Neuperlach

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Hochhaussiedlung in Neuperlach in der Nähe des pep

Neuperlach ist ein seit 1967 auf der „grünen Wiese“ erbauter Stadtteil im Südosten Münchens und gehört zum Stadtbezirk 16 (Ramersdorf-Perlach) der bayerischen Landeshauptstadt. Das hauptsächlich aus Großwohnsiedlungen zusammengesetzte Quartier auf der östlich des alten Dorfes Perlach gelegenen ehemaligen Perlacher Haid ist eine der größten deutschen Satellitenstädte. Neuperlach grenzt westlich an die Stadtteile Ramersdorf und Perlach, nördlich an die Stadtbezirke 14 (Berg am Laim) und 15 (Trudering-Riem), östlich an den Stadtteil Waldperlach und südlich an den Ortsteil Unterbiberg der Gemeinde Neubiberg.[1] Das Viertel wird im westlichen Bereich von Süden nach Norden vom Hachinger Bach durchflossen; dabei fließt er auch durch den westlichen Teil des Ostparks.

Planung und Baugeschichte[Bearbeiten]

Wohnsiedlung Neuperlach Zentrum

Da die Stadt München, welche in den 1950er-Jahren rapide wuchs, sich einer großen Wohnungsnot gegenübersah, beschloss der Münchner Stadtrat 1960 den Bau von „Entlastungsstädten“. Ins Auge gefasst wurden Standorte in Oberschleißheim, Freiham und Perlach. Für den Bereich der Gemarkung Perlach erstellte das Baureferat zwischen 1961 und 1966 eine Planungsstudie und einen umfassenden Strukturplan für eine Satellitenstadt von 80.000 (später 70.000) Einwohnern. Die dafür zuständige Planungsgruppe stand seit 1963 unter der Leitung Egon Hartmanns, der 1951 den Wettbewerb zur Bebauung der Ost-Berliner Stalinallee gewonnen hatte. Mit der Bodenordnung und der Koordination der baulichen Umsetzung wurde das gewerkschaftseigene Unternehmen Neue Heimat beauftragt.

Gemäß den Vorgaben des Strukturplanes ergaben sich fünf Bauabschnitte (Nord, Nordost, Ost, Zentrum, Süd), von denen nach der Grundsteinlegung im Mai 1967 in rascher Folge die Baugebiete Nord, Nordost und Ost fertiggestellt wurden. Für die zweite große Baustufe, das Zentrum Neuperlachs mit zahlreichen Geschäften, Arbeitsstätten und kulturellen sowie sozialen Einrichtungen, war ein städtebaulicher Wettbewerb schon 1967 ausgelobt und im Jahr darauf zugunsten des jungen Berliner Architekten Bernt Lauter entschieden worden (Entwürfe hatten u. a. auch Josef Paul Kleihues, Albert Speer, Alexander Freiherr von Branca und Thomas Sieverts eingereicht).

Lauters Plan sah einen gewaltigen, achtseitigen Ring aus Wohnhäusern vor, der bis zu einer Höhe von 18 Stockwerken aufsteigen und eine Freifläche von etwa 400 bis 500 Metern Durchmesser umfassen sollte. Nach Osten sollte sich diese Bebauung in zwei senkrecht sich durchdringenden, nach Norden, Osten und Süden trichterartig geöffneten Gebäudespangen aus bis zu 17 Stockwerke hohen Wohn- und Büroscheiben fortsetzen. Das eigentliche Zentrum der Gesamtanlage bestand in diesem Entwurf aus zwei sich kreuzenden, offenen Ladenpassagen zwischen den Spangenbauten, die unterirdisch über Tiefgaragen und die U-Bahn, von der Ebene des Neuperlacher Wegesystems aus über Rampen und Treppen zugänglich sein sollten. Ein Bürgerhaus mit einer Außenstelle der Münchner Volkshochschule und der Münchner Stadtbibliothek, ein Künstlerhof mit Ateliers sowie ein Kinozentrum sollten in den Komplex integriert werden; das städtische Richard-Strauss-Konservatorium mit Konzertsälen sowie eine katholische und eine evangelische Kirche waren innerhalb des „Wohnrings“ vorgesehen, ein Hallenbad und eine Eislaufhalle sollten im näheren Umkreis ihren Platz finden.

