Neuhausen ob Eck

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Neuhausen ob Eck
Neuhausen ob Eck
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Neuhausen ob Eck hervorgehoben
47.9711111111118.9297222222222768Koordinaten: 47° 58′ N, 8° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Tuttlingen
Höhe: 768 m ü. NHN
Fläche: 46,24 km²
Einwohner: 3821 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 83 Einwohner je km²
Postleitzahl: 78579
Vorwahlen: 07467, 07777
Kfz-Kennzeichen: TUT
Gemeindeschlüssel: 08 3 27 038
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
78579 Neuhausen ob Eck
Webpräsenz: www.neuhausen-ob-eck.de
Bürgermeister: Hans-Jürgen Osswald
Lage der Gemeinde Neuhausen ob Eck im Landkreis Tuttlingen
Landkreis Konstanz Landkreis Rottweil Landkreis Sigmaringen Schwarzwald-Baar-Kreis Zollernalbkreis Aldingen Balgheim Bärenthal Böttingen Bubsheim Buchheim Deilingen Denkingen Dürbheim Durchhausen Egesheim Emmingen-Liptingen Fridingen an der Donau Frittlingen Geisingen Gosheim Gunningen Hausen ob Verena Immendingen Irndorf Königsheim Kolbingen Mahlstetten Mühlheim an der Donau Neuhausen ob Eck Reichenbach am Heuberg Renquishausen Rietheim-Weilheim Seitingen-Oberflacht Spaichingen Talheim (Landkreis Tuttlingen) Trossingen Tuttlingen Wehingen Wurmlingen (Landkreis Tuttlingen)Karte
Über dieses Bild
Gemeindegliederung und Nachbargemeinden
Neuhausen ob Eck, Südansicht

Neuhausen ob Eck ist eine Gemeinde im Landkreis Tuttlingen, Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Neuhausen ob Eck liegt auf dem Höhenzug der Hegaualb, der südlichen Abdachung der Schwäbischen Alb, zwischen Donautal und Hegau, rund zehn Kilometer von der Kreisstadt Tuttlingen entfernt, mit der die Gemeinde eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft bildet. Die Hochfläche wird Die Eck, Ecke oder Egg genannt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Gemeinde grenzt im Norden an die Städte Mühlheim an der Donau und Fridingen an der Donau und Buchheim, im Osten an Leibertingen und Sauldorf im Landkreis Sigmaringen, im Süden an Mühlingen und Eigeltingen im Landkreis Konstanz sowie im Westen an Emmingen-Liptingen und Tuttlingen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Neuhausen ob Eck mit den früher selbstständigen Gemeinden Schwandorf und Worndorf gehören insgesamt 15 Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser. Zur Gemeinde Neuhausen ob Eck in den Grenzen vom 31. Dezember 1972 gehören das Dorf Neuhausen ob Eck und der Weiler Breitenfeld. Zur ehemaligen Gemeinde Schwandorf gehören die Dörfer Holzach, Oberschwandorf, Unterschwandorf und Volkerstweiler und die Höfe Göningerhöfe, Hattelmühle und Ilgental. Zur ehemaligen Gemeinde Worndorf gehören das Dorf Worndorf, die Weiler Danningen (Tanningen) und Tannenbrunn, die Höfe Rößlerhof und Streckerhöfe und das Haus Wasenhof.
In der Gemeinde Neuhausen ob Eck im Gebietsstand vom 31. Dezember 1972 liegen die abgegangenen Ortschaften Oedenstetten, Tanningen, das möglicherweise nur ein abgetrennte Flurteil des Weilers Danningen (Tanningen) war, sowie die abgegangene Burg Westätten. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Schwandorf liegt die Wüstung Schützenhofen.[2]

Wappen Ortsteil Einwohner
(31. Dez. 2007)
Fläche
Wappen Neuhausen Neuhausen 2450
Wappen Schwandorfs Schwandorf 850
Wappen Worndorfs Worndorf
mit Danningen
650
davon 57

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Siedlungsfunde stammen aus der ausgehenden Hallstattzeit (700 bis 450 vor Christus) in Form von 21 Grabhügeln im Gewann Hatzgerwiesen zwischen Neuhausen ob Eck und Worndorf.

Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich im Jahre 1095 in einer Urkunde, in der Papst Urban II. bestätigt, dass Graf Eberhard VI. von Nellenburg und dessen Sohn Burkhard dem Kloster Allerheiligen in Schaffhausen verschiedene Besitztümer aus dem Gebiet der villa Nuwenhusin vermachen.

