Neusalza-Spremberg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Neusalza-Spremberg
Neusalza-Spremberg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Neusalza-Spremberg hervorgehoben
51.03888888888914.529444444444325Koordinaten: 51° 2′ N, 14° 32′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Görlitz
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Neusalza-Spremberg
Höhe: 325 m ü. NHN
Fläche: 22,89 km²
Einwohner: 3453 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 151 Einwohner je km²
Postleitzahl: 02742
Vorwahl: 035872
Kfz-Kennzeichen: GR, LÖB, NOL, NY, WSW, ZI
Gemeindeschlüssel: 14 6 26 350
Stadtgliederung: 4 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Kirchstraße 17
Webpräsenz: www.neusalza-spremberg.de
Bürgermeister: Matthias Lehmann (CDU)
Lage der Stadt Neusalza-Spremberg im Landkreis Görlitz
Bärwalder See Berzdorfer See Talsperre Quitzdorf Talsperre Quitzdorf Polen Tschechien Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Bad Muskau Beiersdorf Bernstadt a. d. Eigen Herrnhut Bertsdorf-Hörnitz Boxberg/O.L. Boxberg/O.L. Dürrhennersdorf Ebersbach-Neugersdorf Kottmar (Gemeinde) Gablenz (Oberlausitz) Görlitz Görlitz Groß Düben Groß Düben Großschönau (Sachsen) Großschweidnitz Hähnichen Hainewalde Herrnhut Hohendubrau Horka Jonsdorf Kodersdorf Königshain Krauschwitz (Sachsen) Kreba-Neudorf Lawalde Leutersdorf (Sachsen) Löbau Markersdorf (Sachsen) Markersdorf (Sachsen) Mittelherwigsdorf Mücka Mücka Neißeaue Neusalza-Spremberg Kottmar (Gemeinde) Niesky Kottmar (Gemeinde) Oderwitz Olbersdorf Oppach Ostritz Oybin Quitzdorf am See Reichenbach/O.L. Rietschen Rosenbach Rothenburg/Oberlausitz Schleife (Sachsen) Schönau-Berzdorf auf dem Eigen Schönbach (Sachsen) Schöpstal Seifhennersdorf Reichenbach/O.L. Trebendorf Trebendorf Vierkirchen (Oberlausitz) Waldhufen Weißkeißel Weißwasser/Oberlausitz Zittau Zittau Landkreis Bautzen BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Neusalza-Spremberg (Oberlausitzer MundartNeusaalz (-Spraamerch)[2]) ist eine sächsische Landstadt im Landkreis Görlitz, 20 km südlich von Bautzen und 26 km nordwestlich von Zittau, direkt an der Grenze zu Böhmen (Tschechien).

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im südöstlichen Teil des Oberlausitzer Berglandes. Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Fläche von rund 23 km² auf einer mittleren Höhe von 325 m ü.NN. Auf der Ostseite wird die Stadt vom Spreepark begrenzt, wo die Spree über Millionen von Jahren um den 340 m hohen Sternberg ein Kerbsohlental gebildet hat. Südlich und westlich der Stadt erstrecken sich ausgedehnte Waldgebiete bis zur tschechischen Grenze, die hier den so genannten Fugauer Zipfel bildet.

Neusalza-Spremberg ist von zahlreichen Granit/Granodiorithügeln umgeben, so z.B.:

Erhebung Höhe in m ü.NN
Hahneberg 410,3
Fuchsberg 422,3
Sonneberg 401,0
Hänscheberg 393,1
Lindenberg 370,5
Schmiedesteine 359,5
Stadtberg 367,5
Güttlerbüschl 365,2
Hutzelberg 343,5
Kirchberg 341

Gewässer[Bearbeiten]

Die Hauptwasserader der Kommune ist die Spree, die Neusalza-Spremberg in einer Länge von ca. 5 km und den Ortsteil Friedersdorf von etwa 4 km durchfließt. Ihre rechten Spreezuflüsse auf Neusalza-Spremberger Flur sind von Ost nach West: Kothe (3,6 km) mit Flössel (0,5 km) und Amselmühlgraben (1,25 km). Ihre linken Zuflüsse sind von Ost nach West: Forellenflössel (2,1 km), Sonnebergwasser bzw. Neuspremberger Flössel (1,9 km) und Niederspremberger Feldbach (0,75 km).