In der Folgezeit kam es zu eingreifenden Veränderungen des Plans; im Interesse einer wirtschaftlicheren, additiven Bauausführung wurde zunächst die Idee einer Verschränkung unterschiedlicher städtischer Funktionen zugunsten einer klaren Trennung von Wohn-, Einkaufs-, Büro-, Kultur- und Sportbereich verworfen; später entfielen auch die Sportstätten, die kulturelle Infrastruktur wurde fast vollständig aufgegeben und auf ein (in seinen Dimensionen bis heute immer weiter verkleinertes und bislang nicht ausgeführtes) Bürgerhaus reduziert. Egon Hartmann, der Hauptplaner Neuperlachs, hatte vergeblich vor der Degradierung des Stadtteilmittelpunktes zu einem „klimatisierten Allerweltskaufhaus“ ohne echtes städtisches Leben gewarnt; Bernt Lauter, der Architekt, distanzierte sich noch während der Umarbeitungen seines Entwurfs, an denen er nicht mehr beteiligt war, von dem Projekt.

Die Grundsteinlegung verschob sich durch die zahlreichen Umplanungen bis 1974. Der Wohnbereich des Zentrums war im Wesentlichen bis 1978 fertiggestellt, die erste Stufe des Einkaufskomplexes bis 1979 (Erweiterung 1989), die Geschäftsbauten folgten schrittweise bis in die neueste Zeit.

Für den Bauabschnitt Süd entstand 1972 der Bauentwurf auf Grundlage eines städtebaulichen Gutachtens von Thomas Sieverts und Ferdinand Stracke. Der Beginn der Ausführung verzögerte sich aber auch hier durch Finanzierungsschwierigkeiten und Rentabilitätsprobleme bis 1980. Die Errichtung des Wohngebiets Süd in zwei aufeinanderfolgenden Phasen war mit der Eröffnung der zentralen Fußgängerzone im zweiten Abschnitt 1991 weitgehend abgeschlossen.

Leitbild und Bedeutung[Bearbeiten]

„Stadtlandschaft“ in Neuperlach-Zentrum, in der Mitte der Theodor-Heuss-Platz, rechts unten im Bild das Einkaufszentrum pep, das Sozialbürgerhaus und die MVV-Bushaltestelle Neuperlach Zentrum

Neuperlach ist das größte westdeutsche Siedlungsprojekt nach dem Zweiten Weltkrieg. Interessant ist es als Beispiel für den Städtebau der 1960er- und 1970er-Jahre, als Produkt einer Umbruchzeit, in der sich alte und neue urbanistische Leitbilder gegenüberstanden. Als „Stadt neben der Stadt“ sollte Neuperlach durch eine Integration von Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Kultur und Sport, durch eine hohe Bevölkerungsdichte sowie eine städtisch dimensionierte und gestaltete Ortsmitte ein relativ eigenständiges, lebendiges und anziehendes Gemeinwesen werden und auf ein Einzugsgebiet von etwa 400.000 Menschen im Münchner Südosten ausstrahlen; durch die Einbeziehung von im damaligen Zeitgeist renommierten Städtebaukritikern (Hans Paul Bahrdt, Alexander Mitscherlich) in die Zentrumsplanungen wollte man zu dieser Zeit als stadtplanerische Fehler empfundene Eigenschaften der Vorkriegsarchitektur vermeiden.

Trotz der sich also bereits vollziehenden Renaissance des Urbanitätsgedankens sind in der tatsächlichen Umsetzung noch sehr deutlich die Prämissen älterer, tendenziell stadtfeindlicher Leitbilder wirksam: die strikt durchgehaltene Trennung des Verkehrs in reine Fußwege und oft überdimensionierte Straßenzüge nach dem Muster der „autogerechten Stadt“ und des „organischen Städtebaus“ Hans Bernhard Reichows, die kleinteilige Durchgrünung, wie sie das Konzept der „Gegliederten und aufgelockerten Stadt“ von Johannes Göderitz, Roland Rainer und Hubert Hoffmann vorsah, schließlich die in der Praxis ungenügende Mischung städtischer Funktionen, die noch eher an die funktionalistischen Ideen der Charta von Athen Le Corbusiers als an die zuvor theoretisch formulierten urbanen Ziele erinnert.

