Neubau der Europäischen Zentralbank

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Neubau der Europäischen Zentralbank
Neubau der Europäischen Zentralbank
Baustelle des Neubaus der Europäischen Zentralbank, 5. Juni 2014
Basisdaten
Ort: Sonnemannstraße (Ostend, Frankfurt am Main)
Status: im Bau (seit 10. Februar 2010) (Endhöhe erreicht)
Baustil: Dekonstruktivismus
Architekt: Wolf D. Prix (Coop Himmelb(l)au)
Nutzung/Rechtliches
Nutzung: Bürohochhaus, Bank
Arbeitsplätze: ca. 2.300
Eigentümer: Europäische Zentralbank
Technische Daten
Höhe bis zur Spitze: 201 m
Höhe bis zum Dach: 185 (Nord) m; 165 (Süd) m
Etagen: 45/43 Obergeschosse
Baukosten: ca. 1,2 Mrd. EUR
Anschrift
Stadt: Frankfurt am Main
Land: Deutschland

Der Neubau der Europäischen Zentralbank ist ein im Bau befindliches Gebäudeensemble, das aus drei Elementen besteht: der ehemaligen Großmarkthalle aus dem Jahr 1928, einem 185 Meter hohen Nord- und einem 165 Meter hohen Südturm, die zusammen mit einer Antenne auf dem Nordturm eine Gesamthöhe von 201 Meter erreichen, sowie einem Eingangsbauwerk, das die Halle und die Türme verbinden wird.[1] Das Ensemble wird als neuer Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) im Ostend von Frankfurt am Main gebaut.

Die Bauarbeiten haben im Februar 2010 begonnen. Die Fertigstellung des Bauwerks und der Beginn des Umzugs aus dem Eurotower ist Benoît Cœuré zufolge für Ende 2014 vorgesehen, die Eröffnungsfeier für 2015.[2][3]

Lage und Anbindung[Bearbeiten]

Die Baustelle aus Westen (vom Domturm) im Juni 2014

Das EZB-Areal liegt östlich der Innenstadt am Mainufer und wird durch Rosa-Marx-Weg, Horst-Schulmann-Straße, Sonnemannstraße, nördliches Mainufer und die Bahnstrecke Frankfurt–Hanau eingegrenzt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Grundstück über den U-Bahn- und Regionalbahnhof Frankfurt Ost erreichbar. Die primäre Straßenanbindung erfolgt über die Hanauer Landstraße. Um das Gebiet verkehrstechnisch besser zu erschließen, verbindet seit 2013 auch eine neue Straßenbrücke, die Osthafenbrücke, den nahegelegenen Osthafen mit dem Deutschherrnviertel in Sachsenhausen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die starke Solitärwirkung beim Blick von Westen (März 2014)

Die Großmarkthalle war von 1928 bis zu ihrer Schließung am 4. Juni 2004 ein gewerblicher Großmarkt, in dem vorwiegend Obst und Gemüse gehandelt wurde. Bereits im Jahr 2002 hat die Europäische Zentralbank das 14 Hektar große Areal erworben, um hier ihren neuen Sitz zu errichten. Am 1. Januar 2005 wurde das Grundstück dann an die EZB übergeben.

Wettbewerb[Bearbeiten]

Im November 2002 startete ein internationaler zweiphasiger Architekturwettbewerb, zu dem insgesamt 80 Bewerber zugelassen wurden. Von ihnen reichten in der ersten Wettbewerbsphase, die im Juli 2003 endete, 71 Kandidaten erste Entwurfskonzepte ein. Die Abgabe dieser Entwürfe erfolgte anonym und die Identität der Teilnehmer wurde während des gesamten Wettbewerbs unter notarieller Aufsicht geheim gehalten. Im August 2003 traf die zwölfköpfige Jury unter Vorsitz des EZB-Vizepräsidenten Loukas Papadimos eine Vorauswahl von zwölf Entwürfen der eingereichten Vorschläge. Mitglieder der Jury waren Architekten und Vertreter der Stadt Frankfurt am Main, der EZB sowie nationaler Zentralbanken.

Die zweite Phase des Wettbewerbs startete im September 2003 und gab den Teilnehmern die Möglichkeit ihre Vorschläge bis Dezember zu überarbeiten und detailliertere Entwürfe einzureichen. Aus diesen wurden am 13. Februar 2004 schließlich die Gewinner gewählt und der Wettbewerb damit abgeschlossen. Den ersten Preis erhielt dabei das Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au, dessen Entwurf zur Zeit umgesetzt wird. Der Entwurf des Büros von Peter P. Schweger – drei einzelne rechteckige Türme, die durch eine gemeinsame Dachkonstruktion, eine sogenannte Skybridge, in den oberen Etagen miteinander verbunden sind – wurde mit dem zweiten Preis prämiert. Den dritten Preis erhielten die Darmstädter Architekten 54f architekten+ingenieure in Zusammenarbeit mit dem Büro T. R. Hamzah & Yeang für den Vorschlag, der Großmarkthalle ein Ensemble aus mehreren unterschiedlich hohen Gebäuden mit Innengärten an den Südfassaden gegenüberzustellen.

Planung[Bearbeiten]

Modell im Stadtplanungsamt Frankfurt

Der ursprüngliche Siegerentwurf des Architekturbüro Coop Himmelb(l)au sah einen Gebäudekomplex aus zwei polygonalen Zwillingstürmen auf einem der Großmarkthalle parallel angeordneten Konferenzraumgebäude, einem sogenannten Groundscraper, vor. In der Überarbeitungs- und Optimierungsphase wurde dieser Entwurf jedoch nochmals stark verändert. Das ursprüngliche Konzept stieß unter anderem auf Kritik, da durch das etwa gleich große Konferenzzentrum der Blick auf die Großmarkthalle vom Mainufer aus nicht möglich sei. Daher wurde der Entwurf mehrfach überarbeitet und das Konferenzzentrum zunächst niedriger gestaltet sowie der Turm zugunsten der Sicht auf die Halle verschoben.