Zwischen den Ortsteilen Neuspremberg und Sonneberg, nahe der Grenze zu Tschechien, befindet sich eine regelrechte Teichkette, deren Teiche von Ost nach West wie folgt bezeichnet werden: Fabrikteich bzw. Flachseteich, Inselteich, Wald- und Erlebnisbad der Stadt, Schwarzer Teich (in unmittelbarer Nähe auf tschechischer Seite gibt es ebenfalls einen Schwarzen Teich – Cerny rybnik), Scheibners-Teich bzw. Apothekerteich, Wendlers-Teich, Dörings- bzw. Zipfel-Teich, Seerosenteich bzw. Wünsche-Teich, zwei unbenannte Fischzuchtteiche der Familie Pietsch, Waldestal-Teich und Quellteich, der heute verlandet ist. Die Familiennamen bei den Teichen weisen auf die Besitzer hin.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt gehören die Gemeindeteile Neusalza-Spremberg, Friedersdorf, Neuspremberg und Sonneberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte von Oberreit mit Neusalza-Spremberg von 1821/22

Die Ortsgeschichte gliedert sich in drei Bereiche, die Geschichte des Dorfes Spremberg, die Geschichte der Stadt Neusalza und schließlich ab 1920 die Geschichte der Stadt Neusalza-Spremberg.

Dorf Spremberg[Bearbeiten]

In einer Besitzurkunde aus dem Jahr 1242 über den Wallfahrtsort Jauernick, unterzeichnet vom böhmischen König Wenzel I. und dem Kloster St. Marienthal, wurden als Zeugen zwei Brüder benannt. Einer von ihnen, Hartwicus de Sprewemberch, soll der Besitzer der Ländereien gewesen sein. Der Ortsname Sprewemberch (Spremberg) wurde erstmals am 21. Januar 1272 urkundlich erwähnt. Nach neueren Forschungen bestand der von deutschen Siedlern aus Franken und Thüringen als Waldhufendorf angelegte Ort Spremberg an der oberen Spree schon längere Zeit vor den umfangreichen Gebietsvermessungen, die in der Oberlausitz zwischen den Jahren 1213 und 1228 erfolgten. Diese wurden jedoch erst dreizehn Jahre danach in einem bedeutenden Dokument, später als Oberlausitzer Grenzurkunde bezeichnet, durch den damaligen Landesherrn, König Wenzel I. von Böhmen, am 7. Mai 1241 ratifiziert. Schon zu dieser Zeit bestanden Kompetenzstreitigkeiten zwischen der böhmischen Krone und den Bischöfen von Meißen, die sich seit 1253 unter den Markgrafen von Brandenburg als neue Landesherren fortsetzten. Als Folge dessen wurde dem Ort 1272 kurzzeitig das Recht aberkannt, Gottesdienste abzuhalten. 1392 belehnte Wenzel IV. die Brüder Hans und Heinrich von Raußendorf mit dem Gebiet, zu dem auch Spremberg (Friedersdorf, Taubenheim und Sohland) gehörte. Der Ort blieb bis 1564 im alleinigen Besitz derer von Raußendorff.

1347 unternahm der spätere Kaiser Karl IV. zur Huldigung durch die Lausitzer Stände eine Reise nach Bautzen, wobei er auf dem Weg dorthin die sogenannte „Kaiserstraße“ benutzte und dabei auch durch Spremberg kam. Um 1430 suchten die Hussiten auch Spremberg heim und brandschatzten dessen damals bedeutende Kirche, die jedoch schon 1432 wieder aufgebaut wurde.

