Neustadt bei Coburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Neustadt b.Coburg
Neustadt bei Coburg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Neustadt b.Coburg hervorgehoben
50.32888888888911.121111111111344Koordinaten: 50° 20′ N, 11° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Coburg
Höhe: 344 m ü. NHN
Fläche: 61,9 km²
Einwohner: 15.279 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 247 Einwohner je km²
Postleitzahl: 96465
Vorwahl: 09568
Kfz-Kennzeichen: CO, NEC
Gemeindeschlüssel: 09 4 73 151
Stadtgliederung: 22 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Georg-Langbein-Str. 1
96465 Neustadt b. Coburg
Webpräsenz: www.neustadt-bei-coburg.de
Oberbürgermeister: Frank Rebhan (SPD)
Lage der Stadt Neustadt b.Coburg im Landkreis Coburg
Callenberger Forst-West Gellnhausen Landkreis Haßberge Coburg Landkreis Kronach Landkreis Lichtenfels Weitramsdorf Weidhausen bei Coburg Untersiemau Sonnefeld Rödental Bad Rodach Niederfüllbach Neustadt bei Coburg Meeder Lautertal (Oberfranken) Itzgrund Grub am Forst Großheirath Ebersdorf bei Coburg Dörfles-Esbach Ahorn (Landkreis Coburg) Seßlach Landkreis Bamberg ThüringenKarte
Über dieses Bild

Neustadt bei Coburg (amtlich: Neustadt b.Coburg) ist eine Große Kreisstadt im oberfränkischen Landkreis Coburg und bildet mit der unmittelbar angrenzenden thüringischen Partnerstadt Sonneberg eine geografisch und ökonomisch zusammenhängende urbane Einheit.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Neustadt bei Coburg liegt im Nordosten des Landkreises Coburg im Obermainischen Hügelland[2] an den südlichen Ausläufern des Frankenwaldes[3] , zu Füßen des Neustadter „Hausberges“, des Muppberges, eines 515,5 Meter hohen Zeugenberges. Durch das Stadtgebiet fließen die beiden Flüsse Röden und Steinach.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Neustadt b. Coburg gliedert sich in 22 Ortsteile

  • Aicha
  • Birkig
  • Boderndorf
  • Brüx
  • Ebersdorf
  • Fechheim
  • Fürth am Berg
  • Haarbrücken
  • Höhn
  • Horb
  • Kemmaten
  • Ketschenbach
  • Meilschnitz
  • Mittelwasungen
  • Neustadt b. Coburg
  • Plesten
  • Rüttmannsdorf
  • Thann
  • Unterwasungen
  • Weimersdorf
  • Wellmersdorf
  • Wildenheid

Geschichte[Bearbeiten]

Evangelische Stadtkirche St. Georg, Ostfassade
Evangelische Stadtkirche St. Georg, Haupteingang
Evangelische Auferstehungskirche
Bahnhofstraße: Ehemaliges Werk 1 von Max Oscar Arnold und später Hausser

Stadtnamen[Bearbeiten]

Neustadt bei Coburg hieß bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts Neustadt an der Haide, danach nur noch Neustadt[4]. Ab dem 1. Juli 1892 lautete die amtliche Bezeichnung Neustadt (Herzogthum Coburg)[5]. 1921 folgte die offizielle Umbenennung in Neustadt bei Coburg.[6]

Die Landesherrn im Mittelalter[Bearbeiten]

Als Graf Hermann von Wolweswac in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts mit dem Bau einer Zollburg an der Rödenfurt die Stadt Neustadt gründete, lag die Oberherrschaft in den Händen der Grafen von Andechs, der späteren Herzöge von Meranien. In einer Urkunde vom 16. Juni 1248 wurde der Marktflecken (forum) Neustadt erstmals erwähnt. Die nächsten Landesherren waren die Henneberger, unter denen Neustadt 1316 als Stadt bezeichnet wurde. 1353 kam Neustadt als Bestandteil der Pflege Coburg an das Haus Wettin, bei dem es bis zum Ende des Ersten Weltkriegs blieb. Seitdem führt die Stadt auch den doppelschwänzigen, rot bewehrten schwarzen Löwen im Wappen, der an den damaligen wettinischen Landesherrn, den Markgrafen Friedrich den Strengen von Meißen, erinnert.

