Never Mind The Hosen – Here’s Die Roten Rosen

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Never Mind The Hosen – Here’s Die Roten Rosen
Studioalbum von Die Toten Hosen
Cover
Veröffentlichung 13. Juli 1987
Label Virgin Schallplatten
Format LP, CD, MC
Genre Punkrock
Anzahl der Titel 13
Laufzeit 35:06

Besetzung

Produktion Die Toten Hosen
Studio Airport-Studio, Köln
Chronologie
Damenwahl
(1986)
Never Mind The Hosen – Here’s Die Roten Rosen Bis zum bitteren Ende
(1987)

Never Mind The Hosen – Here’s Die Roten Rosen ist ein Album der Band Die Toten Hosen, das sie 1987 bei Virgin Records unter dem Pseudonym „Die Roten Rosen“ herausbrachte. Das Album enthält ausschließlich „verrockte“ Coverversionen von deutschen Schlagern.

Gestaltung von Cover und Begleitheft[Bearbeiten]

Cover des Albums der Sex Pistols aus dem Jahr 1977.

Die Verwandlung von „tot“ in „rot“ und von „Hosen“ in „Rosen“ wurde konsequent durchgezogen: Aus dem Label „ToT 69“ wurde ein „ROT 69“ und produziert wurde für „Rosenkopf“. Der Titel des Albums und die Gestaltung des Covers ist eine Pastiche auf Never Mind the Bollocks, Here’s the Sex Pistols, einer LP der Punkband Sex Pistols aus dem Jahr 1977.

Die Bandmitglieder wurden ebenfalls mit neuen Namen versehen. Vid Sicious (in Anlehnung an Sid Vicious) spielt den Bass, die E-Gitarren spielen Rüdiger und Digger Barnes (eine Figur der Serie Dallas), Kirschwasserkönig Münchhausen trommelt und Judas Inocenti singt.

Ein Bild im Booklet zeigt die Band auf dem Friedhof vor einem offenen Grab. Die Schärpe an einem Kranz im Vordergrund trägt die Aufschrift „Im stillen Gedenken an den Deutschen Schlager“.

Entstehung[Bearbeiten]

Das Album entstand aus der spontanen Idee heraus, alte Schlager zu persiflieren, und wurde innerhalb von zehn Tagen im Airport-Studio in Köln-Porz für lediglich 5.000 DM Produktionskosten eingespielt.[1] Die Originaltexte wurden nicht verändert. „Wir wollten das Abstruse, Surreale und manchmal sogar Böse bei den Liedern herausarbeiten. Der deutsche Schlager war teilweise nicht so harmlos, wie er sich gab,“ erinnert sich Michael Breitkopf 2007 im Gespräch mit Jan Weiler.[2] Die Melodien und Akkorde der Originalsongs wurden ebenfalls unverändert übernommen, jedoch wurden sie wesentlich schneller und energischer gespielt. „[…] wir wollten mal zeigen, daß der Unterschied zwischen Spießbürgertum und Punk manchmal nur ’ne Rhythmusfrage ist,“ kommentiert Campino im Interview mit dem Fachblatt Musikmagazin im Dezember 1987.[3] Virgin Schallplatten zeigte zunächst wenig Bereitschaft, die Aufnahmen zu veröffentlichen, gab jedoch unter der Bedingung nach, das Ganze nicht als reguläres Album im Sinne des Vertrages mit der Band gelten zu lassen.[1]

Titelliste[Bearbeiten]

Da es sich bei allen Titeln um Coverversionen handelt, ist in Klammern der Original-Interpret vermerkt.

  1. Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini − 1:54 (von Club Honolulu)
  2. Alle Mädchen wollen küssen − 1:26 (von Leo Leandros)
  3. Im Wagen vor mir − 3:28 Gastsängerin: Monique Maasen von Asmodi Bizarr [4] (von Henry Valentino und Uschi.)
  4. Für Gaby tu’ ich alles − 2:29 (von Gerd Böttcher)
  5. Wir − 3:36 (von Freddy Quinn)
  6. Und sowas nennst du Liebe − 2:27 (von Chris Andrews)
  7. Kein Gnadenbrot − 3:40 (von Das Bachner-Duo, Musik und Text: Kuntze, / Peter Igelhoff / Fink) [5]
  8. Halbstark − 2:26 (von The Yankees)
  9. Die Sauerkrautpolka − 1:50 (von Gus Backus)
  10. Wenn Du mal allein bist − 2:29 (von Manfred Schnelldorfer)
  11. Zwei Mädchen aus Germany − 2:14 (von Paul Anka)
  12. Mein Hobby sind die Girls − 2:53 (von The Germans)
  13. Medley (Cinderella Baby / Tiroler Hut / Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt / Schöne Maid / Mama / Adelheid / Da sprach der alte Häuptling / Schön ist es auf der Welt zu sein) − 4:14
    (von Drafi Deutscher, Billy Mo, Hazy Osterwald Sextett, Tony Marshall, Heintje, Billy Mo, Gus Backus, Anita und Roy Black)

