Nichts zu verzollen

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Filmdaten
Deutscher Titel Nichts zu verzollen
Originaltitel Rien à déclarer
Produktionsland Frankreich, Belgien
Originalsprache Französisch, Englisch
Erscheinungsjahr 2010
Länge 108 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
JMK 12Vorlage:Infobox Film/Wartung/JMK ohne JMKID
Stab
Regie Dany Boon
Drehbuch Dany Boon
Produktion Jérôme Seydoux,
Eric Hubert
Musik Philippe Rombi
Kamera Pierre Aim
Schnitt Luc Barnier
Besetzung

Nichts zu verzollen (Originaltitel: Rien à déclarer) ist eine französische Filmkomödie aus dem Jahr 2010. Dany Boon führte die Regie und spielt neben Benoît Poelvoorde eine der Hauptrollen.

Handlung[Bearbeiten]

Die Handlung spielt Anfang der 1990er Jahre an einem fiktiven belgisch-französischen Grenzübergang. Die Zöllner auf beiden Seiten schauen mit Ignoranz und Herablassung auf das Volk, insbesondere aber die Zollkollegen auf der jeweils anderen Grenzseite. Hieraus sticht der belgische Beamte Ruben Vandevoorde hervor, ein Nationalist, der die „Franzacken“ aus tiefster Seele hasst. Er schreckt nicht vor dem Versetzen von Grenzsteinen sowie überzogenen Zollkontrollmaßnahmen gegen französische Grenzgänger zurück. Beide Seiten sehen mit Bangen der Umsetzung des EG-Binnenmarkts ab 1993 und des Schengener Abkommens entgegen, das den Wegfall der Grenzkontrollen vorsieht. Nicht nur sie werden ihre bisherige Arbeit verlieren, auch in der Kneipe des Grenzörtchens werden die Gäste fehlen.

Rubens Schwester Louise hat nun ausgerechnet ein heimliches Verhältnis mit dem hasenfüßigen französischen Grenzbeamten Mathias Ducatel, mit dem ihr Bruder häufig Streit hat. Sie steht vor der Entscheidung zwischen Mathias und ihrer nationalistischen Familie. Schweren Herzens trennt sie sich von Mathias. Als die Schlagbäume wegfallen, werden binationale Fahndungsstreifen für das Grenzgebiet gebildet. Von belgischer Seite wird Vandevoorde für den Job bestimmt – zur Strafe. Auf französischer Seite meldet sich Ducatel freiwillig: Er will versuchen, mit Ruben Frieden zu schließen, um so die Einwilligung der Familie für eine Heirat mit Louise zu bekommen. Eine Bande deppenhafter Drogenschmuggler gibt ihnen Arbeit auf, zumal deren Chef das Ehepaar, das die Grenzkneipe führt, bestochen hat, um an die polizeilichen Einsatzpläne zu kommen. Unter dem Eindruck von gemeinsamer Freud und Leid bei der Arbeit entwickelt sich zwischen Ruben und Mathias tatsächlich eine Freundschaft. Ruben lädt Mathias sogar dazu ein, den Silvesterabend bei seiner Familie zu verbringen – als belgischer Grenzer verkleidet. Dort versucht der liebestolle Mathias mit aller Kraft, Louises Herz für sich zu gewinnen. Louise gelingt es nur knapp, das Verhältnis zu verbergen.

Kurz danach besucht Ruben in Begleitung von Mathias seinen Beichtvater, der ihm immer seinen Chauvinismus als Hindernis zum Seelenheil vorgehalten hat, um zu zeigen, dass er mit einem Franzosen Freundschaft geschlossen hat. Als der Pfarrer bemerkt, es sei nicht gut, nur deswegen Freundschaft zu schließen, um von Gott ins Paradies eingelassen zu werden, gibt Mathias zu, auch er habe dies nicht uneigennützig getan, und erzählt von seinem Verhältnis mit Rubens Schwester. Bei Ruben brennen daraufhin alle Sicherungen durch und er rennt Mathias schießend hinterher. Dieser flüchtet sich in Louises Wohnung, wo Louise ihren Bruder vor die Wahl stellt, sie beide zu erschießen oder ihre Liebe zu akzeptieren. Rubens Wut verraucht und Mathias wird sein Schwager.

Hintergrund[Bearbeiten]

Nichts zu verzollen ist der dritte Film unter der Regie von Dany Boon. Er kennt die belgisch-französische Grenze bereits aus seiner Studentenzeit. Die Idee zum Drehbuch entstand beim Passieren leerstehender Gebäude und ungenutzter Grenzposten während der Promotionarbeit zu seinem Film Willkommen bei den Sch’tis, der 2008 zum bisher erfolgreichsten französischen Film avancierte. Medienarchive und Gespräche mit Zollbeamten lieferten Stoff für den Film.[1][2]

Im Film wird auch der belgische Akzent des Französischen thematisiert. In der deutschen Synchronfassung sprechen die (Nord-)Franzosen hochdeutsch und die Belgier, wenn sie nicht ebenfalls hochdeutsch sprechen, etwa den „Sch'ti-Dialekt“, den im Vorgängerfilm die Nordfranzosen gesprochen hatten.