Im letzten Entwurf, der im November 2006 im Rahmen der abschließenden Planungsphase veröffentlicht wurde, ist kein Groundscraper mehr vorgesehen. Das Konferenzzentrum soll sich stattdessen in der Großmarkthalle befinden. Neben den Konferenzräumen ist dort außerdem ein Restaurantbereich vorgesehen. Ein Querriegel durch das Hallendach – das sogenannte Eingangsbauwerk – stellt dabei die Verbindung dieser Räume in der Halle mit den Büroräumen im Hochhaus her und dient gleichzeitig als Eingangsbereich im Norden des Komplexes. Zudem wird sich der gesamte Pressekonferenzbereich der EZB im Eingangsbauwerk befinden.

Das Hochhaus – der Doppelbüroturm – besteht aus zwei schlanken Türmen, die durch ein Atrium miteinander verbunden werden. Der Südturm wird bei 43 Geschossen 165 Meter messen, der Nordturm mit 45 Geschossen 185 Meter.[4] Die Höhe des Nordturms inklusive Antennenmast beträgt 201 Meter.[5] Das Hochhaus wird Platz für rund 2.300 Arbeitsplätze[6] der Zentralbank bieten. Der Planungsausschuss der Stadtverordnetenversammlung stimmte diesem Entwurf am 6. November 2006 zu.[7] Am 20. Februar 2007 veröffentlichte die Europäische Zentralbank die Ergebnisse der Vorplanungsphase. Die wichtigsten Änderungen, die den Doppelbüroturm betreffen, sind die neue schräge Dachform sowie ein verbesserter Sonnenschutz, der die Energieeffizienz des Gebäudes erhöhen soll.[8]

Bau[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2008 begannen erste Bauarbeiten auf dem Gelände, jedoch verkündete die EZB im Juni einen Baustopp, da innerhalb des vorgesehenen Kostenrahmens kein Generalunternehmer für den Bau gefunden werden konnte.[9] Im Dezember 2008 gab die EZB bekannt, dass sie den Bau erneut zu ihren Kostenvorstellungen ausschreiben werde, diesmal allerdings nicht als Ganzes sondern aufgeteilt in 16 getrennte Gewerkepakete. Auf Basis der Ausschreibungsergebnisse vom Herbst 2009 hat die EZB am 17. Dezember 2009 den Neubau beschlossen.[10]

Im Jahr 2008 wurden im Rahmen vorgezogener Baumaßnahmen die Aushub- und Gründungsarbeiten durchgeführt. Die Rohbauarbeiten begannen im Frühjahr 2010. Feierliche Grundsteinlegung war am 19. Mai 2010. Während der Rohbauarbeiten kündigte der Bauherr dem mittelständischen Rohbauunternehmer Anfang des Jahres 2011, weil er mit dessen Leistungen unzufrieden war. Anschließend wurde ein Konkurrenzunternehmen mit der Fortführung der Bauarbeiten beauftragt.[11] Ende April 2012 waren 140 Höhenmeter erreicht und alle sechs Werktage folgt ein weiteres Geschoss. Das Richtfest wurde am 19. September 2012 gefeiert.

Insgesamt soll das Projekt etwa 1,2 Milliarden Euro kosten, 350 Millionen Euro teurer als geplant. 200 Millionen Mehrkosten sind durch Preissteigerungen und 100 bis 150 Millionen Euro durch zusätzliche Fundamentverstärkungen bei der denkmalgeschützten Großmarkthalle verursacht. Die ursprünglichen Kostenvorstellungen der EZB waren 500 Millionen Euro.[12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neubau der Europäischen Zentralbank – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.ecb.int/ecb/premises/pdf/NEP_project_data_0806_de.pdf?19c7c3ee08dc2d7a8e633f62f8126b3b
  2. Blockupy muss umplanen. EZB-Eröffnung erst 2015. In: Hessischer Rundfunk. 28. Juni 2014, abgerufen am 28. Juni 2014.
  3. Süddeutsche Zeitung vom 28. Juni 2014, S. 30: „Ihr System muss verschwinden“. Zum ersten Mal stellt sich die Europäische Zentralbank ihren Kritikern: Die Aktivisten von Blockupy werfen dem Institut vor, es schütze die Banken und schade den Bürgern. Direktor Benoît Cœuré verteidigt die Euro-Rettungspolitik: Ohne die EZB wäre alles viel schlimmer gekommen.
  4. Neubau der Europäischen Zentralbank – Projektdaten [1]
  5. EZB-Newsletter Mai 2013 [2] (PDF; 549 kB)
  6. FAZ, 10. Januar 2006: Kein „Groundscraper“ neben Großmarkthalle. Online-Version
  7. FR, 7. November 2006: Bank darf Großmarkthalle umbauen. Online-Version
  8. EZB stellt Ergebnis der Vorplanungsphase für ihren Neubau vor (Pressemitteilung der EZB vom 20. Februar 2007)
  9. FAZ, 27. Juni 2008 Angebot für EZB-Turm lautete auf 1,4 Milliarden Euro
  10. FAZ, 17. Dezember 2009 EZB beschließt Bau neuer Zentrale
  11. Rainer Schulze:Höhere Kosten zu erwarten: Schwierigkeiten auf Frankfurter EZB-Baustelle. In:www.faz-net, 8. Februar 2011
  12. SPIEGELONLINE

50.1094448.7025Koordinaten: 50° 6′ 34″ N, 8° 42′ 9″ O