Neue Perspektive auf Paulus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Neue Perspektive auf Paulus (New Perspective on Paul) ist eine wichtige Richtung in der neutestamentlichen Forschung, in der manche Forscher die Schriften Pauli interpretieren, vor allem im Blick auf sein Verhältnis zum Judentum und der traditionellen lutherischen Vorstellung von der Rechtfertigung des Glaubenden.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Entwicklung

Die Neue Perspektive auf Paulus wurde bekannt durch die Ergebnisse der Arbeiten von Prof. E. P. Sanders (vor allem in Paul and Palestinian Judaism 1977. Auch ins Deutsche übersetzt: Paulus und das Palästinische Judentum). Dort argumentiert er, dass das zeitgenössische Judentum von Paulus von christlicher Theologie karikiert wurde als eine Gesetzesreligion, eine Religion der Werke, in der Juden glaubten, dass sie um ihr Heil zu erhalten die Torah halten müssen, demgegenüber Paulus einen neuen Heilsweg, nicht durch die Einhaltung der Werke sondern durch die Rechtfertigung durch Glauben an Christus anbot.

Sanders umrahmt den Kontext des Haltens der Gesetze und der guten Werke als ein Zeichen für das Im-Bund-Sein (welcher das Volk Israel als Volk Gottes bezeichnet) lieber statt einer Tat, nur um das Heil zu erlangen. Diese Religionsmuster nennt er „Bundesnomismus“. Sanders Untersuchung hinterfragt den Interpretationshintergrund von Martin Luther, welcher die traditionelle protestantische Vorstellung von der Rechtfertigung des Sünders prägte. Auch Augustinus Theologie, welche die gesamte westliche Christenheit beeinflusst hat, wird durch ihn in Frage gestellt.

Sanders Arbeiten wurden durch Professor James Dunn and Nicholas Thomas Wright, Bischof von Durham aufgenommen, welche die Neue Perspektive auf Paulus signifikant weiterentwickelt haben.

[Bearbeiten] Kritik

Die Neue Perspektive auf Paulus wurde von konservativen Forschern (vor allem von reformierten Theologen) stark kritisiert. Diese mahnen an, dass sie nicht dogmatisch korrekt die Lehren von Calvin widerspiegeln (wie N. T. Wright argumentiert). Sie war auch Inhalt von heftigen Debatten zwischen den Evangelikalen innerhalb der letzten Jahre.

Die stärkste Kritik, wenn auch implizit, kommt von Jacob Neusner, einem Forscher für rabbinische Literatur. Er hinterfragt die von E. P. Sanders u. a. entwickelte Methodik, wie sie die rabbinischen Quellen benutzen und bezeichnet dies als eine anachronistisch Vereinnahmung verschiedener Schriften.

Die neuere Diskussion innerhalb der Neuen Perspektive zwischen Sanders und Wright wird meist von den Kritikern nicht beachtet. 2003 hat sich N. T. Wright von Sanders and Dunn distanziert: "there are probably almost as many ‘New Perspective’ positions as there are writers espousing it – and I disagree with most of them."[1]

[Bearbeiten] Literatur

Englisch
Deutsch
  • E. D. Sanders: Paulus: Eine Einführung, 1995, ISBN 3-15-009365-1
  • E. D. Sanders: Paulus und das palästinische Judentum. Ein Vergleich zweier Religionsstrukturen. ISBN 3-525-53371-3

[Bearbeiten] Links

[Bearbeiten] Quellen

  1. N.T. Wright, New Perspectives.
Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen
Andere Sprachen