Nicolas Baudin

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Nicolas Baudin

Nicolas Thomas Baudin (* 17. Februar 1754 auf der Ile de Ré; † 16. September 1803 auf Mauritius) war ein französischer Forschungsreisender.

Leben[Bearbeiten]

Mit 15 Jahren ging er zur Handelsmarine und mit zwanzig schloss er sich der Französischen Ostindien-Kompanie an. Er ging dann zur französischen Marine und diente während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges in der Karibik. Nach dem Krieg war er Kapitän auf verschiedenen Schiffen, die österreichische Botaniker in den Indischen Ozean und Pazifik brachten. Im Jahr 1788 z.B. brachte er den von Kaiser Joseph II. auf eine Sammelreise ans Kap der Guten Hoffnung entsandten Botaniker Franz Boos von Kapstadt nach Triest auf seiner Fregatte "Pepita" zurück, von wo dieser die reiche Ausbeute an Pflanzen und Tieren auf dem Landweg nach Wien überführte.[1] In dieser Zeit lernte Baudin viel über Botanik und darüber, wie man Tiere und Pflanzen an Bord eines Schiffes am Leben erhält. 1792 erklärte Frankreich Österreich den Krieg und Baudin versuchte vergeblich, wieder in der französischen Marine zu dienen. Bei einem zweiten Auftrag für das österreichische Kaiserhaus agierte er eher unglücklich, als er den 1788 am Kap zurückgelassenen Georg Scholl und seine Sammlungen im Jahr 1793 nach Hause bringen sollte. Sein Verlangen, vom Kaiser mit einem diamantbesetzten Ehrenschwert und mit dem Rang eines Oberst beehrt zu werden, lehnte dieser ab, da dies nach dem kaiserlichen Protokoll einer Erhebung in den Adelsstand bedeutet hätte. Man kam jedoch überein, dass Baudin auf eigene Kosten ein Schiff ausrüsten und Scholl und seine Sammlungen vom Kap zurückholen werde, gegen die Erfolgsprämie vom 40.000 Dukaten, die allerdings erst nach Anlandung in Triest in Aussicht gestellt wurde. [2]Eine weise Entscheidung: Kapitän Baudin verschob den vereinbarten Abreisetermin um Monate und geriet auf See zwischen die Fronten des Krieges mit dem inzwischen revolutionären Frankreich. Österreichische Begleiter an Bord bezichtigten ihn des Verrats und verließen das Schiff. Aus dem Hafen von Malaga konnte er nur auslaufen, nachdem er die Schiffskanonen auf die Hafenfestung hatte richten lassen. Am Kap angekommen, verzögerte er die Aufnahme von Scholls Ladung und unternahm Sklaventransporte auf eigene Rechnung. Auf einem dieser Transporte von Moçambique zum Kap lief seine Fregatte "La Jardinière" im April 1794 vor Cape Agulhas auf Grund, der Kapitän rettete sich zuvor mit seiner Sklavenladung. Scholl eilte mit Ochsengespannen über Land zur Unglücksstelle, um Reste zu bergen. Die im Mai 1894 am Kap geführte Gerichtsverhandlung über die Umstände des Unglücks sprach Baudin des vorsätzlich herbeigeführten Schiffbruchs schuldig.[3]

Er kehrte 1795 nach Frankreich zurück und traf sich mit Antoine de Jussieu im Museum National d'Histoire Naturelle, um ihm eine botanische Reise in die Karibik vorzuschlagen. Diese Reise wurde ein Erfolg, Baudin kehrte mit einer riesigen Sammlung von Pflanzen, Vögeln und Insekten nach Frankreich zurück.

Im gleichen Jahr plante der 70-jährige Louis Antoine de Bougainville eine aufwändig ausgestattete, auf fünf Jahre angelegte Weltumsegelung mit drei Korvetten, deren Leitung dann allerdings vom Direktorium dem jüngeren Baudin übertragen wurde. Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland sollten und wollten als Naturforscher an dieser Expedition teilnehmen. Aus finanziellen Gründen und wegen des befürchteten Kriegsausbruches wurde sie zunächst verschoben und dann umgeplant. [4]

Im Oktober 1800 erhielt Baudin den Auftrag, eine Expedition zur Vermessung der australischen Küste zu leiten, um für Frankreich territoriale Ansprüche in dieser Region erheben zu können. Er hatte zwei Schiffe zur Verfügung: Le Géographe und Le Naturaliste.

