Neue Strömung

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Die neue Strömung (lettisch: jaunā strāva; Mitglieder: jaunstrāvnieki) war eine breite linkssoziale, später sozialdemokratische politische Bewegung in Lettland Ausgang des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, die ihren Höhepunkt und Abschluss in der Revolution von 1905 fand. Sie prägte die Geschichte Lettlands nach der ersten, von den Jungletten angeführten nationalen Erweckung.

Als Beginn der Neuen Strömung wird meist das Jahr 1886 angesehen, in dem Pēteris Bisenieks, der die Kreditgesellschaft der lettischen Handwerker betrieb, die Zeitung der Bewegung Dienas Lapa ("Tagblatt"), ins Leben rief. Pēteris Stučka, der spätere Führer der lettischen Bolschewiki, wurde 1888 ihr Herausgeber. Von 1891 bis 1896 wurde das Blatt von Bisenieks and Jānis Rainis gemeinsam herausgegeben. Unter Rainis und Stučka (von 1896 bis 1897 erneut Herausgeber) wurde Dienas Lapa eine Zeitung mit sozialistischen Positionen und deshalb vom Innenministerium 1897 vorübergehend verboten. Danach schlug die Zeitung mit dem Philosophen und Verleger Pēteris Zālīte (früher der Herausgeber von Mājas Viesis) als Herausgeber wieder eine gemäßigtere Richtung ein. Trotzdem wurde sie 1903 von der Zensur erneut verboten, 1905 als sozialdemokratische Zeitung wieder erlaubt, bevor sie ihr Erscheinen dauerhaft einstellte.

Der Historiker Arveds Švābe beschreibt die Neue Strömung als mit dem "politischen Erwachen der lettischen Arbeiterklasse, ihren ersten Organisationen und der Verbreitung sozialistischer Ideen verbunden" (Latvju enciklopēdija. Stockholm: Trīs Zvaigznes, 1950-51). Viele Historiker zeigen auf, was der Maler Apsīšu Jēkabs "das Aufbrechen eines Risses zwischen dem lettischen Bauern und seinem Knecht" in den 1870ern nannte (Arnolds Spekke, History of Latvia). Bereits 1897 standen auf dem heutigen lettischen Staatsgebiet nur noch 418028 Kleinbauern und Abhängige 591656 landlosen Landarbeitern gegenüber. Deren Landflucht führte zu einem wachsenden Proletariat, das einen fruchtbaren Nährboden für die aus Westeuropa kommenden sozialistischen Ideen darstellte. Gleichzeitig verlor die Bewegung der Jungletten, deren Ideale durch nationalen Romantizismus geschwächt wurden, an Dynamik, weil sich zwischen dem Großbürgertum und den Armen ein Abgrund auftat, nachdem die führenden Nationalisten dieser Zeit verhaftet und des Landes verwiesen worden waren.

Rainis schmuggelte 1893 in zwei Gepäckstücken deutsche marxistische Literatur ins Land: Schriften von Karl Marx, Friedrich Engels, und Karl Kautsky. Dieses "Gepäck mit seinem gefährlichen Inhalt", wie es der Historiker Uldis Ģērmanis nannte, war die Saat der Lettischen Sozialdemokratischen Partei.

Quellen[Bearbeiten]

  • Arnolds Spekke: History of Latvia: An Outline. Stockholm: M. Goppers/Zelta Ābele, 1951.
  • Arveds Švābe: Latvijas vēsture 1800-1914. Uppsala: Daugava, 1958.
  • Arveds Švābe, ed.: Latvju enciklopēdija. Stockholm: Trīs Zvaigznes, 1952-1953.