Nicholas Winton

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Nicholas Winton in Prag im Oktober 2007

Sir Nicholas George Winton MBE (* 19. Mai 1909 in London) ist ein britischer Staatsbürger, der kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs die Rettung von 669 meist jüdischen tschechischen Kindern vor dem Holocaust organisierte. Diese Aktion wurde als der tschechische Kindertransport bekannt. Winton, der selbst jüdischer Abstammung ist, gilt als „britischer Schindler“.[1]

Leben[Bearbeiten]

Winton wurde als Kind deutscher Juden geboren, die zum Christentum konvertiert und im Jahre 1907 nach England ausgewandert waren. 1938 hatten sie ihren Namen von Wertheimer zu Winton geändert.[2][3] Nach Schulbesuch und Banklehre arbeitete er bei Banken in England, Hamburg (L. Behrens & Söhne), Berlin (Deutsche Bank unter Oscar Wassermann) und ab 1931 bei der Banque Nationale du Credit in Paris, die später zur BNP Paribas wurde. Nach seiner Rückkehr nach London arbeitete er als Broker. Auf Einladung von Freunden besuchte er statt eines geplanten Skiurlaubs in der Schweiz zu Weihnachten 1938 Prag, das nach der Besetzung des Sudetenlandes von Flüchtlingen bedrängt wurde. Von seiner Herkunft her sensibilisiert, versuchte er zu helfen und nach seiner Rückkehr in London die Ausreise wenigstens von Kindern zu organisieren. Diese war nach den Novemberpogromen möglich durch ein britisches Gesetz für Kinder unter 17 Jahren (Refugee Children Movement). Das gelang ihm von London aus mit einem Prager Gewährsmann durch Finden von Adoptiveltern, Sammeln von Geld für Visa, Kautionen und Reisekosten für Kindertransporte, deren letzter für den 3. September 1939 geplant war. Nach Ausbruch des Krieges kam dieser Zug nicht mehr zustande. Winton, der sich auch im Alter gemeinnützig betätigte und dafür mit dem Order of the British Empire geehrt wurde, sprach nicht über seine Taten. Auch die Kinder ahnten nichts von seinem Beitrag. Sie glaubten an eine Mitwirkung des Roten Kreuzes. Erst seine Frau fand 1988 in einem Koffer auf dem Speicher des Wohnhauses Material und brachte die Sache an die Öffentlichkeit.[4]

Einige „seiner“ Kinder im Jahre 2007

Verfilmungen[Bearbeiten]

1997 produzierte Matej Mináč, ein slowakischer Filmemacher, den Spielfilm All My Loved Ones, an dessen Ende eine Szene mit Winton zu sehen ist. Diese Szene hatte eine solch starke Wirkung, dass Mináč sich entschloss, einen Dokumentarfilm über Wintons Leben zu drehen mit dem Titel: Nicholas Winton – The Power of Good. Dieser Film gewann 2002 den Internationalen Emmy Award in der Kategorie Documentary.

2001 besuchten Charles und Rita Gelman aus Ann Arbor (Michigan, USA) die Tschechische Republik kurz nach dem 11. September. Dort trafen sie auch Matej Mináč und sahen den Film. Danach waren die Gelmans von dem Gedanken überzeugt, dass diesen Film jeder amerikanische Schüler sehen sollte. Heute vertreibt die „Gelman Educational Foundation“ diesen Film kostenlos an Lehrer in ganz Nordamerika.

Petition für den Nobelpreis[Bearbeiten]

Durch die Initiative tschechischer Schüler entstand eine Petition, in der Gymnasiasten und Mittelschüler die entsprechenden Gremien des norwegischen Parlaments auffordern, Nicholas Winton für seine Verdienste den Friedensnobelpreis zu verleihen. Zum 9. Oktober 2007 hatte die Petition bereits 32.233 Unterschriften.[5]

Ehrungen[Bearbeiten]

Nicholas Winton wohnt heute in Maidenhead, Großbritannien. Er wurde 1983 wegen seiner karitativen Arbeit für Ältere als Member in den Order of the British Empire aufgenommen, vor allem aufgrund der Gründung der Abbeyfield-Häuser. In Tschechien wurde er mit dem Freiheitspreis der Hauptstadt Prag ausgezeichnet. Am 28. Oktober 1998 erhielt Winton aus den Händen Staatspräsident Václav Havels den Masaryk-Orden. Am 5. Juli 2001 wurde ein Asteroid nach Winton benannt: (19384) Winton. Im Dezember 2002 wurde Winton von Königin Elisabeth II. für seine Verdienste um die Menschlichkeit zum Ritter geschlagen. Im Oktober 2014 soll er den tschechischen Orden des Weißen Löwen erhalten.

Als Sohn von zum Christentum konvertierten jüdischen Eltern kann er nicht als Gerechter unter den Völkern in Yad Vashem geehrt werden.

Im Alter von 100 Jahren erlebte Nicolas Winton die Gedenkfeier in London, wo vor 70 Jahren die Kinder ankamen. Am 4. September 2009 fuhr der historische Zug „The Winton Train“, in dem einige der Holocaust-Überlebenden saßen, im Bahnhof Liverpool Street ein. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder dankten Nicolas Winton persönlich.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Susan Poizner: Winton’s Wartime Gesture. In: The Jerusalem Report, 31. August 1998.
  • Honour for ‘British Schindler. BBC News, 26. September 2002.
  • British ‘Schindler’ gets knighthood. CNN, 31. Dezember 2002.
  • Gedenken an Holocaust-Überlebende. ARD Tagesschau, 4. September 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Brill: Ein diskreter Held - Film über den „britischen Schindler“. In: Süddeutsche Zeitung, 24. Januar 2011.
  2. Artikel in thejewishchonicle mit Hinweis auf einen Artikel von Monica Porte aus 2010
  3. Biographie bei Winton train (Version vom 9. September 2009 im Internet Archive), abgerufen Januar 2011
  4. Bericht über den Film Power of Good (Version vom 9. Juni 2011 im Internet Archive)
  5. Nobelova cena míru pro Sira Nicholase Wintona. wintonfilm.com