Entwicklung der Stadt bis 1500[Bearbeiten]

Neustadt lag an einer wichtigen Heer- und Handelsstraße zwischen Nürnberg und Leipzig, deren Furt durch die Röden bzw. die Brücke über den Fluss der Grund für die Zollstation war. Die Straße sorgte für den Aufschwung des Handwerks und der Beherbergungsbetriebe. Das Zentgericht, vorher im heutigen Stadtteil Fechheim beheimatet, dem früheren geistlichen und weltlichen Mittelpunkt des Gebietes, wurde im 14. Jahrhundert nach Neustadt verlegt. Etwa um dieselbe Zeit erhielt die Stadt eine Pfarrkirche, nachdem vorher nur die Wallfahrtskirche St. Ottilia auf dem Muppberg bestanden hatte. Am Ende des Mittelalters dürfte die Stadt etwa 570 Einwohner gezählt haben.

Reformation[Bearbeiten]

Wie im ganzen Kurfürstentum Sachsen hielt auch in Neustadt die Reformation früh ihren Einzug. Zwischen 1525 und 1528, der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt, beriefen Rat und Pfarrvolk mit Bartholomäus Wyeser den ersten evangelischen Prediger, da sie mit ihren in der alten Lehre befangenen Geistlichen nicht mehr einverstanden waren. 1530 predigte Martin Luther am Karfreitag in der Neustadter Sankt-Georg-Kirche.

Kriege und Brände[Bearbeiten]

Kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg dürfte die Stadt auf ungefähr 1000 Einwohner angewachsen sein. In der Kriegszeit zeigte sich, dass die Lage an der Straße, die nun auch von den verschiedenen Kriegsparteien genutzt wurde, indirekt auch zerstörerische Wirkung haben konnte. Trotz der Neutralität des Coburger Landesherrn, des Herzogs Johann Casimir, richteten die Truppendurchzüge große Schäden an, die nach dem Kriegseintritt des Herzogtums noch wesentlich schlimmer wurden. Ohne Feindeinwirkung jedoch kam es 1636 zu einem großen Stadtbrand, nach dem von etwa 190 Feuerstätten nur noch 36 standen. 1839 legte ein zweiter großer Brand 179 der 226 Häuser der Stadt in Schutt und Asche, auch das Rathaus mit dem Archiv. Die Kirche wurde schwer beschädigt.

Die Spielwarenindustrie[Bearbeiten]

Durch die Nähe des Thüringer Waldes gab es in Neustadt schon bald holzverarbeitende Handwerker wie Schreiner, Tischler, Drechsler, Ludelmacher (Hersteller von hölzernen Säuglingsflaschen), Löffler und Büttner, die nebenbei auch schon Dockenwerk, also Spielwaren, herstellten. Etwa um 1600 begann man im benachbarten Sonneberg die Produkte dieser Handwerker mit der neu entwickelten Wismutmalerei zu verzieren. Mit Johann Andreas Greiner siedelte sich der erste Vertreter des Maler- und Bossiererhandwerks 1748 in Neustadt an. Bossierer formten den sogenannten Teig, eine Masse aus Schwarzmehl und Leimwasser, frei aus der Hand zu Spielwaren. Die Spielwarenherstellung wurde schließlich der bedeutendste Wirtschaftszweig in Neustadt. Eine Vielzahl von Hausgewerbetreibenden war in differenzierten Herstellungsverfahren tätig. Es gab Puppenmacher, Arm- und Beinanstreicher, Puppenschuhmacher, Augeneinsetzer, Wimpernmacherinnen, Puppenfriseusen usw.; auch einige größere Manufakturen entstanden, als wichtigste die von Max Oscar Arnold. Den größten Aufschwung hatte die Branche ab 1870 durch den Export. Mit dem Ersten Weltkrieg brach dieser Absatzmarkt weg, die früheren Abnehmerländer bauten eigene Spielwarenfertigungen auf. Mit den Elastolin-Figuren des Unternehmens O. & M. Hausser kam 1937[7] noch einmal ein einschlägiger Produktionsbetrieb nach Neustadt.

