Neulicht

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Zunehmende Mondsichel (überbelichtet) mit Erdschein, 3 Tage nach Neumond

Neulicht bezeichnet den Augenblick, wenn man zum ersten Mal nach Neumond die Kontur des zunehmenden Mondes als schmale Sichel über dem westlichen Horizont sehen kann. In Mitteleuropa gelingt dies 1½ bis 2 Tage nach Neumond. Demgegenüber wird die letztmals vor einem Neumond sichtbare abnehmende Mondsichel das Altlicht genannt.

Zwischen Altlicht und Neulicht liegt die Neumondphase: Von der Erde aus wird der Mond nun aufgrund seiner Nähe zur Sonne am Firmament unsichtbar und kann nur durch eine Sonnenfinsternis auffallen, falls er exakt zu Neumond die Sonne bedeckt. Wann ein neuer Monat anfängt, wird in einigen Kalendern durch Bezug auf das Altlicht oder das Neulicht festgelegt. Der genaue Zeitpunkt dieser Phänomene hängt allerdings nicht allein vom aktuellen Mondumlauf ab, sondern auch vom Standort, der Sicht und anderen Bedingungen der Beobachtung.

Grundlagen[Bearbeiten]

Von einem Neulicht-Phänomen zur nächsten läuft ein voller Zyklus der Mondphasen ab, der selbst bei gleichen Sichtbarkeitsbedingungen unterschiedlich lange dauern kann. Ein solcher auf die Stellung zur Sonne bezogene Umlauf wird „synodische Periode“ genannt und oft von Vollmond zu Vollmond angegeben; als Mondumlauf von Neumond zu Neumond heißt er auch „wahre Lunation“. Ihe Dauer schwankt wegen der elliptischen Mondbahn zwischen 29 Tagen 6  Stunden 35 Minuten (29,274 d) und 29 Tagen 19 Stunden 55 Minuten (29,830 d); der ermittelte Durchschnittswert als „mittlere Lunation“ beziehungsweise „Synodischer Monat“ beträgt 29 Tage 12 Stunden 44 Minuten (29,53059 d).[1]

Sichtbarkeiten[Bearbeiten]

Am Morgen der letzten Sichtbarkeit des abnehmenden Mondes geht die Altlichtsichel am Osthimmel auf. Die nachfolgende Konjunktion (Neumond) kann zu jeder Tages- und Nachtzeit stattfinden.

Am Abend nach der Konjunktion kann sich der Mond bereits so weit von der Sonne entfernt haben, dass die "junge" Mondsichel unter günstigen Bedingungen schon kurz vor ihrem Untergang am Westhimmel sichtbar wird.

Die Sichtbarkeits-Faktoren Anomalie und Breite des Mondes bleiben zwischen Alt- und Neulicht annähernd konstant, doch sind beide Situationen im Regelfall nicht spiegelbildlich. Größten Einfluss auf die Sichtbarkeit hat der Winkel, den die Verbindungslinie Sonne-Mond mit dem Horizont bildet (siehe parallaktischer Winkel). Er hängt von der geografischen Breite und von der Jahreszeit ab, sowie von der aktuellen Position des Mondes bezüglich der Ekliptik:

In der Region vom 29. bis 32. nördlichen Breitengrad tritt das Neulicht, je nach Jahreszeit, zwischen 18 und 42 Stunden nach Neumond ein. Gleiche Grundlagen gelten umgekehrt für die letzte Sichtbarkeit des Altlichts vor dem Neumond. Generell gilt: Je weiter der Beobachtungsort vom Äquator entfernt liegt, desto größer werden die Differenzen der erstmaligen beziehungsweise der letztmaligen Sichtbarkeit. Im Bereich des Äquators dauert es nur 16 bis 24 Stunden, während am 60. nördlichen Breitengrad die Verzögerung bis zu 59 Stunden betragen kann.

Das zutreffende Datum für mögliches Neulicht oder Altlicht an einem bestimmten Standort kann nicht nur ziemlich genau im voraus berechnet werden, sondern lässt sich auch zurückrechnen und mit Aufzeichnungen der Mondphasen aus dem Altertum vergleichen. So kann die astronomische Phänomenologie manche Datierungen der Histotiker unabhängig überprüfen.

Einflüsse auf die Sichtbarkeiten[Bearbeiten]

Drei Faktoren wirken sich auf die örtliche und zeitliche Sichtbarkeit aus:

  • Anomalie des Mondes: Die sich fortwährend ändernde Distanz des Mondes zur Erde verursacht für den irdischen Beobachter bei gleichen Zeitintervallen verschiedene Winkeldistanzen Sonne-Mond (siehe zweites Keplergesetz).
  • Breite des Mondes: Da die Mondbahn gegen die Ekliptik geneigt ist, kann sich der Mond 5,3° über oder unter der Ekliptik bewegen. Außerdem wirkt die tägliche Parallaxe um bis zu 1° und die Ebenen der Mond- und Sonnenbahn drehen sich langsam rückläufig zur Mondbewegung. Daher variieren die maximalen Abstände des Mondes von der Ekliptik.
  • Lage der Ekliptik: Der Winkel zwischen Ekliptik und Westhorizont verändert sich in der Zeit vom Herbst- zum Frühjahrsäquinoktium und umgekehrt. Für den 29. bis 31. nördlichen Breitengrad ergibt sich dadurch beginnend mit dem Frühjahrsäqinoktium ein Intervall von 36,3° bis 83,7°und zurück auf 36,3°.

Je flacher die Ekliptik zum Horizont liegt, desto früher unterschreitet der Mond die Mindesthöhe und wird unsichtbar. Entgegengesetzt ist die Wirkung bei steilem Verlauf der Ekliptik und Mondbahn. Wegen der Ekliptikschiefe (23,5°) sind die Sichtbarkeiten deshalb stark von der Jahreszeit abhängig.

Kalenderformen[Bearbeiten]

In vielen Lunar- und Lunisolarkalendern markiert das Neulicht den Beginn eines neuen Monats. Heute, wie auch schon im Altertum, wird meist jener berechnete Zeitpunkt zugrunde gelegt, an dem - unabhängig von eventuellen Witterungseinflüssen - das Neulicht theoretisch sichtbar sein müsste.

Bis zum 2. Jahrtausend v. Chr. wurde hingegen zumeist der Beginn eines neuen Monats erst verkündet, nachdem die Sichel des neuen Mondes tatsächlich gesichtet wurde. Einige wenige Kalender, zum Beispiel die nichtzyklische Variante des islamischen Kalenders, basieren auch heute noch ausschließlich auf Beobachtung. So wird beispielsweise in Ägypten der Beginn des Ramadans durch die Sichtung des Neulichtes in Assuan bestimmt, wobei das gesichtete Neulicht telefonisch nach Kairo gemeldet und anschließend die Ausrufung des Ramadans vorgenommen wird (Stand vor 1985).[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten. Studien zur astronomischen und technischen Chronologie Altägyptens. Gerstenberg, Hildesheim 1985, ISBN 3-8067-8086-X (formal falsche ISBN).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jean Meeus: Astronomical Formulae for Calculators. 4. Auflage. Willmann-Bell, Richmond VA 1988 – nach Eric Weisstein: Lunation. In: World of Science (26. April 2006).
  2. Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten. S. 23.