Neukirchen beim Heiligen Blut

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Neukirchen beim Heiligen Blut
Neukirchen beim Heiligen Blut
Deutschlandkarte, Position des Marktes Neukirchen beim Heiligen Blut hervorgehoben
49.25916666666712.970277777778485Koordinaten: 49° 16′ N, 12° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Cham
Höhe: 485 m ü. NHN
Fläche: 59,88 km²
Einwohner: 3747 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 63 Einwohner je km²
Postleitzahl: 93453
Vorwahl: 09947
Kfz-Kennzeichen: CHA, KÖZ, ROD, WÜM
Gemeindeschlüssel: 09 3 72 144
Marktgliederung: 31 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktplatz 2
93453 Neukirchen b.Hl.Blut
Webpräsenz: www.neukirchen-online.de
Bürgermeister: Markus Müller (CSU)
Lage des Marktes Neukirchen beim Heiligen Blut im Landkreis Cham
Lohberg (Bayern) Lam Arrach Hohenwarth (Landkreis Cham) Grafenwiesen Neukirchen beim Heiligen Blut Eschlkam Furth im Wald Gleißenberg Arnschwang Bad Kötzting Rimbach (Oberpfalz) Blaibach Waldmünchen Treffelstein Tiefenbach (Oberpfalz) Rötz Schönthal (Oberpfalz) Weiding (Landkreis Cham) Chamerau Miltach Willmering Stamsried Pösing Zandt Traitsching Chamerau Runding Cham (Oberpfalz) Pemfling Waffenbrunn Schorndorf (Oberpfalz) Michelsneukirchen Roding Walderbach Reichenbach (Landkreis Cham) Rettenbach (Oberpfalz) Falkenstein (Oberpfalz) Zell (Oberpfalz) Wald (Oberpfalz) Tschechien Landkreis Schwandorf Landkreis Regen Landkreis Straubing-Bogen Landkreis RegensburgKarte
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Die Wallfahrtskirche
Innenansicht der Wallfahrtskirche

Neukirchen beim Heiligen Blut (amtlich: Neukirchen b.Hl.Blut, umgangssprachlich auch: Neukirchen Heiligblut) ist ein Markt im Oberpfälzer Landkreis Cham und ein bekannter Wallfahrtsort im Bayerischen Wald.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Neukirchen beim Heiligen Blut befindet sich innerhalb des Hohenbogenwinkels zwischen dem Markt Eschlkam und dem Markt Lam an der tschechischen Grenze.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Neukirchen beim Heiligen Blut hat 31 amtlich benannte Ortsteile:[2]

Es gibt die Gemarkungen Atzlern, Kolmstein, Neukirchen beim Heiligen Blut, Rittsteig, Vorderbuchberg und Warzenried. Letztere Gemarkung wird seit Auflösung der Gemeinde Warzenried mit der nördlichen Nachbargemeinde Eschlkam geteilt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die früheste urkundlich bekannte Erwähnung des Ortes Neukirchen datiert von 1301; 1377 wurden der Gemeinde die Marktrechte durch Herzog Albrecht von Bayern verliehen. Neukirchen war Pflegamt und gehörte zum Rentamt Straubing des Kurfürstentums Bayern. Neukirchen besaß ein Marktgericht mit magistratischen Eigenrechten. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Die Ortschaft Walching, ehemals außerhalb Neukirchens gelegen, wurde bereits in den 1950er Jahren eingemeindet; sie ist von Neukirchen durch eine Anhöhe getrennt, die ehemals die „Fleischbank“ genannt wurde, da dort der allwöchentliche Schlachtermarkt stattfand. Dies ist jedoch inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten, und die Einheimischen unterscheiden nur noch zwischen dem „oberen“ (Neukirchen) und dem „unteren“ Markt (Walching), wobei die Bezeichnung Markt an die ehemaligen Marktrechte erinnert.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Atzlern eingegliedert. Am 1. Juli 1971 folgte Vorderbuchberg.[3] Am 1. Mai 1978 kamen Rittsteig und ein Teil der ehemaligen Gemeinde Warzenried hinzu.[4]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Marktgemeinderat hat 16 Mitglieder und einen ehrenamtlichen Bürgermeister.