Nach dem Niedergang der Hussitenbewegung in Böhmen, der in den Schlachten von Brüx und Lipany (1434) endgültig besiegelt worden war, brachen etwa 25 Jahre später machtvolle Kämpfe zwischen dem böhmischen König Georg von Podiebrad, einst Anführer der hussitischen Kalixtiner, und dem katholisch ungarischen König Matthias Corvinus um die Krone Böhmens aus. Im Verlauf der Auseinandersetzungen konnte der Ungarnkönig die böhmischen Nebenländer, darunter auch die Oberlausitz, erobern, die ihm im Frieden von Olmütz (1479) vertraglich zugesprochen wurde. Somit kam auch Spremberg für elf Jahre unter ungarische Herrschaft. Nach dem Tode von König Matthias I. (1490) fiel die Oberlausitz an Böhmen zurück.

Im Jahr 1555 wurde Spremberg auf Grund seiner Zugehörigkeit zum katholischen Bistum Meißen als einer der letzten Orte der Umgebung reformiert. Der erste evangelische Pfarrer des Ortes war bis 1559 David Styrius. Ab diesem Jahr ging das Amt Stolpen, zu dem Spremberg gehörte, auf Kursachsen über und Spremberg kam unter die Herrschaft von August I..

Als ungewöhnlich galt im Jahre 1663 die Verleihung des Rechts, drei Jahrmärkte im Jahr abzuhalten. Durch die Gründung der Stadt Neusalza trat die Entwicklung des Dorfes Spremberg in den Hintergrund. 1696 wurde im Zuge der Gegenreformation die Gemeinde Fugau aus Spremberg ausgepfarrt und wieder katholisch. Im Jahr 1735 gründete der damalige Besitzer des Rittergutes in Oberspremberg den Ortsteil Neuspremberg.

Flureinteilung[Bearbeiten]

Flureinteilung von Spremberg 1918

Der Spremberger Oberpostassistent und Ortschronist Walter Heinich (*1876; †1940) erstellte die nebenstehende Flureinteilung von Spremberg nach Ende des Ersten Weltkrieges im Maßstab 1:25.000. Da die Maße auf der Karte in Königsruten (virga regalis) zu je 4,7 m Länge angegeben sind, ist zu schlussfolgern, dass die Flureinteilung Sprembergs, die Stadt Neusalza seit 1670 eingeschlossen, bereits zur Zeit der Ortsgründung im Mittelalter unter dem wahrscheinlichen Lokator Hertwicus de Sprewemberch (um 1200 – um 1260) erfolgte. Nach den Forschungen von W. Heinich wurde Spremberg mit 24 Königshufen (mansus regalis, 1 Königshufe = 47,736 ha bzw. 21.600 Königsruten), je zwölf nördlich und südlich der Spree, vermessen, die eine Fläche von insgesamt 1.146 ha ergaben. Da hier die Königshufe als mittelalterliches Flächenmaß Anwendung fand, ist es denkbar, dass Hertwicus als Dorfoberhaupt mit Geometern (Feldvermessern) des böhmischen Königs Wenzel I., der von 1230 bis 1243 regierte, oder seines Vorgängers Otakar I. (1197–1230) die Flureinteilung des Waldhufendorfes Spremberg vornahm. Jeder Ansiedler bekam eine Wald- oder Hagenhufe zugewiesen, deren Größe zwischen 1/4 und 3/4 Königshufe schwankte, so dass die Dorfflur am Anfang in 48 Stellen eingeteilt war: 46 Zinsbauern, 1 Richtergut (Kretscham) und 1 Kirchengut. Südlich der Spree lagen die Hufner, und nördlich der Spree waren durch Teilungen in späterer Zeit Halbhufner ansässig geworden. Wenn bei der Ortsgründung alle Hufen mit Landwirten besetzt waren, kann Spremberg damals etwa 250 Dörfler gezählt haben – eine Anzahl, die sich bis zur Reformation (1555) kaum vermehrt haben wird, da von den Bauernsöhnen meist nur der Erbe heiratete. Weitere Flurvermessungen, etwa im Jahre 1840, ergaben, dass die mittelalterlichen Feldmesser nicht die gerade Entfernung zwischen den Endpunkten wählten, sondern immer entlang der Wege vermaßen. Deshalb zeigt sich der Flurplan Sprembergs in Form eines verschobenen Quadrates.[3]

Erläuterungen zur Flureinteilung:

  • Das Flurstück „Kirchbauer“: Ehemalige Bauernwirtschaft Stosch, jetzt Nutzland der Agrargenossenschaft.
  • Spreeaue: Vormals Überflutungsfläche bei Hochwasserlagen, nicht besiedelbar, nur landwirtschaftliche Weidefläche.
  • Flurstück Viehweg (Nr.11): Auf der Flur befindet sich der obere Weideweg durch „Schindlers Büschl“ links oberhalb des Beiersdorfer Weges. Inzwischen wurde der jetzige Beiersdorfer Weg ausgebaut, und der obere Weideweg wurde zum Wanderpfad und zur Weidefläche.
  • Das Flurstück „Pfarrwiedemuth“ (Nr. 43): Das wahrscheinlich schon in der Gründungszeit des Dorfes den Spremberger Pfarrern zu ihrem Unterhalt übereignete Land zog sich in einer Breite von etwa 50 Metern von der heutigen Rosenstraße, beidseitig entlang der Bergstraße nach Süden bis zur böhmischen Grenze hin. In dieser Flur befinden sich unter anderem der Neusalzaer Friedhof, das Wald- und Erlebnisbad und vermutlich der „Schwarze Teich“.
  • Das Flurstück „Das vertauschte Feld“, das am Taubenheimer Weg westlich in die Oppacher Flur hineinragte und südlich an das böhmische Fugau, heute Wüstung Fukov, grenzte, war wahrscheinlich als Übermaß (Beunde) zu werten, das bei der mittelalterlichen Flurvermessung Sprembergs nicht berücksichtigt wurde und somit als Allmende (Gemeindeland) galt. Der kuriose Name rührt wohl daher, dass im späten Mittelalter, im 16. Jahrhundert, die Spremberger und Oppacher Gutsherrschaften Flurstücke untereinander austauschten, so auch den Koppritzwald („Großer Wald“), der heute zur Gemarkung Oppach gehört.
  • Die „Rote Lehde“ war ein ehemaliger Wirtschaftsweg der Spremberger und Neusalzaer und ist die heutige Lindenstraße, die über den Lindenberg zum Wald- und Erlebnisbad der Stadt verläuft.
  • Der damalige Landweg nach Löbau, der beim Kretscham begann, ist der heutige Lammweg und führt auf Höhe des Kretschamberges, einem Ausläufer des Fuchsberges, zu den Schmiedesteinen.
  • Die damalige Landstraße nach Bautzen, die über den Spremberger Heidelberg nach Oppach führte und als Teil der historischen Kaiserstraße gilt, wurde durch den Bau der F-96, heute B-96, in den Jahren 1935/36 bedeutungsgemindert und ist seit wenigen Jahren ein durchgehender asphaltierter Land- bzw. Wirtschaftsweg.
  • Die damalige Landstraße ins böhmische Schluckenau (Šluknov) ist die heutige Sonnebergstraße bis zum Ortsteil Sonneberg an die tschechische Staatsgrenze und führte darüber hinaus als Rad- und Wanderweg an der ehemaligen böhmischen „Quarkschänke“ vorbei.
  • Das ehemalige Niedere Rittergut ging nach der Gründung der Stadt Neu-Salza 1670 in deren Fluren auf und existiert heute nicht mehr. Hierbei deutet die Flächeneinzeichnung auf die Wohnhäuser Bautzener Str. 3 und Bautzener Straße 4 (ehemals „Die Scharfe Ecke“, eine Bäckerei) hin.
  • Das ehemalige Obere Rittergut war bis 1945 das herrschaftliche Gutshaus, zu DDR-Zeiten das Kulturhaus der Stadt und ist heute eine Kindertagesstätte (Kita).

Stadt Neusalza[Bearbeiten]

Das Dorf Spremberg wurde um 1668 vom Landesältesten des „Görlitzischen Creyses“ Christoph Friedrich von Salza, ein Nachkomme des Hochmeisters des Deutschen Ordens Hermann von Salza, gekauft. Am 12. Januar 1670 unterschrieb der Kurfürst Johann Georg II. die Urkunde für die Gründung einer Stadt auf dem Gebiet von Niederspremberg mit dem Namen Neusalza. Den Großteil der Stadtbevölkerung stellten zu dieser Zeit böhmische und ungarische Exulanten. Erster Pfarrer der Stadt wurde der ungarische Philosoph Stephan Pilarick.

