Neuilly-sur-Seine

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Neuilly-sur-Seine
Wappen von Neuilly-sur-Seine
Neuilly-sur-Seine (Frankreich)
Neuilly-sur-Seine
Region Île-de-France
Département Hauts-de-Seine
Arrondissement Nanterre
Kanton Hauptort von zwei Kantonen
Koordinaten 48° 53′ N, 2° 16′ O48.8872222222222.267533Koordinaten: 48° 53′ N, 2° 16′ O
Höhe 27–39 m
Fläche 3,73 km²
Einwohner 61.797 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 16.568 Einw./km²
Postleitzahl 92200
INSEE-Code
Website www.ville-neuillysurseine.fr

Neuilly-sur-Seine (französisch [nøji syʁ sɛn]) ist ein westlicher Vorort von Paris im Département Hauts-de-Seine mit 61.797 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011). Im Süden und Westen wird Neuilly-sur-Seine vom Bois de Boulogne und der Seine begrenzt; im Norden bildet die Rue de Villiers die Grenze zu Levallois-Perret. Die westliche Stadtgrenze von Paris verläuft etwas außerhalb des Autobahnrings Boulevard périphérique. Neuilly ist der bevorzugte Wohnort des arrivierten französischen Bürgertums, vor allem Anwälte, Wirtschaftsfunktionäre und Prominente aus Film und Fernsehen.

Die Avenue Charles-de-Gaulle verlängert zwischen der Porte Maillot und der Seine die sogenannte Axe historique der Avenue des Champs-Élysées in Richtung La Défense.

Geschichte[Bearbeiten]

Neuilly-sur-Seine hat im Laufe seiner Geschichte mehrere Namensänderungen erfahren. Die Römer nannten die Ansiedlung Portus de Lulliaco. Seit dem Mittelalter wechselte die Stadt häufiger ihren Namen, zunächst in Lugniacum (1224), dann Luingni (1226).[1] Der Wortstamm besteht aus Lun (Wald) und noue (sumpfige Ebene). Weitere Namensänderungen folgten in Nully (1316) und Nullacum (1379). Francois I begann am 28. Juli 1528 mit dem Bau des Château de Madrid, an das heute nur noch der Boulevard du Château erinnert. Es wurde nach seinem Erwerb am 27. März 1792 durch ein Abrissunternehmen von diesem auch tatsächlich niedergelegt. Ein weiteres Schloss entstand 1755 durch Marc-Pierre de Voyer de Paulmy, compte d’Argenson, das in der Februarrevolution am 25. Februar 1848 niederbrannte (Villa Saint Foix).

Bis 1606 gab es in Richtung Norden über die Seine lediglich eine Fährverbindung. Eine schlecht beladene Fähre sollte Heinrich IV. und die Königin Maria de’ Medici am 9. Juni 1606 von St-Germain-en-Laye zurückbringen. Die Fähre kenterte, und die Königin musste an den Haaren aus der Seine gezogen werden. Daraufhin ließ Heinrich IV. noch 1606 eine Holzbrücke über die Seine bauen. Ludwig XV. ließ ab 1768 eine 219 m lange Steinbogenbrücke durch Jean-Rodolphe Perronet errichten, die am 22. September 1772 eingeweiht wurde. Sie war Vorläuferin der heutigen 250 m langen Pont de Neuilly, die am 2. Dezember 1942 eröffnet wurde.

Am 15. Dezember 1840 zog eine Prozession mit der Asche Napoleon I. von Neuilly durch den Triumphbogen zum Invalidendom. Die Gemeinde Neuilly wurde kraft Gesetzes am 14. Dezember 1789 gegründet, am 2. Mai 1897 erhielt sie durch ein Dekret des Präsidenten ihren heutigen Namen. Am 6. Juli 1815 schlug Lord Wellington sein Hauptquartier in Saint-James auf. Am 28. Oktober 1909 fand die Eröffnung des Amerikanischen Krankenhauses Paris in Anwesenheit des amerikanischen Botschafters statt. Dort wurde am 7. November 1919 der Frieden von Neuilly geschlossen. Am 1. April 1992 wurde die Verlängerung der Métrolinie 1 über den Pont de Neuilly bis nach La Défense eingeweiht, wobei die Bürgersteige verengt und die Brückenbögen verbreitert werden mussten.