  • Christlich-Soziale Union – Parteifreie Wähler (CSU-Parteifreie) 5 Sitze
  • Sozialdemokratische Partei Deutschland-Parteifreie Bürger (SPD-Parteifreie) 3 Sitze
  • Christlich unabhängige Wählergemeinschaft Neuk. (CUW) 2 Sitze
  • Unabhängige Wähler, parteifrei und christlich (UW) 2 Sitze
  • Freie Wähler der Altgemeinde Atzlern (Altgde.Atzlern) 4 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014)

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1. Bürgermeister: Markus Müller (CSU-Parteifreie)
  • 2. Bürgermeister: Johann Kerscher (CUW)
  • 3. Bürgermeister: Ulrich Neumeyer (UW)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Blau eine eintürmige silberne Kirche in Seitenansicht, darauf goldene Kreuze. Das Wappen ist seit 1420 bekannt.

Kirchen[Bearbeiten]

Wallfahrtskirche[Bearbeiten]

Wallfahrtsandenken, um 1900

Die Geschichte der Wallfahrt in Neukirchen hat ihren Ursprung in einer Hostienwallfahrt. In der Legende wird als Zeitpunkt hierfür der Beginn des 15. Jahrhunderts angegeben. Zu dieser Zeit wurde eine Kapelle vor dem Ort errichtet. Ein Hussitenführer versuchte hier um 1420 eine Marienstatue mit einem Schwerthieb zu zerstören, die eine Bauersfrau aus dem böhmischen Dorf Loučim aus der dortigen Kirche hierher in Sicherheit brachte. Aus dem Kopf der Statue floß eine blutartige Flüssigkeit worauf für den Ort mit wachsender Bedeutung der Wallfahrt im 16. Jahrhundert der Zusatz „zum heiligen Blut“ gebräuchlich wurde. Für die Jubiläumsberechnung wurde später der Zeitpunkt 1450 für den Frevel an der Marienstatue und den Beginn der Wallfahrt festgelegt.

Nach dem Einsturz des Turms der Nikolauskirche (Marktkirche) im Jahr 1614 wurden die Pfarrrechte auf die neue Wallfahrtskirche übertragen. Herzog Maximilian I. veranlasste von diesem Zeitpunkt an den Ausbau der bis dahin bestehenden Wallfahrtskapelle zur Kirche. Nach dem Bau des Klosters im Jahr 1659 erlaubte der Regensburger Bischof Guidobald von Thun und Hohenstein im Jahr 1667 den Anbau der Klosterkirche. Es entstand der einzigartige Doppelaltar der Wallfahrtskirche und Klosterkirche verbindet. Im Jahr 1699 wurde der Glockenturm fertiggestellt. Die heutige Form erhielt die Kirche 1719/1720. Für das 300-jährige Wallfahrtsjubiläum wurde 1750 mit einer umfangreichen Renovierung begonnen. Bis zur Feier im Jahr 1752 entsteht der Hochaltar durch eine Augsburger Goldschmiede. [5][6][7]

Nikolauskirche (Marktkirche)[Bearbeiten]

Sie wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gebaut. Damit erhielt die Ursiedlung Walching (Unterer Markt) den Namen Neukirchen. Mit dem Bau der Kirche entstand auch der Obere Markt. Im 14. Jahrhundert begann man mit dem Bau von Wehranlagen. Aufgrund von ständigen Streitigkeiten zwischen Bayern und Böhmen entstand so eine wehrhafte Kirchenburg. Im Jahr 1614 stürzte der Kirchenturm ein und wurde nicht wieder aufgebaut. Der heutige Marktturm entstand bereits um 1370 und besaß Zinnen um ihn als Wehranlage nutzen zu können. Im 17. Jahrhundert erhielt er einen Kuppelaufbau und die Glocken des eingestürzten Kirchturms wurden dort untergebracht.

Das Pflegeschloss wurde mit der Markterhebung 1377 in der Kirchenburganlage integriert. Hier waren Pflegebeamte der staatlichen Verwaltung untergebracht. Die kurfürstlichen Pfleger beendeten 1764 den Dienst. In der Folgezeit bemühte sich der Markt um den Kauf des Schlosses um darin die Schule unterzubringen. 1803 erfolgte dann der Kauf und die Renovierung.

Als 1906 die Schule in das neu erbaute Schulhaus umzog, übernahm der Nikolausverein e.V. das ehemalige Pflegeschloss und errichtete dort ein Schwesternheim (St. Nikolausheim). Die Ordensschwestern der Dillinger Franziskanerinnen betrieben einen Kindergarten, eine Arbeitsschule, eine ambulante Krankenpflege und nahmen später auch Waisenkinder auf.