Diese konzeptionellen Ungereimtheiten prägen ganz wesentlich das Bild wenigstens der drei älteren Bauabschnitte Neuperlachs: das zeitgenössische Schlagwort einer „Urbanität durch Dichte“ – das vor allem eine Verdichtung des städtischen Lebens, der Atmosphäre, der Funktionen meinte – wusste man nicht besser in die architektonische Realität umzusetzen als durch eine Steigerung der Bauhöhen; eine den damals noch immer gültigen „organischen“ und „funktionalen“ Konzepten geschuldete überstarke Beachtung des „gesunden Lebens“ (Durchgrünung, gleichförmige Gebäudeausrichtung nach Süden, Verkehrstrennung, Separierung der Wohngebiete von Arbeits- und Einkaufszonen) ging einher mit der planerischen Vernachlässigung der Aufenthalts- und Erlebnisqualitäten des öffentlichen Raumes, in dem die Raumstrukturen der traditionellen Stadt mit baulich gefassten Straßenzügen und Plätzen durch eine fließende, offene „Stadtlandschaft“ ersetzt sind. Die hauptsächliche Verwendung von Beton als Baustoff tut ihr Übriges zur Schaffung einer architektonischen Monotonie.

Winterliche Abendstimmung im Westen Neuperlachs

Zu diesen zeittypischen Erscheinungen kamen in der Folgezeit die mangelnde Finanzierbarkeit vor allem der projektierten kulturellen Einrichtungen sowie ein zunehmendes Desinteresse der Stadt München an dem Projekt, das schon seit dem Abschluss der Planungen Ende der 1960er-Jahre hinter den Maßnahmen für die Olympischen Spiele 1972 zurückstehen musste.

In den beiden neueren, südlichen Bauabschnitten ist gegenüber den städtebaulichen Konzepten der Anfangszeit eine Hinwendung zu traditionelleren Raumprofilen mit Blockrandbebauung und begrünten Innenhöfen sowie der Versuch einer stärkeren Funktionsmischung festzustellen.

Gegenwart[Bearbeiten]

Neuperlach bei Nacht
Neuperlach und Perlach vor Alpenhintergrund vom Ostpark aus gesehen

Heute leben in Neuperlach etwa 55.000 Menschen. Mit vielen anderen Satellitenstädten seiner Zeit teilt das Viertel das Schicksal, die negativen Folgen der damaligen städtebaulichen Weichenstellungen tragen zu müssen: in einigen Teilen Neuperlachs bestehen erhebliche soziale Probleme mit damit einhergehender Jugend- und Drogenkriminalität; ein hoher Anteil an ökonomisch schwachen und/oder ausländischen Bewohnern erschwert deren gesellschaftliche Integration; erste Anzeichen von Überalterung machen sich bemerkbar; eine mangelnde urbane Atmosphäre und geringer architektonischer Reiz mindern, trotz der qualitativ hochwertigen Wohnbebauung und der vergleichsweise guten infrastrukturellen Ausstattung, zusätzlich die Attraktivität und die soziale Reputation des Stadtteils.

Architektur und Kunst[Bearbeiten]

Architektur[Bearbeiten]

Neben einer zeittypisch funktionsgerechten Wohnbebauung entstanden in Neuperlach auch einige qualitativ herausragende Gebäude:

  • Wohnring (Wohnbereich des Neuperlacher Zentrums) / Architekten: Bernt Lauter und Manfred Zimmer/ 1974–1978
  • Verwaltungsgebäude der Landesversicherungsanstalt von Oberbayern (heute DRV Bayern Süd)/ Architekt: Alexander Freiherr von Branca
  • Forschungs- und Entwicklungszentrum der Siemens AG / Architekten: Johannes Hendrik van den Broek und Jacob Berend Bakema
  • Serbisch-Orthodoxes Kirchenzentrum / Architekt: Stephan Braunfels / 1993
  • Verwaltungsgebäude der Allianz-Versicherung (vormals Vereinte Versicherungen) / Architekten: Ulrike Lauber und Wolfram Wöhr (Schüler Richard Meiers) / 1990–1996
  • Verwaltungsgebäude der Bosch-Siemens Hausgeräte / Architekten: Büro Denk, Mauder, Wisiol / 2003

Munich Depression[Bearbeiten]

Munich Depression ist der Titel einer Arbeit, die der amerikanische Land-Art-Künstler Michael Heizer im Mai 1969 für die Galerie Heiner Friedrich auf einem noch unbebauten Gelände Neuperlachs realisierte: ein vier Meter tiefer Erdtrichter von fünfunddreißig Metern Durchmesser, der begehbar war, sodass beim Hinabsteigen die ersten schon vorhandenen Wohnzeilen der „Entlastungsstadt“ aus dem Blickfeld verschwanden und schließlich nur mehr der Himmel zu sehen war. Mit einem Erdaushub von etwa 1.000 Tonnen war Munich Depression die erste große landschaftsbezogene Arbeit Heizers. Da das Gelände wenig später überbaut wurde, ist die Münchner Versenkung heute nur mehr als photographische Dokumentation erlebbar (360-Grad-Projektion unter dem Titel Actual Size: Munich Rotary, im Besitz des Whitney Museum of American Art in New York, dort erstmals 2002 vollständig installiert).

