Neviges

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51.3127777777787.0869444444444152Koordinaten: 51° 18′ 46″ N, 7° 5′ 13″ O

Neviges
Stadt Velbert
Wappen von Neviges
Höhe: 152 m
Einwohner: 18.945 (16. Okt. 2012)
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 42553
Vorwahl: 02053
Neviges (Nordrhein-Westfalen)
Neviges

Lage von Neviges in Nordrhein-Westfalen

Neviges ist ein Stadtbezirk von Velbert im Kreis Mettmann im Land Nordrhein-Westfalen in Deutschland, der von dem Titularort Neviges und zahlreichen Außenortschaften gebildet wird. Bis 1974 war Neviges eine selbstständige Stadt im Kreis Düsseldorf-Mettmann. Neviges hat gegenwärtig 18.945 Einwohner (Stand: 16. Oktober 2012).[1]

Geographie[Bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in Niederberg im Bergischen Land im Tal des Hardenberger Baches. Nach außen grenzt der Velberter Stadtbezirk an Wuppertal, Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kreis) und Wülfrath (Kreis Mettmann).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ortsname ist abgeleitet von Navigisa, einer alten Bezeichnung für den Hardenberger Bach. Beide Namensbestandteile (nava, gisa) bedeuten so viel wie Gewässer, Fluss. Die älteste Überlieferung erwähnt die Ortschaft im Jahre 1220 als Bestandteil der unabhängigen Herrschaft Hardenberg. Zum Ortsgebiet gehörten damals 13 Bauerschaften, siehe auch Burg Hardenberg.

Bereits 1354 wurde die Herrschaft von ihrem damaligen Inhaber, dem Ritter Heinrich von Hardenberg, aus finanziellen Gründen an den Grafen Gerhard von Jülich-Berg und Ravensberg verkauft. Nach 142 Jahren, in denen Hardenberg von bergischen Amtleuten verwaltet wurde, ging Neviges 1496 als erbliches Lehen an Bertram von Lützerode über.

Als Unterherrschaft bewahrte sich der Ort eine gewisse Selbständigkeit. Steuer- und Gerichtshoheit verblieben dagegen bis etwa 1806 in Hardenberg. Die größere Unabhängigkeit gegenüber den Landesherren kam unter anderem darin zum Ausdruck, dass sich die Nevigeser bereits 1551 das Recht erkaufen konnten, ohne Einspruch der Herrschaft zu heiraten. 1573 konnten sie zudem die Ablösung von Hand- und Spanndiensten, 1615 die Einschränkung der Wachtdienste erwerben.

Im Gefolge der Reformation wurde Neviges 1589 zum Tagungsort der ersten Bergischen Synode. Der damalige Inhaber der Herrschaft Wilhelm V. (III.) von Bernsau und seine Nachfolger schützten und förderten die Reformation, bis sie im Jahre 1649 wieder zum Katholizismus zurückkehrten.

Die Stellung von Neviges als Wallfahrtsort wird auf eine Marienerscheinung des Dorstener Franziskanermönches Antonius Schirley zurückgeführt. Als der Fürstbischof von Paderborn und Münster, Ferdinand von Fürstenberg, nach schwerer Krankheit unerwartet seine Gesundheit wiedererlangte, unternahm er zum Dank eine Pilgerfahrt nach Neviges und finanzierte auch die Fertigstellung des dort im Rahmen der Gegenreformation bereits im Bau befindlichen Franziskanerklosters. 1688 wurde die Pilgerfahrt durch den Kölner Generalvikar offiziell genehmigt. Papst Clemens XII. sagte allen Hardenberg-Pilgern einen vollkommenen Ablass der Sündenstrafen zu.