Nach der Schließung des Heimes 1984 und der Renovierung des Gebäudes wurde 1992 im Pflegeschloss das Wallfahrtsmuseum eröffnet. Bei den Renovierungsarbeiten wurden hinter dem Schloss Reste der Kirchenburg und der Wehranlagen gefunden. [5][6]

Franziskanerkloster (Klosterkirche)[Bearbeiten]

Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts halfen regelmäßig Franziskanerpatres aus Cham um die große Zahl der Wallfahrer zu betreuen. Im Jahr 1658 erhielt man die Erlaubnis für ein Kloster und 1659 wurde innerhalb des gleichen Jahres das Franziskanerkloster gebaut und bezogen. An der Rückseite der Wallfahrtskirche wurde eine kleine Klosterkirche angebaut. Mit Errichtung der Wasserversorgung durch eine Brunnstube konnte auch ein Brauhaus betrieben werden.

Von 1708 bis 1721 erfolgte Reparatur und der Anbau des Nordflügels. Es entstand ein Hörsaal und die bereits seit Klostergründung durch verschiedene Schenkungen gewachsene Bibliothek wurde erweitert. Diese umfasst ca. 8000 Bände vom 16. bis 20. Jahrhundert. 1723 bis 1744 studierte hier der eigene Ordensnachwuchs Philosophie. Die Säkularisation ab 1800 überstand das Franziskanerkloster als einziges in der Diöszese Regensburg. Das Haus war als Aussterbekloster bestimmt worden um Patres unterzubringen die nicht ausgewiesen werden konnten.

Von 1908 bis 1930 wirkte Pater Epictet Ketterer im Kloster. In dieser Zeit arbeitete er an der ersten Kloster- und Ortschronik. Vom ursprünglich geplanten 4-teiligen Werk erschien nur der erste Band „Neukirchen b. Hl. Blut einst und jetzt“. 1916 gründete er eine Volksbücherei.

1992 bis 1996 erfolgte eine umfangreiche Renovierung des Klosters. 2000 bis 2003 wurde im ungenutzten Nordflügel das Grenzüberschreitende Wallfahrts- und Begegnungszentrum eingerichtet. Der Klostergarten wurde im Rahmen der Sanierungsarbeiten nach historischem Vorbild neu angelegt und wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Am 19. Juli 2012 erwarb die Pfarrei die gesamte Klosteranlage vom Freistaat Bayern. [5][6][8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Neukirchen beim Heiligen Blut

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Neukirchen hat keine Autobahn- oder Bundesstraßen-Anbindung; durch Neukirchen führen die Staatsstraße 2154 sowie die Kreisstraßen CHA 43, 44 und 46. Der nächste Bahnhof ist Furth im Wald.

Bildung[Bearbeiten]

  • Grund- und Mittelschule Neukirchen
  • Kindergarten und Kinderkrippe "St. Nikolaus"
  • Gemeindebücherei

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die Elektronik Zollner AG hat ein Zweigwerk in Neukirchen. Wichtiger Arbeitgeber ist auch der Tourismus mit Hotels, Pensionen, Gaststätten und Ferienwohnungen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neukirchen beim Heiligen Blut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Bayerische Landesbibliothek Online, zuletzt abgerufen am 23. Dezember 2011.
  3.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 500.
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 643 und 644.
  5. a b c Mathilde Baumann: Neukirchen b.Hl.Blut - Markt und Wallfahrt am Hohenbogen Verlag Morsak, Jahr 1978
  6. a b c Ludwig Baumann: Neukirchen b.Hl.Blut - Geschichte in Bildern Verlag Attenkofer, Jahr 2012
  7. Tobias Bognitschar: Die Wallfahrt nach Neukirchen beim Heiligen Blut als Thema des fächerübergreifenden Unterrichts in der 7. Klasse der Hauptschule Universität Regensburg, Institut für Geschichte, Zulassungsarbeit Jahr 2002, Lehrstuhl für Didaktik Geschichte
  8. Haus zur Aussaat - Grenzüberschreitendes Wallfahrts-, Begegnungs- und Umweltbildungszentrum beim Franziskanerkloster Neukirchen b.Hl.Blut. Abgerufen am 24. August 2012.