Entscheidung für Bayern[Bearbeiten]

Als 1918 mit dem Ende des Ersten Weltkriegs auch die Monarchie ihr Ende fand, galt das auch für das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, dem Neustadt zuletzt angehört hatte. Zunächst war die Stadt Teil des Freistaats Coburg. Da dieser aber für sich zu klein war, stand eine Entscheidung bezüglich des Anschlusses an Bayern oder Thüringen an. In einer Volksbefragung am 30. November 1919 stimmten 276 Neustädter Bürger für den Beitritt des Freistaates Coburg zum thüringischen Staat und 2794 dagegen.[8] Somit gehörte ab dem 1. Juli 1920 auch Neustadt zu dem Freistaat Bayern. Der Neustadter Industrielle und Politiker Max Oscar Arnold hatte sich tatkräftig für diesen Anschluss eingesetzt.

Die politischen Verhältnisse in der Weimarer Republik[Bearbeiten]

Neustadt galt Anfang der Zwanzigerjahre als „links“ eingestellt. Zum Deutschen Tag in Coburg 1922 kamen aus Neustadt kaum Anhänger Hitlers, dafür viele Gegendemonstranten. 1923 wurde eine Ortsgruppe der NSDAP in Neustadt gegründet; schon bei der Reichstagswahl im Mai 1924 konnte sie mit 42,33 % für den Völkischen Block einen Erfolg erzielen, doch sank ihr Stimmenanteil bei den Wahlen im Dezember 1924 wieder auf 25,48 %.

1927 veranstalteten die Nationalsozialisten einen Frankentag in Neustadt, bei dem auch Adolf Hitler eine Rede hielt. Im Vorfeld hatte der Nationalsozialist Franz Schwede aus Coburg verkündet, dass sich die Partei der Stadt keineswegs sicher war: „Neustadt! – Das ist ein seit Jahren festumrissener Begriff für jeden SA-Mann und jeden politischen Soldaten des Führers. Denn seit Jahren wehrt sich diese marxistische Brutstätte mit allen brutalen Mitteln der kommunistischen Kampfmethoden gegen das Vordringen des Nationalsozialismus in ihren Mauern. Neustadt! – Das bedeutet Kampf bis aufs Messer, Kampf bis aufs Blut!“ Allerdings erhielten auch 68 Neustadter das goldene Parteiabzeichen.

Die Äußerung Schwedes zeigt die starke Polarisierung der politischen Meinung in dieser Zeit in Neustadt. Das hing auch mit der sozialen Struktur der Stadt zusammen, die 1923 so beschrieben wurde: „Neustadt hat rund 9000 Einwohner. [...] Im Gegensatz zu den meisten bayerischen Mittelstädten ist Neustadt ein reiner Industrieort. Die Bevölkerung setzt sich aus einer großen Zahl kleinerer Spielwarenhersteller, den für dieses Gewerbe tätigen Heimarbeitern und den Arbeitern einiger größerer Betriebe zusammen.“

Die Reichstagswahl von 1928 brachte 36,15 % der Stimmen für die NSDAP, aber auch 40,37 % für die SPD und 9,85 % für die KPD (alle übrigen zusammen: 13,63 %). Ab Juli 1932 überflügelten die Nationalsozialisten (48,89 %) die linken Parteien (SPD: 34,33 %, KPD: 11,31 %, Sonstige: 5,47 %). Die Wahl vom März 1933 ergab 50,47 % der Stimmen für die Nationalsozialisten gegenüber 32,44 % für die SPD und 11,35 % für die KPD (Übrige zusammen 5,13 %). Bürgermeister Stelzner wurde 1934 zum Amtsverzicht gedrängt und durch einen „alten Kämpfer“ ersetzt.

