Neufeld an der Leitha

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Neufeld an der Leitha
Wappen von Neufeld an der Leitha
Neufeld an der Leitha (Österreich)
Neufeld an der Leitha
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Eisenstadt-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: EU
Fläche: 4,24 km²
Koordinaten: 47° 52′ N, 16° 23′ O47.86777777777816.376666666667230Koordinaten: 47° 52′ 4″ N, 16° 22′ 36″ O
Höhe: 230 m ü. A.
Einwohner: 3.180 (1. Jän. 2013)
Bevölkerungsdichte: 750 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2491
Vorwahl: 02624
Gemeindekennziffer: 1 03 09
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 55
2491 Neufeld an der Leitha
Website: www.neufeld-leitha.at
Politik
Bürgermeister: Michael Lampel (SPÖ)
Gemeinderat: (2012)
(23 Mitglieder)
18
4
1
18 
Von 23 Sitzen entfallen auf:
Lage der Stadt Neufeld an der Leitha im Bezirk Eisenstadt-Umgebung
Breitenbrunn am Neusiedler See Donnerskirchen Großhöflein Hornstein Klingenbach Leithaprodersdorf Loretto Mörbisch am See Müllendorf Neufeld an der Leitha Oggau am Neusiedler See Oslip Purbach am Neusiedler See Sankt Margarethen im Burgenland Schützen am Gebirge Siegendorf Steinbrunn Stotzing Trausdorf an der Wulka Wimpassing an der Leitha Wulkaprodersdorf Zagersdorf Zillingtal Eisenstadt Rust BurgenlandLage der Gemeinde Neufeld an der Leitha im Bezirk Eisenstadt-Umgebung (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Neufeld an der Leitha ist eine Stadt mit 3180 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2013) im Burgenland im Bezirk Eisenstadt-Umgebung in Österreich. Der ungarische Ortsname der Stadt ist Lajtaújfalu, der kroatische Ortsname ist Novo Selo.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im nördlichen Burgenland am Fluss Leitha nahe der Landeshauptstadt Eisenstadt. Neufeld an der Leitha ist der einzige Ort in der Stadtgemeinde. Der nordöstlich gelegene Neufelder See ist ein reizvolles künstliches Gewässer, das aus einem ehemaligen Braunkohlebergbau (1807 bis 1932) entstanden ist. Im Südosten liegt der ebenfalls durch Kohleabbau (1948 bis 1953) entstandene Bauernsee. Die beiden Orte Ebenfurth und Neufeld sind zusammengewachsen und werden nur durch die Leitha getrennt, die hier auch die natürlich Grenze zwischen Niederösterreich und dem Burgenland bildet. Ebenso schließt die bebaute Fläche des Ortsteiles Steinbrunn neue Siedlung unmittelbar an die Neufelds an und ist für Ortsunkundige nur an den Ortstafeln zu erkennen.

Neufeld an der Leitha grenzt an folgende Gemeinden:

Ebenfurth (NÖ) Pottendorf (NÖ) Hornstein
Nachbargemeinden
Zillingdorf (NÖ) Steinbrunn

Geschichte[Bearbeiten]

Vor 1600[Bearbeiten]

Es wurden frühestbronzezeitliche Bestattungen vom Typ Leithaprodersdorf-Gruppe (2300 bis 2000 vor Christus) gesichert, dieser Fund markiert der Beginn der Neufelder Urgeschichte. Aus dem Zeitraum 1600 bis 1300 vor Christus stammte ein mittelbronzezeitliches Kriegergrab mit Rapierschwert. Ein spätbronzezeitliches Gräberfeld mit einem seltenen Bogenschützengrab (ältere Urnenfelderkultur 1200 bis 1050 vor Christus) wurde an der Westseite des Bauernsees gefunden, zeitlich lässt sich dieser Fund zwischen 1300 und 750 vor Christus einordnen. Die Ausdehnung des Gräberfeldes lässt auf eine Ansiedlung schließen. Den Beginn der Herausbildung eines keltischen Kulturraumes östlich der Leitha zeigt ein frühlatène-zeitliches Kriegergrab (450 bis Christi Geburt). Das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien untersuchte mit Fördermitteln des FWF und der Methode Light detection and ranging aus dem Flugzeug den Leitha-Raum zwischen Wiener Neustadt und Bruck an der Leitha um noch unbekannte Fundorte ausfindig zu machen (Einzelprojekt P18674), die Ergebnisse werden in einer Habilitationsschrift veröffentlicht. Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Denarius mit Faustina II.