Kunst im öffentlichen Raum[Bearbeiten]

Jai Young Park: Nur der Mensch ist der Ort der Bilder (1999) an der Ständlerstraße

Von den im öffentlichen Raum frei zugänglichen Kunstwerken Neuperlachs sind hervorzuheben: Louis Constantins „Blaue Spirale“ (1972) an der Stadtteileinfahrt Heinrich-Wieland-Straße / Albert-Schweitzer-Straße, George Rickeys „Space Churn“ (1972) vor der ehemaligen Verwaltung der Neuen Heimat, Leo Kornbrusts „Innere Linie“ (1981) vor der Allianz-Versicherung, Albert Hiens „Objekt im See“ im Perlach-Park (südlicher Bauabschnitt) und Jai Young Parks „Nur der Mensch ist der Ort der Bilder“ (1999) an der Ständlerstraße.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Öffentlicher Nahverkehr[Bearbeiten]

Aufgrund der Größe Neuperlachs und der Lage am Stadtrand war von Anfang an eine leistungsfähige Verkehrsanbindung an das Stadtzentrum erforderlich. Diese wurde zunächst mittels Straßenbahn realisiert. Am 12. September 1970 wurden die damaligen Linien 11 und 29 von der bisherigen Endhaltestelle am Michaelibad zunächst nach Neuperlach Nord (Heinrich-Wieland-Straße auf Höhe Karl-Marx-Ring) verlängert. 1972 wurde das Liniensystem der Münchner Straßenbahn grundlegend abgeändert, wodurch nun die Linie 24 nach Neuperlach Nord fuhr. Am 28. September 1973 wurde die Linie 24 dann nach Neuperlach Zentrum verlängert, wo sie an der Stelle des heutigen Busbahnhofes vor dem pep wendete. Nur zwei Tage später, am 30. September 1973, begannen die Bauarbeiten für die damals noch als U-Bahn-Linie 8 bezeichnete U-Bahn nach Neuperlach (Olympiazentrum – Scheidplatz – Hauptbahnhof – Neuperlach Süd). Diese U-Bahn-Linie mit ihren vier Bahnhöfen auf dem Gebiet Neuperlachs (Quiddestraße, Neuperlach Zentrum, Therese-Giehse-Allee und Neuperlach Süd) wurde nach sieben Jahren Bauzeit am 18. Oktober 1980 feierlich eröffnet. Gleichzeitig wurde die Straßenbahn nach Neuperlach eingestellt und die Strecke in der Folgezeit großteils abgebaut. Noch heute finden sich jedoch einige Gleisreste der ehemaligen Linie 24 an der Einmündung der Fritz-Schäffer-Straße in die Heinrich-Wieland-Straße. Ab Herbst 1988 wurde die Strecke der U-Bahn nach Neuperlach zusätzlich zur Linie U2 (ehemalige Linie U8) auch von der Linie U5 bedient. Als 1999 die Verlängerung der U-Bahn zur Messestadt Riem erfolgte, wurde die U2 auf diesen Ast verlegt. Seither bedient die U5, sowie seit Dez. 2013 an Schultagen auch die U7, den Neuperlacher Streckenast. Von Neuperlach Zentrum aus wird der Ostbahnhof in sieben Minuten, der Hauptbahnhof in 15 Minuten erreicht. Die Straßenbahn benötigte in den 1970er Jahren 18 Minuten zum Ostbahnhof.

Neuperlach verfügt zudem seit den 1970er Jahren über umfangreiche Busverbindungen zu den Nachbarstadtteilen Trudering, Ramersdorf und Waldperlach. Zentraler Knotenpunkt für den Busverkehr ist dabei der Busbahnhof Neuperlach Zentrum. Vom U-Bahnhof Neuperlach Süd aus bieten zudem zahlreiche Regionalbuslinien Verbindungen in die Umlandgemeinden Ottobrunn, Neubiberg, Putzbrunn und Unterhaching. Neuperlach Süd liegt außerdem an der Bahnstrecke München-Giesing–Kreuzstraße und ist somit auch Haltepunkt der Münchner S-Bahnlinie S7.

