Neues Schloss (Ingolstadt)

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Blick vom Donauufer auf den 1479 begonnenen Palas
Das Neue Schloss von Nordwesten
Das Portal des Neuen Schlosses bei Nacht

Das ab etwa 1430 angelegte Neue Schloss in Ingolstadt gehört zu den wichtigsten gotischen Profanbauten des 15. Jahrhunderts in Bayern. Bauherren waren Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt und Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut. Das benachbarte Alte Schloss, eine mittelalterliche Burganlage aus dem 13. Jahrhundert, wird heute Herzogskasten genannt.

Geschichte und Struktur[Bearbeiten]

Als Bruder der französischen Königin Isabeau verbrachte Ludwig mehr als zehn Jahre in Frankreich. Nach der Rückkehr in seine Residenzstadt Ingolstadt begann er um 1430 mit dem Bau einer neuen Residenz im Osten der Stadt. Damals wurde die später sogenannte Statthalterei begonnen, die um den Kern des älteren Feldkirchner Tors gebaut wurde.[1] Als Ersatz entstand das Neue Feldkirchner Tor etwas nördlich, das 1879 abgebrochen wurde.

In den Jahren 1472/73 entstand der Getreidespeicher (später: Zeughaus) auf der Nordseite mit einem einbezogenem runden Eckturm.[2]

1479 wurde schließlich unter den Landshuter Herzögen der heutige Kernbau (Palas) der Anlage nach einem damals hoch modernen Konzept begonnen, der etwa 1489 fertiggestellt war.[3]

Die Gesamtanlage liegt am Rand der Stadtmauer und ist als Stadtburg konzipiert, die mit ihrem tiefen und breiten Graben zur Stadt hin sowohl nach außen wie auch nach innen Schutz bot. Von einem inzwischen nur noch als Stumpf vorhandenen Turm aus konnte in der Achse der heutigen Ludwigstraße die Stadt kontrolliert werden.

Die Außenmauern des Palas bilden ein Rechteck und sind bis zu vier Metern dick. An ihrer Westseite liegen zwei übereck gestellte Vierkanttürme, ein dritter Turm an der Ostseite ist fünfseitig und der vierte und mächtigste Turm steht frei. Der Bau besitzt über dem Kellergeschoss drei weitere Geschosse und ist und mit einem hohen Satteldach versehen.

Mit dem Ausbau Ingolstadts zur stärksten Landesfestung Bayerns wurden auch am Neuen Schloss Verstärkungen in Form von Bastionen, wie der Eselsbastei, vorgenommen, von denen jedoch nichts mehr erhalten ist. Die Anfänge des Schlossportals gehen auf die Zeit um 1580 zurück, wobei der Glockenturm erst Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut wurde.

Innenräume[Bearbeiten]

Fast alle Räume wurden in den 1480er Jahren gewölbt, und die herzoglichen Wohnräume sind noch gut ablesbar. Im Erdgeschoss wird das Netzrippengewölbe des Großen Saals von zwei Achtkantpfeilern gestützt, während sich im Schönen Saal die Rippen sternförmig aus einer Mittelsäule entfalten. Die Rahmen von Türen und Fenstern sind mit plastischem Schmuck dekoriert. In der Schlosskapelle blieben noch alte Malereien erhalten, ansonsten sind die Räume weiß verputzt.

Weitere Entwicklung und heutige Nutzung[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert wurden einige Trakte des Schlosses niedergelegt oder verändert, während des Zweiten Weltkriegs wurde es stark beschädigt und musste mit einem Notdach versehen werden. Das Ausmaß der Schäden ist in den teilweise fehlenden Gewölben des Zeughaus noch deutlich zu erkennen. Nach dem Krieg und dem Abbruch des Donautors wurden Teile des Tores an das Portal des Neuen Schlosses angefügt.

In den 1960er Jahren wurde das Schloss umfassend restauriert, seit 1972 beherbergt es das Bayerische Armeemuseum samt Werkstätten und Gastronomie.

