Nichts als die Wahrheit (1999)

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Filmdaten
Deutscher Titel Nichts als die Wahrheit
Originaltitel Nichts als die Wahrheit
Produktionsland Deutschland, USA
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1999
Länge ca. 125 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Roland Suso Richter
Drehbuch Johannes W. Betz,
Christopher Riley,
Kathleen Riley
Produktion Edward R. Pressman
Musik Harald Kloser
Kamera Martin Langer
Schnitt Peter R. Adam
Besetzung

Nichts als die Wahrheit (1999) ist ein Film von Regisseur Roland Suso Richter nach dem gleichnamigen Roman von Johannes Betz und Beate Veldtrup. Die deutsch-amerikanische Coproduktion stellt ein hypothetisches Szenario dar, in dem der KZ-Arzt Josef Mengele die Legitimität seiner Handlungen im KZ Auschwitz nachweisen will.

Handlung[Bearbeiten]

Der junge deutsche Anwalt Peter Rohm ist Experte für Dr. Josef Mengele, der durch seine diabolischen Menschenversuche im nationalsozialistischen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau als „Todesengel von Auschwitz“ in die Geschichte einging. Eigentlich arbeitet er an einem Buch über den verhassten Arzt, hat aber bisher noch keine Zeile zu Papier gebracht. Das Tun des Mediziners ist ihm trotz aller Recherchen fremd, das Verstümmeln und Vergasen und die rücksichtslosen Menschenversuche verhindern, dass Rohm sich in das Objekt seiner Analyse hineinversetzen kann.

Dann wird der Anwalt von einem geheimnisvollen Verleger nach Argentinien entführt, wo er eine unvorstellbare Begegnung hat. Es stellt sich heraus, dass nicht Mengele 1979 in Brasilien durch einen Badeunfall starb, sondern ein naher Verwandter. Der „Todesengel von Auschwitz“ ist inzwischen weit über achtzig Jahre alt und todkrank; er hat beschlossen, sich nicht länger zu verstecken und nach Deutschland zurückzukehren, wo er vor Gericht zu seinen Taten Stellung beziehen will. Rohm soll ihn verteidigen.

Dieser zögert, ist aber trotz allem von den Einblicken fasziniert, die ihm das Übernehmen des Falls ermöglichen könnte. Schließlich willigt er ein – zum Entsetzen seiner Kollegen und seiner Frau Rebekka. Denn nun beginnt der aufsehenerregendste Prozess der deutschen Geschichte: Josef Mengele wird sofort nach seiner Ankunft am Flughafen verhaftet und wegen unzähliger Verbrechen angeklagt. In den Medien und auf den Straßen entzünden sich leidenschaftliche Diskussionen, Anfeindungen gegen Rohm und seine Familie lassen nicht lange auf sich warten.

Vor Gericht werden Auschwitz-Überlebende vernommen, die von Mengeles unfassbaren Taten berichten und alle Anwesenden zutiefst erschüttern. Der Doktor selbst leugnet die Vorgänge nicht, behauptet jedoch, nur zum Wohle der Patienten und im Sinne des Fortschritts gehandelt zu haben. Seine Vorgehensweisen hätten zum damaligen Zeitpunkt den medizinischen und ethischen Standards genügt. Mit Redegewandtheit und Charisma beginnt der Todkranke die Menschen um sich herum von seinen Ansichten zu überzeugen.

Peter Rohm muss derweil lernen, dass die Geschichte des Massenmordes in Auschwitz näher mit seiner eigenen Familie verknüpft ist als geahnt: seine eigene Mutter war Krankenschwester in einer Nervenklinik und führte dort (wenn auch unwissentlich) zwei Tötungen per Injektion durch. Sie kannte Mengele und seine Taten, schwieg jedoch fast ihr ganzes Leben darüber. Ihr Sohn muss sich schließlich, beim Schlussplädoyer, entscheiden: will er seine Pflicht als Anwalt tun und seinem Klienten zur Freiheit verhelfen?

In seiner Rede vor den Richtern erklärt er am Ende, dass es schwierig sei, rechtliche Beweise gegen Mengele vorzubringen; seine Taten hätten im perversen Kontext der nationalsozialistischen Zeit eine andere Bedeutung gehabt als in der historischen Betrachtung. Dennoch könne es keinen Zweifel daran geben, dass Josef Mengele so schuldig sei, wie ein Mensch nur sein könne, und dass er den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen sollte.

Hintergrund[Bearbeiten]

  • Der Film beschreibt ein hypothetisches Szenario. Der echte Josef Mengele starb am 7. Februar 1979 in Bertioga während eines Sommerurlaubs, er erlitt einen Schlaganfall und ertrank anschließend im Meer. Dies wird vom Film-Mengele angerissen, indem dieser erklärt, dass sein ihm ähnlich sehender Vetter in Brasilien 1979 ertrunken sei. 1985 wurde sein Grab von deutschen, amerikanischen und israelischen Ermittlern entdeckt. Binnen weniger Wochen konnte die Identität der Leiche nahezu zweifelsfrei bestätigt werden. Spätestens seit der Durchführung eines entsprechenden DNA-Testes im Jahr 1992 gilt der Tod Mengeles als zweifelsfrei erwiesen.
  • Götz George war neben der Hauptrolle auch Co-Produzent des Films. Er half persönlich, den Film zu finanzieren, der von der deutschen Filmförderung boykottiert wurde und auch sonst kaum finanzielle Unterstützung fand.

Rezeption[Bearbeiten]

Nichts als die Wahrheit wurde auf zahlreichen Filmfestivals honoriert, in der deutschen Heimat dagegen sehr kritisch gesehen. Vielfach wurde die Legitimität des hypothetischen Szenarios in Frage gestellt, andere kritisierten, der Film entziehe sich am Ende den zuvor selbst gestellten Fragen.

Flemming Schock vom filmspiegel bewertete die Leistungen der Schauspieler: Brillant gelingt es dem Zusammenspiel von Kai Wiesinger und Götz George als Mengele, die manipulatorische Wirkung, die dieser undenkbare Klient auf den Anwalt ausübt, kraftvoll auszubreiten. Durch eine Latexmaske vollzieht George die Metamorphose zum Monster, das hinter dieser Maske spürbar bleibt. Der vordergründige Mengele ist ein alter, verbitterter Mann, der sich als ein 'Opfer seiner Zeit' missverstanden fühlt. Noch immer sieht er seine beispiellosen Morde als humanistische Dienste im Sinne der damaligen medizinischen Ethik legitimiert. George vermag es hier sogar noch eindringlicher als im 'Totmacher', das psychopathisch-pathologische Wesen des gespielten Charakters, kunstvoll hinter einer Fassade der Verletzlichkeit, der Normalität zu verbergen.

Den filmdienst konnte der Film ebenso überzeugen: Ein eindringlich gespielter Polit-Thriller, der die fiktive Geschichte geschickt mit realen gesellschaftlichen Zuständen verbindet, wobei er provokativ die Frage nach der Wahrheit stellt, den Zuschauer aber nicht mit eindeutigen Antworten entlässt. Die formal wie inhaltlich kongeniale Gestaltung zeugt von einem außergewöhnlich hohen Standard.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Silberne Iris des Internationalen Brüsseler Filmfestivals – Götz George, Bester Schauspieler
  • Sonderpreis der Jury des 14ten World Television Festivals
  • Sonderpreis der Jury und Preis für die beste Regie beim Internationalen Aubagne-Filmfestival

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes W. Betz, Beate Veldtrup: Nichts als die Wahrheit Fischer Oktober 2001, ISBN 3-596-14492-2

Weblinks[Bearbeiten]