Singles und Musikvideos[Bearbeiten]

Als 7-Zoll-Vinylschallplatten wurde 1987 zunächst Im Wagen vor mir mit Halbstark als B-Seite ausgekoppelt. Im selben Jahr erschien Alle Mädchen wollen küssen als Single. Bei den Musiktiteln Liebesspieler und Opel-Gang im Country-Musik-Stil auf der B-Seite interpretierte die Band, gegenteilig zum Album, eigene Titel in einer Schlagerversion.[6]

Ein Musikvideo zu Im Wagen vor mir wurde am 24. September 1987 für die Sendung Formel Eins, damals mit Moderation Stefanie Tücking, gedreht. Zwei alte Autos wurden hintereinander im Studio aufgestellt, in einem saß die Band, und im Wagen davor saß Gastsängerin Monique Maasen.[7] Weitere Musikvideos sind in der 3 Akkorde für ein Halleluja zu sehen, Halbstark spielt die Band in einer Fußgängerzone, und das Lied Wir auf einer Treppe vor einer Baustelle.

Resonanz[Bearbeiten]

Das Album war der erste Charterfolg für Die Toten Hosen. Es stieg am 31. August 1987 auf Platz 27 ein,[2] erreichte als höchste Wertung Platz 21 und war 13 Wochen lang in den deutschen Charts vertreten.[8] Die Band wurde zudem mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet.[9]

Andreas Hub vom Fachblatt Musikmagazin stellte im Dezember 1987 fest: „Verrückt genug – und das paßt wieder zum Aberwitz dieser Band –, daß ihnen der ganz große Knüller mit einer Platte gelingt, auf der sie eigentlich gar nicht in Erscheinung treten.“[10]

Neuauflage 2007[Bearbeiten]

Zum 25. Jubiläum der Band wurde unter anderem das Album Never Mind the Hosen – Here’s Die roten Rosen neu aufgelegt, ein neues Booklet hinzugefügt und mit zusätzlichen Titeln versehen. Als Gastmusiker begleitet Hans Steingen die Band in Schade um die Rosen an der Orgel und in Ich steh an der Bar und habe kein Geld mit dem Akkordeon.

Zusatztitel[Bearbeiten]

  1. Motorbiene – 1:59 (von Peter Kraus)
  2. Wärst du denn in Düsseldorf geblieben – 2:22 (von Dorthe)
  3. Schade um die Rosen – 2:22 (Niessen)
  4. Ich steh an der Bar und habe kein Geld – 2:05 (von Bobbejaan)
  5. Popocatepetl-Twist – 1:41 (Caterina Valente und Silvio Francesco)
  6. 1000 Taler – 1:40 (Text und Musik: Campino, Hanns Christian Müller)
  7. Baby du sollst nicht weinen – 3:28 (Campino, Müller)
  8. Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow-Polkadot-Bikini – 2:08 Englische Version (Original von Brian Hyland)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bertram Job: Bis zum Bitteren Ende … Die Toten Hosen erzählen ihre Geschichte. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1996, S. 166–167.
  2. a b Jan Weiler: Kinder, wie die Zeit vergeht … Die Toten Hosen erzählen – Jan Weiler hört zu 1982–2007. Begleitheft zur Neuauflage 2007, Folge 4: Never Mind The Hosen – Here’s Die roten Rosen.
  3. Andreas Hub: Die Toten Hosen – Merry Christmas! in Fachblatt Musikmagazin, Ausgabe Dezember 1987, S. 11.
  4. Interview mit Monique Maasen, Gastsängerin bei den Roten Rosen. Die Toten Hosen, 2001, archiviert vom Original am 25. Juni 2013, abgerufen am 25. Oktober 2013.
  5. Unsere Produktionen für Ariola. Kuntze-Music, abgerufen am 4. Mai 2013.
  6. Hollow Skai: Die Toten Hosen. Hannibal, A-Höfen 2007, ISBN 978-3-85445-281-2, S. 90.
  7. Fryderyk Gabowicz: Die Toten Hosen. Live-Backstage-Studio: Fotografien 1986–2006. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2006, ISBN 3-89602-732-8, Seite 12–13.
  8. Hollow Skai: Die Toten Hosen. Hannibal, A-Höfen 2007, ISBN 978-3-85445-281-2, S. 87–88.
  9. Datenbank der Musikindustrie – Suchanfrage erforderlich
  10. Andreas Hub: Die Toten Hosen – Merry Christmas! in Fachblatt Musikmagazin, Ausgabe Dezember 1987, S. 10–13.

Weblinks[Bearbeiten]