Später unter den Römern lag das heutige Neufeld dann in der Provinz Pannonia, eine römische Nebenstraße von Ödenburg (Skarbantia) über Baden (Aquae) nach Wien (Vindobona) führte bei Neufeld-Ebenfurth über die Leitha. Als Beginn der Neufelder Geschichte gilt der Streufund eines Geldstückes mit dem Bild von Kaiserin Faustina II. datiert auf 161 nach Christus. Einen weiteren Beleg menschlicher Anwesenheit in historischer Zeit stellt der Fund einer Münze mit dem Bild von Kaiser Valentinian I. dar, er war Kaiser im Westen des römischen Imperiums von 364 bis 375.

Im Frühmittelalter kommt es zu Reichsbildungen asiatischer Reitervölker wie das der Awaren die im 6. Jahrhundert Pannonien beherrschten und das der Ungarn, die ab dem späten 9. Jahrhundert immer wieder Einfälle über die Leithaübergänge bei Neudörfl und Neufeld-Ebenfurth durchführten (Wiener Neustädter Pforte).

Am 15. Juni 1246 fand wahrscheinlich am Neufelder Hotter die Schlacht an der Leitha statt, bei der Friedrich II. fiel, womit die Babenberger im Mannesstamm erloschen.

Am Neufelder Hotter wird zum ersten Mal im Jahr 1245 ein Kleindorf mit dem Namen Sebreth erwähnt, welches auch Seyfried, Seyfrieds, Sefred, Seibersdorf, Sifridsdorf, Seberstorff genannt wurde. Die Namensgebung ist nicht eindeutig geklärt, es kommen zwei Namensgeber in Frage Sebreth von Antau[1] und Syffried von Haslowe. Sebreth wurde 1309 das letzte Mal urkundlich genannt und gehörte einem Zweig der ungarischen Adelsfamilie Osl. Eine meierhofartige Villa aus diesem Zeitraum wurde Ungerdorf (auch Ungardorf) genannt, die erste urkundliche Nennung datiert auf den 28. August 1290 und passierte im Zusammenhang mit der Ebenfurther Maut und Hilfeleistung gegen ungarische Angriffe. Beide Siedlungen wurden zur Wüstung.

Nach 1600[Bearbeiten]

Franz III. Graf Nádasdy um 1656

Die älteste Nennung Das Neüfeldt ist noch eine Riedenbezeichnung und findet sich im Hornsteiner Grundbuch.[2]

Nachdem der Ungarische Reichstag in Pressburg die Rückkehr der Grafschaft Hornstein zum Königreich Ungarn beschlossen hatte, ließ Franz III. Graf Nádasdy ab dem 26. September 1647 den Reichsfreiherrn Rudolf von Stotzingen von seinen Söldnern vertreiben. Ein ungarisches Gericht sprach Franz III. am 3. Juni 1648 die Herrschaft gegen eine Zahlung von 150.000 Gulden zu, den Betrag erhielt Rudolf von Stotzingen 1650.

Bereits 1647/1648 sollen am Neufelder Hotter 3 Häuser bestanden haben: Denn so ist zwischen Hornstain und Ebenfurth ein Dorf gestanden, so man aniezo im Werkh wieder zu stiften, gestalten dass bereiths 3 Heüser wider erbauet worden[3] Der Hornsteiner Grundherr Graf Franz III. Nádasdy legte die heutige Siedlung Neufeld auf einer Herrschaftsbreite (Gemarkung des zur Wüstung verkommenen Ortes Ungerdorf) an. Das früheste Neufeld bestand aus einem Kastell, einem bäuerlichen Teil und einem Judenstadtl und war als Schmalangerdorf ausgeführt. Als erste urkundliche Erwähnung gilt der 1. März 1651, in einem Ab- und Ausgabenrechnungsbuch der Fürstlich Esterházyschen Grundherrschaft wird für Neufeld dieses Datum als Beginn einer Weinausschankgenehmigung genannt.[4] Die Besiedlung ist mit Sicherheit früher anzunehmen, weil für den 1. März 1651 Richter (~Bürgermeister) und Geschworene (~Gemeinderäte) als bestehend angeführt werden.[5]

1653 - 1655 erfolgt die Übergabe der Häuser an portugiesische Juden. Bei einer Feststellung der bäuerlichen Anwesen in Neufeld 1656 wurden 17 ältere und 10 jüngere Häuser bzw. Hofstätten gezählt.