Außenlager des KZ Buchenwald[Bearbeiten]

Auf Antrag des seit 1936 in Neustadt bestehenden Kabel- und Leitungswerkes der Firma Siemens wurden ihm im Jahr 1944 eine Anzahl von 400 Frauen aus dem KZ Ravensbrück zur Verfügung gestellt. Die Frauen, alles jüdische Ungarinnen, mussten schwere körperliche Arbeit leisten. Todesfälle kamen im Lager nicht vor. Beim Näherrücken der Amerikaner im April 1945 wurde das Lager aufgelöst; die Frauen wurden in Richtung Tschechien geschickt, wo sich die (restliche) Gruppe bei Taus (Domazlice) auflöste. Außer diesen Konzentrationslagerinsassen arbeiteten in der Firma Siemens Fremdarbeiter, z. B. aus der Ukraine, aus Polen und Italien, und auch Kriegsgefangene, vor allem aus Frankreich.

Die Zeit nach 1945[Bearbeiten]

In der Zeit von 1945 bis 1989 war für Neustadt die Lage an der innerdeutschen Grenze prägend. Die Grenzsicherungsanlagen umfassten die Stadt in nördlicher, östlicher und westlicher Himmelsrichtung, so dass die Beziehungen des Neustadter Beckens in Wirtschaft und Verkehr neu ausgerichtet werden mussten. Gerade die wirtschaftlichen Verbindungen zur nahegelegenen Stadt Sonneberg und deren Umgebung wurden unterbrochen. Demgegenüber siedelten sich, später flankiert durch die staatliche Zonenrandförderung, neue Industriezweige an. Infolge der Fluchtbewegungen aus Südthüringen entstanden in Neustadt unter anderem Betriebe der Christbaumschmuckindustrie aus dem Thüringer Wald. Neben dieser Branche waren es vor allem die Spielzeugindustrie und die elektrotechnische Industrie (Kabel- und Leitungswerk), die die Grundlage für eine prosperierende Wirtschaftsentwicklung Neustadts in der Nachkriegszeit schufen. Die Zunahme der deutschen Außenhandelsbeziehungen setzten die Betriebe der Konsumgüterbranchen aber zunehmend unter Druck ausländischer Konkurrenz. Ergebnis war ein Strukturwandel, der das gewerbliche Gesicht Neustadts nach und nach veränderte. Die Gemeindegebietsreform brachte Neustadt in den 1970er Jahren 21 Stadtteile, aber auch den Verlust der Kreisfreiheit.

Soziales[Bearbeiten]