1465 hatte Graf Johann zu Nellenburg die Landgrafschaft Nellenburg (welche das Gebiet um Neuhausen umfasste) für 37.905 Gulden an Herzog Siegmund von Österreich verkauft, wodurch das Gebiet rings um Neuhausen an Vorderösterreich fiel. Graf Eberhard der Ältere von Württemberg wiederum kaufte seinem Vetter, Graf Eberhard dem Jüngeren die eigentliche Ortschaft Neuhausen schließlich vor 1481 für 1.690 Gulden ab, womit das Dorf an Württemberg fiel. Damit begann ein Jahrhunderte währender Streit zwischen den Habsburgern und Württemberg um die Besitz- und Herrschaftsrechte am Dorf. Der Vogt in Stockach forderte für Österreich die Gerichtshoheit, weil Neuhausen im Wald von Nellenburg lag.

Um die Besitzverhältnisse völlig zu verwirren, war gleichzeitig das Kloster Allerheiligen der größte Grundbesitzer der Gegend und Kirchenherr. Über Jahrhunderte hinweg lebten die Neuhausener somit als „Diener dreier Herren“. Der Streit wurde erst 1750 mit der Teilung des Dorfes beigelegt. Österreich und Württemberg vereinbarten, dass die Zollstätte jeweils zur Hälfte österreichisch und württembergisch sein sollte.

Am 4. Dezember 1632, während des Dreißigjährigen Kriegs wurde Neuhausen von Überlingern überfallen. Dabei wurden viele Einwohner getötet und der Ort zu großen Teilen niedergebrannt. 1792 kam es abermals zu einem Großbrand, dem fast alle Gebäude zum Opfer fielen. 1806 wurde Neuhausen ob Eck durch Napoleon dem Königreich Württemberg und damit Oberamt Tuttlingen zugeordnet.

1938 wurde in Neuhausen ein Heeresflugplatz (EDPH, heute EDSN) (Flugplatz Neuhausen ob Eck) eingerichtet, dieser bestand bis 1994, danach wurde die Garnison aufgelöst. Zuletzt waren in der Ludwig-Erhard-Kaserne das Heeresfliegerregiment 20 sowie die zur 10. Panzerdivision gehörende Heeresfliegerstaffel 10 mit Hubschraubern vom Typ Bell UH-1D und BO105 und die Feldjägerausbildungskompanie 750 stationiert.

Geschichte der Ortsteile[Bearbeiten]

Der Ortsteil Schwandorf wurde 1145 erstmals erwähnt, das zu Schwandorf gehörende Holzach bereits im Jahre 785. Auch dieses Dorf gehörte zu Nellenburg, kam 1805 zu Württemberg und wurde 1810 badisch. Auf der Gemarkung liegt die Burgreste Schwandorf.

Der Ortsteil Worndorf wurde 993 erstmals urkundlich erwähnt. Es war Teil einer eigenen Herrschaft, die 1806 zum Großherzogtum Baden kam.

Im Zuge der baden-württembergischen Gebietsreform wurden am 1. Januar 1973 die bis dahin selbständigen ehemals badischen Gemeinden Schwandorf und Worndorf dem ehemals württembergischen Neuhausen ob Eck eingemeindet.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2009 vom 7. Juni 2009 führte bei einer Wahlbeteiligung von 52,7 % (+ 0,4) zu folgendem Ergebnis:[3]

Partei / Liste Stimmenanteil +/- Sitze +/-
Unabhängige Wählervereinigung 100,0 % ± 0 12 ± 0

Bürgermeister[Bearbeiten]

2004 wurde Hans-Jürgen Osswald zum Bürgermeister gewählt und löste Walter Renner in seinem Amt ab, das dieser 32 Jahre lang[4] innehatte.

  • bis 1972: Hugo Dieter
  • 1972–2004: Walter Renner
  • seit 2004: Hans-Jürgen Osswald

Wappen[Bearbeiten]

Wappen Neuhausen ob Eck.svg

Das Wappen von Neuhausen ob Eck zeigt unter goldenem Schildhaupt, darin eine schwarze Hirschstange, in Rot ein goldenes Haus.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Kommune ist dem Tourismusverband „Donaubergland“ angeschlossen.

Museen[Bearbeiten]

Hausmühle im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck (erbaut 1767 im Harzlochtal)
  • Nordöstlich von Neuhausen befindet sich das Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck mit 25 historischen Gebäuden, die aus verschiedenen Gegenden im südwestlichen Baden-Württemberg hierher versetzt wurden. Häuser, Bauerngärten, Tiere und handwerkliche Vorführungen geben Auskunft über Leben und Alltag in der Region.[5]

Bauwerke[Bearbeiten]