In Folge der französischen kommunalen Neuordnung des Großherzogtums Berg entstand die Bürgermeisterei Hardenberg, der neben den Kirchdörfern Neviges (samt Bauerschaft Neviges) und Langenberg die altbergischen Honschaften bzw. Bauerschaften Große Höhe, Kuhlendahl, Kleine Höhe, Untensiebeneick, Obensiebeneick, Dönberg, Richrath, Voßnacken, Dilldorf, Rottberg, Windrath, Nordrath und Wallmichrath angehörten, deren Gebiete heute zu großen Teilen im Velberter Stadtbezirk Neviges liegen.

Bereits 1847 begann in Neviges durch die Prinz-Wilhelm-Bahn zwischen (Essen-)Steele und (Wuppertal-)Vohwinkel das Zeitalter der Eisenbahn. Der alte, seit dem 27. April 2003 stillgelegte Bahnhof hat sich bis heute erhalten und steht unter Denkmalschutz. In der Folge der Industrialisierung wurde 1861 von der Firma David Peters eine „Unterstützungskasse für Krankheit und Sterbefälle“ eingeführt, die heute noch als vorbildlicher Schritt zu einer betrieblichen Sozialabsicherung gilt.

Die Bürgermeisterei Hardenberg wurde 1859 in die Landbürgermeisterei Hardenberg, bestehend aus der Landgemeinde Hardenberg, und die Stadtbürgermeisterei Langenberg geteilt.[2] Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bürgerte sich für die Landgemeinde Hardenberg immer mehr die Bezeichnung Hardenberg-Neviges ein; eine amtliche Namensänderung fand allerdings zunächst nicht statt.[3] Im Jahre 1899 wurden Dilldorf sowie Teile von Rottberg und Voßnacken aus der Gemeinde Hardenberg-Neviges in die Gemeinde Kupferdreh im Landkreis Essen umgegliedert.[4] Hardenberg-Neviges erhielt 1922 das Stadtrecht gemäß der Rheinischen Städteordnung und 1935 den amtlichen Namen Neviges.[5][6][7]

Im Zweiten Weltkrieg stürzte am Abend des 04. November 1944 die viermotorige Handley Page Halifax der RAAF mit Seriennummer LV-936 und Kennung HD-D im Windrather Tal in Neviges ab, nachdem sie Bochum angegriffen hatte. Das Flugzeug flog mit einer 7-köpfigen Besatzung, es wurde von Flak abgeschossen und explodierte bereits in großer Höhe. Alle 7 Besatzungsmitglieder konnten das Flugzeug verlassen, dennoch kamen vier Soldaten in der Folge ums Leben. Der Pilot überlebte durch einen einmaligen glücklichen Zufall den Abschuss, obwohl er ohne Fallschirm aus dem Flugzeug geschleudert wurde. 2014 recherchierten ehrenamtliche Mitarbeiter des Amtes für Bodendenkmalpflege die Geschichte der Halifax LV-936, es konnten Teile geborgen und der exakte Absturzort nachgewiesen werden. Die Recherche lieferte dann den traurigen und bis dato unbekannten Umstand, dass zumindest ein Besatzungsmitglied mit hoher Wahrscheinlichkeit einem Flieger-Lynchmord und damit einem Kriegsverbrechen zum Opfer gefallen war.[8]

Die 4 beim Absturz und in der Folge ums Leben gekommenen Soldaten sind namentlich bekannt und liegen heute auf dem Commonwealth-Soldatenfriedhof Reichswald Forest War Cemetery in Kleve begraben.

1968 wurde der von dem Architekten Gottfried Böhm als großes Zelt konzipierte Nevigeser Wallfahrtsdom fertiggestellt und erhielt den Namen „Maria, Königin des Friedens“.

Im Rahmen der Gemeindereform in Nordrhein-Westfalen verlor Neviges am 1. Januar 1975 seine Stadtrechte. Die drei Nachbarstädte Neviges, Langenberg und Velbert wurden zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Velbert und der Bezeichnung Stadt zusammengeschlossen. Der bis dahin zur Stadt Neviges gehörende Ortsteil Dönberg fiel an Wuppertal.[9] Gleichzeitig wurde der Velberter Stadtteil Tönisheide dem Stadtbezirk Neviges zugeordnet.