Ein Rezess zwischen dem Kurfürsten und der Stadt im Jahre 1673 legte die Rechte der Bürger von Neusalza fest. Wichtigste Rechte waren die Befreiung von der Erbuntertänigkeit, freier Handel sowie freier Wein- und Branntweinschank. 1674 wurde die Tuchmacherzunft gegründet, 1686 die Schuhmacherzunft. Der Kirchenrezess von 1674 verlieh der Stadt das Recht auf ein eigenes Kirchspiel. Ab 1675 entstand demzufolge die Kirche der Exulanten „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ Neusalza, die am 4. Februar 1679 geweiht wurde. Als eigenständiges Kirchspiel Neusalza erfolgte nun die Auspfarrung von der Dorfgemeinde Spremberg. Von 1674 bis 1800 wirkten in der grenzüberschreitenden Kirchgemeinde Neusalza insgesamt sechs Pastoren, die in deutscher und tschechischer Sprache predigten.

Historischer Blick auf Spremberg

Begünstigt durch den seit dem 17. Jahrhundert florierenden Flachsanbau und die Leinweberei bildete sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Verlagswesen heraus. 1777 zählte Neusalza 470 Einwohner. 1833 wurde Friedrich Wilhelm Wex zum ersten Bürgermeister der Stadt frei gewählt, 1841 nahm das Königliche Gericht in Neusalza seinen Dienst auf.

Neusalza-Spremberg[Bearbeiten]

Am 15. Februar 1920 erfolgte der politische Zusammenschluss der Stadt Neusalza (sorbisch: Nowosólc) und der Landgemeinde Spremberg zur Stadt „Neusalza-Spremberg“. Neusalza hatte rund 1.100 Einwohner, Spremberg rund 2.200. Allerdings gab es bereits in der Vergangenheit Versuche, beide Orte miteinander zu vereinen. Um 1700 bereits strebte der einheimische Rittergutsbesitzer Ludwig von Hoym die kirchliche Vereinigung an, 1875 wurde zumindest die schulische Zusammenlegung aufgrund eines geplanten gemeinsamen Schulbaues vom Löbauer Bezirksschulinspektor gefordert. Als größtes Hemmnis der Vereinigungsverhandlungen erwies sich das unterschiedliche Vermögen beider Ortschaften. Spremberg war um einiges reicher als die Stadt Neusalza. Vergleiche folgende Tabelle:[4]

Spremberg Neusalza
Vermögen 635.400 Mark 610.466 Mark
Schulden 281.833 Mark
(durch Bau der Wasserleitung
mit einem Wert von 200.000 Mark)
84.163 Mark
(völlig veraltete Wasserleitung)
Grundstücke 36,22 ha 13,64 ha
Straßen/Wege 14 km 5 km
Schulvermögen 98.700 Mark
(2 Schulen, achtklassig)
21.743 Mark
(Schule vierklassig)
Steuersoll 108.000 Mark 37.800 Mark

Zu dem neuen Namen gab es große Diskussionen. Ein kurioser Vorschlag war „Spreesalza“. Da jedoch der Bahnhof und die Post „Neusalza-Spremberg“ hießen, blieb man bei dem Namen.

Die schulische Vereinigung beider Orte folgte am 1. April 1920, die kirchliche erst 1937 nach dem Ausscheiden von Niederfriedersdorf aus dem Spremberger Kirchspiel.

Nachdem auch an Neusalza-Spremberg der Zweite Weltkrieg nicht spurlos vorüberging, fanden im September 1946 die ersten Kommunalwahlen seit 1933 statt, welche die SED knapp für sich entschied. Die Geschicke der Stadt wurden fortan bis zur Wende von der sozialistischen Planwirtschaft geprägt, es folgten die Verstaatlichung der Betriebe und die Bodenreform. Neusalza-Spremberg wurde neben Ebersbach u. a. Städten zu einem wesentlichen Teil der Oberlausitzer Textilindustrie.

