Niš

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Ниш
Niš
Ниш
Wappen von Niš
Niš (Serbien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Serbien
Okrug: Nišava
Koordinaten: 43° 19′ N, 21° 54′ O43.32444444444421.905192Koordinaten: 43° 19′ 28″ N, 21° 54′ 18″ O
Höhe: 192 m. i. J.
Fläche: 597 km²
Einwohner: 260.237 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 436 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+381) 018
Postleitzahl: 18000
Kfz-Kennzeichen: NI
Struktur und Verwaltung (Stand: 2008)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Miloš Simonović[2] (DS)
Webpräsenz:

Niš (serbisch-kyrillisch Ниш, anhören?/i, deutsch Nisch (in älterer deutscher Schreibweise)[3]) ist die drittgrößte Stadt in Serbien und gleichzeitig der Hauptverwaltungssitz des Okrug Nišava. Im Jahr 2011 zählte die Stadt 260.237 Einwohner.[4] Niš ist Industrie- und Handelsstadt und Sitz eines orthodoxen Bischofs. In Niš befinden sich eine Universität und ein Symphonie-Orchester, Museen, Theater und verschiedene Kultureinrichtungen.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Niš liegt ca. 250 km südöstlich von Belgrad und ca. 160 km westlich von Sofia am Fluss Nišava auf einer Höhe von 192 m über dem Meeresspiegel. Die Fläche der Stadt umfasst 597 km².

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Bezirke Nis

Die Stadt Niš besteht aus fünf Stadtbezirken:

Klima[Bearbeiten]

In Niš herrscht ein gemäßigtes kontinentales Klima mit den für Europa üblichen vier Jahreszeiten. Die Durchschnittstemperatur beträgt 11,2 °C. Der Juli ist der wärmste Monat des Jahres mit dem Durchschnittswert von 21,2 °C. Der kälteste Monat ist der Januar mit durchschnittlich 0,2 °C. Der Durchschnitt der jährlichen Niederschlagsmenge beträgt 567 mm. Es gibt 123 Tage mit Regen und 43 Tage mit Schnee im Jahr.

Niš
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
39
 
5
-3
 
 
37
 
8
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13
2
 
 
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18
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40
 
30
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25
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41
 
19
8
 
 
55
 
12
3
 
 
52
 
6
-1
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Hydrometeorologisches Institut der Republik Serbien;
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Niš 1981–2010
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 4,9 7,5 13,2 18,4 23,8 27,4 30,0 30,4 25,2 19,4 11,7 5,8 Ø 18,2
Min. Temperatur (°C) -2,7 -1,5 2,3 6,8 11,8 14,3 16,1 15,9 12,1 7,5 2,7 -1,0 Ø 7,1
Temperatur (°C) 0,8 2,7 7,8 13,1 18,0 21,6 24,1 23,8 18,4 13,5 6,6 2,2 Ø 12,8
Niederschlag (mm) 38,8 36,8 42,5 56,6 58,0 57,3 42,6 40,2 41,0 40,5 54,8 51,5 Σ 560,6
Sonnenstunden (h/d) 2,9 3,7 4,9 5,8 7,2 8,6 9,7 8,9 6,8 5,1 3,2 2,0 Ø 5,7
Regentage (d) 7 7 8 9 9 7 6 4 4 6 10 11 Σ 88
Luftfeuchtigkeit (%) 80 74 66 63 65 65 61 61 69 73 77 81 Ø 69,6
T
e
m
p
e
r
a
t
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4,9
-2,7
7,5
-1,5
13,2
2,3
18,4
6,8
23,8
11,8
27,4
14,3
30,0
16,1
30,4
15,9
25,2
12,1
19,4
7,5
11,7
2,7
5,8
-1,0
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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38,8
36,8
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56,6
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57,3
42,6
40,2
41,0
40,5
54,8
51,5
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Geschichte[Bearbeiten]

Banovina, heute Universitätsgebäude
Serbisch-orthodoxe Dreifaltigkeitskathedrale
Stadttheater

Antike und Mittelalter[Bearbeiten]