Schulen[Bearbeiten]

Die Wilhelm-Busch-Realschule zwischen Quiddestraße und Krehlebogen vor einer Alpenkulisse

Neben sieben Grundschulen verfügt Neuperlach über zwei Hauptschulen (Albert-Schweitzer-Hauptschule und Gerhart-Hauptmann-Hauptschule), drei Realschulen (Werner-von-Siemens-Realschule, Wilhelm-Busch-Realschule und Wilhelm-Röntgen-Realschule) und zwei Gymnasien (Heinrich-Heine-Gymnasium und Werner-von-Siemens-Gymnasium). Dazu kommen eine Lern- und eine Sprachförderschule sowie, als jeweils einzige Einrichtung ihrer Art in Bayern, eine Europäische Schule und eine schulartunabhängige Orientierungsstufe.

Kirchen[Bearbeiten]

  • Lätarekirche und Dietrich-Bonhoeffer-Kirche der evangelisch-lutherischen Lätare-Gemeinde
  • Baptistische Christuskirche der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde
  • reformierte Kirche der Evangelisch-Reformierten Gemeinde
  • Serbisch-orthodoxe Kirche zum Hl. Märtyrerkönig Jovan Vladimir
  • Die fünf römisch-katholischen Pfarreien Neuperlachs (St. Jakobus, St. Monika, St. Maximilian Kolbe, St. Philipp Neri und St. Stephan) sind Auspfarrungen der Mutter- und Dekanatspfarrei St. Michael Perlach und gehören zur Erzdiözese München-Freising. Aufgrund sinkender Katholikenzahlen in Neuperlach wurde unter Federführung von Regionalpfarrer Dirnberger eine Umstrukturierung angegangen. Die fünf bisher eigenständigen Pfarreien wurden zu einer einzigen (Stadtteilkirche) zusammengelegt, die den Namen Christus Erlöser trägt und zu Beginn von drei so genannten Solidarpfarrern geleitet wurde.

Sonstiges[Bearbeiten]

Das Klinikum Neuperlach, zu den Olympischen Sommerspielen 1972 eröffnet, leistet mit seinen derzeit 545 Betten die klinische Versorgung des Münchner Südostens.

1975 wurde die neu errichtete Feuerwache 9 in Betrieb genommen.

Die Errichtung einer eigenen Neuperlacher Polizeiinspektion (PI 24) wurde seit den 1970er Jahren betrieben, kam aber erst 1997 mit dem Bezug eines Neubaus am Adenauerring zum Abschluss.

Der SVN München e. V. (Sportverein Neuperlach) ist mit etwa 5000 Mitgliedern der größte Sportverein des Stadtbezirks. Hauptanliegen des Vereins ist die Förderung des Breitensports. Für seine Mitglieder bietet er ein Sportcenter mit 3-Feld-Tennishalle, 3 Sporträumen, einem voll ausgestatteten Fitness-Studio und einem Wellnessbereich. Zusätzlich gibt es zahlreiche Sportangebote – auch für Nichtmitglieder – in Sporthallen der Schulen Neuperlachs. Geplant ist zurzeit der Bau einer 3-fach-Sporthalle mit Kletterhalle auf dem Gelände der Bezirkssportanlage Bert-Brecht-Allee.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Neuperlach, das von Beginn an keine Schlafstadt sein, sondern eine Vielzahl von wohnortnahen Arbeitsmöglichkeiten bieten sollte, hat sich zum Verwaltungsstandort von Unternehmen vor allem aus den Bereichen des Versicherungswesens und der High-Tech-Branche entwickelt:

Seit 1980 kommt die Jugendzeitschrift Bravo aus Neuperlach, bis 2003 war hier auch die Redaktion der deutschen Ausgabe des Playboy.

