Neuroßgarten

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Neuroßgarten war der Name eines Stadtteiles von Königsberg (Preußen).

Name[Bearbeiten]

Das Observatorium

Mit Roßgarten wurde eingezäuntes Weideland bezeichnet, das nicht ausschließlich den Pferden vorbehalten war, sondern auch anderem Vieh als Wiese diente.

Lage[Bearbeiten]

Dieser Stadtteil wurde nordöstlich vom Steindamm und dem Tragheim, südlich von der Laak, westlich vom Deutschordensring und nördlich von der Kniprodestraße begrenzt. Im Westen lag der Stadtteil Amalienau, im Osten die Altstadt, nordwestlich schlossen sich die Vorderhufen an.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Neue Roßgarten war ursprünglich ein Weideplatz, der wegen der herrlichen Aussicht zunächst nur mit Gärten und Gartenhäusern bebaut wurde. Er war eine zur Altstadt gehörige und 1635 gegründete Freiheit. "Die Häuser des Neu=Roßgartens haben größtentheils eine vortrefiiche Aussicht; vorzüglich aber verdienen deshalb das Kantelsche, jetzt Rohdesche Haus, das Haus des Herrn Kriegsrath Bock und des Herrn Kriegsrath Scheffner bemerkt zu werden."[1]

In diesem Gebiet befanden sich fast alle Kliniken und Institute der Albertina, insbesondere das Anatomische und das Geologische Institut. Hier befanden sich der Volksgarten mit Bastion, Observatorium und Sternwarte (1811-1813), der Sternengarten, der Botanische Garten (1809), das Archäologische und Zoologische Museum (1830), der sog. Gelehrtenfriedhof (Königsberg), das Kinderkrankenhaus, zwei Volksschulen, eine Kaserne und das Heeresverpflegamt.

Sakralbauten[Bearbeiten]

Die Neuroßgärter Kirche
  • Die Neuroßgärter Kirche wurde von 1644 bis 1647 mit einem 84 Meter hohen quadratischen Turm erbaut. Sie ist nicht erhalten.

"Die Neu=Roßgärtsche Kirche liegt auf der Stelle, wo sich vor ihrer Erbauung ein Begräbnißplatz befand. Der Grund zu derselben wurde am 30. May 1644 gelegt, und die Kirche schon am 5. December 1647 eingeweiht. Der Thurm, welcher über 30,000 Gulden kostet, wurde mit Kupfer gedeckt; ehe dieses aber noch geschah, schlug der Blitz am 9. May 1695 in den Thurm; zündete aber nicht, sondern schmolz blos die eisernen Bänder des obersten gegen Norden zu liegenden Fensters, so daß das Eisen tropfenweise herabfioß. Von einem stählernen Winkeleisen, das am untern Fenster der nämlichen Seite gelehnt war, schlug er ein Stück, und schmelzte auch einige Tropfen ab. Jm Jahr 1721 am 21. Jun. schlug der Blitz abermals in den Thurm, das Feuer aber ward glücklich gelöscht. Die Kirche selbst hat eine hölzerne Decke in Form eines Gewölbes, die ihrer Größe ungeachtet auf keinem Pfeiler ruht. Die Kanzel ist im Jahr 1643, und der Altar im Jahr 1668 errichtet. Das Junkernchor ist von der altstädtschen Kaufmannschaft erbauet, und das Magistratschor im Jahr 1783 errichtet worden, und die jetzige Orgel kam im Jahr 1747 zu Stande. Es ist merkwürdig, daß diese Kirche mit allen dazu gehörigen Geräthschaften und der Pfarrwohnung, blos durch milde Beiträge der Königsbergschen Einwohner zu Stande kam. Der erste Prediger bei derselben wurde im Jahr 1648 vom Magistrate eingesetzt. Die Landesherrschaft ertheilte dem Magistrat dieses Recht, obgleich das Gericht und die Bürgerschaft vieles dagegen einwandten. Am 12. Januar verglich sich das altstädtsche Ministerium mit dem Prediger dieser Kirche über alles, was etwa zu Streitigkeiten, zwischen beiden Gemeinen Anlaß geben könnte, und dieser Vergleich dient noch jetzt zur Richtschnur. Der Geistliche bei dieser Kirche gehörte vormals zum altstädtschen Ministerium, jetzt aber hat die Kirche einen besondern Pfarrer. Neben der Kirche liegt die Schule und das altstädtsche Wittwenstift."[1]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Auf dem Ehrenfriedhof wurden unter anderem Friedrich Wilhelm Bessel, Friedrich Julius Richelot, Theodor Gottlieb von Hippel der Ältere, Franz Ernst Neumann und Albrecht Wagner (Chirurg) beigesetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludwig von Baczko: Versuch einer Geschichte und Beschreibung von Königsberg, Königsberg 1804
  • Hermann Frischbier: Preußisches Wörterbuch Ost- und Westpreußische Provinzialismen, Bd. 1,2, Berlin 1882-82
  • Fritz Gause: Königsberg in Preußen. Leer 1987
  • Friedrich Leopold von Schroetter: Karte von Ost-Preussen nebst Preussisch Litthauen und West-Preussen nebst Netzedistrict 1796-1802. In: Historisch-Geographischer Atlas des Preußenlandes. Lieferung 6, Steiner, Wiesbaden 1978, ISBN 3-515-02671-1
  • Robert Albinus: Königsberg-Lexikon. Würzburg 2002, ISBN 3-88189-441-1
  • Richard Armstedt: Geschichte der königl. Haupt- und Residenzstadt Königsberg in Preußen. Reprint der Originalausgabe, Stuttgart 1899.
  • Fritz Gause: Die Geschichte der Stadt Königsberg in Preußen. 3 Bände, Köln 1996, ISBN 3-412-08896-X
  • Jürgen Manthey: Königsberg – Geschichte einer Weltbürgerrepublik. Hanser 2005, ISBN 3-446-20619-1
  • Gunnar Strunz: Königsberg entdecken. Berlin 2006, ISBN 3-89794-071-X
  • Baldur Köster: Königsberg: Architektur aus deutscher Zeit. Husum Druck, 2000, ISBN 3-88042-923-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Baczko, Ludwig von: Versuch einer Geschichte und Beschreibung von Königsberg, Königsberg 1804,S.161

54.71305620.494444Koordinaten: 54° 43′ N, 20° 30′ O