Kritik[Bearbeiten]

Die deutschsprachige Kritik zog viele Vergleiche mit Boons Willkommen bei den Sch’tis und sah in Nichts zu verzollen vereinzelt einen würdigen Nachfolger,[3] öfter aber einen „zweiten Aufguss“,[4] oder fand ihn „nicht ganz so originell wie der Vorgänger“.[5]

Für Ray ist es „ein herzerwärmender Film“, der mit „Charme und effektvollen Pointen“ und auf „bezaubernd-komische Art“ zum Lachen wie zum Nachdenken anrege.[3] Andere fanden ihn „manchmal saukomisch“[6] oder stellten einige vergnügliche „quecksilbrig-alberne Momente“ fest.[7] Die taz meinte, Boon experimentiere in Nebensträngen unsicher und selbst davon nicht überzeugt, und arbeite stellenweise mit „recht derbem Humor“.[4] Boon reite „seine komödiantische Ausgangssituation diesmal mit enervierender Eintönigkeit zu Tode“ und repetiere die gleichen Pointen, befand epd Film. Das Drehbuch sei schwach, nicht fertig entwickelt.[8] Die NZZ machte in der „zäh fliessenden“, anspruchslosen Komödie lediglich zehn verbale und fünf visuelle Pointen aus.[9] Der Tagesspiegel sprach von der Mühe, das Publikum nicht zu überfordern und einer „ermüdenden Übersichtlichkeit“.[6]

Als Darsteller beschränke sich Boon auf „dämliches Dauergrinsen“,[9] während Poelvoorde teilweise gelobt wurde.[9][5] Das Spiel des Letzteren erinnerte mehrere Kritiker an Louis de Funès,[5][8][7] an den er nicht heranreiche.[8][7] Dem Urteil, Poelvoorde entwickle Wutanfälle „zur Kunstform“,[4] standen Ansichten gegenüber, seine Figur sei überzeichnet[7][6] und passe mit ihrer Radikalität nicht ins harmlos-menschelnde Weltbild von Boons Komödien.[6] Die Welt meinte zu der von Poelvoorde gespielten Figur: „Man mag den engstirnigen Fiesling Ruben so gerne, weil er auf eine verquere Art Nostalgie nach einem Europa weckt, das noch nicht ganz so sehr in eine grenzüberschreitende Einheitssoße getunkt war wie das von heute.“[10] Dany Boon, so Die Zeit, falle zum belgisch-französischen Verhältnis fast nichts ein; die Witze gingen fast nur auf Kosten der Belgier.[7] Die taz fand, Boon spiele zwar liebenswürdig, und „auf den ersten Blick ist er auch der Sympathieträger des Films“, doch „seine Freundlichkeit hat immer auch etwas Herablassendes“ gegenüber den Belgiern.[4] Während Ray dem Regisseur einen geschickten Umgang mit heiklen Themen wie der Fremdenfeindlichkeit bescheinigte,[3] hieß es im Tagesspiegel: „Das Konzept, den Rassismus am französisch-belgischen Exempel ad absurdum zu führen, wirkt durchaus schlüssig. Andererseits erlaubt dies Boon auch, das schmerzhafte Thema auf reichlich seichte Weise abzuhandeln.“ Immerhin sei er nicht so naiv, an eine mögliche Bekehrung des Hassenden zu glauben.[6] Epd Film war enttäuscht, dass der Film nicht im Maghreb oder in der Pariser Banlieu angesiedelt ist, was mehr Potenzial geboten hätte. Die nostalgische Haltung habe einen reaktionären Unterton.[8]

Kritikenspiegel[Bearbeiten]

Positiv

Eher positiv

Gemischt

Eher negativ

Negativ

  • epd Film Nr. 7/2011, S. 53, von Kai Mihm: Nichts zu verzollen

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Willkommen bei den Sch'tis bei filmstarts.de
  2. Presseheft „Nichts zu verzollen“ (PDF-Datei; 449 kB)
  3. a b c Ines Ingerle: Nichts zu verzollen / Rien à déclarer, in: [[Ray (Zeitschrift)|]], Nr. 7+8/2011, S. 58
  4. a b c d Wilfried Hippen: Willkommen bei den Camemberts, in: taz, 28. Juli 2011, S. 24
  5. a b c Ralf Blau: Nichts zu verzollen, in: Cinema Nr. 8/2011, S. 42. Beim Abruf am 18. September 2011 stimmte der im Netz verfügbare Text mit der gedruckten Ausgabe überein.
  6. a b c d e Martin Schwickert: Das Borderliner-Syndrom, in: Der Tagesspiegel, 28. Juli 2011, S. 27
  7. a b c d e Birgit Roschy: Komischer Grenzverkehr, in: Die Zeit, 27. Juli 2011
  8. a b c d Kai Mihm: Nichts zu verzollen, in: epd Film Nr. 7/2011, S. 53
  9. a b c Christoph Egger: Rien à déclarer, in: Neue Zürcher Zeitung, 9. Juni 2011, S. 51
  10. Matthias Heine: Kleiner Witzverkehr in "Nichts zu verzollen", in: Die Welt, Welt kompakt vom 28. Juli 2011