Am 29. August 2012 hat der Bezirksausschuss entschieden, den Agnes-Miegel-Weg, den Hermann-Stehr-Weg und den Ina-Seidel-Weg am Wimmersberg umzubenennen, da die Namen der Schriftsteller wegen ihrer offenen Sympathiebekundungen für die Nationalsozialisten in die Kritik geraten waren.[10]

Religionen[Bearbeiten]

In Neviges gibt es seit Jahrhunderten – für einen katholischen Wallfahrtsort ungewöhnlich – eine evangelische Mehrheit. Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Neviges trifft sich in der von einem Oval von Fachwerkhäusern umgebenen Stadtkirche und der im Ortsteil Siepen in den 60er Jahren erbauten Kirche. Ökumenisch begangen werden unter anderem das Sternsingen und das Pfarrgemeindefest. Die Katholische Pfarrkirche „Christi Auferstehung“, Neviges-Siepen, wurde im Jahr 2007 abgerissen[11]. An der Stelle befindet sich nun eine Wohnbebauung.

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

ehemaliges Nevigeser Wappen (bis 1974)

Das Nevigeser Wappen zeigt einen von acht Türmen des Schlosses Hardenberg mit dem Wappen der Herren von Hardenberg. Das angedeutete Gewässer darunter bezieht sich heraldisch auf den namengebenden, ursprünglich Navigisa heißenden Hardenberger Bach.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Wirtschaft ist dominiert durch mittelständische Industriebetriebe, die unter anderem in der Metallverarbeitung tätig sind. Ein anderer wichtiger Zweig ist die Landwirtschaft, besonders im Windrather Tal.

Verkehr[Bearbeiten]

Neviges ist seit 2003 durch eine zweigleisige S-Bahn-Linie (S 9), die auf der Strecke der historischen Prinz-Wilhelm-Eisenbahn verkehrt, an die Städte Essen im Norden und Wuppertal im Süden angebunden. Ein Haltepunkt befindet sich im Zentrum, ein anderer am südlichen Stadtrand (Velbert-Rosenhügel). Die planmäßige Fahrtzeit vom Zentrum beträgt etwa 26 Minuten zum Essener Hauptbahnhof und 22 Minuten zum Hauptbahnhof Wuppertal.

Außerdem bestehen Buslinien in das Stadtzentrum von Velbert, in den Ortsteil Langenberg sowie nach Wuppertal. Die A 535 verbindet Neviges nicht nur mit Velbert Mitte, sondern über das Sonnborner Kreuz in Wuppertal auch mit der A 46.

Freizeiteinrichtungen[Bearbeiten]

  • Hallen- und Freibad mit Wellenanlage
  • Minigolfanlage am Schloss Hardenberg
  • Musikschule
  • Mountainbikestrecken rund um Neviges
  • Skaterpark im Siepen
  • Schlittenstrecke „Kuhpiste“ am Pöthen

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Maria, Königin des Friedens in Neviges – „Felsen aus Beton und Glas“
Kindergarten Neviges (Architekt: Gottfried Böhm)

Sport[Bearbeiten]

  • Im Jahre 1862 wurde der Nevigeser Turnverein gegründet. Die Schwerpunkte sind Turnen, Handball, Leichtathletik und Jazz Dance.
  • Seit dem Jahr 1945 gibt es den TuS Neviges als Breitensportverein. Die Schwerpunkte sind Fußball, Tischtennis, Tennis und Gymnastik.
  • Nach Errichtung des Nevigeser Schwimmbads wurde am 28. Oktober 1974 der Schwimmverein Neviges gegründet. Sowohl Herren- als auch Damenteam waren zeitweilig in der 2. Bundesliga vertreten. Herausragende sportliche Erfolge waren der zweite Platz bei der Europameisterschaft in der Lagen-Mixed-Staffel und der Gewinn einer Bronzemedaille 1995 durch die Freistilstaffel.
  • Seit 1969 besteht der ntc-1969 (Nevigeser Tennisclub). Auf sieben Außenplätze, eine Ballwand und einer Zweifeld-Tennishalle können Tennisbegeisterte das ganze Jahr den Tennissport ausüben. Ebenso ist dem Tennisclub eine kleine Clubgastronomie angeschlossen die für jedermann geöffnet ist. Auch Sportmuffel werden im Nevigeser Tennisstübchen gerne gesehen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Kriminalfälle[Bearbeiten]