Le Géographe und Le Naturaliste (Baudin-Expedition) (1800-1803)

Neun Zoologen und Botaniker begleiteten ihn, darunter Jean Baptiste Leschenault de la Tour, aber auch der Astronom Pierre-François Bernier. Aufgeschreckt durch die Nachricht von einer geplanten französischen Expedition im Umfeld ihrer Kolonie Port Jackson (Sydney) entsandten die Engländer ebenfalls eine Expedition zur kartografischen Aufnahme der Küsten Australiens unter dem Kommando von Matthew Flinders. Im Mai 1801 erreichte die französische Expedition Australien und traf im April 1802 in der Encounter Bay mit Flinders zusammen. Später machte sie Station in der britischen Kolonie Sydney, um ihre Vorräte zu ergänzen. Danach segelten sie weiter nach Tasmanien und an die Nordküste Timors.

Erheblich zum Erfolg der Expedition trugen auch die beiden Naturforscher Charles Alexandre Lesueur und François Péron bei, die nach dem Tod des ursprünglichen Zoologen René Maugé über 100.000 Arten dokumentierten und so erheblich zur Erforschung der australischen Fauna beitrugen.

Auf dem Heimweg machten sie Halt auf Mauritius, wo Baudin an Tuberkulose verstarb.

Baudin wird von den Verfassern des offiziellen Reiseberichtes François Péron und Louis de Freycinet darin mit keinem Wort erwähnt! Die im Atlas des Reiseberichtes veröffentlichten Karten basieren teilweise auf den in Mauritius beschlagnahmten Aufnahmen des englischen Konkurrenten Flinders. Baudins eigenes Schiffstagebuch der Australienreise wurde erst 1974 veröffentlicht.

Literatur[Bearbeiten]

Französisch[Bearbeiten]

  • F.A.Péron, L. Freycinet: Voyage de Découvertes aux Terres Australes, executé par ordre de Sa Majesté l'Empereur et Roi, sur les corvettes Le Géographe, Le Naturaliste, et la goelette Le Casuarina, pendant les Annés 1800, 1802, 1803 et 1804. 2 Bände, Paris 1807 und 1816, und Atlas 1811. [1]
  • F.A.Péron, L. Freycinet: Voyage de découvertes aux terres australes pendant les années 1800-4. 2. Aufl., 4 Bde. u. Atlas, Paris 1824-1825.

Deutsche Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Fr. August Peron: Entdeckungsreise nach Australien, unternommen auf Befehl Sr.Majestät des Kaisers von Frankreich und Königs von Italien mit den Korvetten der Geograph und der Naturalist, und der Geolette Kasuarina in den Jahren 1800 bis 1804 ... 2 Bände, Weimar 1808 und 1819 (der schon angekündigte abschließende 3. Band ist nicht mehr erschienen).
  • F.A. Peron: Entdeckungs-Reise nach den Süd-Ländern ausgeführt auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers und Königs, auf den Corvetten dem Geographen, dem Naturalisten und der Golette dem Casuarina, während der Jahre 1800, 1801, 1802, 1803 und 1804 (übersetzt von Ph. W. G. Hausleutner), J. G. Cotta’schen Buchhandlung, Tübingen, 2 Bände, 1808–19 (im Gegensatz zur anderen Übersetzung mit Illustrationen).

Deutsch[Bearbeiten]

  • Baudin, Nicolas. In: Dietmar Henze: Enzyklopädie der Entdecker und Erforscher der Erde. Band 1. Graz 1975 S. 196 ff.
  • Ernst Moritz Kronfeld, Park und Garten von Schönbrunn, Wien, 1923, S.100-101.

Englisch[Bearbeiten]

  • Nicolas Baudin: The Journal Of Post Captain Nicholas Baudin Commander-in-Chief of the Corvettes Geographe and Naturaliste. Assigned by Order of the Government to a Voyage Of Discovery. Translated from French by Christine Cornell, B.A. With forward by Jean-Paul Faivre. Adelaide, Libraries Board Of South Australia, 1974.
  • Madeleine Ly-Tio-Fane, “Contacts between Schönbrunn and the Jardin du Roi at Isle de France (Mauritius) in the 18th Century”, Mitteilungen des Oesterreichischen Staatsarchiv, No.35, 1982, pp.85-109.
  • Frank Horner: The French reconnaissance: Baudin in Australia, 1801-1803. Melbourne University Press, 1987.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nicolas Baudin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Boos, Josef :Biografische Notizen über F.J. Boos, Manuskript Botanisches Institut der Universität Wien, MS C 38/29
  2. Haus-, Hof- und Staats Archiv, Wien, OMeA SR 175, 176, Aktenserie 1785-1850
  3. Fitzinger, Leopold: Geschichte des Kaiserlich- königlichen Hof-Naturalien-Cabinetes zu Wien. in: Sitzungsberichte d. mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, 21/1856, 57/1868, 58/1868
  4. Flinders, Matthew: Die erste Umsegelung Australiens 1801-1803. Nach der ersten deutschen Ausgabe von Ferdinand Götze neu herausgegeben von Wolf-Dieter Grün. Stuttgart 1984 S. 24 f.