Die frühesten Besiedlungen stammen aus der Zeit 6000-5000 v. Chr. Im 3. vorchristlichen Jahrhundert gründeten die Kelten in der Gegend von Niš eine Siedlung Namens Navissos (etwa: die Stadt der Fee). Die Römer eroberten die Stadt 75 v. Chr. Navissos wurde in Naissus umbenannt und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Kastelle des römischen Balkans. Durch Naissus führte die strategische Straße Via Militaris, die von Konstantinopel aus über Adrianopel-Philippopolis-Serdica-Naissus quer über die Balkanhalbinsel bis nach Singidunum (heute Belgrad) führte und der ehemaligen Europastraße 5 (heute teils E 75, teils E 80) entspricht. In Naissus wurde um 280 Konstantin der Große geboren, der als römischer Kaiser das Christentum privilegierte; auch der weströmische Kaiser Constantius III. ist ein Sohn der Stadt. Nach 395 gehörte Naissus zu Byzanz. Um 580 siedelten die ersten Slawen um Naissus, die der Stadt ihren slawischen Namen Niš gaben. 615 wurde die Stadt von den Slawen und Awaren erobert, womit die römisch-byzantinische Herrschaft im Moravatal ein vorläufiges Ende fand.

Die Bulgaren unter Khan Krum eroberten Niš um 809, jedoch kam die Stadt ab 1018 wieder unter byzantinische Herrschaft. Als erster serbischer Fürst kam Stefan Nemanja 1185 in den Besitz der Stadt, der sie sogleich zu seiner Hauptstadt machte. In Niš empfing Stefan Nemanja Kaiser Friedrich Barbarossa, der als Kreuzfahrer 1189 entlang der Via Militaris nach Süden zog. 1190 erneuerte Byzanz seine Herrschaft in Niš, um nach 1205 wieder serbisch und 1208 bulgarisch zu werden. In der darauffolgenden Zeit wechselten sich in der Stadt bulgarische und serbische Herrschaften ab.

Osmanische Herrschaft[Bearbeiten]

1385 eroberten die Osmanen die Stadt erstmals. Der serbische Fürst Stefan Lazarević konnte Niš seiner Herrschaft angliedern, doch mit der endgültigen Eroberung Serbiens durch die Osmanen 1459 blieb Niš bis 1878 Bestandteil des Osmanischen Reiches. Während der osmanischen Herrschaft war Niš eine der wichtigsten Städte der so genannten Europäischen Türkei. Die Stadt war Sitz eines Paschas und administratives Zentrum des Vilayet Niš. Die Osmanen erbauten ebenfalls die heutige Festung von Niš, ein Beispiel osmanischer Festungsarchitektur.

Im Ersten Serbischen Aufstand von 1804 bis 1813 brachten serbische Aufständische die Stadt unter ihre Kontrolle. Als Niš von den Osmanen belagert wurde und den Aufständischen die Munition ausging, sprengten sich am 31. Mai 1809 über 1000 Aufständische selbst in die Luft. Die Osmanen erbauten daraufhin als Warnung an die Serben den Totenschädelturm (Ćele Kula), in dem die Schädel von 1836 gefallenen Aufständischen eingemauert wurden. Heute ist der Schädelturm ein nationales Mahnmal.

1861 wurde Midhat Pascha Gouverneur über das Vilayet Niš. In seiner Amtszeit war er erfolgreich bei der Bekämpfung der Räubereien und die dadurch veranlasste Auswanderung der Bulgaren Richtung Serbien. Im Rahmen der Tanzimat-Reformen von 1864 ging das Vilayet Niš im neu gegründeten Vilayet Tuna auf. Neue Provinzhauptstadt wurde Russe an der Donau und Niš verlor an Bedeutung und wurde zum Zentrum eines Sandschaks.

Gemäß dem vom Sultan Abdülaziz am 28. Februar 1870 erlassenen Ferman zur Errichtung des Bulgarischen Exarchats wurde die Eparchie Niš dem Bulgarischen Exarchat unterstellt und Niš wurde Sitz eines bulgarischen Metropoliten. Bereits in den 1840er Jahren war im Züge des Tanzimats eine bulgarische Gemeinde in der Stadt entstanden, welche den Kirchen- und Schulbau finanziell unterstütze.

1878 wurde Niš vom Fürstentum Serbien erobert und in der Folge die bulgarische und albanische Bevölkerung vertrieben. Die Albaner wurden ins Kosovo oder in diejenigen Gebiete Serbiens verdrängt, in denen sie noch heute leben.[5] Die Eparchie Niš wechselte zur serbischen orthodoxen Kirche.

Als Teil Serbiens[Bearbeiten]

Niš wurde 1878 im Russisch-Osmanischen Krieg von der serbischen Armee besetzt und nach dem Berliner Kongress dem nun unabhängigen Fürstentum Serbien zugesprochen. Niš wurde im Serbisch-Bulgarischen Krieg von 1885/1886, im Ersten und im Zweiten Weltkrieg von der bulgarischen Armee erobert.