Der Neustadter Stadtteil Haarbrücken/Siemensring war Teil des Bund-Länder-Förderprogramms Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - Soziale Stadt. Ziel des Programms war, die Wohn- und Lebensbedingungen sowie die wirtschaftliche Basis des Stadtviertels zu stabilisieren und zu verbessern. Zudem sollten die Lebenschancen der Bewohner durch Vermittlung von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen erhöht werden. Darüber hinaus wurde versucht, das Image durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern. Ein wichtiger Bestandteil des Projektes war das Quartiersmanagement, dessen Büro im Stadtteil Haarbrücken als Anlaufstelle allen Bürgerinnen und Bürgern des Quartiers zur Verfügung stand. Die Aufgaben des Quartiersmanagements waren die Aktivierung, Stärkung und Stabilisierung der im Stadtteil vorhandenen Kompetenzen und Potenziale unter aktiver Mitwirkung ortsansässiger sozialer Institutionen wie der Haarbrücker Grundschule, des Kindergartens Rabennest, der evangelischen Kirche und des FC Haarbrücken. Außerdem sollte das Quartiersmanagement zu einer Verbesserung der Kommunikation der Bewohner im Sinne positiver Nachbarschaft und zu vermehrtem Initiieren von Projekten zur Verbesserung der individuellen und familiären Wohnsituation, der Bedingungen des Wohnumfelds und der sozialen und kulturellen Infrastruktur dienen. Die staatliche Förderung lief für das Projekt 2013 aus.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Einwohner
(1970)
Datum Anmerkung
Aicha 52 1. Januar 1971[9] Zusammenschluss mit fünf weiteren Gemeinden zu Wasung
Bergdorf 298 1. Mai 1978[10]
Birkig 123 1. Juli 1972[11]
Boderndorf 66 1. Januar 1974[10]
Brüx 1968[9] Zusammenschluss mit drei weiteren Gemeinden zu Bergdorf
Ebersdorf bei Neustadt bei Coburg 267 1. Mai 1978[10]
Fechheim 161 1. Januar 1971[9] Zusammenschluss mit fünf weiteren Gemeinden zu Wasung
Fürth am Berg 510 1. Januar 1971[9] Zusammenschluss mit fünf weiteren Gemeinden zu Wasung
Haarbrücken 986 1. Mai 1978[10]
Höhn 1968[9] Zusammenschluss mit drei weiteren Gemeinden zu Bergdorf
Horb an der Steinach 1967[9] Eingemeindung nach Fürth am Berg
Horb bei Fürth am Berg 1967[9] Eingemeindung nach Fürth am Berg
Kemmaten 82 1. Januar 1971[9] Eingemeindung nach Haarbrücken
Ketschenbach 590 1. Januar 1972[11]
Meilschnitz 314 1. Mai 1978[10]
Mittelwasungen 73 1. Januar 1971[9] Zusammenschluss mit fünf weiteren Gemeinden zu Wasung
Plesten 103 1. Januar 1971[9] Zusammenschluss mit fünf weiteren Gemeinden zu Wasung
Rüttmannsdorf 1968[9] Zusammenschluss mit drei weiteren Gemeinden zu Bergdorf
Thann 342 1. Mai 1978[10]
Unterwasungen 95 1. Januar 1971[9] Zusammenschluss mit fünf weiteren Gemeinden zu Wasung
Wasung 1. Januar 1976[10]
Weimersdorf 1968[9] Zusammenschluss mit drei weiteren Gemeinden zu Bergdorf
Wellmersdorf 122 1. Mai 1978[10]
Wildenheid 1853 1. Mai 1978[10]

Sonstiges[Bearbeiten]

An einem Samstag im Juli wird jedes Jahr das Kinderfest gefeiert, dessen Ursprung auf ein Gregoriusfest zurückgeht, das in Neustadt eine Tradition von mehr als 450 Jahren aufzuweisen hat. Am darauf folgenden Sonntag findet ein Marktfest statt.

Seit 1995 vergibt die Stadt den Max-Oscar-Arnold-Kunstpreis für zeitgenössische Puppenkunst, der im Rahmen des Internationalen Puppenfestivals in der Himmelfahrtswoche verliehen wird.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Altersstruktur
Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1840 04.327 2002 16.670
1871 05.783 2003 16.693
1900 09.274 2004 16.626
1925 12.122 2005 16.511
1939 13.131 2006 16.368
1950 17.859 2007 16.258
1961 18.077 2008 16.109
1970 18.472 2009 15.934
1987 16.230 2011 15.682
2001 16.684 2012 15.279

Prognose[Bearbeiten]

Jahr Einwohner Jahr Einwohner
2010 15.820 2020 14.690
2011 15.720 2021 14.570
2012 15.610 2022 14.460
2013 15.500 2023 14.360
2014 15.390 2024 14.260
2015 15.270 2025 14.160
2016 15.150 2026 14.060
2017 15.030 2027 13.970
2018 14.920 2028 13.880
2019 14.800 2029 13.790

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat besteht aus 24 ehrenamtlichen Mitgliedern und setzt sich gemäß der Wahl vom 16. März 2014 wie folgt zusammen:[12]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
CSU 45,38 % 11
SPD 37,50 % 09
FWG 11,18 % 03
ödp 05,94 % 01

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Oberbürgermeister der Stadt ist Frank Rebhan (SPD), der am 11. Februar 2007 zum dritten Mal gewählt wurde. Er erhielt bei der Wahl 67,89 Prozent der Stimmen. Frank Rebhan hatte 1995 in der Nachfolge von Dr. Irene Schneider-Böttcher (parteilos) das Amt des Oberbürgermeisters angetreten.

