Neunhof (Lauf an der Pegnitz)

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49.55416666666711.231388888889358Koordinaten: 49° 33′ 15″ N, 11° 13′ 53″ O

Neunhof
Höhe: 355–395 m
Einwohner: 799 (2002)
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 91207
Vorwahl: 09126
Historisches Ensemble mit Schloss in Neunhof

Historisches Ensemble mit Schloss in Neunhof

Neunhof ist ein Ortsteil der Stadt Lauf an der Pegnitz im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land.

Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt ca. 7 km nordwestlich von Lauf und wird von der Staatsstraße ST2240 durchquert, die 4 km nördlich in die Bundesstraße 2 mündet. 9 km südwestlich verläuft die Autobahn A3.

Geschichte[Bearbeiten]

Neunhof wurde anlässlich einer Kirchenweihe als Schenkung des Zehnt „Cemo niuwen houe“ (zum neuen Hof) an das Kollegiatsstift St. Jakob in Bamberg 1109 erstmals urkundlich erwähnt.

Die „villa dicta zum Newenhove“ entstand als neuer Meierhof des Reichsamtes Heroldsberg. 1279 verpfändete König Rudolf I. den Ort (mit Gütern in Günthersbühl, Ober- und Unterschöllenbach, Tauchersreuth und der Gabermühle) an die Herren von Schlüsselberg als Dank für die Waffenhilfe in der Entscheidungsschlacht von Dürnkrut gegen den böhmischen König Ottokar II.

Seitdem war Neunhof Sitz eines Amtes und eines Hochgerichts und stieg zum Zentrum eines Verwaltungsbezirkes für eine Reihe von Orten der Umgebung auf. Nach dem Aussterben der Schlüsselberger belehnte 1347 Kaiser Karl IV. die Nürnberger Burggrafen mit den Rechten „zu den Newenhof“ und an weiteren Orten. Die Burggrafen belehnten 1373 den Nürnberger Reichsschultheißen Heinrich Geuder auf Lebenszeit mit Amt und Gericht Neunhof. 1405 wurde Burggraf Friedrich VI. von König Ruprecht aus dem Reichslehenverband entlassen und verkaufte seinen gesamten Besitz in Neunhof, der damit freies Eigen wurde, an den Nürnberger Bürger Hans Pirckheimer. Die Mendel gelangten auf dem Erbweg an die Güter. 1438/40 wurden sie an die Harsdorf und 1441 bis 1445 an die Geuder verkauft. Im gleichen Jahr erhielt Neunhof das Marktrecht und es ist ein Vogthaus nachweisbar. 1582 wurden die Nürnberger Patrizier Koler durch Heirat Mitbesitzer der Herrschaft Neunhof.

Seit dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges 1618 waren die Geuder zur Aufnahme von Krediten bei den Welsern gezwungen, die weder verzinst noch zurückgezahlt werden konnten. 1660/61 mussten sie ihre Neunhofer Besitzungen an Welser abtreten. 1688 fiel die Kolersche Hälfte von Neunhof nach dem Tod des letzten männlichen Familienmitgliedes Georg Seifried Koler an seine Tochter Helene Juliana Jacobine, die mit Johann Michael Welser verheiratet war.

Neunhof entwickelte sich vor allem im 17. und 18. Jahrhundert zu einem repräsentativen Herrschaftssitz und zum Mittelpunkt eines eigenständigen Territoriums, das zusammen mit Beerbach und Tauchersreuth ein reichsunmittelbares Rittergut bildete. 1806 fiel der „Kleinstaat“ an das Königreich Bayern. Das Königlich-Bayerische Freiherrlich von Welsersche Patrimonialamt Neunhof mit Verwaltungs-, Polizei- und Gerichtsfunktion bestand bis 1848. An die eigenständige Tradition Neunhofs erinnern noch die drei Herrensitze sowie die Johanniskirche mit den Totenschilden und der Grablege der Freiherren von Welser [1]. Am 1. Juli 1972 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde im Rahmen der Gemeindegebietsreform in die Stadt Lauf an der Pegnitz eingemeindet.[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Welserschloss
Schloss II
  • Das Welserschloss, Welserplatz 1 [3] - ursprünglich 1610 von den Geudern begonnen, während des Dreißigjährigen Krieges zerstört, von 1685 bis 1734 von den Welser fertiggestellt
  • Das Schloss II (wegen seiner Lage vor dem Hauptschloss auch „Brille“ genannt), Welserplatz 2 - 1722 von den Welser errichtet als Nachfolgerbau für den 1570 von den Geuder gebauten Herrensitz
  • Das Kolerschloss, Schlossstraße 3 - 1749 von den Welser errichtet als Ersatz für den bereits 1438 erwähnten Herrensitz
  • Die evangelische Johanniskirche

Kultur und Freizeit[Bearbeiten]

Kulinarische Spezialitäten

In Ort ist die Brauerei "Wiethaler" angesiedelt, deren Bier in der brauereieigenen historischen Gastwirtschaft ausschenkt wird.[4]

Sport

Der 1925 gegründete TSV Neunhof deckt einige sportliche Aktivitäten wie Fußball und Tischtennis ab.

Sonstiges

Die sechs in Neunhof angesiedelten Vereine haben sich 2002 zur Gemeinschaft der Neunhofer Vereine zusammengeschlossen. Dazu gehören die Freiwillige Feuerwehr Neunhof, die Gesangvereine 1848 und Harmonie, der Obst- und Gartenbauverein der TSV Neunhof und die Kirwaboum Neunhof.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Laufer Stadtteile – Neunhof
  2.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 509.
  3. Das Welsersche Schlossgut
  4. Brauerei Wiethaler

Literatur[Bearbeiten]

  • Leo Beyer: Willibald Pirckheimer, die Pegnitzschäfer und Neunhof bei Lauf. In: Die Fundgrube 12 (1936) Nr. 1
  • Ewald Glückert: Burgen-Schlösser-Herrensitze. Wehr- und Herrschaftsbauten im Stadtgebiet von Lauf a. d. Pegnitz. ZeitenLauf, Publikationen zur Zeitgeschichte. Band 5. Herausgegeben von der Stadt Lauf a.d. Pegnitz. Ewald Glückert, unter Mitarbeit von Ursula Maget, Irene Teichmann und Stefan Harries. Oschersleben: dr. ziethen verlag, 2005, ISBN 3-938380-27-6
  • Ewald Glückert: Evang[elisch]-Luth[erische] Kirche Neunhof. Geschichte und Kunstwerke. 4., teilw. neu bearb. Auflage. Beerbach: Evang.-Luth. Kirchengemeinde, 1987, 22 S.
  • Ewald Glückert: Das Kolerschloß in Neunhof. Ein Beitrag zur Bau- und Besitzgeschichte des Schlosses anläßlich seines 250-jährigen Bestehens, in: Neunhofer Land. Forschungen und Arbeitsberichte der Freunde des Neunhofer Landes (24/1999), S. 21-53
  • Ewald Glückert: Neunhof – Zwischen Reichsstadt und Reichsritterschaft - Aus der Geschichte der Herrschaft. In: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft e.V., 1987, Heft 1, S. 249-263
  •  Gustav Voit: Neunhof bei Lauf. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2., verbesserte Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8 (Gesamtausgabe online).
  • Nürnberger Land. Karl Pfeiffer's Buchdruckerei und Verlag, Hersbruck 1993. ISBN 3-9800386-5-3

Weblinks[Bearbeiten]