004 besteht eine Schulpartnerschaft mit der Fanaka Memorial Secondary School in Tansania.

Die Grundschule am Hasenberg liegt am Ortsrand von Hausen-Arnsbach und wurde 1999 eröffnet. 2010 wurde mit der Erweiterung der Schule um ein Betreuungszentum und Fachräume begonnen. Der Neubau in der Nähe der Anspacher Neubaugebiete war durch das starke Bevölkerungswachstum nötig geworden. 330 Kinder werden von 18 Lehrkräfte unterrichtet.

Adolf-Reichwein-Schule[Bearbeiten]

Eingangsschild der Adolf-Reichwein-Schule
Neubau der Adolf-Reichwein-Schule

Die Adolf-Reichwein-Schule ist eine 1966 eröffnete Gesamtschule. Benannt wurde sie nach dem deutschen Widerstandskämpfer Adolf Reichwein. Mit der Schaffung einer gymnasialen Oberstufe wurde die Attraktivität der Schule deutlich gesteigert. Im Schuljahr 2001/2002 wurde an der Adolf-Reichwein-Schule das erste Abitur abgelegt. Im Jahr 2005 wurde ein moderner Neubau eröffnet, der die inzwischen sanierungsbedürftigen 1960er-Jahre-Zweckbauten ergänzt. Der Schulkomplex umfasst acht Gebäude, zwei große und eine kleine Turnhalle sowie einen Sportplatz. Es besuchen etwa 1700 Schüler diese Schule.[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hessenpark (Marktplatz)

Die bekannteste Sehenswürdigkeit Neu-Anspachs ist das seit 1974 südlich angesiedelte und viel besuchte Freilichtmuseum Hessenpark. Das bei Bad Homburg gelegene Römerkastell Saalburg ist 5 Kilometer südlich erreichbar.

Im Nachbarort Wehrheim liegt der bei Familien mit Kindern beliebte Freizeitpark Lochmühle.

Waldschwimmbad[Bearbeiten]

Waldschwimmbad

Das westlich von Anspach gelegene Waldschwimmbad im Usbachtal ist ein Freibad.

Weitere Einrichtungen[Bearbeiten]

Als einziger Ort im Usinger Land verfügt der Stadtteil Anspach über ein Kino. Zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements hat die Freiwilligen-Agentur Usinger Land ihren Sitz in Neu-Anspach. Der Verein ist Anlaufstelle für Menschen, die sich engagieren möchten, vermittelt diese an andere Organisationen oder entwickelt eigene Engagementprojekte.

Die BASA („Bildungsstätte Alte Schule Anspach“) ist eine vom Bund Deutscher Pfadfinder betriebene Bildungsstätte in der alten Schule des Stadtteils Anspach.

Außerdem verfügt Neu-Anspach über zahlreiche Sportvereine, die unter dem Hauptverein SG Anspach zusammengefasst sind. Die SG Anspach wurde am 15. oder 17. Mai 1862 als "Turn- und Singverein" gegründet. Die 43 Gründungsmitglieder turnten zunächst in der Gastwirtschaft von Otto Ernst. Die Gemeinde überliess dem Turnverein einen ehemaligen Sportplatz an der heutigen Saalburgstraße, der als Vereinsgelände genutzt wurde.[8]

Grünwiesenweiher[Bearbeiten]

Der Grünwiesenweiher nahe dem Stadtteil Hausen-Arnsbach ist mit eine Größe von 1,3 Hektar eine der wenigen größeren Wasserflächen des Taunus. Geologisch bedingt gibt es im Taunus keine nennenswerten natürlichen Seen. Auch der Grünwiesenweiher ist künstlich angelegt und dient seit dem 18. Jahrhundert als Reservoir für die Mühlen an der Usa und Fischgrund. Der erste urkundliche Nachweis des Weihers stammt aus dem Jahr 1805. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Weiher auch als Badesee genutzt. Am Ostufer wurden hierfür auch eine Bruchsteinmauer, ein Badesteg und eine Grillhütte angelegt. Aufgrund der Waldlage und dem geringen Wasseraustausch „kippte“ der Weiher aber durch die Badenutzung regelmäßig um, so dass sich die Gemeinde 1987 entschloss, die Badenutzung zu untersagen und den Weiher unter Naturschutz zu stellen. [9]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neu-Anspach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Die Zeit
  3. StAnz. 48/2007 S. 2327 PDF-Datei 45,3 KB
  4. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 270
  5. Hessisches Statistisches Landesamt: Direktwahlen in Neu-Anspach
  6. Informationen der Gemeinde zur Gestaltung des Wappens
  7. ARS Homepage
  8. Frank Saltenberger: SG Anspach wird 150 Jahre alt; in: Taunuszeitung vom 24. Februar 2012, Seite 20
  9. Horst Wolf: „Weiher im Usinger Land“, in: Ingrid Berg, Heimat Hochtaunus, Frankfurt 1988, ISBN 3-7829-0375-7, S. 27-29
  10. "Aus dem Parlament" (PDF; 49 kB)