2. Bürgermeisterin ist seit Mai 2014 Elke Protzmann (CSU), 3. Bürgermeister ist Martin Stingl (SPD).

Am 27. Januar 2013 wurde Amtsinhaber Frank Rebhan erneut im Amt des Oberbürgermeisters mit 63.11 % bestätigt. Die Herausforderer waren: Frank Altrichter (CSU) mit 32,01 %, Marc Holland (FW) 2,83 % und Thomas Büchner (ÖDP) mit 2,66 %

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Gold ein doppelschwänziger rot bewehrter schwarzer Löwe. Das Wappen verweist auf den Übergang der Stadt 1353 an Friedrich den Strengen, Markgraf von Meißen, den ersten wettinischen Landesherrn.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa

Seit dem 27. August 1977 besteht eine kommunale Partnerschaft mit Villeneuve-sur-Lot in Frankreich. Mit Sonneberg wurde eine Partnerschaft am 10. Februar 1990 vereinbart. Zu 36 weiteren Städten und Gemeinden aus sieben Staaten (Deutschland, Österreich, Ungarn, Polen, der Slowakei, der Tschechischen Republik und den Niederlanden) bestehen Verbindungen im Rahmen der „Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Museum der Deutschen Spielzeugindustrie mit Trachtenpuppensammlung
  • Informationsstelle über die Teilung Deutschlands 1945-1990
  • Historisches Weihnachtsmuseum

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Neustadt bei Coburg

Wirtschaft[Bearbeiten]

Kabel- und Leitungswerk Neustadt[Bearbeiten]

Am 1. Februar 1937 nahm das Neustadter Kabelwerk der Siemens-Schuckert-Werke AG seinen Betrieb auf und prägte die wirtschaftliche Situation der Stadt bis ins 21. Jahrhundert. Bis zum Jahre 1975 stieg die Zahl der Beschäftigten (inklusive Zweigwerke) auf 3400 an, was die Stadt Neustadt zu einem wirtschaftlichem Leuchtturm im strukturschwachen Zonenrandgebiet werden ließ. 1998 übernahm der italienische Kabel- und Reifenhersteller Pirelli die deutschen Kabelwerke von Siemens mit Standorten in Berlin, Schwerin und Neustadt. Der Finanzinvestor Prysmian Cables and Systems erwarb wiederum 2005 von Pirelli dessen Kabelsparte. 2007 hatte das Unternehmen in seinen beiden deutschen Kabelwerken rund 780 Mitarbeiter beschäftigt.

1980 gründete Siemens die Siecor GmbH & Co. KG, ein Joint Venture mit Corning, und 1986 begann die Produktion von Glasfaserkabeln in Neustadt. Im Jahr 2000 verkaufte Siemens seinen Anteil am Werk mit damals fast 1000 Mitarbeitern an Corning. Im Jahr 2009 sind noch rund 100 Mitarbeiter im Bereich Kupferkompetenzzentrum, IT und Entwicklung beschäftigt.

Diepa[Bearbeiten]

Das 1873 gegründete Unternehmen Diepa, vormals August Rich Dietz & Sohn, stellt mit rund 390 Mitarbeitern Spezialstahlseile für eine Vielzahl von Anwendungen her.

rolly toys[Bearbeiten]

rolly toys / Franz Schneider GmbH & Co KG ist ein Hersteller von Kinderfahrzeugen. Das Unternehmen wurde von Franz und Rosa Schneider 1938 in Neustadt gegründet. rolly toys stellt jährlich über 280.000 Trettraktoren und weitere 50.000 Kinderfahrzeuge her.