Im Jahre 2015 wird im Neuen Schloss die Bayerische Landesausstellung stattfinden.[4] Da das Gebäude vorher noch renoviert werden muss, wird der dortige Teil des Armeemuseums vorübergehend geschlossen werden. Nach dem Ende der Landesausstellung wird das Armeemuseum mit einer neu gestalteten Ausstellung die gleichen Räumlichkeiten wieder beziehen.

Daneben dient das räumliche Umfeld des Schlosses als Ort zahlreicher Veranstaltungen. Höhepunkt ist das Ingolstädter Herzogsfest, welches zu Ehren der Erbauer alle zwei Jahre stattfindet. Eine Hauptattraktion ist dabei die Stadtwache Ingolstadt mit großem Feldlager unterhalb des Schlosses.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stephan Hoppe: Die Residenzen der Reichen Herzöge von Bayern in Ingolstadt und Burghausen. Funktionale Aspekte ihrer Architektur um 1480 im europäischen Kontext. In: Alois Schmid, Hermann Rumschöttel (Hrsg.), Wittelsbacher-Studien. Festgabe für Herzog Franz von Bayern zum 80. Geburtstag (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte, Bd. 166), München 2013, S. 173-200 Online-Version auf Art-Dok der UB Heidelberg.
  • Christa Syrer: Des Herzogs »newe veste«. Zur Bautätigkeit unter Ludwig dem Gebarteten in Ingolstadt in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In: Kunstgeschichte. Open Peer Reviewed Journal, 2013.
  • G. Ulrich Großmann (Photographien), Hans-Heinrich Häffner (Text): Neues Schloss Ingolstadt (= Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa. Band 9). Verlag Schnell + Steiner, Regensburg 2003, ISBN 3-7954-1391-5.
  • Siegfried Hofmann: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt. Band 88, 1979, S. 78–109; Band 89, 1980, S. 25–108; Band 99, 1990, S. 173–202.
  • Siegfried Hofmann: Geschichte der Stadt Ingolstadt, Bd. 1: Von den Anfängen bis 1505. Ingolstadt 2000.
  • Frank Becker, Christina Grimminger, Karlheinz Hemmeter: Stadt Ingolstadt. Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Denkmäler (=Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmäler in Bayern Bd. 12, I.1). München 2002, hier S. 373 – 400.
  • Gustav von Bezold, Berthold Riehl (Bearb.): Die Kunstdenkmale des Regierungsbezirkes Oberbayern, Teil I: Stadt und Bezirksamt Ingolstadt. Bezirksämter Pfaffenhofen, Schrobenhausen, Aichach, Friedberg, Dachau (= Die Kunstdenkmäler des Königreiches Bayern 1), München 1895 (1887), Nachdruck München, Wien 1982.
  • Peter Jaeckel: Herzogskasten und Neues Schloss In: Theodor Müller, Werner Reissmüller (Hrsg.):Ingolstadt. Die Herzogsstadt. Die Universitätsstadt. Die Festung, Bd. 1. Ingolstadt 1974, S. 221–260.
  • Franz Dietheuer: „Redende Steine“ am Liebfrauenmünster und am Neuen Schloss zu Ingolstadt. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt 92 (1983), S. 123–144.
  • Max Eberhard Schuster: Das Burgschloss in der Neuen Feste zu Ingolstadt. Diss. TU München 1955.
  • Friedrich Mader (Hrsg.): Ingolstadt. Verlag Donau-Courier, Ingolstadt 1988, ISBN 3-920253-21-3, S. 12 f.
  • Gerd A. Treffer: Rundflug über das alte Ingolstadt (= Bilder aus Ingolstadt. Band 1). Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-960-4, S. 52f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neues Schloss (Ingolstadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Syrer 2013
  2. dendrochronologisch datiert
  3. Syrer 2013; Hoppe 2013; Siegfried Hofmann: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt. Band 88, 1979, S. 78–109; Band 89, 1980, S. 25–108; Band 99, 1990, S. 173–202.
  4. Bayerische Landesausstellung 2015 „Napoleon in Bayern“ in Ingolstadt

48.76472222222211.430555555556Koordinaten: 48° 45′ 53″ N, 11° 25′ 50″ O