1666 trat Nádasdy der Magnatenverschwörung bei, an deren Spitze er ab 1667 stand. Nach der Niederschlagung wurde er im Schloss Pottendorf - die Herrschaft Pottendorf hatte er 1665 gekauft - verhaftet und am 30. April 1671 wegen Hochverrates mit dem Schwert enthauptet. In Folge wurde die Herrschaft Hornstein für das kaiserliche Kammergut eingezogen und an die Grafen Gottlieb von Windisch-Graetz, Georg Széchenyi und Michael von Althan verpfändet.

1807 wurde mit dem Abbau von Lignitkohle begonnen. Die Jahresförderung 1808 betrug 3.460 Centen (1 Centen = 56 kg). Die frische Kohle enthielt 25 % Grubenfeuchtigkeit, 16-20 % Asche und 5 bis 6 % Schwefelkies. Durch den Schwefelkies entsteht beim Verbrennen Schwefelwasserstoff der für den Smog in Neufeld verantwortlich war. Die aus diesem Grund hohe Kindersterblichkeit erreichte in den 1920er Jahren ihren Höhepunkt, ein Viertel der Kinder erreichte das 14. Lebensjahr nicht.[6]

Die Pferdeeisenbahn vom Kohleverladeplatz (heutiger Bahnhof) zum Knoten Ebenfurth nahm am 20. März 1872 ihren Betrieb auf.

Am 28. Oktober 1879 wurde die Teilstrecke Ödenburg-Ebenfurth der ROEE eröffnet.

Neufeld (links oben) um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Die Actiengesellschaft der ersten ungarischen Jute-Spinnerei und Weberei startete am 16. Oktober 1889 mit etwa 1.000 Arbeitern und Arbeiterinnen die Produktion im Werk Neufeld - das Werk II wurde am 15. Februar 1899 eröffnet. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden die Erste österreichische Jutespinnerei und Weberei Wien, die Erste österr. Hanfspinnerei, Bindfaden- und Seilfabrik Pöchlarn -Lieser und Duschnitz und die Erste ungarische Jutespinnerei und Weberei in Neufeld zur Hanf-, Jute- und Textilindustrie-Aktiengesellschaft, kurz HITIAG, zusammengeführt.

Zum Jahreswechsel 1903/1904 endete die erste Bergbauphase, die Produktion sank stetig und die Instandsetzungskosten für die Wasserpumpe waren zu hoch, die Grube ersoff.

Nach dem Ersten Weltkrieg folgte für Deutsch-Westungarn eine unruhige Zeit. Der Ausrufung der Republik Österreich am 12. November 1918 folgte am 6. Dezember 1918 die Ausrufung der deutschen Republik Heinzenland (Westungarn mit der Hauptstadt Oedenburg) in Mattersburg. In Neufeld wurden Leutnant Erich Trenner von der Wiener Neustädter Stadtwehr und drei Mann, nach dem Versuch Gewehre, Munition sowie Handzettel zu verteilen neben der Verhaftung der Neufelder Gendarmen, Finanzwachebeamten und des Bahnhofsoffiziers, gefangengenommen und nach Oedenburg transportiert.[7] Am 23. März 1919 vereinigten sich die kommunistische und die sozialdemokratische Partei Ungarns zur Ungarländischen sozialistischen Partei, das war der Beginn der ungarischen Räterepublik. Neben der Propaganda gab es für den ungarischen Grenzort Neufeld noch andere spürbare Folgen wie, die Beschlagnahmung des Braunkohlebergbaus, die Verhängung einer vollständigen Grenzsperre am 3. April und die Verstärkung der Besatzung nach einer Schießerei der Volkswehrbereitschaft an der Leithabrücke im Mai. Nach der Abdankung der Räteregierung am 27. Juli und einem kurzen sozialdemokratischen Intermezzo, das durch die Besetzung Budapests durch rumänische Truppen ein jähes Ende fand, erzwang die Entente am 6. August 1919 eine Konzentrationsregierung unter dem christlichsozialen Stephan Friedrich, dies war der Beginn der weißen Revolution.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/1921 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Laijtaújfalu verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Die zweite Bergbauphase dauerte von 1916 bis 1932 die Stilllegung erfolgte aus ähnlichen Gründen wie bei der 1. Phase. Bis 1934 entstand aus den 1922/1923 zusammengewachsenen Gruben der Neufelder See (See I). Die dritte Bergbauphase begann 1948, mit Mitteln aus dem Marshallplan, das wirtschaftlich zu gewinnende Vorkommen war 1953 erschöpft. Aus dieser Grube entstand der Bauernsee (See II).