Neuilly-sur-Seine, Rathaus

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche Saint-Pierre de Neuilly (1887–1894) wurde nach den Plänen des Architekten Louis Henri Alfred Dauvergne nach dessen Tod von seinem Sohn Louis Alphonse Dauvergne vollendet. Das neugotische Bauwerk erhielt in den Jahren 1913/14 zwei zusätzliche Kapellen. Es birgt unter anderem eine bemerkenswerte Statue der Muttergottes aus dem 17. Jahrhundert und das Gemälde Le Christ au jardin des Oliviers (1672) von Claudio Coello. Ebenfalls sehenswert ist der Alte Friedhof von Neuilly-sur-Seine.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Weltkonzern Thales hat hier seinen Hauptsitz.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die am Ort gewirkt haben (alphabetisch geordnet)[Bearbeiten]

  • Jacques Audiberti (1899–1965), Autor, starb in Neuilly
  • Jean Bertin (1917–1975), Ingenieur der Luftfahrttechnik, starb in Neuilly
  • Liliane Bettencourt (* 1922), L’Oreal-Inhaberin, lebt seit Jahrzehnten in Neuilly
  • André Cluytens (1905–1967), belgisch-französischer Dirigent, starb in Neuilly
  • Bette Davis (1908–1989), US-amerikanische Schauspielerin, starb in Neuilly
  • Marcel Duchamp (1887–1968), Maler und Objektkünstler, starb in Neuilly
  • René Floriot (1902–1975), Strafverteidiger, starb in Neuilly
  • Jean Gabin (1904–1976), Schauspieler, starb in Neuilly
  • Maurice de Gandillac (1906–2006), Philosoph, starb in Neuilly
  • Yvan Goll (1891–1950), deutsch-französischer Dichter, starb in Neuilly
  • Wassily Kandinsky (1866–1944), russischer Maler, Grafiker und Kunsttheoretiker, starb in Neuilly
  • Jean Lecanuet (1920–1993), Politiker, starb in Neuilly
  • Mireille Mathieu (* 1946), Sängerin, wohnt seit Ende der 1960er Jahre in Neuilly
  • Henry de Montherlant (1895–1972), Schriftsteller, Dramatiker und Essayist, wohnte in seiner Jugend (1907–1925) in Neuilly
  • Iwan Iljitsch Mosschuchin (1889–1939), russischer Stummfilmstar, starb in Neuilly
  • Aristoteles Onassis (1906–1975), griechischer Reeder, starb in Neuilly
  • Armand Peugeot (1849–1915), Unternehmer, starb in Neuilly
  • Abbé Pierre (1912–2007), Priester, gründete in Neuilly die Emmaus-Bewegung 1949
  • Yvonne Printemps (1894–1977), Sängerin und Schauspielerin, ist in Neuilly gestorben und wurde dort bestattet
  • Albert Robida (1848–1926), Schriftsteller und Karikaturist, starb in Neuilly
  • Louis Rosier (1905–1956), Rennfahrer, starb in einem Krankenhaus in Neuilly an den Folgen eines Rennunfalls
  • Nicolas Sarkozy (* 1955), Politiker, Bürgermeister in Neuilly von 1983 bis 2002
  • Ahmad Mirza Schah (1897–1930), Schah von Persien (1909–1925), starb in Neuilly
  • Marie Trintignant (1962–2003), Schauspielerin, starb nach Misshandlungen durch ihren Freund Bertrand Cantat im Krankenhaus der Stadt
  • François Truffaut (1932–1984), Filmregisseur, starb in Neuilly
  • Rolando Villazón (* 1972), lebt mit seiner Familie in Neuilly
  • Pearl White (1889–1938), US-amerikanische Stummfilmschauspielerin, starb in Neuilly im Amerikanischen Krankenhaus

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neuilly-sur-Seine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jacques Antoine Dulaure, Histoire physique, civile et morale des environs de Paris, 1838, S. 349 ff.