Zu DDR-Zeiten wurde in einem ehemaligen Gasthaus ein Betriebs-Ferienlager errichtet und unterhalten, das nach 1990 dem Verfall preisgegeben worden ist.[5]

Als bedeutender Teil der Geschichte der Stadt ist der Besuch des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl am 3. Juli 1991 zu vermerken.

Zum 1. Januar 2008 wurde die Gemeinde Friedersdorf eingemeindet.[6]

Ortsnamenformen[Bearbeiten]

  • Neusalza: 1675: Neusalza, 1791: Neu Salza, 1875: Neusalza
  • Spremberg: 1242: Hertwicus de Sprewemberch (Zuweisung unsicher), 1272: Sprewenberc, 1397: Spremberk, 1408: Spremberg
    • OT Neuspremberg: 1875: Neuspremberg
    • OT Sonneberg: 1875: Sonnenberg (Sonneberg)

Anzumerken hierbei ist, dass die kleine Oberlausitzer Spreestadt Neusalza-Spremberg im Landkreis Görlitz des Öfteren mit der größeren südbrandenburgischen Spreestadt in der Niederlausitz verwechselt wurde und wird. Aber die größere Kommune ist urkundlich jünger (1301) als die Muttergemeinde Spremberg der heutigen sächsischen Kleinstadt Neusalza-Spremberg (1242, 1272), siehe Spremberg.

Verwaltungszugehörigkeit[Bearbeiten]

  • Spremberg: 1590: Amt Stolpen, 1764: Amt Stolpen, 1816: Amt Stolpen, 1843: Amt Stolpen, 1856: Gerichtsamt Neusalza, 1875: Amtshauptmannschaft Löbau
  • Neusalza: 1696: Amt Stolpen, 1764: Amt Stolpen, 1816: Amt Stolpen, 1843: Landgerichtsbezirk Bautzen, 1856: Gerichtsamt Neusalza, 1875: Amtshauptmannschaft Löbau
  • als Neusalza-Spremberg: 1952: Kreis Löbau, 1994: Landkreis Löbau-Zittau, 2008: Landkreis Görlitz

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
Neusalza
[7]
Spremberg[8] Neuspremberg
(Häuslerzeile, OT
von Spremberg)[9]
Sonneberg
(Häuslerzeile, OT
von Spremberg)[10]
1562
45 besessene(r) Mann,
12 Gärtner, 9 Häusler
1587
16½ Hufen
1764
33 besessene(r) Mann,
36 Gärtner, 54 Häusler,
3 Wüstungen, 32½ Hufen
1808
115 Häuser
1834
927
1344
1852
51
41
1871
1119
1560
64
54
1890
1190
1971
85
60
1910
1212
2584
1920
Neusalza mit Spremberg zu Neusalza-Spremberg vereinigt
1925
3675
1939
3701
1946
4436
1950
4723
1964
4204
1990
2862
2000
2567
2005 (31.12.)
2488[11]
2006 (31.12.)
2442[12]
2007 (31.12.)
3812 (nach Eingemeindung von Friedersdorf)[13]
2009
3691

Politik[Bearbeiten]

Wahlbeteiligung: 49,9 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
56,9 %
21,5 %
21,5 %

Neusalza-Spremberg ist das Verwaltungszentrum der Verwaltungsgemeinschaft Neusalza-Spremberg, sowie der Gemeinden Schönbach und Dürrhennersdorf.

Wappen[Bearbeiten]