1971/72 wurde die Jutespinnerei und -weberei in Neufeld stillgelegt und mit den verbliebenen Maschinen und einem deutschen Partner eine Fabrik zur Veredelung von Textilgarn eingerichtet, am Nachfolgebetrieb AUTEXA hielt die HITIAG 50 Prozent. Am 31. Juli 1985 endete mit dem Konkurs der Firma AUTEXA die Existenz der Firma HITIAG in Neufeld.[8] Teile der ehemaligen HITIAG-Werkshallen wurden bereits seit 1972 von Myrtle Mill der heutigen Österreichischen Kuvertindustrie Ges.m.b.H. als Produktionsstandort genutzt, 1989 wurde diese Produktion nach Hirm verlegt.[9]

Stadtgemeinde ist Neufeld an der Leitha seit 1997 (durch VO 23, Marktgemeinde 38/1987).

Seit 2001 ist die Stadt eine Klimabündnis Gemeinde. Gemeinsames Ziel der Bündnispartner ist der Erhalt des globalen Klimas.

Durch die Nachstellung des Titanic-Unterganges auf dem Neufeldersee mit Bürgermeister Lampel als Jack Dawson - im Original von Leonardo di Caprio gespielt - wurde das KroneHit-Gemeinduell gewonnen und Neufeld damit zur coolsten Gemeinde 2007.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Politik[Bearbeiten]

Aktuelle Zusammensetzung[Bearbeiten]

Gemeinderatswahl
 %
80
70
60
50
40
30
20
10
0
67,95 %
(-6,10 %p)
19,52 %
(-0,03 %p)
7,00 %
(+0,60 %p)
3,85 %
(n. k.)
1,67 %
(keine)
Sonst.
2002

2007


Die Gemeinderatswahlen 2007 fanden am 7. Oktober 2007 gleichzeitig mit der Direktwahl des Bürgermeisters statt. Bei diesen Wahlen gab es 2.704 Wahlberechtigte, 1.683 gaben ihre Stimme ab, was einer Wahlbeteiligung von 62,64 % entspricht und einen Rückgang um 10 % gegenüber 2002 bedeutet. Gegenüber 2002 stieg der Anteil der Nichtwähler um 0,16 % auf 7,49 %. Der amtierende Bürgermeister Michael Lampel (SPÖ) konnte diese Wahl mit einem Stimmenanteil von 80,97 % für sich entscheiden, sein Gegenkandidat war Gerhard Eidler (ÖVP). Die Mandatsverteilung (23 Sitze) in der Gemeindevertretung ist SPÖ 17, ÖVP 5, FPÖ 1.[10]

Politische Entwicklung[Bearbeiten]

Der 1. Parteitag der Sozialdemokratischen Partei des Burgenlandes fand am 17. Mai 1922 in Neufeld statt.

Bürgermeister Franz Schön übergab sein Amt am 25. Mai 1930 (nach unbewiesenen Korruptionsvorwürfen) an Karl Hammer. Die letzte demokratische Gemeinderatswahl fand am 3. Mai 1931 statt, die KPÖ konnte auf Kosten der SPÖ zulegen.

Als Folge des Februaraufstandes wurde die Sozialdemokratische Partei mitsamt all ihren Teilorganisationen und ihr nahestehenden Vereinen aufgelöst und jede Tätigkeit im Sinne der Sozialdemokratie für illegal erklärt. Alle gewählten Abgeordneten, Mandatare und Amtsträger der SDAP wurden abgesetzt, und durch christlichsoziale Politiker bzw. Vertreter der Vaterländischen Front ersetzt. Am 28. August 1934 wurde Josef Bella durch ernannte Gemeinderäte zum Bürgermeister gewählt.

Stimmzettel vom 10. April

Franz Angerer, der letzte Bürgermeister im Ständestaat löste Johann Bella ab und amtierte kaum einen Monat lang, seine Amtszeit endete mit der militärischen Besetzung Österreichs am 12. März 1938 durch die Wehrmacht. Am 10. April 1938 fand eine Volksabstimmung über den bereits vollzogenen Anschluss statt, das Gemeindeergebnis zeigt keine nennenswerte Abweichung vom Gesamtergebnis 1.692 Abstimmende von 1.707 Stimmberechtigten - nur Ja-Stimmen. Neufeld wurde wie das ganze nördliche Burgenland per Reichsgesetz am 15. Oktober 1938 Niederösterreich - dem späteren Reichsgau Niederdonau - zugeschlagen. Der Aufbau der Verwaltung wurde durch das Ostmarkgesetz vom 14. April 1939 geregelt, damit ergab sich gemäß NSDAP-Struktur eine Zuordnung der Gemeinde Neufeld an der Leitha zum Kreis Eisenstadt im Reichsgau Niederdonau.