Sauer[Bearbeiten]

Sauer ist ein Hersteller von Kunststoffverpackungen und Hohlkörpern. Das Familienunternehmen wurde 1938 von Erich Sauer in Neustadt gegründet. Zirka 570 Mitarbeiter, davon 360 in Neustadt, beschäftigt das Unternehmen.

Telenec[Bearbeiten]

Das Unternehmen Telenec versorgt die Stadt über ein eigenes Breitbandkabel- und Glasfasernetz mit dem Internet, sowie Fernseh- und Radioprogrammen. Die Stadtteile Horb, Fürth am Berg, Höhn, Brüx, Weimersdorf und Rüttmansdorf konnten bisher nicht angebunden werden.

Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Neustadt bei Coburg eG[Bearbeiten]

Die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Neustadt bei Coburg eG kurz GWG ist der größte Wohnungsanbieter in Neustadt bei Coburg. Die GWG wurde 1922 gegründet. Sie verwaltet circa 900 eigene Mietwohnungen und hat circa 1500 Mitglieder.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßenanbindung[Bearbeiten]

Als Folge seiner Lage an der ehemaligen innerdeutschen Grenze war die Verkehrsanbindung Neustadts jahrzehntelang ungünstig. Dies änderte sich mit der Inbetriebnahme der Autobahn 73 im September 2008. Die Fahrzeiten in Richtung Süden (Lichtenfels-Bamberg-Nürnberg) und Norden (Suhl-Erfurt) haben sich dadurch deutlich verringert. Weiterhin ist Neustadt mit den Staatsstraßen 2202 nach Coburg und Sonneberg sowie 2708 nach Kronach an das regionale Straßennetz angebunden. Mit der Fertigstellung der Ortsumfahrung Rödental Ende 2011 wurde der Anschluss zur A 73 verbessert.

Schienenanbindung[Bearbeiten]

Bahnstrecken im Coburger Land

Die Stadt verfügte bis nach dem Zweiten Weltkrieg über einen Anschluss an die Bahnstrecke Coburg–Sonneberg sowie eine Anbindung an die sogenannte Steinachtalbahn, die jedoch durch den Trassenverlauf der Bahn durch Thüringen nach dem Zweiten Weltkrieg stillgelegt wurde. Der heutige Neustadter Ortsteil Fürth am Berg wurde noch bis zum 1. Juni 1975 im Personenverkehr durch die Steinachtalbahn bedient.

Mit der Teilung Deutschlands wurde auch der Zugverkehr zwischen Neustadt und Sonneberg unterbrochen, womit Neustadt zum Endpunkt der Verbindung Coburg–Sonneberg wurde. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde diese Strecke im Jahr 1992 wieder reaktiviert.

Wiederholte Ausbaumaßnahmen am Schienennetz, an den Haltestellen und Bahnhöfen haben diese elektrifizierte Zugverbindung zu einem leistungsfähigen ÖPNV-Angebot wachsen lassen.

Zum Winterfahrplanwechsel 2011 am 11. Dezember 2011 wurde der Takt im Nahverkehr zu einem 30-Minuten-Takt in die Richtungen Sonneberg und Coburg verdichtet, zusätzlich wurde eine stündliche Durchbindung nach Nürnberg geschaffen. Diese wurde aufgrund von Fahrzeugmangel zunächst mit einmaligem Umsteigen in Bamberg realisiert, seit dem Winterfahrplan 2012 führt sie jedoch durchgehend von Sonneberg nach Nürnberg.

Schulen[Bearbeiten]

Arnold-Gymnasium Neustadt

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Hauptartikel: Liste der Ehrenbürger von Neustadt bei Coburg