Das Stadtwappen trägt die silberne Lilie derer von Salza auf rotem Grund.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Partnerstädte sind seit 1990 die französische Stadt Riorges und das in Baden-Württemberg liegende Donzdorf.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Obermarkt
  • Ober- und Niedermarkt mit reizvoller Kleinstadtarchitektur (Der Obermarkt wurde mehrfach Opfer von Flammen, so 1856 als die meisten Häuser der Westseite und 1889 ein Teil der Südbebauung abbrannten.)
  • Drei Kirchen:
    • Die große Dorfkirche von Spremberg, die auf einer Erhebung über der Spree erbaut wurde, wurde nach Abriss des ehemaligen Langhauses unter Einbeziehung des alten Turmes und der ehemaligen Apsis in den Jahren 1901/02 in ergänzter Form neu errichtet. Eindrucksvoll sind die Toreinfassungen. Eine von ihnen stammt aus dem 14. Jh. und weist gotisch-romanische Elemente auf. Zwei weitere Toreinfassungen stammen aus der Renaissance Ende des 16. Jahrhunderts.
    • Die kleinere Dreifaltigkeitskirche Neusalza der Stadt Neusalza auf Spremberger Flur wurde 1679 eingeweiht. Der aus Ungarn stammende Priester und Philosoph Stephan Pilarick war hier in der ehemaligen Exulantenkirche als erster Pfarrer tätig. Bis zum Jahre 1800 wurde in der Kirche in böhmischer (tschechischer) Sprache gepredigt.
    • Die Friedersdorfer Kirche ist die jüngste Kirche der Stadt Neusalza-Spremberg. Sie wurde 1798 bis 1801 in der damaligen Gemeinde Oberfriedersdorf erbaut, nachdem sich deren Einwohner trotz reger Spendentätigkeit in der Kirchgemeinde Spremberg benachteiligt sahen. Das zur Gemeinde Oberfriedersdorf gehörende Mittelfriedersdorf wechselte 1868 in die 1801 entstandene Parochie, Niederfriedersdorf folgte erst im 20. Jahrhundert.
  • Schmiedesteine (sagenumwobene Steingruppe aus einem mehrteiligen Granitfelsmassiv), Aussichtspunkt über den Ort[15]
  • Spreepark im Kerbsohlental der Spree um den Sternberg

Museen[Bearbeiten]

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Ein Gedenkstein aus rotem poliertem Granit vom Jahre 1946 stand bis 1998 vor dem alten Rathaus in der Bahnhofstraße 2. Er erinnert an zwei polnische KZ-Häftlinge (Offiziere?), die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges bei einem Evakuierungstransport durch die Stadt von SS-Männern erschossen wurden. Auf dem Stein waren die Häftlingsnummern 86679 und 85696 verzeichnet. Im Zuge der Privatisierung des Gebäudes nach der Wiedervereinigung fand dazu eine Feststellungsgrabung in der Zeit vom 29. April bis 5. Mai 1998 statt. In einer Tiefe von 2 m unter der Geröllschicht fanden sich die beiden Toten, die zusammengebunden in einem Eichensarg lagen. Der Gedenkstein des ehemaligen VVN-Denkmals wurde geborgen und die fast vollständig erhaltenen Gebeine der beiden ermordeten Gefangenen verwahrt. Da in Neusalza-Spremberg keine entsprechenden Grabstellen vorhanden sind, erfolgte eine Überführung nach Löbau, wo sie am 28. Juli 1998 auf der Gedenkstätte für Kriegsopfer und Gewalt des Katholischen Friedhofes feierlich beigesetzt wurden.[16]

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

  • Wald- und Erlebnisbad
  • Sportplatz an der Sonnebergstraße

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • plastic concept GmbH
  • Steglich & Beutlich GmbH
  • Spreetextil

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Die Bahnstrecke Dresden–Zittau (siehe Süd-Lausitzer Bahn) und die B 96 führen durch die Gemeinde.

Bildung[Bearbeiten]

