Niclas Gerhaert van Leyden

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N.G. van Leyden: Grabmal Friedrichs III.(Seitenansicht)

Niclas Gerhaert van Leyden, auch Nicolaus, Niclaes oder Niklas Gerhaert van oder von Leyden (* um 1430 in Leiden; † 28. Juni 1473 in Wiener Neustadt) war ein niederländischer Bildhauer, der vor allem im südlichen Mitteleuropa gewirkt hat.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Hochaltar in der St.-Georgs-Kirche Nördlingen mit gotischer Kreuzigungsgruppe von 1462

Nach künstlerischer Tätigkeit in Trier, Straßburg und Passau wurde er von Kaiser Friedrich III. nach Österreich geholt. Friedrich III. war ab 1440 römisch-deutscher König und ab 1452 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und baute ab 1440 Wiener Neustadt als seine Residenz aus und holte dafür Künstler wie Niclas Gerhaert van Leyden, Peter von Pusica und Jakob Kaschauer.[1][2][3][4]

Mit seiner außerordentlich verräumlichenden und realistischen Skulpturauffassung war er im süddeutsch-österreichischen Raum stilprägend.

Sein frühestes erhaltenes Werk ist das Grabmal für den Trierer Erzbischof Jakob von Sierck aus dem Jahr 1462 in der Trierer Liebfrauenkirche. Als besonderes Beispiel für sein künstlerisches Wirken gilt das 1467 entstandene steinerne Kruzifix, das sich seit 1967 in der Stiftskirche von Baden-Baden befindet.[5] Bis dahin war es in den ehemaligen Friedhof der Stadt Baden-Baden integriert. Es steht exemplarisch für die neuen Stilformen, die Niclas Gerhaert van Leyden in die oberrheinische Bildhauerkunst einbrachte. Niclas Gerhaert siedelte sich in Straßburg an, wo er eine große Wirkung entfaltete. Dort sind von seiner Hand eine Halbfigur eines Mannes, zwei Büsten vom Portal der alten Kanzlei und ein Kopffragment erhalten. Als einziges im ursprünglichen Zusammenhang erhaltenes Werk in Straßburg ist das Epitaph des Prälaten Busnang im Straßburger Münster zu nennen. Es handelt sich bei den genannten Werken allesamt um Steinfiguren, Gerhaert arbeitete aber zugleich in Holz. Gerhaerts Stil prägte die Bildhauerei am Oberrhein für Jahrzehnte.

Das Hauptwerk Gerhaerts als Holzbildhauer, der Hochaltar des Konstanzer Münsters, ging im 16. Jahrhundert im protestantischen Bildersturm unter. Erhalten ist sind aber die Figuren eines Altares in der St. Georgskirche in Nördlingen. Hierbei handelt es sich um eine aus Nussbaumholz geschnitzte Kreuzigungsgruppe im gotischen Stil. Die fünf Hochaltarfiguren stammen aus dem Jahr 1462.[6]

Der Entwurf für die Kanzel des Stephansdoms in Wien soll aus seiner Nachfolge stammen.[7]

Künstler des Grabmals Friedrichs III. im Stephansdom[Bearbeiten]

Am Wiener Hof war er unter anderem für die Herstellung von Friedrichs Grabmal im Stephansdom verantwortlich, an dem er von 1467 an bis zu seinem Tod arbeitete. Dieses Grabmal gilt als eines der wichtigsten plastischen Kunstwerke des späten Mittelalters und als bedeutendstes gotisches Kaisergrabmal nördlich der Alpen. Als besondere Meisterleistung gilt der souveräne Umgang mit einem besonders schwierig zu handhabenden Material: dem gefleckten Adneter Marmor. Die letzten Detailarbeiten an den Figuren dauerten bis 1513.

Meister der Dangolsheimer Muttergottes[Bearbeiten]

Niclas van Leyden wird heute weithin auch als Schöpfer der Dangolsheimer Muttergottes angesehen.

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niclas Gerhaert van Leyden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kayser Fridrichs loblich gedechtnus – Das Grablegeprojekt Kaiser Friedrichs III. für Wiener Neustadt. Dissertation 2011, abgerufen am 1. Jänner 2015.
  2. Das Bauhandwerk im Mittelalter – Planung und Errichtung der Klosteranlage Neuberg an der Mürz. Diplomarbeit 2012, abgerufen am 1. Jänner 2015.
  3. Museum für angewandte Kunst (MAK) - Kaiser Friedrich III. und der Hof zu Wiener Neustadt. Abgerufen am 1. Jänner 2015. (PDF)
  4. Museum für angewandte Kunst (MAK) - Friedrich III. in Bildnissen und Darstellungen seiner Zeit. Abgerufen am 1. Jänner 2015. (PDF)
  5. http://www.landeskunde-online.de/rhein/geschichte/spaetma/oberrh/gerha08.htm
  6. Geheimnis der Hochaltarfiguren gelüftet Rieser Nachrichten vom 22. Februar 2010
  7. Dehio Wien I, S. 215.