Sowjetische Truppen besetzten - nach kurzem Kampf - am 1. April um 16:30 Uhr Neufeld. KPÖ und SPÖ bildeten am 4. April 1945 die erste Gemeindeverwaltung Neufelds, die der Ebenfurther Ortskommandantur untergeordnet war. Die ÖVP erhielt am 31. Juli 1945 2 Mandate in der provisorischen Gemeindeverwaltung in der damit 3 Parteien vertreten waren. Bei der Nationalratswahl am 25. November erhielt die KPÖ nur 5 % der Stimmen - in Neufeld waren es 14,81 % von 1.263 gültigen Stimmen. Josef Lechner (KPÖ) wurde am 2. Juli 1946 neuer Bürgermeister und folgte damit Franz Ertl jun. nach Vizebürgermeister wurde Josef Csech (SPÖ), der Gemeinderat wurde auf Basis einer Parteienvereinbarung zusammengesetzt. Am 17. August 1950 trat Josef Lechner von seinem Amt zurück, interimistischer Nachfolger war Josef Csech der auch nach der kurz darauffolgenden Gemeinderatswahl Bürgermeister blieb. Am 26. November 1950 fand die erste freie und demokratische Gemeinderatswahl seit dem 3. Mai 1931 statt. Das Ergebnis in Mandaten war: SPÖ 13, ÖVP 3 und KPÖ 1, signifikant ist, dass die KPÖ bei dieser Wahl alle 13 Bürgermeisterposten im Burgenland verlor. Am 8. September 1972 wurde Josef Csech im Gemeinderat verabschiedet, er war der am längsten dienende Bürgermeister Neufelds.

Liste der Bürgermeister
Name von bis Partei Anmerkung
Franz Schön 1923 1930 SDAP
Karl Hammer 1930 1934 SDAP
Johann Bella 1934 1938 VF Ständestaat, Diktatur
Franz Angerer 1938 1938 VF Ständestaat, Diktatur
Michael Deutsch NSDAP Ortsgruppenleiter,[11] Diktatur
Franz Ertl jun. 1945 1946 KPÖ Ortskommandatur Ebenfurth
Josef Lechner 1946 1950 KPÖ Parteienvereinbarung
Josef Csech 1950 1972 SPÖ
Wilhelm Lajos 1972 1980 SPÖ
Franz Mikulits 1980 1987 SPÖ
Mario de Martin 1987 2000 SPÖ
Gottfried Koos 2000 2006 SPÖ
Michael Lampel 2006 - SPÖ

Nachdem die Mandatszahl von 17 auf 21 erhöht wurde lautete die Verteilung nach der Gemeinderatswahl vom 29. Oktober 1972: SPÖ 15, ÖVP 5 KPÖ 1, neuer Bürgermeister wurde Wilhelm Lajos. Bei der Wahl am 23. Oktober 1977 wanderte das Mandat der KPÖ zur ÖVP damit wurde das bisher historisch beste Ergebnis der ÖVP eingefahren. Am 25. Oktober 1979 kam es zu Angriffen auf den Bürgermeister aus der eigenen Fraktion, am 2. Oktober folgte ein Misstrauensantrag der SPÖ-Fraktion gegen Lajos, der den Rücktrittsaufforderungen aus den eigenen Reihen nicht nachgekommen war, dieser wurde im Gemeinderat abgelehnt (8 dagegen, 8 dafür, 3 Enthaltungen). Am 14. April 1980 wurde Bürgermeister Wilhelm Lajos - der mittlerweile aus der SPÖ ausgeschlossen war - durch einen Misstrauensantrag gestürzt, mit 13 gegen 8 Stimmen.[12]