Gebäude der Pestalozzi-Schule in Neusalza-Spremberg
  • Pestalozzi-Oberschule (Einweihung der Pestalozzischule am 12. Oktober 1928, 1945 als Feldlazarett genutzt, 1959 zur „Allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule“ erklärt)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2012 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. www.oberlausitzer-woerterbuch.de
  3. http://www.wacholderdrossel.de/flurkarte.html
  4. Sonderausschuss 750 Jahre Spremberg (Hrsg.): Entwicklung der Stadt Neusalza-Spremberg. Neusalza-Spremberg 1992, S. 30f.
  5. Facebook-Eintrag
  6. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2008
  7. Neusalza im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  8. Spremberg im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  9. Neuspremberg im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  10. Sonneberg im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  11. http://www.statistik.sachsen.de/appsl1/Gemeindetabelle/jsp/GMDAGS.jsp?Jahr=2006&Ags=14286270
  12. http://www.statistik.sachsen.de/appsl1/Gemeindetabelle/jsp/GMDAGS.jsp?Jahr=2007&Ags=14286270
  13. http://www.statistik.sachsen.de/21/02_02/02_02_06v_tabelle.asp
  14. http://www.statistik.sachsen.de/wpr_neu/pkg_w04_erg.prc_erg_gr?p_bz_bzid=GR09&p_ebene=GE&p_ort=14626350
  15. Neusalza-Spremberg: Sehenswürdigkeiten
  16. (Vgl. Amtsblatt der Stadt Neusalza-Spremberg, Nr. 6, Juni 1998, S. 12f u. ebda, Nr. 9, September 1998, S. 15).

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor Schütze (Hrsg.): Zwischen Strohmberg, Czorneboh und Kottmar (= Werte unserer Heimat. Band 24). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1974.
  • Neusalza-Spremberg. Porträt einer Oberlausitzer Kleinstadt., Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1999, ISBN 3-89570-586-1
  • Roland Ander: Eine bauliche Betrachtung über den Weberort Neusalza-Spremberg. in: Sächsische Heimatblätter Heft 5/1966, S. 447–453
  • Walter Heinich: Spremberg. Versuch zu einer Ortsgeschichte des Kirchdorfes Spremberg in der sächsischen Oberlausitz. Spremberg 1918
  • Lutz Mohr: Historischer Abriß der Stadt Neusalza-Spremberg in der Oberlausitz. Von den Anfängen bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Greifswald und Neusalza-Spremberg 1976/77
  • Lutz Mohr: Johann George Schreiber (1676–1750) – Ein bedeutender Sohn der Stadt Neusalza-Spremberg. In: Sächsische Heimatblätter Dresden, Jg. 24, Heft 3/1978
  • Gustav Hermann Schulze: Aus Neusalza's Vorzeit und die zweite Säkularfeier Fotomechan. Nachdr. [d. Ausg.] Ebersbach 1917. Neusalza-Spremberg: Michael Voigt 1998.
  • August Adolph Tuchatsch (Hrsg.): Geschichtliche Nachrichten über die Stadt Neu-Salza auf Grund historischer Urkunden und Überlieferungen. Festschrift zur 200-Jahrfeier Neusalzas 1870 Fotomechanischer Nachdruck. Neusalza-Spremberg: Michael Voigt 2000.
  • Gunther Leupolt (Bearb.): Geschichte und Geschichten aus Neusalza-Spremberg. Bde. 1–3. Neusalza-Spremberg: Michael Voigt 1999, 2004 u. 2007.
  • Lutz Mohr: Die historischen Geheimnisse der Stadt Neusalza-Spremberg. In: Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft für die Stadt Neusalza-Spremberg mit dem Ortsteil Friedersdorf sowie den Gemeinden Dürrhennersdorf und Schönbach. 16. Jg., Nr. 5 (Mai) 2011, S. 6–7
  • Günter Hensel (Bearb.): Geschichte und Geschichten aus Neusalza-Sprembergs Vergangenheit und Gegenwart 4. Band. Herausgeber: Kultur- und Heimatfreunde Neusalza-Spremberg e.V., Interessengemeinschaft Ortsgeschichte (IGO), Neusalza-Spremberg 2011. Enth. u.a.: Lutz Mohr: Die „Oberlausitzer Grenzurkunde“ von 1241 aus der Sicht des Neusalzaer Juristen und Heimatforschers Gustav Hermann Schulze (1833–1901) und der älteren und modernen Forschung.
  • Lutz Mohr: Neusalza-Spremberg – eine Kleinstadt in der Oberlausitz – Streiflichter aus Geschichte und Sage. Reihe: Geschichte und Geschichten aus Neusalza-Spremberg; Sonderausgabe Nr. 1/2012. Selbstverlag, Neusalza-Spremberg und Greifswald, 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neusalza-Spremberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien