Nezahualcóyotl (König)

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Darstellung Nezahualcóyotls im Codex Ixtlilxóchitl

Acolmitzli Nezahualcóyotl (* 28. April 1402 in Texcoco; † 4. Juni 1472 ebenda) war ein Herrscher, Philosoph und Dichter im präkolumbischen Mesoamerika.

Leben[Bearbeiten]

Er herrschte über die Acolhua, ein Chichimekenvolk, das wie die Azteken zur losen Völkergruppe der Nahua gezählt wird. Nezahualcóyotl war der Sohn von Ixtlilxóchitl (Vater) und Matlalcihuatzin (Mutter), die beide im Jahr 1418 bei einem Überfall der Tepaneken getötet wurden. Nach diesem Überfall musste Nezahualcóyotl in die Aztekenhauptstadt Tenochtitlán fliehen, deren Herrscher mit seiner Familie verschwägert waren. Dort genoss er in den folgenden Jahren eine umfangreiche Ausbildung, musste sich aber immer wieder vor Nachstellungen durch die Tepaneken verstecken. Erst im Jahr 1431 gelang es ihm, in einem Militärbündnis mit den Azteken die Tepaneken zu besiegen und sich in seiner Heimatstadt Texcoco zum Herrscher weihen zu lassen. Aus diesen Jahren des Wartens stammt auch sein Name, der in der Nahuatl-Sprache „Hungriger Kojote“ bedeutet.

In den Folgejahren führte er Texcoco und sein Volk zu einer Blütezeit in Kultur, Wissenschaft, Architektur, Religion und Landwirtschaft. Er selbst war der Architektur, Dichtkunst und Philosophie zugetan. Unter anderem erbaute er ein Aquädukt, um die in dem Salzwasser führenden Texcoco-See gelegene Stadt Tenochtitlán mit Frischwasser zu versorgen. Sein Palast, dessen Überreste noch heute in Texcoco besichtigt werden können, verfügte über ein ausgeklügeltes Wasserversorgungssystem. Einige seiner Gedichte wurden mündlich überliefert und sind im Codex Ixtlilxóchitl und anderen von christlichen Mönchen verfassten Codizes aus dem 16. Jahrhundert erhalten.

Man vermutet, dass Nezahualcóyotl mit einer Vielzahl von Frauen über 100 Kinder zeugte. Sein Sohn Nezahualpilli (1464–1515) folgte ihm nach seinem Tod im Jahr 1472 auf den Thron.

Literatur[Bearbeiten]

  • José Luis Martínez: Nezahualcóyotl. Vida y obra. Fondo de Cultura Económica, Mexiko-Stadt 1972 (Biblioteca Americana. Serie de Literatura Indígena. Pensamiento y acción. ZDB-ID 421654-4).
  • Heiderose Hack-Bouillet: Nezahualcóyotl. Blumen und Gesänge. Scaneg, München 2005, ISBN 3-89235-512-6.
  • Gordon Brotherston: Nezahualcóyotl’s “Lamentaciones” and their Náhuatl origins: the westernization of ephemerality. In: Estudios de Cultura Náhuatl. 10, 1972, ISSN 0071-1675, S. 393–408.

Vertonungen[Bearbeiten]

  • Der Komponist Juan Maria Solare komponierte 2007–2008 das Werk Un recuerdo que dejo (Eine Erinnerung, die ich hinterlasse) für Frauenstimme, Flöte, Klarinette, Harfe und Streichquartett nach Texten von Nezahualcóyotl.

Weblinks[Bearbeiten]