Fall Kassandra[Bearbeiten]

Am 14. September 2009 kam der Stadtteil in die Medien, als ein 14-jähriger Junge einem 9-jährigen Mädchen einen Schädelbruch zugefügt, und anschließend in einen Kanalschacht geworfen hatte. Das Gericht verurteilte im April 2010 den 15 Jahre alten Schüler wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe. Die Anwältin des Jungen kritisierte das verhängte Urteil der Richter als zu hart, der Bundesgerichtshof verwarf jedoch die Revision.[12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Krafft: Die Stiftung der Bergischen Provinzialsynode am 21. Juli 1589 zu Neviges bei Elberfeld. Evang. Ges. in Komm., Elberfeld 1889 (Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf)
  • Christoph Schotten: Neviges – Bewegte Zeiten. Die 50er Jahre. Wartberg, Gudensberg 1999.
  • Gerd Haun, Uwe Holtz, Willi Willebrand: 50 Jahre Stadtrechte Neviges. Bühner-Druck, Neviges 1972.
  • Kurt Wesoly: Rheinischer Städteatlas 077. Neviges. Böhlau, Köln 2001.
  • Siegfried Quandt: Sozialgeschichte der Stadt Langenberg und der Landgemeinde Hardenberg-Neviges unter besonderer Berücksichtigung der Periode 1850–1914. Schmidt, Neustadt an der Aisch 1971.
  • Dr. Helmut Grau • Marcel Lesaar • Jürgen Lohbeck • Sven Polkläser: ABGESTÜRZT - Die Geschichte von fünf im 2. Weltkrieg in Langenberg, Neviges, Mettmann und Wuppertal abgestürzten Halifax-Bombern und deren Besatzungen, Scala Verlag, Velbert 2014, ISBN 978-3-9816362-2-2. (Kurzfassung)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Daten & Fakten In: velbert.de.
  2. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1859, S. 231
  3.  Siegfried Quandt: Sozialgeschichte der Stadt Langenberg und der Landgemeinde Hardenberg-Neviges. In: Bergischer Geschichtsverein (Hrsg.): Bergische Forschungen. IX, Ph. C. W. Schmidt, Neustadt an der Aisch 1971.
  4. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1899, S. 111
  5. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1922, S. 413
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMichael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte. Abgerufen am 2. Mai 2014.
  7. Bürgerverein Dönberg: Geschichte
  8. Dr. Helmut Grau • Marcel Lesaar • Jürgen Lohbeck • Sven Polkläser: 'ABGESTÜRZT - Die Geschichte von fünf im 2. Weltkrieg in Langenberg, Neviges, Mettmann und Wuppertal abgestürzten Halifax-Bombern und deren Besatzungen, Scala Verlag, Velbert 2014, Kapitel 5.
  9.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 292f.
  10. http://www.derwesten.de/staedte/velbert/drei-strassen-werden-umbenannt-id7038982.html
  11. Die Kirche „Christi Auferstehung“ auf der Seite der Pfarrei „Maria, Königin des Friedens“; Siehe Abschnitt 2.3.1 „Zur Geschichte katholischen Lebens im Seelsorgebereich“
  12. Urteil im Fall „Kassandra“ ist rechtskräftig WAZ vom 27. Oktober 2010.