Neues Schloss (Ingolstadt)

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Blick vom Donauufer auf das Schloss
Das Neue Schloss von Nordwesten
Das Portal des Neuen Schlosses bei Nacht

Das Neue Schloss in Ingolstadt gehört zu den wichtigsten gotischen Profanbauten des 15. Jahrhunderts in Bayern. Bauherren waren Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt und Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut. Das benachbarte Alte Schloss, eine mittelalterliche Burganlage aus dem 13. Jahrhundert, wird heute Herzogskasten genannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Struktur [Bearbeiten]

Als Bruder der französischen Königin Isabeau verbrachte Ludwig mehr als zehn Jahre in Frankreich. Nach der Rückkehr in seine Residenzstadt Ingolstadt konnte er finanziell aus dem Vollen schöpfen und gab 1418 den Auftrag zum Bau des Neuen Schlosses nach französischen Vorbildern, das jedoch bei seinem Tod nur in den unteren Mauerpartien Gestalt angenommen hatte.

Die heutige Anlage entstand auf den älteren Fundamenten weitgehend bis 1489 unter den Landshuter Herzögen, wie die noch erhaltenen detaillierten Rechnungen belegen.[1]

Die Anlage liegt am östlichen Rand der Stadtmauer und ist als Stadtburg konzipiert, die mit ihrem tiefen und breiten Graben zur Stadt hin sowohl nach außen wie auch nach innen Schutz bot. Von einem inzwischen nur noch als Stumpf vorhandenen Turm aus konnte in der Achse der heutigen Ludwigstraße die Stadt kontrolliert werden. Beim Bau des Schlosses wurde eines der vier Stadttore der Stadtbefestigung, das Feldkirchner Tor, in die Anlage integriert und ist noch heute erhalten – anders das als Ersatz erbaute Neue Feldkirchner Tor, das 1879 abgebrochen wurde.

Die Außenmauern bilden ein Rechteck und sind bis zu vier Metern dick. An ihrer Westseite liegen zwei übereck gestellte Vierkanttürme, ein dritter Turm an der Ostseite ist fünfseitig und der vierte und mächtigste Turm steht frei. Der Palas selbst ist dreigeschossig und mit einem hohen Satteldach versehen.

Unter der Herrschaft der Landshuter Herzöge kamen Ende des 15. Jahrhunderts weitere Bauten hinzu:

  • die Statthalterei, die um den Kern des Feldkirchner Tors gebaut wurde,
  • der Getreidekasten von 1472/73 mit einem einbezogenem Rundturm.

Mit dem Ausbau Ingolstadts zur stärksten Landesfestung Bayerns wurden auch am Neuen Schloss Verstärkungen in Form von Bastionen, wie der Eselsbastei, vorgenommen, von denen jedoch nichts mehr erhalten ist. Die Anfänge des Schlossportals gehen auf die Zeit um 1580 zurück, wobei der Glockenturm erst Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut wurde.

Innenräume [Bearbeiten]

Fast alle Räume wurden in den 1480er Jahren gewölbt, und die herzoglichen Wohnräume sind noch gut ablesbar. Im Erdgeschoss wird das Netzrippengewölbe des Großen Saals von zwei Achtkantpfeilern gestützt, während sich im Schönen Saal die Rippen sternförmig aus einer Mittelsäule entfalten. Die Rahmen von Türen und Fenstern sind mit plastischem Schmuck dekoriert. In der Schlosskapelle blieben noch alte Malereien erhalten, ansonsten sind die Räume weiß verputzt.

Weitere Entwicklung und heutige Nutzung [Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert wurden einige Trakte des Schlosses niedergelegt oder verändert, während des Zweiten Weltkriegs wurde es stark beschädigt und musste mit einem Notdach versehen werden. Das Ausmaß der Schäden ist in den teilweise fehlenden Gewölben des Zeughaus noch deutlich zu erkennen. Nach dem Krieg und dem Abbruch des Donautors wurden Teile des Tores an das Portal des Neuen Schlosses angefügt.

In den 1960er Jahren wurde das Schloss umfassend restauriert, seit 1972 berherbergt es das Bayerische Armeemuseum samt Werkstätten und Gastronomie.

Im Jahre 2015 wird im Neuen Schloss die Bayerische Landesausstellung stattfinden.[2] Da das Gebäude vorher noch renoviert werden muss, wird der dortige Teil des Armeemuseums vorübergehend geschlossen werden. Nach dem Ende der Landesausstellung wird das Armeemuseum mit einer neu gestalteten Ausstellung die gleichen Räumlichkeiten wieder beziehen.

Daneben dient das räumliche Umfeld des Schlosses als Ort zahlreicher Veranstaltungen. Höhepunkt ist das Ingolstädter Herzogsfest, welches zu Ehren der Erbauer alle zwei Jahre stattfindet. Die Hauptattraktion ist dabei die Stadtwache Ingolstadt mit ihrem großen Feldlager.

Literatur [Bearbeiten]

  • Georg U. Großmann (Photographien), Hans-Heinrich Häffner (Text): Neues Schloss Ingolstadt (= Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa. Band 9). Verlag Schnell + Steiner, Regensburg 2003, ISBN 3-7954-1391-5.
  • Siegfried Hofmann: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt. Band 88, 1979, S. 78–109; Band 89, 1980, S. 25–108; Band 99, 1990, S. 173–202.
  • Friedrich Mader (Hrsg.): Ingolstadt. Verlag Donau-Courier, Ingolstadt 1988, ISBN 3-920253-21-3, S. 12 f.
  • Gerd A. Treffer: Rundflug über das alte Ingolstadt (= Bilder aus Ingolstadt. Band 1). Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-960-4, S. 52f.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Neues Schloss (Ingolstadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Siegfried Hofmann: Die Baugeschichte des Ingolstädter Schlosses im Spiegel der erhaltenen Baurechnungen. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt. Band 88, 1979, S. 78–109; Band 89, 1980, S. 25–108; Band 99, 1990, S. 173–202.
  2. Bayerische Landesausstellung 2015 „Napoleon in Bayern“ in Ingolstadt

48.76472222222211.430555555556Koordinaten: 48° 45′ 53″ N, 11° 25′ 50″ O