Personen[Bearbeiten]

Spätestens das Komikerduo Erkan und Stefan hat das Viertel deutschlandweit bekannt gemacht (auch wenn sich hinter Erkan Maria Moosleitner aus dem Hasenbergl und Stefan Lust aus Neuperlach in Wirklichkeit die beiden unter Pseudonym auftretenden Darsteller John Friedmann und Florian Simbeck aus Ingolstadt verbergen). Tatsächlich in Neuperlach geboren wurden die Sängerin und Grand-Prix-Teilnehmerin Gracia Baur, der Musiker, zweimalige Echo-Preisträger und Grammy-Nominierte Lou Bega (bekanntgeworden durch seinen Welthit Mambo No. 5 aus dem Jahr 1999) sowie der TV-Produzent und Grimme-Preis-Träger Tommy Krappweis (der Erfinder von Bernd, dem Brot). Erich Kästner ist 1974 in Neuperlach gestorben. Musikalisch verewigt wurde der Stadtteil durch Georg Ringsgwandl in seinem Lied "Mopedrocker von Neuperlach".[2]

In Neuperlach wohnt der Schriftsteller und Slam Poet Jaromir Konecny.

Der Fall Mehmet machte Neuperlach Ende der 1990er-Jahre ebenfalls bekannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Petra Dorsch: Eine neue Heimat in Perlach. Das Einleben als Kommunikationsprozess. Diss. Universität München, München 1972
  • Christian Hartard: Neuperlach. Utopie des Urbanen. Leitbilder und Stadtbilder eines Experimentes der 1960er Jahre. Mag.-Arb. Univ. München, München 2003 (Volltext) – Darstellung der Planungs- und Baugeschichte, Analyse der Konzeptionsprämissen und der für die Planungen maßgeblichen städtebaulichen Leitbilder
  • Christian Hartard: Komm, wir bauen eine Stadt. Wie in den 1960er-Jahren der Traum vom Urbanen am Verfall des öffentlichen Raums scheiterte. Einige Stadtrandbemerkungen aus München-Neuperlach. Aus: Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in München 88, 2006 (Volltext als PDF) – Zusammenfassung des vorigen Textes
  • Egon Hartmann/Dieter Wahls: Stadtteil Perlach. In: Landeshauptstadt München, Baureferat (Hrsg.): Bauen in München 1960 bis 1970. München 1970, S. 37–47 – knappe Einführung in die Planungsgeschichte und die städtebaulichen Grundgedanken
  • Florian Hüttner: Michael Heizers Erdskulpturen in der ‚Wüste‘ von Perlach. In: Helmut Draxler (Hrsg.): Die Utopie des Designs. Ausst.-Kat. München 1994, o. S.
  • Alexander Mitscherlich: Meditationen vor dem Reißbrett. München-Perlach als städtebauliches Beispiel. In: Süddeutsche Zeitung vom 16./17. Oktober 1970 (Wiederabdruck im Merian-Heft München 1972) – kritische, insgesamt aber positive Analyse der städtebaulichen Konzeption; interessant, da Mitscherlich, einer der wichtigsten Städtebaukritiker der 1960er-Jahre, selbst Berater bei den Neuperlacher Zentrumsplanungen war
  • Neue Heimat Bayern (Hrsg.): Entlastungsstadt Perlach in München. München 1967. Sammelband mit verschiedenen Artikeln zu Strukturplanung, Bodenordnung, Leitbild aus der zeitgenössischen Sicht der Planungsverantwortlichen; viele Abbildungen und Karten
  • Siegfried Schober: „Münchner Versenkung“ und „Fünf Trichter“. Grabungen von Michael Heizer in Perlach und in der kalifornischen Mojave-Wüste. In: Süddeutsche Zeitung vom 20. Mai 1969
  • Vinzenz Stauner: Konzeption der Großwohnsiedlung Neuperlach – Ein Erfolg?. Facharbeit 2008 (Volltext als PDF)
  • Christoph Titze: 25 Jahre Stadtteil Neuperlach. In: Georg Mooseder/ Adolf Hackenberg (Hrsg.): 1200 Jahre Perlach. München 1990, S. 873–906. Kurzer Abriss der Baugeschichte und der Planungsgrundsätze sowie Beschreibung der einzelnen Bauabschnitte aus der rückblickenden Sicht eines der verantwortlichen Stadtplaner
  • Sabine Tzschaschel: Neuperlach. Lebensqualität in einer Satellitenstadt. In: R. Geipel et al. (Hrsg.): München. Ein sozialgeographischer Exkursionsführer (Münchner geographische Hefte, Nr. 55/56, herausgegeben vom Geographischen Institut der Technischen Universität München). München 1987, S. 503–535. Analytischer Rundgang durch Neuperlach

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neuperlach: Grenzen des Stadtviertels
  2. http://www.ringsgwandl.com/text58.htm

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neuperlach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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Dieser Artikel wurde am 25. August 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.

48.111.65Koordinaten: 48° 6′ 0″ N, 11° 39′ 0″ O