Franz Mikulits wurde am 24. April 1980 gegen die Stimmen der ÖVP zum Bürgermeister gewählt, damit endete die Lähmung des Gemeinderates. Bei der folgenden Gemeinderatswahl (24. Oktober 1982) wanderte ein Mandat von der ÖVP zur SPÖ, Franz Mikulits wurde wiedergewählt -dieser kündigte am 2. Jänner 1987 seinen Rücktritt an. Der Gemeinderat wählte Mario de Martin am 26. Jänner zum Nachfolger. Nach der Gemeinderatswahl vom 25. Oktober 1987 (SPÖ 16, ÖVP 5) wurde Mario de Martin vom Gemeinderat am 5. November mit 5 Enthaltungen zum Bürgermeister gewählt. Bei der Gemeinderatswahl vom 18. November 1992 wurde zum ersten Mal der Bürgermeister in Direktwahl ermittelt, de Martin konnte sich mit 80,87 % durchsetzen, im Gemeinderat waren die Mandate: SPÖ 19 ÖVP 4.

Die Neufelder Ortsgruppe der FPÖ konstituierte sich am 17. Februar 1997. Bürgermeister Mario de Martin wurde am 5. Oktober 1997 wiedergewählt, die FPÖ schaffte den Einstieg in den Gemeinderat mit 6 Mandaten (SPÖ 12, FPÖ 6, ÖVP 5). Mario de Martin trat am 25. Februar 2000 zurück, Vizebürgermeister Gottfried Koos wurde mit der Weiterführung der Amtsgeschäfte beauftragt, bei der Bürgermeisterdirektwahl am 18. Juni konnte er sich mit 62,3 % durchsetzen. Die Wahlen vom 6. Oktober brachten eine deutliche Bestätigung von Bürgermeister Koos mit einem Stimmenanteil von 85,13 % auch die FPÖ verlor 5 Mandate und die ÖVP eines, diese gingen alle zur SPÖ, damit ergab sich eine neue Aufteilung: SPÖ 18, ÖVP 4 FPÖ 1. Nach dem Rücktritt von Gottfried Koos am 15. November 2006 wurde Michael Lampel in geheimer Wahl mit 22 Ja-Stimmen (keine Nein-Stimme) zum neuen Bürgermeister gewählt, bei der Direktwahl 2007 (siehe Aktuelle Zusammensetzung) erhielt er 80,97 % der Stimmen.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen ist in den Ortsfarben Blau-Gold-Rot gehalten.

Blasonierung: „Im Schild (Siegelfeld) auf einem Boden die stehende Figur des hl. Erzengels Michael (Kirchenpatron) in der Tracht eines römischen Legionärs. Der Heilige trägt in der Rechten ein Flammenschwert, in der Linken eine Seelenwaage. Aus dem Boden wächst rechts von der Figur eine Blume.“[13]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Wahrzeichen Feldkapelle: erste urkundliche Erwähnung 1760, die Feldkapelle gehört zu den ältesten noch erhaltenen Bauten in Neufeld.
  • evangelische Kirche: Ein neogotischer Sakralbau aus dem Jahr 1904 mit einem dreijochigen Kirchenschiff, einem Chor mit 5/8-Schluss und einem Dachreiter über einer hohen Giebelfassade.[14]
  • katholische Pfarrkirche: 1967 erbaut
  • Wahrzeichen Uhrturm: Aufstellung im September 1997, aus dem Uhrturm der ehemaligen HITIAG erbaut. Der Uhrturm wurde so dargestellt, als ob die gesamte Fabrik versunken wäre und nur noch derselbe hervorragen würde. Das Denkmal soll kommende Generationen an die industrielle Blütezeit der ehemaligen Industriehochburg Neufeld erinnern.
  • 1. Burgenländisches Bäckereimuseum: Das Museumsgebäude dient schon aus einer Zeit vor 1899 bis heute als Bäckerei. Die zur Schau gestellten Arbeitsgeräte stammen aus dem Zeitraum von Ende des 19. Jh. bis etwa 1955.
  • Kreuzweg: Er wurde von den Neufelder Ratsch'nbuam errichtet und führt vom Marterl bis zur Feldkapelle mit insgesamt 15 Stationen, die Einweihung erfolgte am 29. Juni 2005. Die ersten 14 Stationen orientieren sich an der traditionellen Darstellung, während die letzte Station die im 20. Jahrhundert aufgekommene Auferstehung Jesu Christi aus dem Grabe zeigt.
  • Dreifaltigkeitssäule: mit der Inschrift: Ehre sei Gott in der Höhe; flankiert vom Heiligen Antonius (links) und dem Heiligen Franziskus (rechts), auf der Rückseite die Inschrift: Gebaut 1900


Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Neufeld an der Leitha

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Industrie[Bearbeiten]

Die Sanochemia Pharmazeutika AG hat hier ihren Synthese- und Produktionsstandort.