Gervasiuskirche
  • Die evangelische Gervasiuskirche wurde 1551/1552 erbaut.
  • Die katholische St.-Michaels-Kirche in Neuhausen ist ein Gotteshaus aus dem Jahr 1969. Im April 2009 beschloss der Gemeinderat eine Renovation mit einem Kostenaufwand von 86.000 Euro. Dazu kommen noch weiter 30.000 Euro für den Kauf einer neuen Orgel.[6]
  • Im Ortsteil Worndorf befindet sich die römisch-katholische Pfarrkirche St. Mauritius. Die Barockkirche wurde 1740 erbaut und dem Heiligen Mauritius geweiht. 1988 wurde sie unter der Verantwortung des erzbischöflichen Bauamts Konstanz renoviert. Jedoch musste sie 2008 aufgrund fehlender Sorgfalt der damaligen Fachleuten abermals renoviert und konserviert werden. Die 15 mal 10 Meter große Stuckdecke im Kirchenschiff zeigt das Martyrium des Kirchenheiligen. Sie hat einen Kälberhaarhintergrund aus der Barockzeit. Diese war in den 1920er Jahren unfachmännisch mit in Kalkmörtel liegenden Weidenruten und Holzlatten ausgebessert worden. An den Kirchenfenster befinden sich ebenfalls Stuckornamente.[7]

Sport[Bearbeiten]

Der Skilift Lange Halde in Neuhausen ob Eck verfügt über eine 350 Meter lange präparierte Piste, einen Schlepplift, einer Half-Pipe und Rodelbahn. Eine Flutlichtanlage erlaubt auch abends Wintersport. Seit dem Winter 2010/11 gibt es dort die „Piratenwelt“, ein Skikindergarten auf einem kindgerechten Skihang etwas abseits der Piste mit einem aufgebauten Piratenschiff.[8]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Während der Fasnachtszeit werden die Neuhausener mit „Krawataner“ geneckt. Der makabere Hintergrund ist, dass dort einmal arme Kleinhäusler durch Erhängen mit Hilfe der Sonntagskrawatte aus dem Leben geschieden seien.[9]
  • Das überregional bekannte dreitägige Southside-Festival findet seit 1999 jährlich auf dem ehemaligen Heeresflugplatz bei Neuhausen statt. Seit 2004 sind die Eintrittskarten regelmäßig schon frühzeitig ausverkauft und seit 2008 können regelmäßig rund 50.000 Festivalbesucher verzeichnet werden. Ab dem Jahr 2013 wurde die mögliche Besucherzahl auf 60.000 erhöht.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Unweit westlich von Neuhausen liegt der Flugplatz Neuhausen ob Eck (ICAO: bis 1994 EDPH, heute EDSN). Er wurde 1936 als Militärflugplatz in Betrieb genommen, bis 1994 als Militär- und Flugplatzgelände der Heeresflieger genutzt und 1997 zum zivilen Sonderlandeplatz Neuhausen ob Eck“ umgewidmet. Heute befindet sich auf einem Teil des Geländes der „take-off GewerbePark“.

Die Bundesstraße 311 von Ulm nach Geisingen wird seit 2011 als Umgehungsstraße südlich um Neuhausen geführt. Bis dahin war die enge Neuhausener Ortsdurchfahrt ein Nadelöhr.

Neuhausen ist im öffentlichen Personennahverkehr durch den Verkehrsverbund TUTicket mit den Buslinien 54 (Tuttlingen-Neuhausen-Meßkirch) und 20 (Fridingen-Neuhausen-Volkertsweiler) erschlossen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Walter Renner, von 1972 bis 2004 Bürgermeister von Neuhausen, seit dem 29. Oktober 2004 Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, Ehrenschultheiß des Freilichtmuseums auf Lebenszeit[10] und seit 10. Juni 2009 Ehrenbürger.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 677–679
  3. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  4. Wahl am 24. September 1972
  5. Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck. In: Sauwettertipps. Sonderheft der Bodensee Ferienzeitung. Ausgabe 2/2009. Südkurier GmbH Medienhaus, Konstanz 2009, S. 12.
  6. St.-Michaels-Kirche. Gemeinde zahlt mit. In: Südkurier vom 23. April 2009
  7. Falko Hahn (fah): Decke im Gotteshaus St. Mauritius beschäftigt Restauratoren - 34 000 Euro Kosten. Kirchensanierung im zweiten Anlauf. In: Südkurier vom 4. November 2008
  8. Walter Hubbuch (hu): Alles ist bereit für die Wintersportler. In: Südkurier vom 4. Dezember 2010
  9. Alfred Th. Heim: Von Wasserfürsten, Schilpen und Hornasen. In: Südkurier vom 13. Juni 2003
  10. Joachim Kleinert: Hohe Auszeichnung zum Abschied'. In: Südkurier vom 2. November 2004
  11. Hermann-Peter Steinmüller (hps): Ex-Bürgermeister Walter Renner bei Festakt im Rathaus ausgezeichnet. Mister Neuhausen nun Ehrenbürger. In: Südkurier vom 12. Juni 2009

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neuhausen ob Eck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Neuhausen ob Eck – in der Beschreibung des Oberamts Tuttlingen von 1879