Jüngste Bedeutung[Bearbeiten]

Tausende Christen haben am 21. September 2013 in Nis die Anerkennung ihrer Religion vor 1.700 Jahren gefeiert. Der Mailänder Kardinal Angelo Scola zelebrierte gemeinsam mit zahlreichen Bischöfen aus Serbien und den Nachbarländern den Festgottesdienst in einem Fußballstadion.

Mit der sogenannten Mailänder Vereinbarung hatten nämlich der weströmische Kaiser Konstantin der Große und der oströmische Kaiser Licinius im Jahr 313 das bis dahin verfolgte Christentum allen anderen Religionen gleichgestellt. Niš wurde für diesen Gottesdienst bewusst ausgewählt: Kaiser Konstantin war in Naissus, dem heutigen Niš zwischen 270 und 288 auf die Welt gekommen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

  • 1900: 24.573
  • 1905: 21.946
  • 1910: 24.949
  • 1921: 28.625
  • 1931: 35.465
  • 1941: 44.800 (Schätzung)
  • 1948: 49.332 (109.280)*
  • 1953: 58.656 (122.100)*
  • 1961: 81.250 (148.354)*
  • 1971: 127.654 (195.362)*
  • 1981: 161.376 (232.563)*
  • 1991: 173.250 (245.182)*
  • 2002: 173.724 (250.518)*
  • 2008: 182.209 (252.000)*

() * - Bevölkerung nach den heutigen Grenzen der Stadt

Bevölkerungsstruktur[Bearbeiten]

Die Serben stellen mit 162.380 (93,47 %) Einwohnern nach der Volkszählung von 2002 die klare Mehrheit in Nis. Es folgen Roma 4461 (2,56 %), Montenegriner 747 (0,42 %), Bulgaren 679 (0,39 %), Jugoslawen 605 (0,34 %), Kroaten 601 (0,34 %) und die Mazedonier 379 (0,21 %).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Am Ostrand des heutigen Stadtkerns von Niš befindet sich die Römerruine Mediana, einst ein Vorort des antiken Naissus. Nach Mediana wurde der Innenbezirk von Niš benannt.

Die Festung von Niš wurde von den Osmanen auf den Überresten eines römischen Militärlagers im 18. Jahrhundert gebaut. Mit ihrem darin gelegenen Park ist sie heute ein beliebter Treffpunkt. Die Festung enthält eine alte Moschee, ein altes Hamam und ein modernes Amphitheater, das für kulturelle Aktivitäten genutzt wird. Im September findet hier das jährliche Rockfestival Nisomnia statt.

Hinter der Festung befindet sich der Gemüse- und Früchtemarkt und etwas weiter am Boulevard 12. Februar die Gedenkstätte des aus dem Zweiten Weltkrieg stammende Konzentrationslagers Crveni Krst. Zwischen 1941 und 1944 wurden 10.000 Gefangene dieses Lagers auf dem Hügel Bubanj erschossen. Ihnen ist das Bubanj-Denkmal gewidmet.

Sport[Bearbeiten]

Etwa einen Kilometer östlich des Stadtzentrums befindet sich in einer parkähnlichen Anlage das Sportzentrum Čair, zu dem unter anderem das Čair-Stadion und die Sporthalle Čair gehören. Dort sind auch die wichtigsten Sportvereine der Stadt, der Radnički Niš, der in der ersten serbischen Liga spielt, und der Erstliga-Handballklub Železničar Niš beheimatet.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Niš unterzeichnete erstmals 1985 und erneut im Jahr 2001 ein Kooperationsabkommen mit Saltdal in Norwegen.

Weitere Kooperationsabkommen gibt es mit:

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Irinej (* 1930), Patriarch der serbisch-orthodoxen Kirche, von 1975 bis 2010 Bischof von Niš

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niš – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. Webseite der Stadt Niš
  3. Anton Tuma, Serbien, 2012, Seite 210
  4. [2]
  5.  Miranda Vickers: Shqiptarët - Një histori moderne. Bota Shqiptare, 2008 (Originaltitel: The Albanians - A Modern History, übersetzt von Xhevdet Shehu), ISBN 978-99956-11-68-2, Traktati i Shën Stefanit dhe themelimi i Lidhjes së Prizrenit, S. 54.