Neues Rathaus (Chemnitz)
Das Neue Rathaus in Chemnitz entstand 1907 bis 1911 nach Plänen des Stadtbaurates Richard Möbius. Der monumentale Bau bildet zusammen mit dem Alten Rathaus einen markanten Gebäudekomplex, der auch als Chemnitzer Doppelrathaus bezeichnet wird.
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[Bearbeiten] Geschichte
Das Neue Rathaus ist das dritte Chemnitzer Rathaus. Es wurde erforderlich, da sich durch die rasche industrielle Entwicklung der Stadt und dem damit verbundenen rasanten Bevölkerungswachstum der städtische Verwaltungsapparat vergrößerte. Betrug die Einwohnerzahl im Jahr 1883 noch 100.000, so stieg sie 1901 auf 200.000 und im Jahr 1912 schon auf über 300.000. Die Räumlichkeiten des als Rathaus fungierenden Stadthauses am Beckerplatz erwiesen sich als zu klein, so dass man 1907 mit dem Bau begann. Zu diesem Zeitpunkt galt Chemnitz als die bedeutendste Industriestadt und zweite Handelsmetropole in Sachsen.
Von 1907 bis 1911 war das Zentrum der Stadt eine Großbaustelle. Zahlreiche alte Bürgerhäuser mussten dem Neubau weichen, darunter eine alte Lateinschule aus dem Ende des 14. Jahrhunderts von der nur das Portal erhalten blieb. Das am 2. September 1911 im Beisein des sächsischen Königs eingeweihte neue Rathaus selbst fügt sich harmonisch an das Alte Rathaus an ohne auf Elemente des Jugendstils zu verzichten. Im Inneren hielt Richard Möbius das Rathaus in reinem Jugendstil. Die Wandelhalle, filigran ab 1910 vom Görlitzer Künstler Paul Perks ausgestaltet, bildet den zentralen Gang des Gebäudes und Zugang zum Stadtverordnetensaal, zum Ratssaal und zum Grünen Salon. Sehenswert sind die Fresken in der Wandelhalle und das im Stadtverordnetensaal hängende Wandgemälde „Arbeit = Wohlstand = Schönheit“ von Max Klinger (1918).
An der Fassade befindet sich eine vom Dresdner Bildhauer Alexander Höfer geschaffene 4,75 m hohe Rolandsfigur. Da auf dem Marktplatz selbst kein Platz zur Verfügung stand, wurde sie als Eckfigur mit Blick zum Markt und ehemaligen Neumarkt ausgeführt. Der Roland ist ein Symbol des Streiters für städtische Freiheit und Gerichtsbarkeit. Noch heute zeugt dieses ansehnliche Rathausgebäude mitsamt seiner Ausstattung und künstlerischen Ausgestaltung von der ehemaligen Bedeutung und dem Reichtum dieser Stadt.
Im März 1945 wurden 90 % der Chemnitzer Innenstadt zerstört. Wiederaufgebaut wurden am Markt nur die beiden Rathäuser und 1953/1954 an der Westseite das Siegert'sche Haus, da nur eine unzerstörte Fassade von den Patrizierhäusern übrig blieb.
Nach 1990 entstanden die Wand- und Deckenmalereien nach historischem Vorbild neu, ebenso wurden das gesamte Gestühl und die Beleuchtungskörper originalgetreu nachgebildet. 2005 erhielt die 2. Etage originale Fenster vom Glaskünstler Josef Goller, der 1910 bis 1911 entscheidend an der Ausgestaltung des Neuen Rathauses mitgewirkt hatte[1].
[Bearbeiten] Die Wandelhalle
Die ab 1910 vom Görlitzer Künstler Paul Perks filigran ausgestaltete Wandelhalle ermöglicht, als zentraler Gang des Gebäudes, Zugang zum Stadtverordnetensaal, zum Ratssaal sowie zum Grünen Salon. Erwähnenswert ist die Galerie der Oberbürgermeister, die die Rückwand der Halle ziert. Sechs Bürger- und Oberbürgermeistern wurde, aufgrund ihrer Leistungen für die Entwicklung der Stadt Chemnitz, die Ehre zu teil in Öl gemalt zu werden. Ihre Gemälde entstanden zu ihren Lebzeiten und sind so teilweise älter als das Neue Rathaus selbst.[2]
[Bearbeiten] Der Grüne Salon
Seinen Namen erhielt der Salon durch die grünliche Beize der Holzverkleidung, die bspw. an den Türrahmen noch gut zu erkennen ist. Doch diese Lasur wurde erst in den 1960er Jahren aufgetragen, so dass der Raum auch erst seit dieser Zeit und nicht schon von Anfang an seinen heutigen Namen trägt.[3]
Er befindet sich zwischen Stadtverordnetensaal und Ratssaal im zweiten Geschoss des Rathauses. Durch eine Tür mit dem Stadtverordnetensaal verbunden, diente der Salon einst als Erfrischungsraum für die Stadträte, die hier ihre Sitzungspausen verbrachten. Nach 1945 fungierte der Salon, aus Ermangelung eines Festsaals, u.a. als Empfangsraum zur festlichen Begrüßung von Gästen und wurde für die gelegentliche Aufführung von Klassik-Konzerten genutzt. Heutzutage dient er ebenfalls für Rathausempfänge und Auszeichnungsveranstaltungen aller Art und bildet oftmals den äußeren Rahmen, wenn sich verdiente Bürger ins „Goldene Buch“ der Stadt eintragen dürfen.
[Bearbeiten] Carillon
Seit 1978 befindet sich ein Carillon im neuen Rathausturm. Es wurde von der Firma Schilling aus Apolda gebaut und umfasst 48 Glocken mit einem Gesamtgewicht von 5200 kg. Die größte Glocke hat einen Durchmesser von 1120 mm und wiegt 957 kg. Gespielt wird ganzjährig Mi. und Sa. von 10 bis 10:30 Uhr. In der Adventszeit Mi., Do., Fr. und Sa. von 9:45 bis 10:00 Uhr.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Amtsblatt der Stadt Chemnitz, 21. Ausgabe, 25. Mai 2005 (pdf)
- ↑ Freie Presse: Stadtoberhäupter auf Porträts verewigt, vom 22. August 2011
- ↑ Freie Presse: Farbe gibt Saal den Namen, vom 9. August 2011
[Bearbeiten] Weblinks
50.83304444444412.919808333333Koordinaten: 50° 49′ 59″ N, 12° 55′ 11″ O