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Laurentius Albertus (1540–nach 1583; auch Lorenz Albrecht), Sprachwissenschaftler, Verfasser der ersten deutschen Grammatik
  • Karl Arnold (1883–1953), Zeichner, Karikaturist und Maler, Mitarbeiter des Simplicissimus
  • Max Oscar Arnold (1854–1938), Fabrikant und Politiker, Präsident des Coburger Landtags, MdR, MdL
  • Erich Bagge (1912–1996), Atomphysiker
  • Erich Beer (* 1946), Fußballnationalspieler
  • Ludwig Christian Crell (1671–1733), Philosoph
  • Helmut Diez (* 1953), Unternehmer, Berater, Coach und Künstler
  • Ernst Dorn (1889–1927), Maler
  • Stefan Engel (* 1954), Kommunist, Parteivorsitzender der MLPD seit 1982
  • Arno Fischer (1898–1982), Maschinenbautechniker und Politiker (NSDAP)
  • Franz Förster (1902–1985), Realschulkonrektor und Politiker (MdL)
  • Jürgen W. Heike (* 1949), Politiker (CSU), MdL, Staatssekretär im bayerischen Innenministerium
  • Emil Herold (1880–1946), Journalist, Heimat- und Ahnenforscher (Nachlass im Stadtarchiv Neustadt), machte seine Heimatstadt durch seine Veröffentlichungen überregional bekannt und erfand die Bezeichnung Bayerische Puppenstadt
  • Helmuth Johnsen (1891–1947), evang. Bischof
  • Artur Jung (* 1960), Journalist, Chefredakteur der Filmzeitschrift Cinema
  • Erhard Kirchner (1866–1927), Politiker, Präsident der Coburger Landesversammlung
  • Walter Knauer (1937–2013), Politiker (SPD), MdL
  • Friedrich Knorr (1904–1978), Bibliothekar und Politiker (CSU), MdB
  • Albert Koch (1921–1995), Politiker (SPD), MdL (125 Jahre SPD Neustadt 1876–2001 / Chronik: Helmut Scheuerich. Neustadt bei Coburg 2001)
  • Gustav Köhler (1884–1960), Bildhauer
  • Johann Jacob Korn (1702–1756), Verleger und Buchhändler in Breslau
  • Wilhelm Krumbach (1937–2005), Musikforscher und Organist, Initiator der Orgelkonzertreihe an der Herbst-Orgel in Lahm/Itzgrund
  • Georg Simon Löhlein (1725–1781), Komponist, Pianist und Violinist, Verfasser einer bedeutenden Klavierschule
  • Edmund Moeller (1885–1957), Bildhauer, gestaltete das Nationaldenkmal von Peru
  • Gustav Reißmann (1887–1954), Bildhauer, Gestalter der Ehrenmäler in Neustadt
  • Max Reißmann (1856–1917), Maler
  • Hans Woldemar Schack (1878–1946), Jurist, Politiker und Botaniker
  • Heinrich Schaumberger (1843–1874), Heimatschriftsteller
  • Johann Paul Schulthesius (1748–1816), Komponist
  • Otto Steiner (1917–1995), evang. Pfarrer
  • Wilhelm Paul Verpoorten (1721–1794), Pädagoge und lutherischer Theologe
  • Johann Georg Witthauer (1751–1802), Komponist, Bearbeiter von Löhleins Klavierschule

Hier lebten[Bearbeiten]

Dialekt und Mundart[Bearbeiten]

In Neustadt wird Itzgründisch, ein mainfränkischer Dialekt, gesprochen. Die Bewohner selbst bezeichnen ihre Mundart schlicht als "Neustadterisch".

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neustadt bei Coburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Bundesamt für Naturschutz: Landschaftsteckbrief: Obermainisches Hügelland
  3. Bundesamt für Naturschutz: Landschaftssteckbrief: Frankenwald
  4. Regierungs- und Intelligenzblatt für das Herzogthum Coburg, 9. Juni 1852
  5. Regierungs- und Intelligenzblatt für das Herzogthum Coburg, 2. Juli 1892
  6. Bayerischer Staatsanzeiger, 22. April 1921
  7. Bayerisches Wirtschaftsarchiv München
  8. Coburger Zeitung, Ausgabe Nr. 280 vom 1. Dezember 1919
  9. a b c d e f g h i j k l m  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 442.
  10. a b c d e f g h i  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 679 und 680.
  11. a b  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 601.
  12. Stadtratswahlen 2014