Verkehr[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

  • Kindergarten: Der Neufelder Kindergarten führt 6 Gruppen und eine Kinderkrippe.
  • Volksschule: Die Lollipop Volksschule mit der Schulkennzahl 103101 führt 8 Klassen. Das Maskottchen ist Mr Lollipop, ein grüner Drache mit einem Dauerlutscher. Die Neufelder Volksschule setzt ihren Schwerpunkt auf Projektorientierung und Teamarbeit. Es besteht die Möglichkeit im Anschluss an den Unterricht ein nahegelegenes Tagesheim zu besuchen ca. 40 Plätze stehen zur Verfügung.
  • Hauptschule: Die ICT-HS Neufeld des Ortes mit der Schulkennzahl 103012 führt 8 Klassen und wurde in eine Neue Mittelschule umgewandelt, der Schwerpunkt liegt auf Informatik.
  • Nachhilfe: Das Unternehmen Kids-BÜL versteht sich als ganzeitlicher Partner bei Lernproblemen, am Standort Neufeld gibt es daher ebenfalls Unterstützung bei Legasthenie, Dyskalkulie sowie der richtigen Lernstrategie.
  • Musikschule: Da es keine Musikschule in der Gemeinde gibt, wird dieser Bedarf von den Musikschulen der Nachbargemeinden Ebenfurth und Hornstein abgedeckt.

Sport[Bearbeiten]

  • Schachklub Neufeld-Steinbrunn: Die Wurzeln des ASKÖ Schachklub Neufeld/Steinbrunn[15] liegen im Neufelder Arbeiterschachklub der 1.Republik. Die Neugründung erfolgte im Jahr 1959. Meisterschaftsteilnahme in NÖ - 1.Klasse Süd bis 1964. Gründung des Burgenländischen Schachverbandes im Jahre 1965 unter maßgeblicher Teilnahme Neufelder Funktionäre. Fusion mit der Nachbargemeinde Steinbrunn im Jahr 1987. 6 maliger Landesmannschaft- und 4 maliger Einzelmeisterschaftsgewinner. Derzeit Teilnahme mit 3 Mannschaften an der Burgenländischen Mannschaftsmeisterschaft[16][17]
  • ASV Neufeld: Der ArbeiterSport Verein Neufeld wurde im Jahr 1923 wiedergegründet und ist aus der sozialistischen Jugendbewegung hervorgegangen. Die erste Gründung des Arbeitersportvereines Neufeld fand im Jahr 1895 statt. Der ASV nahm an der Staatsliga B (1952/53) teil und beendete diese Meisterschaft auf dem letzten Platz. In der Saison 1972/1973 endete der prägende Einfluss des ASV auf den burgenländischen Fußball, aktuell spielt der ASV in der 2. Klasse Nord.
  • TC Neufeld: Der Tennisclub Neufeld[18] wurde am 25. Mai 1959 gegründet.[19] Der Verein war in den vergangenen Jahren sportlich sehr erfolgreich und stellte oftmals den Landesmeister sowohl bei den Damen als auch bei den Herren. Es werden auch alljährlich verschiedene Veranstaltungen wie zum Beispiel die Seen-Trophy durchgeführt. Die Herrenmannschaft spielt aktuell in der Landesliga B.[20]
  • TRI-Neufeld: Diese jährliche Sportveranstaltung ist ein Triathlon der am Neufelder See-Strandbad ausgetragen wird, die Distanzen sind Kurz- und Sprintdistanz.
  • Leitharadweg: Der 61 km lange, familienfreundliche Weg führt am Neufeldersee und am Bauernsee vorbei.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Hans Bögl (1899-1974), österreichischer Politiker (SPÖ), Landeshauptmann des Burgenlandes, Abgeordneter zum Nationalrat (IX. GP)
  • Franz Erntl (1902-1990), Maler
  • Egon Kollarik (*1957), österreichischer Sportschütze, 3x Europameister, 1x Weltmeister, 4x Vizeweltmeister[21]
  • Ludwig Leser (1890-1946), österreichischer Politiker (SPÖ) und Landeshauptmann des Burgenlands
  • Jürgen Mansberger (*1988), österreichischer Fußballspieler
  • Franz Mikulits (*1949), österreichischer Politiker (SPÖ), Abgeordneter zum Burgenländischen Landtag 1983-1987
  • Franz Schön (1893-1957), österreichischer Politiker (SDAP), Abgeordneter zum Nationalrat (I. GP)
  • Fred Sinowatz (1929-2008), österreichischer Historiker, SPÖ-Politiker, von 1983 − 1986 Bundeskanzler von Österreich
  • Hans Wastl (1916-1986), österreichischer Politiker (SPÖ), Landeshauptmannstellvertreter des Burgenlandes, Mitglied des Bundesrates (1949-1953), Abgeordneter zum Nationalrat (X. GP)
  • Oliver Wimmer (*1991), österreichischer Musiker und Starmania Gewinner 2009

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert G. Absenger: 350 Jahre Neufeld. Eine chronikartige Geschichtsdarstellung. Stadtgemeinde Neufeld an der Leitha, Neufeld an der Leitha 2002.
  • Albert Gernot Absenger: Chronik Neufeld III. Verdichtung der gesamten Ortshistorie als Folge- und Erweiterungsband von Lang- und Kurzfassung der 2002 erschienen chronikartigen Darstellung, Stadtgemeinde Neufeld an der Leitha, Neufeld an der Leitha 2007.
  • Reinhold Arthofer: Festschrift 100 Jahre Evangelische Kirche A.B. Neufeld an der Leitha. 1904 - 2004. Selbstverlag der Evangelischen Pfarrgemeinde Eisenstadt, Eisenstadt 2004, ISBN 3-85374-368-4.
  • Peter Krajasich: Die jüdische Bevölkerung von Eisenstadt und Neufeld im Jahre 1735. In: Hanns Schmid (Hrsg.): Urgeschichte - Römerzeit - Mittelalter. Band 2: Festschrift Alois-J. Ohrenberger. Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abteilung 7, Landesmuseum, Eisenstadt 1985, ISBN 3-85405-095-X, S. 241–248. (Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland 71)
  • Harald Prickler: Zur Frühgeschichte der Neufelder Industrie. Amt der Burgenländ. Landesregierung, Abt. 7 - Kultur, Wiss. und Archiv, Hauptreferat Landesarchiv und Landesbibliothek, Eisenstadt 2008, ISBN 978-3-901517-59-4, (Burgenländische Forschungen 97).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neufeld an der Leitha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Allgemein Landestopographie des Burgenlandes, III. Band, Der Verwaltungsbezirk Mattersburg, Eisenstadt 1981, S. 350.
  2. Familienarchiv Esterházy, Prot. 683, Hornsteiner Grundbuch von 1624, Folio 399.
  3. Ungarisches Staatsarchiv, Familienarchiv Esterházy, Fürstliche Linie, Rep. 11, Fasc. A Nr. 6, Uet, C87/25
  4. Fürstlich Esterházysches Archiv Forchtenstein, Amtsprotokolle, Protokoll 6822
  5. Absenger Albert Gernot, Chronik Neufeld III, Neufeld 2007, S. 20.
  6. Chronik Neufeld III, Neufeld an der Leitha 2007, S. 75.
  7. Chronik Neufeld III, Neufeld an der Leitha 2007, S. 101 f.
  8. Absenger Albert Gernot, Chronik Neufeld III, Neufeld 2007, S. 223.
  9. Geschichte der ÖKI Abruf am 1. Juni 2012.
  10. E-Government im Burgenland, Wahlergebnisse der Gemeinde Neufeld an der Leitha
  11. Chronik Neufeld III, Neufeld an der Leitha 2007, S. 186.
  12. Chronik Neufeld III, Neufeld an der Leitha 2007, S. 215.
  13. Burgenländische Landesregierung (Hrsg.): Allgemeine Landestopographie des Burgenlandes, 2. Band (2. Halbband), Eisenstadt 1963, S. 771.
  14. Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Burgenland, Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1980, 2. Auflage
  15. Zentrales Vereinsregister Abruf am 4. Juni 2010.
  16. Webpräsenz des Schachklubs Neufeld-Steinbrunn Abruf am 4. Juni 2010.
  17. Burgenländischer Schachverband Abruf am 4. Juni 2010.
  18. Zentrales Vereinsregister Abruf am 4. Juni 2010.
  19. Chronik Neufeld III, Neufeld an der Leitha 2007, S. 197.
  20. Burgenländischer Tennisverband Abruf am 26. Jänner 2013.
  21. Neufelder Rundschau Ausgabe 1, Neufeld an der Leitha April 2010, S. 19.